Newsticker

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Within you, without you

Da sind Musiker, die trotz bescheidenen Erfolgs zu Lieblingen der Kritiker werden, die New York Dolls und Yo La Tengo zum Beispiel, während es andere zu Publikumsmagneten bringen, ohne vor der Kritik je große Gnade zu finden, Limp Bizkit oder Andrea Berg etwa. Und dann gibt es noch die Beatles, die alle, alle gut zu finden scheinen, weshalb sie auch gerne als Vergleichsgröße genommen werden. The Clash als Beatles des Punk, Kraftwerk als Beatles des Techno (New York Times), Magnum Double, Magnum Intense Dark, Magnum Mandel, Magnum Weiß als die Beatles des Stieleis. Da drängt sich die Frage auf, wer die Beatles der Parteien sein mögen? Schnell wird man merken, das können nur die Grünen sein. Nicht um Hofreiters Haare oder Özdemirs Sitarspiel willen, doch wie bei den Beatles kennt man eigentlich nur Leute, die die Grünen richtig gut oder ganz furchtbar finden. Dass jemand das White Album Atomausstieg töfte findet, Revolver Bildungspolitik hingegen schon nach "Taxman" aus dem Laufwerk nimmt - schwer vorstellbar. Und bei beiden ist es so, dass die Hater fast immer entweder ganz furchtbar beschränkte oder hochinteressante Menschen sind, oft ist es sogar so, dass die Beatleshasser die mit der besten Plattensammlung sind. Das gesteht man ihnen auch bedingungslos zu, und wirft, wieder zu Hause angekommen, die Knopfzellen vom Hörgerät in den Mülleimer, nicht ohne dabei Eleanor Rigby zu singen.

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Erlebnisgutschein Deutschland

Liebe Jesusfreaks! Wenn die blau angelaufenen Finger beim Twittern plötzlich abbrechen, weil man wieder mal stundenlang in einem Fantasie-Bahnhof wie Opladen, Leichlingen oder Nottuln-Appelhülsen feststeckt und auf dem Weihnachtsmarkt Nutella-Crêpes für schmale 7 Euro hinterhergeworfen bekommt, dann spürt man's mal wieder sehr deutlich: Es ist Jahresendfest-Zeit!

Zeit, kurz inne zuhalten und das Jahr 2018 vor dem inneren Auge nochmal in achtfacher Geschwindigkeit ablaufen zu lassen. Deepdive. Wo war schon viel Schönes dabei, was geht vielleicht sogar noch besser? Auch im Privaten. Und da gibt es eine Sache, wo wir – denke ich – noch mal gesamtgesellschaftlich nachkalibrieren müssen: Immer wieder lese ich in den sozialen Netzwerken konsumkritische Posts, es gibt sogar Leute, die sich und anderen am 24. Dezember so gar nichts schenken wollen, die keine Lust mehr haben auf den "Weihnachtswahnsinn", die einem lieben Menschen "auch so etwas schenken können" und dafür keinen "besonderen Feiertag" brauchen.

Davon abgesehen, dass meine Eltern ohne diesen "besonderen Anlass" wohl niemals auf die Idee gekommen wären, mir ein Nintendo zu schenken, stört mich noch etwas anderes an diesem Underperformer-Mindset: Nein, diese Kritik am Einkaufen ist weder marktkonform noch demokratisch, sondern bringt einzig und allein die schwarze Null in Gefahr! Wer glaubt, mit selbstgebastelten Geschenken, gutem Willen und Nicht-Angriffspakten unterm Tannenbaum die Deutschland AG auf Kurs zu halten, hat sich mental schon längst aus der Solidargemeinschaft verabschiedet. Jedes Jahr geben sich liebe Menschen im Silicon Valley und in Südkorea viel Mühe, um für uns immer größere und teurere Geräte herzustellen: Warum in Herrgottsnamen können wir uns diese nicht einfach ohne zu murren kaufen und nach Hause liefern lassen? Überschüssige I-Phones kann man doch auch wieder wegwerfen? Wer sein Kind die Anziehsachen seiner älteren Geschwister auftragen lässt, anstatt neue, coole Anziehsachen bei Otto.de mit 48 Monatsraten zu finanzieren, handelt nicht nachhaltig, sondern verstößt meiner Meinung nach gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Das Konsum-Mindframe hat Deutschland mit die besten Jahre beschert (Stichwort Wirtschaftswunder und Ordoliberalismus). Zeit, dass dies auch in den Köpfen der Menschen ankommt.

Es geht mal wieder um unser Land.

Gesegnetes Fest,

Euer Dax Werner

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Leute ... von Paula Irmschler

Kneipengabi

Am Wochenende waren meine Freunde und ich wieder bei ihr: bei der guten, alten, rassistischen Keipenfrau um die Ecke. Um jede Ecke. Urig und ehrlich ist es bei ihr. Alles ist aus Holz, man darf noch rauchen, nein, man muss rauchen, sonst wird man vor die Tür gesetzt, weil man nur Hipster ist und nicht wirklich am Arsch. Die Gläser sind dreckig, die Salzstangen weich, die Deutschlandfahne alt (sehr alt), die Witze von Fips und die Musik rockig-schlimm. Ihre großen Brüste streicheln einen bei der Bestellung im Gesicht oder liegen auf der Theke, manchmal sogar mit ihr dran, et is einfach herrlisch. Und weil sie so skeptisch gegenüber unserer Generation ist, haben wir lustigerweise aufgeschrieben, was sie sagt. Ohne, dass sie davon weiß natürlich.

"Bring uns schon ma 'ne Runde Kölsch, Gabi-Rita, und sag uns mal, was du von Facebook hältst!"

"Abstand! Sag isch mal so gerade raus. Und ich heiße übrigens Petra-Kerstin. Namen sind für mich Schall und Rauch. Facebook oder wie dat heißt, wat? Hätte es bei uns früher nicht gegeben. Wir hatten ja kein Internet. Wat wollt ihr mal trinken, ihr Lüttn? Wie immer?"

"Nu!"

"Jut, hier lecker Gaffel, ne. Aber nit wieder beschweren. Ich sachet mal so. Früher is man noch in die Kneipe gegangen, um sich kennenzulernen, heute machen ja alle dieses Smartphone. Ich seh et ja auch hier in meiner Klause, da sitzen die jungen Leute rum und starren nur auf diese Dinger. Für mich ist dat nix. Mein Sohn hat mir auch mal so eins gekauft, dat hab ich ihm aber direkt wieder um die Ohren gepfeffert. Ich konnt da mit meinen Fingern gar nit. Wollt ihr noch was, ich hab hier noch Grasovka."

"Saufen!"

"Gib mal den Deckel. Manni, kütt ma her. Du hast doch dieses Facebook. Manni, jetzt kütt doch mal. Ach, der Manni, hört wieder nicht. Vielleicht besser so, der labert eh nur Unsinn, wa. Einmal waren wir im Urlaub 1987, und da wurden wir rausgeschmissen aus einer Kneipe, weil der Manni sich mit einem angelegt hat wegen der Jukebox. Apropos, ich mach mal wat an, dat wird euch jefallen. So, und jetzt nochmal herzlich willkommen in meinem bescheidenen Reich, einmal anstoßen. Hier werden ja alle geduzt, wir sind alle gleich. Die Jukebox funktioniert bei uns ja nicht mehr, die hat der Ralle gestern zerdeppert, das gab einen Stress, sag ich euch. Fast wie damals 1987. Hier bekommt man echt einiges mit. Ich muss nit studiere, um dat Leve zu begreifen. Jeden Tag komm se hier rein, die Leut. Mit ihren Geschichten. Letztens kamen hier die ... na ja, ihr wisst schon, die Leute, unsere neuen Mitbürger. Ich hab da ja nix gegen, wir sind aller Kinder Gottes oder wie man sagt. Also, ich glaube nich an Gott, aber ihr wisst, was ich mein. Manni, weißt du noch als die Ausländer letztens hier waren? Manni, jetzt kütt doch mal. Na ja, jedenfalls der Manni, der war ja skeptisch. Hat die jefragt, ob se Skat mitspielen wollen. Wollten se nicht. Aber dat warn nette Jungs. Die wollten einfach nur ein Bierchen trinken und dann sind se auch wieder gegangen. Zum Glück. Stress können wir hier nicht gebrauchen. Wir haben ja schon den Ralle, der reicht uns, hahaha. Meine Tochter hat auch dieses Facebook oder wie dat heißt. Die macht dann immer so Fotos, den janzen Tach."

Gute Idee. Sandra-Bärbel hat so alte Ü-Eier-Figuren. Die fotografierten wir schön für Insta und dann mussten wir leider auch wieder.

"Kommt mal wieder, ne. Und passt auf euch auf. Und macht mal weniger mit die Handys. Der Manni sacht dat auch."

Manni ist der Radiomoderator von dem Sender, der in der Kneipe läuft, und seit 20 Jahren tot.

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Sagt an, kennt ihr den Nikolaus? 

Fährt bienenemsig durch die unverschneiten Gassen, mit einem gelben, braunen, und wenn alle Beteiligten Pech haben, auch einem blauen Schlitten und bringt für kargen Lohn Geschenke. Ganz müd geworden ist der Nikolaus vom Ausfüllen all der Abholkarten, denn die Menschen sind nicht zu Hause, weil sie für neue Gaben arbeiten müssen. Und all die Knechte und die Elfen vom Nikolaus, die arbeiten in den Paketgruben für kleinen Lohn bei Tag und Nacht, und ihr Herr und der vom Nikolaus, der ist der reichste Mensch auf diesem Erdenrund, so reich, dass er nicht einmal Haar und Bart benötigt. Damit jedoch der Nikolaus, wenn er in ferner Zukunft mal so müde ist, dass er all die Pakete nicht mehr heben kann, noch Speis und Trank hat, legt er jeden Monat von seinem kargen Lohn ein paar Rentiertaler zurück, damit er Anteile an den Paketgruben kaufen kann; denn so sagt ein Talerphilosoph aus dem Sauerland, wo all der Schnee und all die Elfen wohnen: Wer Aktien kauft, der muss nicht darben, wenn des Lebens Winter kommt. Der Nikolaus ist ein armer Narr.

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Gib Reformen jetzt, Geiler!

Die Menschen vergessen zu schnell. Wer kann sich heute noch dran erinnern, dass Emmanuel Macron Frankreich und Europa 2017 mit seiner beispiellosen Bewegung En Marche vor der rechtsradikalen Marine Le Pen gerettet hat? Ich schon! Und auch daran, welchen Hustle und Spirit der liberale Beau seither hingelegt hat: Umverteilung von unten nach oben und coole Zitate, die den einfachen Franzosen von der Straße eigentlich bis unter die Haarspitzen motivieren müssten: "Der beste Weg, um sich einen Anzug kaufen zu können, ist arbeiten zu gehen!" oder "Französische Arbeiter sollten weniger auf die Barrikaden gehen, streiken und Fabriken blockieren, sondern sich lieber eine neue Arbeit suchen, wenn ihr Betrieb schließt!"

Schade, dass dieser regelrecht akzelerationistische Approach weder in Deutschland noch in Frankreich so richtig verstanden wird. Gut, hierzulande haben wir ohnehin keine Denker vom Format eines Macron, am ehesten vielleicht noch Frank Thelen. Aber auch in Frankreich formiert sich Protest: Über das Internet haben sich die Gelbwesten oder wie wir Frankreich-Kenner sagen: Le mouvement des gilets jaunes formiert und veranstalten seit drei Wochen entspannte Protest-Spaziergänge im ganzen Land. Das klappt bisher ganz gut! Vor allem, wenn man bedenkt, dass, sobald sich Deutsche in Facebookgruppen organisieren, am Ende immer so ungeile Sachen rauskommen wie der "Trauermarsch" in Chemnitz oder die Scharia Polizei in Wuppertal.

Was können wir Deutschen nun konkret tun, wo können wir unserem französischen Nachbarn in dieser wirren politischen Gemengelage helfen? Das können meiner Meinung nach ganz einfache Dinge sein: In Hamburg und Berlin organisieren sich beispielsweise zur Stunde G20-erprobte Twitter-Influencer_innen, die gemeinsam mit dem VW Bulli nach Paris fahren, um dort Sparkassen zu putzen – Prima! Und auch an einem anderen Geschenk führt meines Erachtens kein Weg mehr dran vorbei: Wenn es uns ernst ist mit der Deutsch-Französischen Freundschaft, wenn uns Macrons Worte von Ende November ("Frankreich liebt Deutschland!") irgendetwas bedeuten, dann müssen wir den Hamburger Polizeidirektor Hartmut Dudde wieder ausbuddeln und nach Paris schicken (als Geschenk). Ein gerader und ehrlicher Typ aus dem Norden: Nur er kann die Proteste demokratisch und mit Augenmaß wieder in geordnete Bahnen lenken.

Und zu guter Letzt: Gelassen bleiben. Auch online. Viele Journalist_innen haben jahrelang ihr Frankreich-Auskennertum (wirres Zeug über irgendwelche innenpolitischen Sachen; Namen, die keiner kennt; in jedem Artikel fünfmal Grande Nation erwähnen) zelebriert, Tweets ins Internet gedrückt und jahrelang sind die Dinger bei 4 bis 5 Likes verhungert. Jetzt schlägt ihre Stunde. Gönnen wir ihnen diesen Moment.

Und drücken wir die Daumen, dass Emmanuel Macron der Laden nicht um die Ohren fliegt. Das wäre kein gutes Signal für Europa.

Au revoir und bis in zwei Wochen,

Euer:

Dax Werner

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Leute ... von Paula Irmschler

Schwarzer Humor

Leute,

neulich habe ich einen kennengelernt, der machte in schwarzem Humor, den nicht jeder versteht. Normaler schwarzer Humor kam für ihn nicht in die Tüte, es musste wirklich einer sein, der schon auch mal wehtut.

Schwarzer Humor einfach.

Auch mal wirken lassen.

Die einen kennen ihn, die anderen können ihn.

Doch keiner kann ihn ab.

"Ich kann nicht anders", rabaukte er mir saufend ins Gesicht, "das kommt alles einfach so aus mir raus". Er sei nicht für jeden etwas, der schwarze Humor, den nicht jeder versteht. Manchmal sei er sogar ziemlich deftig und durchaus auch mal richtig krass. Jeder, der ein Problem mit ihm habe, solle sich doch erstmal an der eigenen Nase packen. Und der darf dann auch alles, der schwarze Humor, den nicht jeder versteht. Genial war der Moment, als er auf der WG-Party, auf der ich ihn traf, auf die Social Justice Warriors komplett schiss, die sich beschwerten, weil er den Hitlergruß machte. Mutig, wie er "Haha, getriggert!" ausrief, als er Vergewaltigungswitze über die anwesenden Frauen machte. Sweet, wie er den arabisch aussehenden Menschen im Raum die Ausreise nahelegte. Beeindruckendes Ding ebenfalls, einfach den Roflcopter anzuschmeißen, als Leute seinen AfD-Ausweis fanden. Aber wir verstanden nur nicht. Und auch die Polizei, die ihn wegen Rumfuchtelns mit geladener Waffe noch am selben Abend einkassierte, ist ein trauriger humorloser Haufen, der es schlichtweg nicht ertragen kann, wenn es zur Abwechslung auch mal in die andere Richtung geht. Als ich dann noch kurz darauf in den Zeitungen von seinem aberwitzigen mass shooting las, konnte mich wirklich nichts mehr halten. Und Gänsehaut pur war dann am Ende nur noch angesagt während seiner Machtübernahme mit den anderen Jungs.

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper


Vom Frauenschuh lernen



Vornehmster Sinn der Anschaffung eines Kleintiers ist in jungen Familien die Heranführung der Kinder an Empathie, Fürsorge und die Auseinandersetzung mit dem Tod. Denn kurz bemessen ist das Leben eines Hamsters, einer Zwergmaus, und ist es vorbei, so mögen die Erziehungsberechtigten auf das steife Etwas im Käfig deuten und sagen: "Und wie der Sittich, so dereinst Opa Klaus, Tante Hedwig, wir, ja sogar du, mein Kind!" An der meist kurz bemessenen Trauer reift der junge Mensch und exerziert die Stadien des Abschieds durch. Was aber bei Tierhaarallergie oder dem Unwillen der Beteiligten, ein Lebewesen zu pädagogischen Zwecken sein kurzes Leben hindurch einzukerkern? In solchen Fällen tut es auch eine Zimmerpflanze. Man schenke dem Knirps zum Beispiel eine Orchidee, sei es Kanarenstendel, Kahnlippe oder Frauenschuh. Ohne allergenen Haarwuchs wird das Stirb und Werde demonstriert: Prachtvoll strotzend aus der Eihülle der Obiverpackung geschlüpft, kündet schon bald nur noch ein darrender Strunk von einstiger Schönheit. Dann wird kalkarm und liebevoll weitergewässert, das letzte schlaffe Grün erhaltend, bis im kommenden Jahr die Maschinen abgeschaltet und die florale Tante Hedwig unter großem Hallo der Tonne überantwortet wird. Und wem über der Vegetationsphase die Zeit immer noch zu lang wird, dem sei als Weihnachtsgabe eine Leberwurstpatenschaft anempfohlen.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Glückwunsch, Simon Rolfes!

Sie sind Sportdirektor des Fußballvereins Bayer Leverkusen und äußerten jüngst den Satz: »Wir kommen vom Ansatz, mit dem Ball spielen zu wollen.«

Und wir kommen vom Ansatz, Ihnen zu gratulieren, dass das der genau richtige Ansatz ist, denn Fußball ist ja schließlich eine Ballsportart. Hätten Sie etwa behauptet, Sie kämen vom Ansatz, mit dem Puck spielen zu wollen, oder mit Doppelkopfkarten, oder gar mit dem Gedanken, künftig Eigenblutdoping zu betreiben, wären das total falsche Ansätze gewesen. So aber haben Sie eindrucksvoll bewiesen, dass Sie vom Ansatz her der absolut richtige Mann am richtigen Ort sind und nicht etwa ballaballa.

Verwandelt diesmal ansatzlos: Titanic

 Privet, »Zeit Campus«!

In Deinem aktuellen Heft findet sich eine Reportage über Punkrockbands in Russland und darin wiederum der Satz: »Pornofilmy«, eine der Bands, »bezeichnet sich selbst als regierungskritisch. Ihre Lieder heißen Armes Land oder Traut der Regierung nicht

Wir halten journalistische Skepsis ja wirklich in allen Ehren, aber in manchen Situationen und bei gewissen Indizien darf man seinen Interviewpartnern auch einfach mal glauben.

Finden zumindest Deine Naivchen von der Titanic

 Moinmoin, Nandus!

Moinmoin, Nandus!

Vor 18 Jahren seid Ihr aus einer Lübecker Straußenfarm ausgebüchst und habt Euch seither munter in Nordwestmecklenburg angesiedelt. Anfangs nur ein gutes Dutzend, ist Eure Population auf mittlerweile über 500 Laufvögel angewachsen. Wenn das so weitergeht, stellt Ihr demnächst in Eurem Landkreis die Bevölkerungsmehrheit.

Doch aufgepasst: Ihr habt zwar keine natürlichen Feinde, seit kurzem jedoch die Alphatierchen und Aasgeier von der FDP im Nacken, die Euch ins deutsche Jagdrecht aufnehmen wollen und als »große Gefahr« geißeln. Kleine Bitte: Könntet Ihr, statt konzeptlos alle Felder leerzufuttern, nicht zur Abwechslung mal was Sinnvolles tun, z.B. den Lebensraum des Nazidorfs Jamel verwüsten oder wenigstens das Kreisbüro der örtlichen FDP (Dorfstraße 27, 19417 Jesendorf)? Auf, auf!

Eure Fressfreunde von Titanic

 Ralph C. Freund!

Da massakriert ein weißer Nationalist in der texanischen Grenzstadt El Paso unter anderem sieben Mexikaner, woraufhin der US-Präsident seine gewohnte ausländerfeindliche Hetze betreibt. Und Sie, Chef der sog. »Republicans Overseas«, dürfen bei WDR 5 den in die Kritik Geratenen in fließendem Deutsch verteidigen: »Trump ist nun alles, aber kein Rassist.«

Na, klar Robert »C.« Freund, und das »C«, welches der damalige Immobilienspekulant und Vermieter Trump schon Anfang der Siebziger Jahre in die Bewerbungsunterlagen farbiger Wohnungsinteressenten stempeln ließ – ein Vorgehen, für das er schon damals von den US-Behörden verklagt worden ist –, stand auch nicht für »colored«, sondern für das auf die Weltläufigkeit seines Initiators verweisende Wort »Cosmopolitan«, nicht wahr?

Keine Grüße: Titanic

 Gloria von Thurn und Taxis,

neulich fanden wieder mal die Festspiele im Innenhof Ihres Regensburger Schlosses statt. Da jubeln immer alle und freuen sich, und die geladenen Künstler, beispielsweise Elton John und Sting und Tom Jones, bedanken sich artig für die Einladung.

Und jetzt das! Bevor die Band Revolverheld zur Zugabe ansetzte, sagte Sänger Johannes Strate: »Wir spielen hier auf dem Grund einer Frau, mit deren Werten wir überhaupt nicht übereinstimmen. Man darf Missbrauch in der katholischen Kirche nicht bagatellisieren und Flüchtlinge nicht elendig im Mittelmeer verrecken lassen.« Und alle klatschten und jubelten. Und Sie? Sie sagten: »Gott sei Dank darf man heute noch seine Meinung sagen.«

Das stimmt, Prinzessin, Sie tun das ja unentwegt, haben Abtreibung als »Massenmord«, Beten als Heilmittel gegen Homosexualität und Migration als »eine Art Krieg« bezeichnet. Über jahrzehntelange Misshandlungen bei den Regensburger Domspatzen vermeldeten Sie: »In meiner Jugend waren Schläge ein ganz normales pädagogisches Mittel, um mit frechen Kindern, wie ich eines war, fertig zu werden.« Vor einem halben Jahr klang Ihre Meinung zur Meinungsfreiheit übrigens noch so: »Natürlich gibt es die Meinungsfreiheit. Aber wir dürfen nicht sagen, was wir denken.«

Mit Blick auf das, was Sie ohne Beteiligung Ihrer grauen Zellen von sich stemmen, möchte tatsächlich keinesfalls auch noch wissen, was Sie denken: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Habenwollen

Wenn ich Erich Fromms Buch »Haben oder Sein« verliehen habe, darf ich dann nach einiger Zeit sagen, dass ich es gerne zurückhaben würde, oder habe ich dann mal wieder gar nichts verstanden?

Ludger Fischer

 Add Blue

Die Zeit, in der mit Ersatzflüssigkeit Bindenwerbung gemacht wurde, wird auch als die Blaue Periode der Werbeindustrie bezeichnet.

Tobias Speckin

 Fast schon Werbung

Beim Einkauf von Grillklimbim stieß mir Kohle mit Öko-Siegel ins Auge, die damit warb, dass sie »erstaunlich gut« brennbar sei. Ja, wagen denn nicht einmal Reklamefritzen in Zeiten der durch Streamingwerbung seelisch verhornten Kundschaft noch das ganz grelle Ranwanzen? Was kommt als nächstes? »Schokoriegel – schmeckt scheiße wäre leicht übertrieben«? »Mehl – dare to call it unschwarz«? »Dildo – nicht schlecht für einen Schwanz«?

Jasper Nicolaisen

 Unpolitische Tiere: der Adler

Adler, Adler schweb empor
Du hast heute Großes vor
Flieg hinauf auf deinen Schwingen
Schwebe über allen Dingen
Segle, kreise, räsoniere
Sinne nach und meditiere
Über diese Frage nur:
War heute nicht die Müllabfuhr?

Gunnar Homann

 Zu ihrem Uniabschluss

wollte sich meine Freundin ein Cutting, ein Narbentattoo, zulegen. Ihr Freund hegte allerdings ästhetische Bedenken, sodass sie ihr Vorhaben verschob. Seit einiger Zeit sind die beiden allerdings getrennt, und die Sache ist damit geritzt.

Laura Brinkmann

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Titanic unterwegs
15.09.2019 Göppingen, Schloss Filseck F. W. Bernstein: »Sinnverlust ist Lustgewinn«
16.09.2019 Frankfurt, Henscheid Mark-Stefan Tietze
19.09.2019 Berlin, Hausbrauerei Eschenbräu Katharina Greve
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