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Life & Style mit Antonia Stille

Style: Adiletten und Moral 

Heute ist Crossover-Time: Rap und Badelatschen. Klingt erst mal befremdlich, aber gleich ergibt alles einen Sinn. Trettmann, ein Deutsch-Rapper mit schwarzen Klamotten, Hut und Sonnenbrille, also quasi der ostdeutsche Udo Lindenberg, hat am Freitag die zweite Single seines neuen Albums gedroppt. Aber an der Sache ist ein Haken, denn Tretti, wie ihn seine Fans nennen, hat auf seiner neuen Platte auch mindestens ein Feature mit Gzuz von der 187 Straßenbande (Panzerknacker der Rapszene), der Frauen und Schwäne verprügelt. Was hat das jetzt mit Badelatschen zu tun? Trettmann ist so was wie der Adilettenkönig der Musikszene. Seine Fans eifern ihm trettbrettfahrend nach und schlappen sich durch ihre Insta-Stories und Facebook-Timelines. Adilette ist also zwangsweise Rap, wenn nicht sogar Trettmann-Merch. Sollte man auf die Latschen verzichten, nur weil der aktuelle deutsche Latschenpapst (Schlurfi et Schlappi) mit einem gewalttätigen Arschloch rumhängt? Am Ende stellt sich also die Frage, mit der wir uns so oft konfrontiert sehen. Was geht vor: Style oder Moral? Wie ihr wisst, plädiere ich am Ende immer für den Style. Wer auf der einen Seite gerne den ganzen Tag in Jogginghose rumlaufen würde, aber auf der anderen Seite weiter stilsicher Kreuzberg rocken will, für den (oder die!) sind Adiletten eben oft die einzige schlappbare Option, denn aus irgendeinem Grund sind diese zehenzwischenraumschonenden Gummi?-/Plastik?-Füßlinge gerade Trend und das muss man ausnutzen. Badelatschen sind gerade für eine Gesellschaft geeignet, die zunehmend auf Segway, E-Scooter und Boosted Board umsteigt, denn zum Gehen sind sie – unangenehmer Nebeneffekt – leider nicht geeignet. Man könnte es Schicksal nennen.

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Inside TITANIC (7)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Fabian Lichter über die Raumaufteilung der Redaktion.

Die Redaktionsräume der TITANIC werden nach einem durchdachten Konzept genutzt: Wer den Eingangsbereich betritt, muss an Redaktionsassistenz Moritz Post vorbei, der von weitem schon Eindringlinge von erwünschten Besuchern (Foodora) zu unterscheiden weiß und Einlasssuchende kritischer befingert, als jeder Berghain-Torwächter es je könnte. Außerdem ist die Redaktion bestens alarmgesichert (gesammeltes Flaschenpfand seit 2003 rollt über den Boden), versuchen Sie also erst gar keine krummen Dinger! Die restlichen Flaschen (haha) sitzen verteilt auf hauptsächlich drei Räume. Nun unterscheiden sich die Naturelle der Mitarbeiter gewöhnlich wie Tag und Nacht. Da gibt es die Geselligen, die für ihr Leben gerne fröhlich herumschreien und ohne kräftige Gegenstimme verkümmern würden. Zurückgeworfen lediglich auf das eigene, einsame Grunzen würden sie sich irgendwann den goldenen Schluck gönnen, um nie wieder oder zumindest sehr spät am nächsten Morgen wieder aufzuwachen. Sie leben und werkeln in Raum 1. Dann gibt es die zarten Pflänzchen, die je nach Tagesform zwischen Menschenscheu und beinharter Depression changieren, für die ein zu lautes Vogelzwitschern selbst an guten Tagen schnell einmal akustischer Folter gleichkommt, und die schon aus arbeitspraktischen Gründen durch Glaswände separiert gehören. Sie vegetieren im Dunkeln in Raum 2. Raum 3 ist aus einer langen Tradition heraus (knapp eineinhalb Jahre) dem Chefredakteur vorbehalten und enthält kein (!) Fenster, damit die erwünschte Entwicklung zum weltentrückt schrulligen Satire-Großmufti möglichst schnell vonstatten geht. Für derzeit unbesetzte Räume wird noch Verwendung gesucht. Aktuell wird erwogen, die restlichen Räume zu fluten und sich einen Alligator anzuschaffen. Der Vorschlag stammt übrigens aus Raum 3.

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Meditation und Markt mit Dax Werner

Die große Mockridgiade

Ich habe am Sonntag den Fernsehgarten verpasst. Das passiert mir sonst nie, weil ich wirklich großer Fan dieses Formats bin und mir keine gemütlichere Sonntagmittagbeschäftigung einfällt, als die große, alte Dame Fernsehgarten im Bett liegend zu bingen, dazu ein köstliches, halb aufgetautes Tiefkühl-Croissant und eine gelbe 0,5er Dose Monster Energy (Valentino Rossi Edition) reinzuziehen. Savoir-vivre-mindframe. Aber ausgerechnet letzten Sonntag habe ich den Fernsehgarten verschlafen. Ausgerechnet die Ausgabe, in der der Poetry-Slammer Luke Mockridge eine der denkwürdigsten Fernsehgarten-Performances der letzten Jahrzehnte hingelegt hat. Shame on me.

Ich habe Y-O-U-T-U-B-E in die Adresszeile des Firefox-Browsers getippt. Mockridge hat einen im wahrsten Sinne wahnsinnigen Auftritt hingelegt, in dem er komplizierte narrative Jokes aus Witzekompendien der 1970er Jahre zitiert, Rentner beleidigt, mit einer Banane telefoniert und zum Finale wie ein Affe auf der Bühne tanzt. Die ganze Nummer ist einfach hella unangenehm anzusehen, man fragt sich immer wieder, wie er diese unfassbar peinliche Situation auf der Bühne, auf der sonst Semino Rossi oder Die Amigos performen, vor einem sichtbar überforderten Publikum aushält, am Ende rastet Andrea "Kiwi" Kiewel komplett aus – und ich glaube, all das macht die ganze Nummer so gut. Es funktioniert bei mir komplett über den Körper, weil es ein körperliches (lies: Gänsehaut) Erlebnis ist, das Video von seinem Auftritt anzusehen. Eine große Mockridgiade.

Und man will diesen Typen natürlich eigentlich überhaupt nicht gut finden, seine sonstigen Performances sind so vorhersehbar, klischeebeladen und viel zu erfolgreich. Deswegen ist man als kleiner, schüchterner Twitter-Kolumnist gezwungen, sich ein paar Meta-Gedanken zu diesem Spektakel zu machen. Nun denn.

Wenige Tage nach dem 11. September erschien im amerikanischen Nachrichtenmagazin „Time“ ein viel beachteter Aufsatz mit dem Titel "The Age Of Irony Comes To An End". Einen Monat später erschien in der "New York Times" ein Artikel, der das Gegenteil behauptete: "The Age of Irony Isn't Over After All". Man ist sich in dieser Frage also bis heute nicht einig, aber sicher ist: Irgendwas ist mit Ironie. Aber was? Erfüllt sich Mockridge – immerhin in einer Fernsehdynastie groß geworden – hier lediglich einen Kindheitstraum? Angetrieben vom jugendlichen Furor aus der Raucherecke vom städtischen Gymnasium mit MINT-Schwerpunkt? Was treibt dich an, Luke?

Und sind wir es nicht selber, die Internetmenschen, die genau diesen um Distinktion bettelnden, aber im Prinzip nur immer weiter ins Leere laufenden Humor bis zum Gehtnichtmehr kultiviert haben? Immer einmal mehr meta als du, gegen alles und jeden immunisieren, bloß keine wirkliche Haltung zeigen, bloß nie angreifbar machen? Wenn wir Luke Mockridges Auftritt auf Youtube angucken, sehen wir uns selber. Deswegen ist es so unangenehm und kaum auszuhalten. Und deswegen ist die Performance so gut.

Zack, fertig: Dax Werner

 

 

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Life & Style mit Antonia Stille

Life: Plastiktüten – broke oder woke? 

Das Thema Umwelt und Klima ist im wahrsten Sinne des Wortes ein heißes Eisen, das ich eigentlich nur ungern anfasse. Man könnte ja auch einfach das schöne Wetter genießen, sich an den Strand legen und sich mal ernsthaft mit den neuen Insta-Filtern auseinandersetzen, aber na ja: Das ist eben Deutschland, wo sich jetzt alle an einem Thema aufzuhängen scheinen, das alles andere als Pinterest-tauglich ist. Plastiktüten – bah. Schon seit Jahren werden mir zwischen Essensfotos und Schnappschüssen gut beleuchteter Einkaufspassagen Bilder von aufgeschnittenen Walmägen mit Plastikmüll drin in den Insta-Feed gespült. Dabei war ich dem WWF nur wegen der süßen Panda-Pics gefolgt. Never judge a book by its cover … Aber zurück zu den Plastiktüten: Svenja Schulze von der Regierung will sie verbieten lassen und das finden einige Leute uncool und einige Leute cool. Demokratie! Einer von den Leuten, die das uncool finden, ist Philipp Krohn von der FAZ, dem eine Wassermelone heruntergefallen ist. Es hätte sogar Plastiktüten gegeben, um die Melone zu tragen, aber der Mann ist trotzdem wütend auf Svenja Schulze. Politik ist manchmal echt kompliziert. Ich kann ihn aber verstehen. Er will sich die Freiheit nicht nehmen lassen, den wissenschaftlichen Fortschritt der Menschheit im Alltag zu präsentieren, denn am Ende ist Plastik nichts anderes als das. Homo sapiens pride! Im übrigens sollten wir alle mehr darauf achten, milieuangepasst einkaufen zu gehen. Wie sähe das denn aus, wenn ich mit meiner Louis Vuitton in den Kaufland gehe? Nein, nein. Dann lieber Plastiktüten. Die werden ja am Ende sogar von den Walen wiederverwertet. Oder habt ihr schon mal einen Blauwal eine Louis-Vuitton-Tasche essen sehen? Eben.

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Nur kein Gedäh! – von Martin Knepper

Alles in Dutt

Aufgewachsen bin ich in einer kleinen Stadt im Bergischen, die durch den Einfluss des nahen und sektenfrohen Wuppertal über eine starke evangelisch-freikirchliche Gemeinde gebietet. Auch die protestantische Amtskirche am Ort war von reformierter Strenge gekennzeichnet; in meinem Katechumenenunterricht gab es keine Gitarren oder Prophetensammelkarten, das war knallharter Drill; noch bis heute, dem Glauben lange entwachsen, schießen mir bei kirchlichen Anlässen (die in zunehmendem Maß Beerdigungen sind) plötzlich komplette zwölfstrophige Preisgesänge in den ergrauenden Schädel zurück, die ich dann aus sportivem Stolz ohne Blick in das Gesangbuch zu schmettern vermag. Doch die demütig zur Schau getragene Spröde vieler Gottesdienstbesucherinnen der Hauptkirche wurde stets getoppt durch die Freikirchlerinnen, oft Damen der bergischen Hautevolee, schon von weitem erkennbar an ihren Farbmixen aus grau- und stuhlfarbenen, zuweilen auch blaukarierten Grobstofflichkeiten, deren einzig freiliegendes Körperteil, den Kopf, oft noch ein Kopftuch barg. Und unter diesem herauswulstend: DER DUTT. Als Kind dachte ich, er müsse die Heimstatt lichtscheuer Kerbtiere sein; stand man jedoch einmal beim Bäcker hinter einer der spröden Gesellschaftsdamen, sah man ein Geflecht aus Haarklammern, das jegliches Leben im Keim erstickte.

Nach meinem Auszug aus der Stadt der Bibelarbeiterinnen hätte ich den Haarbalg fast aus den Augen verloren. Doch er war, so scheint es, nie tot, und findet sich in miniaturisierter Form längst auf vielen Köpfen wieder. Es gibt ironische Brillen, ironische Kopfbedeckungen, viel zu viele ironische T-Shirts, aber der Haarknoten ist eigentlich immer unironisch, er ist sogar die dinggewordene Ernsthaftigkeit. Eine ins Haarige gewendete Zwei-Reiche-Lehre: Hie Welt der Arbeit, gewissenhaft wird jegliches Haupthaar aus dem durch Zugkräfte gleich mitgestrafften Antlitz nach hinten gerafft; dort die Stunden der Freizeit, in denen kundige Hände den Knoten herausoperieren, und das Haar in die Sinnlichkeitsbereitschaft zurückführen. (Vergleichbar hiermit der Pferdeschwanz, Schnauzbartäquivalent aller Polizistinnen.) "Eine (…) Blüte erlebte der Haarknoten in den 1940er Jahren, als in der Kriegsindustrie arbeitende Frauen ihre Haare im Knoten trugen, um sie während der Arbeitszeit zu schützen." (Wiki) Heutzutage, im Zeitalter zwar unverknoteter Verteidigungsministerinnen, ist die Dienstbereitschaft in die freigelegten Gesichter eingeschrieben: Keine Catherine Deneuve, keine Gudrun Ensslin kaschiert mehr ihre Herzensabgründe hinter dem langen Vorhang ihrer seidigen Haare, während sie über unverlattetem Kaffee Notizen ihrer Liebhaber oder Anschlagsziele durchforstet; Gesichter, offen wie moderne Steakhausküchen, die vornehme Blässe verstärkt durch das Licht ihrer Handtelefone, markieren heute die Stunden angespannter Straffung, einem Abend entgegenlebend, da mit dem Lösen des Ballerinen- und sonstigen Knotens Weichheitsreste in die Antlitze der doppeltbelasteten Kriegsarbeiterinnen zurückfinden. Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod: Den Man-Bun, den Herrenhaartumor zu geißeln, bedarf es unerschrockenerer Schreiber, als ich es bin; hebe ich nur zu einem Gedanken an, so durchbohrt es meine Finger wie mit 1000 Haarnadeln – Darum muß der Kluge zur selben Zeit schweigen; denn es ist eine böse Zeit. (Amos 5,13. Wer kriegt sie noch aufgezählt, die kleinen Propheten?)

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Inside TITANIC (6)

Intime Einblicke in das Innere der TITANIC-Redaktion und ihrer Mitglieder. Heute: Redakteurin Ella Carina Werner über unerwartete Leser-Besuche.

Vor kurzem, es war ein Sonntagabend, klingelte es bei mir an der Haustür. Dort stand ein älterer Herr. Er sagte: "Hallo! Ich bin Hans-Gerd. Und Sie", er zeigte auf mich, "arbeiten bei TITANIC." Er wolle gerne mal jemanden "aus der Truppe" persönlich kennenlernen. Bis in die Redaktion sei es ihm ein paar hundert Kilometer zu weit, er habe jedoch meine private Postadresse im Telefonbuch gefunden. Er wohne auch in Hamburg und sei, seine Stimme nahm einen feierlichen Ausdruck an, "Abonnent der ersten Stunde". Mit diesen Worten schob er sich über die Türschwelle.
Natürlich ließ ich ihn hinein. TITANIC-Abonnenten der ersten Stunde sind etwas Besonderes. Abonnenten d.e.St. schreiben handschriftliche Leserbriefe, teilweise in Sütterlinschrift, in denen sie schreiben, sie seien Abonnenten der ersten Stunde. Fürs Frankieren lecken sie jede Briefmarke an, auch wenn die selbstklebend ist. (Man kann im Internet freimütig über sie schreiben, denn Abonnenten d.e.St. sind nicht im Internet.)
Strahlend saß Hans-Gerd an meinem Küchentisch, die Hände ineinander verschränkt. Dann beugte er sich vor. "Und? Wie ist es bei euch denn so? Immer Halligalli? Immer Gaudi?" Ich dachte an die Wahrheit. Ich sah in seine erwartungsfroh-wässrigen Augen und wusste nicht, wie antworten, aber er kam mir zuvor, denn Abonnenten d.e.St. haben immer gleich die nächste Frage auf den Lippen. "Und wie ist es", seine linke Hand machte ein paar geheimnisvolle Kippbewegungen vor und zurück, "mit Saufisaufi?" Dazu muss man sagen: Abonnenten der ersten Stunde trinken selber am meisten. Sie saufen immer, außer wenn sie gerade einen Leserbrief verfassen. Ich sagte, ich tränke eher wenig und nie vor 18 Uhr. Mein Gegenüber stutzte, dann knuffte er mir laut wiehernd gegen die Schulter: "Immer für einen Witz gut!"
Am Ende stand ich in der Tür, die Hand in den Nachthimmel erhoben, denn Abonnenten der ersten Stunde winkt man noch lange nach.

 

 

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Meditation und Markt mit Dax Werner

If you can do it, you can make it!

Liebe Freunde der Beobachtung des aktuellen gesellschaftspolitischen Geschehens,

eines vorweg: Ich kann mir 2019 wenig Langweiligeres und Überflüssigeres vorstellen als die deutsche Fußball-Bundesliga und alles, was mit ihr zu tun hat. Für mich ist "die Liga" nichts anderes als ein komplett unnötiger Kostenfaktor im Haushalt von Bund und Ländern – Stichwort Polizeieinsätze – und einer der vielen Gründe, warum ich mich am Wochenende in keinen NRW-Regionalexpress traue.

Jetzt gibt es aber gerade wieder einen Skandal in der "BuLi", diesmal ausgelöst vom Schalke-04-Aufsichtsratsvorsitzenden und Wurst-Fürsten Clemens Tönnies. Ich hatte kurz überlegt, ob ich seine rassistischen Ausfälle beim "Tag des Handwerks in Paderborn" (was für ein Meme), die in ihrer stumpfdeutschen Blödsinnigkeit an die Causa Gloria von Thurn und Taxis (20 Jahre her!) erinnern, hier kurz rekapituliere, aber ich fand das albern und überflüssig – außerdem sind die drei Leser dieses Blogs hier eh durch die Bank Medienjunkies, die nichts verpassen! Spannender als das finde ich die Diskussionen um seinen möglichen Rücktritt.

Wenn inzwischen jeder drittklassige Sportredakteur "die Dinge vom Ende her denkt", spürt man’s dann doch überdeutlich: 14 Jahre Merkel haben etwas mit "dieser Republik" (Nils-Markwardt-Voice) gemacht/veranstaltet. Vor dieser Folie wundern auch die fast artistischen Verrenkungen aus dem Axel-Springer-Haus viel weniger. Da hat zum Beispiel Matthias Brügelmann zum Thema Tönnies in seine Tastatur getippt: "Entschuldigen kann man sich schnell, zurücktreten oder einen Scheck nach Afrika schicken auch – so schafft man den Rassismus aber nicht aus der Welt." Wodurch soll der Rassismus denn sonst aus der Welt geschafft werden, wenn nicht dadurch, dass Rassisten aus der Öffentlichkeit verschwinden?

Klaro, Rücktrittsforderungen schreiben sich heutzutage immer leicht von der Hand. Vielleicht liegt das auch daran, dass eh niemand mehr von irgendwas zurücktritt und diese Forderungen nichts mehr zu bedeuten haben. Und man ist ja auch selber nicht frei: Wer mal das Vergnügen hatte, in gemütlich-privater Runde über die unappetitliche Causa Christian Wulff zu diskutieren und dabei nie den verschwörerischen Halbsatz "Am Ende wegen einem Bobbycar" gedroppt hat, werfe den ersten Stein. Und vergessen wir eines nicht: Der wahre Bundespräsident der Herzen hat die Affäre mit harter Münze bezahlen müssen. Trotzdem, Wulff war nie der Typ, der einfach so aufgibt, deswegen hat er auch nach Feierabend mithilfe des großen Data Becker HTML-Buchs das Walt-Disney-Zitat "If you can dream it, you can make it" großflächig auf seine Homepage programmiert. Mysteriös bleibt nur, dass das Zitat im gesamten Internet etwas anders steht als auf dem 1&1-Server (Basic) von Wulff: Überall sonst heißt es "do it" statt "make it". Hat Wulff da etwa schon wieder geschludert oder einen klugen Metakommentar reinprogrammiert?

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, trotzdem einstweilen liebe Grüße nach Hannover!

 

 

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Glückwunsch, Simon Rolfes!

Sie sind Sportdirektor des Fußballvereins Bayer Leverkusen und äußerten jüngst den Satz: »Wir kommen vom Ansatz, mit dem Ball spielen zu wollen.«

Und wir kommen vom Ansatz, Ihnen zu gratulieren, dass das der genau richtige Ansatz ist, denn Fußball ist ja schließlich eine Ballsportart. Hätten Sie etwa behauptet, Sie kämen vom Ansatz, mit dem Puck spielen zu wollen, oder mit Doppelkopfkarten, oder gar mit dem Gedanken, künftig Eigenblutdoping zu betreiben, wären das total falsche Ansätze gewesen. So aber haben Sie eindrucksvoll bewiesen, dass Sie vom Ansatz her der absolut richtige Mann am richtigen Ort sind und nicht etwa ballaballa.

Verwandelt diesmal ansatzlos: Titanic

 Gloria von Thurn und Taxis,

neulich fanden wieder mal die Festspiele im Innenhof Ihres Regensburger Schlosses statt. Da jubeln immer alle und freuen sich, und die geladenen Künstler, beispielsweise Elton John und Sting und Tom Jones, bedanken sich artig für die Einladung.

Und jetzt das! Bevor die Band Revolverheld zur Zugabe ansetzte, sagte Sänger Johannes Strate: »Wir spielen hier auf dem Grund einer Frau, mit deren Werten wir überhaupt nicht übereinstimmen. Man darf Missbrauch in der katholischen Kirche nicht bagatellisieren und Flüchtlinge nicht elendig im Mittelmeer verrecken lassen.« Und alle klatschten und jubelten. Und Sie? Sie sagten: »Gott sei Dank darf man heute noch seine Meinung sagen.«

Das stimmt, Prinzessin, Sie tun das ja unentwegt, haben Abtreibung als »Massenmord«, Beten als Heilmittel gegen Homosexualität und Migration als »eine Art Krieg« bezeichnet. Über jahrzehntelange Misshandlungen bei den Regensburger Domspatzen vermeldeten Sie: »In meiner Jugend waren Schläge ein ganz normales pädagogisches Mittel, um mit frechen Kindern, wie ich eines war, fertig zu werden.« Vor einem halben Jahr klang Ihre Meinung zur Meinungsfreiheit übrigens noch so: »Natürlich gibt es die Meinungsfreiheit. Aber wir dürfen nicht sagen, was wir denken.«

Mit Blick auf das, was Sie ohne Beteiligung Ihrer grauen Zellen von sich stemmen, möchte tatsächlich keinesfalls auch noch wissen, was Sie denken: Titanic

 Moinmoin, Nandus!

Moinmoin, Nandus!

Vor 18 Jahren seid Ihr aus einer Lübecker Straußenfarm ausgebüchst und habt Euch seither munter in Nordwestmecklenburg angesiedelt. Anfangs nur ein gutes Dutzend, ist Eure Population auf mittlerweile über 500 Laufvögel angewachsen. Wenn das so weitergeht, stellt Ihr demnächst in Eurem Landkreis die Bevölkerungsmehrheit.

Doch aufgepasst: Ihr habt zwar keine natürlichen Feinde, seit kurzem jedoch die Alphatierchen und Aasgeier von der FDP im Nacken, die Euch ins deutsche Jagdrecht aufnehmen wollen und als »große Gefahr« geißeln. Kleine Bitte: Könntet Ihr, statt konzeptlos alle Felder leerzufuttern, nicht zur Abwechslung mal was Sinnvolles tun, z.B. den Lebensraum des Nazidorfs Jamel verwüsten oder wenigstens das Kreisbüro der örtlichen FDP (Dorfstraße 27, 19417 Jesendorf)? Auf, auf!

Eure Fressfreunde von Titanic

 Privet, »Zeit Campus«!

In Deinem aktuellen Heft findet sich eine Reportage über Punkrockbands in Russland und darin wiederum der Satz: »Pornofilmy«, eine der Bands, »bezeichnet sich selbst als regierungskritisch. Ihre Lieder heißen Armes Land oder Traut der Regierung nicht

Wir halten journalistische Skepsis ja wirklich in allen Ehren, aber in manchen Situationen und bei gewissen Indizien darf man seinen Interviewpartnern auch einfach mal glauben.

Finden zumindest Deine Naivchen von der Titanic

 Ralph C. Freund!

Da massakriert ein weißer Nationalist in der texanischen Grenzstadt El Paso unter anderem sieben Mexikaner, woraufhin der US-Präsident seine gewohnte ausländerfeindliche Hetze betreibt. Und Sie, Chef der sog. »Republicans Overseas«, dürfen bei WDR 5 den in die Kritik Geratenen in fließendem Deutsch verteidigen: »Trump ist nun alles, aber kein Rassist.«

Na, klar Robert »C.« Freund, und das »C«, welches der damalige Immobilienspekulant und Vermieter Trump schon Anfang der Siebziger Jahre in die Bewerbungsunterlagen farbiger Wohnungsinteressenten stempeln ließ – ein Vorgehen, für das er schon damals von den US-Behörden verklagt worden ist –, stand auch nicht für »colored«, sondern für das auf die Weltläufigkeit seines Initiators verweisende Wort »Cosmopolitan«, nicht wahr?

Keine Grüße: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Add Blue

Die Zeit, in der mit Ersatzflüssigkeit Bindenwerbung gemacht wurde, wird auch als die Blaue Periode der Werbeindustrie bezeichnet.

Tobias Speckin

 Habenwollen

Wenn ich Erich Fromms Buch »Haben oder Sein« verliehen habe, darf ich dann nach einiger Zeit sagen, dass ich es gerne zurückhaben würde, oder habe ich dann mal wieder gar nichts verstanden?

Ludger Fischer

 Unpolitische Tiere: der Adler

Adler, Adler schweb empor
Du hast heute Großes vor
Flieg hinauf auf deinen Schwingen
Schwebe über allen Dingen
Segle, kreise, räsoniere
Sinne nach und meditiere
Über diese Frage nur:
War heute nicht die Müllabfuhr?

Gunnar Homann

 Fast schon Werbung

Beim Einkauf von Grillklimbim stieß mir Kohle mit Öko-Siegel ins Auge, die damit warb, dass sie »erstaunlich gut« brennbar sei. Ja, wagen denn nicht einmal Reklamefritzen in Zeiten der durch Streamingwerbung seelisch verhornten Kundschaft noch das ganz grelle Ranwanzen? Was kommt als nächstes? »Schokoriegel – schmeckt scheiße wäre leicht übertrieben«? »Mehl – dare to call it unschwarz«? »Dildo – nicht schlecht für einen Schwanz«?

Jasper Nicolaisen

 Zu ihrem Uniabschluss

wollte sich meine Freundin ein Cutting, ein Narbentattoo, zulegen. Ihr Freund hegte allerdings ästhetische Bedenken, sodass sie ihr Vorhaben verschob. Seit einiger Zeit sind die beiden allerdings getrennt, und die Sache ist damit geritzt.

Laura Brinkmann

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 17.09.:

    In der FAZ berichtet Oliver Maria Schmitt von Klumpenmenschen und Dark Tourism im Weserbergland.

Titanic unterwegs
20.09.2019 Stuttgart, Superjuju Katharina Greve
20.09.2019 Nartum, Haus Kreienhoop Gerhard Henschel
20.09.2019 Heilbronn, BUGA Oliver Maria Schmitt
22.09.2019 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »Hans Traxler. Zum Neunzigsten«