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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Race under Pressure

Ich habe es wirklich versucht. Ich habe mir Kommentare unter einem „Tagesspiegel“-Beitrag zum Klimawandelsommer („Die Erde glüht“) angesehen („Nicht vorhanden …  ist der Zusammenhang zwischen CO2-Gehalt der Atmosphäre und der globalen Mitteltemperatur, der der Treibhausthese zugrunde liegt. Wenn Sie schon 10000 Jahre zurückblicken, dann ist Ihnen doch sicher das Temperaturmaximum vor 8000 Jahren aufgefallen, dem ein CO2-Minimum gegenübersteht. Die Diagramme dazu finden Sie …“); habe mir ebd. einen Kommentar zur zeitlosen Frage „Was will die SPD eigentlich?“ durchgelesen („Steuertransparenz für Konzerne? Der sozialdemokratische Bundesfinanzminister Olaf Scholz lehnt ab – und vergrößert so die Leerstelle hinter der Sinnfrage an seine Partei“); war sogar bei „Spiegel online“ („Garmisch hält den Blitz-Rekord“). Und doch führt, fürchte ich, auch an diesem Sonntag kein Weg vorbei an dieser Debatte um diesen in Gelsenkirchen geborenen, mit deutschen Bürgerrechten ausgestatteten, aber u.a. türkischsprachigen Fußballspieler; und „Debatte“, also den rhetorischen Schlagabtausch nach festen Regeln, darf man’s spätestens seit Mittwoch nennen, als im Morgenblatt die türkischstämmige Buchautorin der türkischen Community empfahl, sich nicht in der Opferrolle zu gefallen, sondern sich lieber zu integrieren und aufzusteigen; also gegen den Hunger nach Anerkennung einfach mehr zu spachteln.

Dass sich in der Causa fast alle idiotisch aufgeführt haben, ist vielleicht als Ergebnis völlig ausreichend, und die zuletzt drängende Frage, welche Sätze des Rassismus-Tweets nun vom Fußballer selbst stammten (der doch als Stiller galt und, so die SZ in einem wirklich restlos korrupten Satz, schon zu Schulzeiten „massiv vor sich hin träumte“) und welche von seinem ausgefuchsten Berater, mag meinetwegen so im Sommerloch verschwinden wie der ganze Unsinn insgesamt; denn dass der durchschnittliche Fußballer von Politik weder Ahnung hat, noch sich für sie interessiert, ist doch genauso klar wie die Tatsache, dass hier Rassismus, der offene wie der latente, die Gelegenheit ergriffen hat. Und dass die „Zivilgesellschaft“ längst keine so zivilisierte ist, wie es etwa die FAZ („Özil wurde nicht für seine Herkunft kritisiert – sondern für sein Verhalten“) gern hätte: Ein argloser SPD-Stadtrat aus dem Osthessischen schreibt auf Facebook unter ein Foto des deutschen WM-Kaders: „25 Deutsche und zwei Ziegenficker“, entschuldigt sich dann und sagt der DPA, ihm seien da „die Pferde durchgegangen“, er habe „vielleicht nicht gleich überlegt“, aber er sei „nicht ausländerfeindlich“, seine Wortwahl bloß „nicht gut“ gewesen. Wo doch die bessere nun wirklich auf der Hand lag: 25 Deutsche und zwei Undeutsche.

„Both Germany and Turkey are similar in having persistent ideas of ,race’ and ,blood’ defining the nation.”  „The Guardian“, 23.7.2018

Rassismus ist halt immer das, was drin ist und raus will, und es oblag, natürlich, der „Bild“-Zeitung, hier Öl ins Feuer zu schütten, indem sie, das Volksempfinden sowohl bedienend als auch schürend, von des Fußballers „Jammer-Rücktritt“ zeterte und seinem „wirren“ Angriff aufs Vaterland, und Patrick Bahners, der in der FAZ die „Kampagne“ beschrieb, war noch viel zu freundlich: „Spielverderber, Heulsuse, Memme: Özil einen Jammerlappen zu nennen ist die Logik der Schulhofkämpfe, mit denen eine deutsche Tageszeitung sonst vor dem Ende der multikulturellen Gesellschaft warnt.“ Das Schwache, Weibische, Querulantische als undeutsch zu qualifizieren ist nämlich Nazi-Logik, wie das Gebarme von „Experten“ (Basler, Matthäus) wegen des Fußballers fehlender/falscher „Körpersprache“ wiederum faschistische Männerscheiße ist (und auch fachlich völlig fehlgeht: „Warum die Kritik an Özils Körpersprache schwachsinnig ist“, „Elf Freunde“, 20.6.2018). Im übrigen hat jeder Spieler, der in Russland angetreten ist, Werbung für die dortige Autokratie gemacht, und wird jeder, der 2022 in Katar dabei ist, Werbung für den dortigen „Sklavenstaat“ („Tagesspiegel“) machen. Mag sein, zeitgenössischer Fußball ist eine Werbung für Freiheit und Demokratie; allerdings im Sinne Springers.

Und dann wär’s ja geradezu inkonsequent, wenn er nicht, kommt es drauf an, rassistisch wäre.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Andererseits

Die Welt, ein Widerspruch: Einerseits heult das Morgenblatt jetzt sogar im Wirtschaftsteil herum, wg. Klimawandels müsse sich das Konsumverhalten endlich ändern; andererseits bewirbt, einen Tag später, dasselbe Morgenblatt ganzseitig seine Reiseführerreihe: „Alles perfekt. Nicht lange suchen, Buch kaufen, Flug buchen und eine perfekte Zeit erleben“, was immer das sei. Klingt jedenfalls ekelhaft, nach Urlaub für Befehlsempfänger (m/w), und das ist es ja wohl auch.

Einerseits lesen wir von einer CSU im Umfragetief und davon, dass da ein Kalkül nicht aufgegangen sei und sich nämlich die sog. Zivilgesellschaft bewege und auf Demos („Ausgehetzt!“) und an der Urne dem Rechtspopulismus eine schöne Absage erteile; andererseits sitze ich im Eiscafé neben einem freundlichen Vertreter und einer freundlichen Vertreterin des solventen Bürgertums (Typ Kanarische Inseln, 2x im Jahr), mindestens eine Hälfte mit höheren akademischen Weihen, und die Herrschaften loben Seehofer in hohen Tönen: Wenn er nicht wäre, geschähe ja gar nichts! Und einerseits ist Israel die einzige funktionierende Demokratie im Nahen Osten, andererseits (Achtung, Pseudowiderspruch!) hat die Knesset jetzt ein Gesetz verabschiedet, wonach Israel zum „Nationalstaat für jüdische Menschen“ wird, was die große arabische Minderheit im Land nicht freuen kann. Einerseits ist das, und das sage ich als Freund, scheiße; andererseits ist, etwa in Deutschland, die Zahl antisemitischer Angriffe, sowohl verbal/online als auch physisch, zuletzt explodiert (Faz.net: „Es wird schlimmer, Tag für Tag“). In Bonn hat es zuletzt einen jüdischen Gastprofessor aus den USA getroffen.

Einerseits ist Netanjahu ein nationalistischer Blödmann; andererseits hat eine demokratische Mehrheit diesen Blödmann genauso gewählt wie den Faschisten und Antisemiten Orbán, der jetzt von Netanjahu mit allen Ehren empfangen worden ist und von „exzellenten persönlichen Beziehungen“ gesprochen hat. Einerseits liegt das daran, dass beide sich in einer Welt aus Feinden wähnen; andererseits ist das im ungarischen Falle eine aus machtstrategischen Gründen gepflegte, faschistische Halluzination, im israelischen nicht und sucht, wo alle Welt was gegen Juden hat, Netanjahu die Nähe derer, die noch mehr als gegen Juden was gegen Muslime haben.

„Die Welt ist eben die Hölle, und die Menschen sind einerseits die gequälten Seelen und andererseits die Teufel darin.“ Schopenhauer, 1851

Einerseits hat in Israel das Gesetz das Parlament nur knapp (und nach Tumulten) passiert, hat der Staatspräsident Distanz gezeigt und ruhen liberale Hoffnungen auf dem Obersten Gericht; andererseits haben Orbáns polnische Freunde von der klerikalfaschistischen PiS dafür gesorgt, dass auf den Gerichten des Landes keine liberalen Hoffnungen mehr ruhen können, und beschwert sich der polnische Präsident allenfalls darüber, wie verzerrt sein schönes Polen im Ausland dargestellt werde. Einerseits hat sich die EU sogleich „besorgt“ über die israelischen Entwicklungen gezeigt; andererseits haben die Polen jahrelang ihren Rechtsstaat demontieren dürfen und sind dafür sogar noch mit EU-Milliarden ausgestattet worden. Einerseits ist Israel noch eine funktionierende, wenn auch trendgemäß ins Illiberale driftende Demokratie; andererseits ist Ostmitteleuropa längst rechtspopulistisch-illiberales Kernland, wo, anders als in Israel, niemand gegen die Abschiebung von Migranten protestiert: Es gibt nämlich fast keine.

Ich geh’ jetzt erst mal ins Freibad, zum Kindergeburtstag: Da gibt es hoffentlich einerseits Eis und andererseits Pommes. Shalom.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Jungs

Im Morgenblatt stand jetzt ein glossierendes Plädoyer dafür, den Sprachwandel als Sprache selbst zu akzeptieren und sich weder über „Denglisch“, noch über das Verschwinden von Wörtern wie etwa „Schlingel“ zu grämen. Wörter stürben nun einmal und machten neuen Platz, und dass zu Goethes Zeiten der Teufel noch „Voland“ gerufen wurde, sei nun mal so sehr Vergangenheit wie die Vokabel „Volant“ fürs Lenkrad: tempi passati, vieux jeu. (Neulich benutzte am Küchentisch eine Besucherin ganz arglos das Wort „saumselig“. Ich war begeistert und musste darauf bestehen, dass es keine ironische Begeisterung war.)

Also will ich mich gern noch ärger freuen über Gespräche, die sich, wie neulich eins im Biergarten, so gut wie ausschließlich aus den Vokabeln voll, total, echt, krass und nice zusammensetzten (es sprachen, wie ich mitbekam, zwei fortgeschrittene Studentinnen der Touristik) und mich anderseits nicht ärgern, dass aus Umgangssprache Standard wird und aus derentwegen wegen derer; falls nicht schon wegen denen. Zumal da sich Sprache im Wandel natürlich ständig verbessert und durchaus farbiger wird: Wo es, zum Beispiel, früher bloß Jungen und Mädchen hatte, haben sich zu den Mädels nun auch die Jungs gesellt, etwa die, die in Thailand gottlob nicht abgesoffen oder erstickt sind. „Durchhalten, Jungs!“ hatte „Bild“ gekräht, derart den alten, flapsigen Sinn des Kumpelplurals noch angemessen transportierend; aber auch sonst war allenthalben von den Jungs die Rede: „Seit dem 23. Juni sitzen zwölf Jungs und ihr Fußballtrainer in einer verwinkelten Höhle fest, von einer Überflutung eingeschlossen“ (meedia.de), und die Vermutung geht nicht fehl, dass der Plural „Jungen“ aussterben wird.

Der Satz zeigt die logische Form der Wirklichkeit. / Er weist sie auf.“ Wittgenstein, 1922

Ist das schlimm? Eben nicht: Jungen, das waren bloß die mit dem Pullermann; Jungs, das sind schon die Kerle von später, Jogis Jungs, die Jungs vom Bau oder unsere Jungs, die Jungs mit den Bärten und Bildern auf dem Bizeps. Jungs sind die, die immer Jungs bleiben, sich mit den anderen Jungs zum Profigrillen treffen (während die Mädels beim Mädelsabend die Kartoffelchipsorte „Mädelsabend“ verzehren) und sich für Autos, Dry Aged Beef und Technikspielzeug interessieren. Jungen waren mal groß oder klein, dick oder dünn, forsch oder schüchtern; Jungs dagegen sind stramm, froh und zupackend und müssen, wenn sie dann einmal Neue Väter sind, ihre Zuwendung sofort als „Bespaßung“ in instrumentell lockeres Jungsvokabular packen. Mädchen werden zu Frauen; Mädels sind dagegen altersunabhängig Kommerz- und Verwertungsobjekte, die in den Jungs ihr Komplement finden. Mädels und Jungs sind immer jung, und wenn sich die Jungs mit Mitte Vierzig ihre Basecaps verkehrt herum aufsetzen, dann sind sie die Jungs geblieben, die Herrschaft gut gebrauchen kann. „Jungs und Mädels protestieren gegen gesellschaftliches Unrecht“, das ist Wittgensteinscher Unsinn, denn Jungs und Mädels gehen shoppen, sind gut drauf und halten durch.

Man merkt, ich bin dann doch nicht recht einverstanden, denn das schwante Kraus ja schon, dass sich im Journalismus (und wer sonst wäre für Sprache heute mehr verantwortlich) die Sprache als Klischee reproduziert; und die Wirklichkeit gleich mit. „Als wären Deutschtürken Bürger auf Bewährung“ – das wird die „Süddeutsche“, das wird (oder will) die deutsche Presse in hundert Jahren nicht begreifen, dass „Deutschtürke“, ich sag’s nicht gern noch mal, dasselbe ist wie ein „US-Afrikaner“ und die dusselige, sogar rassistische Formel ebenjene Bewährung festnagelt, die man doch beseitigen will. Wenn Sprachwandel unter den Verhältnissen, wie sie sind, nicht immer nur die Phrase meinte, ich wär’ sogar dafür; so bin ich Schlingel wieder mal dagegen.

Und wünsche sie alle zum Voland.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Heads Held High

Das ist, nach all den Jahren, jetzt auch mal eine Premiere, dass mir ein im Supermarkt gehörter Song mal eine Einleitung beschert, Roachford, „This Generation“: „Cause this generation, / Is gonna walk with their heads held high, / I know this generation is gonna, / Bring tears to the old man's eyes.“ A-huhu, a-huhu …
Zu dieser so stolzen wie tränentreibenden Generation rechnet auch der brasilianische Fußballer Neymar, der, irre ich nicht, der teuerste Fußballer (vermutlich auch Sportler) der Welt ist. Seinen aktuellen Verein hat er die sagenhafte Summe von 222 Millionen Euro gekostet, und sein Marktwert ist gewiss bereits gestiegen; sein Jahreseinkommen beträgt 50 Millionen, sein Vermögen wird auf 145 Millionen Euro geschätzt. Der 26jährige, mit Brasilien eben bei der WM ausgeschieden, hat neben seinen unzweifelhaften fußballerischen Gaben noch die Angewohnheit, bei kleinsten Berührungen des Gegners umzusinken und nach dem Arzt zu rufen. „Nach einem Beinduell mit dem Schweizer Valon Behrami krümmte sich Neymar so schmerzerfüllt auf dem Rasen, als seien ihm von Richard III. die Hoden eingetreten worden. Und als ihm im Spiel gegen Mexiko Miguel Layun in einem unfreundlichen Akt auf den Knöchel stieg, legte Neymar, sich windend, röchelnd und zuckend, eine Sterbeszene wie im letzten Akt von ,Hamlet’ hin, nur drastischer als im gängigen Regietheater. Ganz große Übertreibungskunst!“ fand da eine SZ-Kraft aus der Theater- (und nicht Fußball-)Abteilung und meinte es allenfalls halbironisch (nämlich feuilletonistisch), wie das Erstaunliche ist, dass so gut wie niemand mehr bereit zu sein scheint, ein solches Verhalten für zuallererst eine grobe Unsportlichkeit zu halten. Kommentars-Titan Kahn gab sich im ZDF direkt amüsiert: Man kenne das ja und könne bei derlei also zwischendurch Bier oder Kaffee trinken gehen. Statt etwa kotzen.

Von der WM habe ich bislang allenfalls eine Stunde verfolgt, darunter die besagte Szene aus dem Mexiko-Spiel, die sich der Schiedsrichter am Videokontrollschirm noch einmal ansieht, erkennt, dass nichts war, und auf eine Bestrafung des vermeintlichen Foulspielers verzichtet; den Simulanten aber scheint’s nicht einmal ermahnt. Simulanten gab es auch vor Neymar schon; beim „Jahrhundertspiel“ Italien – Deutschland 1970 fielen die Italiener reihenweise um (Funkkommentar Kurt Brumme: „Wir fragen uns besorgt, ob er es überleben wird …  Sie führen italienische Oper auf … Das ist ja widerlich! Das ist ja widerlich, was hier gespielt wird!“), und dem Sieg-Elfmeter im ’74er WM-Finale ging eine astreine, wenn auch erst später bestätigte Schwalbe von Hölzenbein voraus. Neu ist, dass das, was alle sehen, keiner mehr widerlich findet, es sei denn die Betroffenen: „Es ist eine Schande für den Fußball“, soll der mexikanische Trainer laut nicht nur FAZ getobt haben: „Das ist ein schlechtes Beispiel für die ganze Welt und all die Kinder vor dem Fernseher.“

„Wenn du ins Dribbling gehen musst, dann gehe ins Dribbling. Wenn du ein Tor schießen musst, dann schieße ein Tor. Wenn du nach einem Foul fällst, dann falle. Und wenn du auf dem Boden etwas Zeit sichern musst, dann sichere die Zeit, weil die anderen genau das gleiche machen.“ Rivaldo (Weltfußballer des Jahres 1999, mit Brasilien Weltmeister 2002), 2018

Und da kommen wir zum Unterschied, den es dann doch zwischen Fußball und Theater, Sport und Kunst gibt, auch wenn es Fußballkünstler und dramatische Spiele geben mag: Kunst kennt keine Sieger. Das gute Beispiel für die ganze Welt und die Kinder vor dem Fernseher wäre, dass der Bessere, die Stärkere zwar gewinnt, aber ehrlich, mit fairen Mitteln, vielleicht noch mit dem Glück der Tüchtigen: Sozialdemokratie. Dass selbst dieser Mindeststandard nicht nur (wie auch früher schon) unterlaufen, sondern verhöhnt – oder nicht mehr gekannt – wird, dass einer der weltbesten und reichsten Fußballer habituell und coram publico seine Gegenspieler denunziert und Zeit schindet, und anschließend geht’s weiter, und außer den Verlierern lachen alle: so ist der Fußball, den man zu verachten gelernt hat, der aber vielleicht auch nicht anders sein kann als die Welt, der er entspringt und die er so trefflich ins Bild stemmt.

Wer mag, kann finden, der so symptomatisch angemalte Neymar als „DER prototypische Vollidiot des Darstellungskapitalismus“ (Jürgen Roth) sei, bei allem Reichtum, halt auch nur ein sprachloses armes Schwein und das theatralische Gebarme ein Ruf nach der Zuwendung, die allen immer vorenthalten wird. Ein Opfer mehr; und freilich ebenfalls kein Grund, meine WM-Abstinenz zu überdenken.

PS. „Abiturienten in Baden-Baden haben ihre bestandene Prüfung mit dem Verbrennen ihrer Schulbücher gefeiert – und damit Polizei und Feuerwehr auf den Plan gerufen. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, … hätten zehn junge Leute ,ihrer Freude … in Form einer rituellen Bücherverbrennung [!] besonderen Ausdruck verliehen’“ (AFP). A-huhu, a-huhu ...

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Unerträglich

Diese Kolumne versteht sich ja nicht zuletzt als kritisches Propädeutikum, und also nehmen wir heute, liebe Leserin, lieber Leser, das Wort „pervers“ in den Blick.
Aus verlässlicher Quelle erfahre ich, dass an einer lokalen (städtischen) Schule Drittklässler Referate halten müssen, die benotet werden. Aus anderen Quellen weiß man, dass Lehramts- und andere Studenten (m/w) mitunter in Rechtschreibung unterrichtet werden (müssen). „Pervers“ heißt „verdreht“: Die Achtjährige wird mit aller Strenge in Präsentations- und Selbstvermarktungstechnik unterwiesen, der Zwanzigjährige in Orthographie.

An einer Berliner „Eliteschule“ (meint: für Kinder mit reichen, wichtigen oder wenigstens ehrgeizigen Eltern), „bürgerlich und weltoffen“ (Tagesschau), wird ein Fall von Mobbing mit antisemitischem Antrieb gemeldet, das Opfer ist ein Fünfzehnjähriger, der monatelang unter Hakenkreuz- und Gaskammersprüchen leidet, ehe er sich seinen Eltern anvertraut. Das Lehrpersonal hat wohl zugesehen und -gehört, sich dann entschuldigt, jetzt gibt es die üblichen Aktionstage und Aufklärungsunternehmungen, denn das alles ist „unerträglich“ (Internationales Auschwitz-Komitee). In der Tagesschau ist von einem „besorgniserregenden Trend“ die Rede, allein in Berlin habe sich die Zahl der antisemitischen „Vorfälle“ im vergangenen Jahr verdoppelt, überdies sei die Dunkelziffer wohl sehr hoch. Ein regierungsamtlich Zuständiger erklärt: „Das hat damit zu tun, dass es insgesamt zu einer Verrohung unserer Gesellschaft gekommen ist, die auch leider auf die Schulhöfe sich bezieht. Das Wort ,Jude’ als Schimpfwort hat es früher nicht gegeben“, oder sagen wir, bloß viel früher.

„He shrugged, a gesture that conveyed what they both knew; it was all going to hell. And the closer to the end they moved, the faster it went.“ Stephen King, 2004

Faschismus, sagt Gremliza, ist die Fortsetzung des Kapitalismus mit terroristischen Mitteln. Erziehung nach Auschwitz, sagte Adorno im bekannten gleichnamigen Funkvortrag, bedeute „allgemeine Aufklärung, die ein geistiges, kulturelles und gesellschaftliches Klima schafft, das eine Wiederholung nicht zulässt“. Umgekehrt, sage ich, muss das gesellschaftliche Klima allgemeiner Aufklärung allerdings günstig sein, und dass der Druck im Kessel, noch im bürgerlichen und weltoffenen, schon wieder so hoch ist, dass er sich das bekannte Ventil sucht, ist leider nicht pervers, sondern bloß Mechanik. Vom „Grauen der Sache, die das Grauen unserer Welt ist“, spricht Adorno weiter, und nicht die Araberjungs sind es, die den Judenhass ins weltoffen-friedliche Vaterland tragen; er nährt sich von der Verrohung, vom stillen täglichen Terror aus Druck und Angst und Infamie, und das verantworten nicht Ahmed und Mustafa, das verantworten die, die alles verantworten.

Die Quelle, die das mit den Referaten wusste, wusste auch, dass im Klassenzimmer der frühstmöglich Zu- und Abgerichteten auch Collagen hingen, von Achtjährigen hingebungsvoll angefertigt, von Erwachsenen genauso hingebungsvoll benotet, und zwar, die Noten standen hinten drauf, mit Dreien und Vieren. Der gestalterischen Bemühung eines Grundschulkindes erstens eine Note und zweitens ein „Ausreichend“ zu verpassen und der Gaskammerwitz an der Eliteschule sind wesentlich eins, denn pervers ist das Grauen einer Welt, die sich für das Grauen entscheidet. Erziehung nach Auschwitz? Erziehung nach Bertelsmann; und „nach“ ist hier leider nicht temporal.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Tiny House

Immer wenn ich finde, es wäre angezeigt, sich den Tag mit einem Lachen (oder wenigstens Grinsen) aufzuhübschen, denke ich: Tiny House. Ich denke Tiny House, und schon muss ich lachen; oder wenigstens grinsen.

Wie kommt’s? Es kommt so:

Ich sehe ja (im Ernst) fast nicht mehr fern; doch neulich saß ich lesend auf dem Sofa, und über dem Wunsch, die Fernsehnachrichten anzusehen, gerieten wir in die ZDF-Reihe „37 Grad“, nach der treffenden Einschätzung meiner trefflichen Frau „Chrismon-TV“, also quasievangelisches Fernsehen rund um Menschen wie du und ich, die entweder einen Schicksalsschlag zu verarbeiten haben oder sich noch einmal neu erfinden, was Autorinnen (es sind immer Frauen) dann sehr einfühlsam und kritiklos begleiten. Diesmal ging es zirka um „Zuhause“ (den Anfang haben wir nicht mitgekriegt) und um diesbezügliche „Lebensmodelle“ o.ä. Eine Familie aus Leipzig hatte ihre Wohnung aufgegeben (oder zwischenvermietet) und fuhr so lange mit einem schrottreifen Camper durch Europa, bis alle wieder nach Hause wollten. Das waren die Vernünftigsten. Die zweiten wollten so dringend in einem Hausboot leben, dass sie dafür einen Hafen (samt nämlich rarem Hausboot-Liegeplatz) gekauft hatten, und die Frau hatte dafür ihren Redakteurinnenjob aufgegeben und saß jetzt den ganzen Tag mit diesem spezifischen „Landlust“-Grinsen im Hausboot bei den Kindern (Hausgeburt, logisch), während ihr Mann 16 Stunden am Tag wullackte, um das alles zu finanzieren. Die waren schon ein bisschen dööfer. Die Allerbesten waren aber zwei Studenten, irgendwie Sarah und Brian, die ihren Traum nicht nur hatten, sondern auch lebten, und zwar nicht den von der Weltreise oder bekifftem Sex, sondern den vom, hahaha!: Tiny House.

Ein Tiny House ist eine Art Wohncontainer, Wohnfläche nicht mal 30 Quadratmeter, und hat unerhört viele Vorteile: Mit 50 000 Euro kostet es viel weniger als ein richtiges Haus, man kann es mit einem handelsüblichen Sattelschlepper herumfahren, und es zwingt einen, nur das Allernötigste zu besitzen, weil im Tiny House halt kein Platz ist. Zwei volle Jahre haben Sarah (20) und Brian (25) an ihrem persönlichen Tiny House herumgeplant und dafür sogar ihr Studium unterbrochen (!), und als es endlich soweit ist, erklärt Brian, ein exemplarisch freudloser Funktionsjackenträger, warum das Tiny House die Zukunft ist bzw. das Modell für seine „Generation“: Man ist superflexibel, aber man besitzt ein Eigenheim, ohne dafür 30 Jahre lang Kredite abzuzahlen. So doof seien die Eltern noch gewesen, so doof seien sie jetzt aber nicht mehr. Und also sehen wir Sarah und Brian, wie sie fast alles, was sie haben, wegschmeißen, um fürderhin zu zweit auf 28 Quadratmetern Tiny House zu wohnen. In derart leere, verheerte, vor der Zeit kaputte Gesichter hat man freilich noch nie geblickt.

„ … dass mich so unglaublich flache Menschen, die das auch noch voll ausspielen und sich keine Schranken auferlegen, dass mich die sehr faszinieren, ja oft begeistern.“ Henscheid, 1973

Der Traum nach dem Traum: die Tiny House-Siedlung, und wir sehen Sarah und Brian, wie sie mit anderen jungen Windjackenmenschen (rollen Sie, liebe Leserin, liebe Leser, ruhig mit den Augen, aber das sagt nun einmal alles, w.z.b.w.!) um ein Tonnenfeuer herumstehen, und im Hintergrund steht schon eine kleine Tiny House-Siedlung, und alle unterhalten sich angeregt über ihre Tiny-Häuser, weil man die nämlich „individuell“ konfigurieren kann usw.; und wer das hergebrachte Vorstadthaus schon deprimierend findet, mag schnurstracks hintenüberfallen: Was hier waltet, ist die restlose Konformität im Gewande des Kreativ-Individuellen, die frühvergreiste Begeisterung angesichts der eigenen bedürfnislosen Verfügbarkeit, und natürlich war die Autorin da sehr einverstanden, zumal Sarah und Brian freilich schon ein Tiny House-Start-Up …

Warum ich das alles lustig finde (und schon wieder lachen muss, wie ich es hinschreibe)? Ich weiß es nicht. Vielleicht weil sich im besten, freiesten und wunderschönsten Deutschland aller Zeiten alles unablässig selbst karikiert, ohne es zu merken?

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Neues aus Bullerbü

Ich war so sicher, dass es es sich bei dem Aktivisten, der aus meiner Nachbarschaft, wie berichtet, einen „Kiez“ zimmern will und jetzt unter nicht unerheblichem Einsatz ein (Drei-)Straßenfest auf die Beine gestellt hat, um einen jungen Mann handle, der seine Heimatbedürfnisse ins Cool-Kiezig-Hauptstädtische übersetzt. Nun erfahre ich, der Mann ist Mitte Fünfzig, leidenschaftlicher (manche sagen: fanatischer) Radfahrer sowie Architekt und Stadtentwickler. Weshalb das „Kiez“-Logo auf den ubiquitären Plakaten und Transparenten, das mir von Anfang an etwas sehr professionell vorkam, schlechtestenfalls auch so gemeint ist.

Denn wo ein Logo ist, ist eine Marke, und wo eine Marke ist, soll was vermarktet werden; und was sich hier stadtentwickelt, sehe ich am Eck, wo sie eins dieser Bestverdienerhäuser hochziehen, die so teuer (oder vermutlich „exklusiv“ werden), dass sie einen eigenen Slogan („Wohnen – arbeiten – genießen“) und eine Internetadresse haben, unter der man allerdings auf der Seite des benachbarten Autohauses landet (dem scheint’s das Grundstück gehört), von der einem grimmig ein neuer Geländewagen ins Gesicht blickt. Auf den Weltgeist und seine Späße ist eben Verlass.

Dieser Spaß hat sogar einen doppelten Boden, denn die Vision unseres umtriebigen Kiezentwicklers ist das autofreie Quartier – also eins für die Fans der Sharing Economy, weniger für die der türkischen Cabrio-Hitparade –, weshalb aus Anlass des Festes geschätzt zwei Kilometer Wohnstraße zur Halteverbotszone erklärt worden sind (es ist erstaunlich, wie leicht das einer einfach so erwirken kann), ganz offiziell per Schild; und also mussten zweihundert Kraftfahrzeuge außerhalb des „Kiezes“ auf Parkplatzsuche gehen, was den kiezfremden Leidtragenden dieser vorbildlichen Externalisierung vermutlich noch etwas doller gestunken (sic) hat als den Suchenden. Aber des einen Quartiers Aufwertung ist des andern Quartiers Abwertung – Metropole und Peripherie, so geht das Spiel nun mal –, und wenn die Kiezaktiven, wie sie schreiben, „das Bedürfnis“ haben, „gemeinschaftlich zusammenzuarbeiten, etwas Neues zu schaffen, Veränderung, Abenteuer“, dann natürlich ausschließlich im eigenen Gärtchen, und da muss dann erst einmal ein Zaun drumrum. Am oberen Eingang zum Quartier hängt deshalb, gewissermaßen als Grenzschild, ein großes, mit Logo prunkendes „Kiez“-Transparent. Damit man willkommen ist, noch nach Feierabend Teil einer Marke zu sein.

„Unsere Stadt ist weder groß noch klein / wir haben ein Kino, ein paar Banken, / ein paar Eisenbahnschranken / so gemütlich, so gemein / doch stumme Tränen, stummer Hass / davon erfährt niemand was / (…) wir machen Witze und wir sitzen rum / bloß manchmal bleibe ich stumm / weil es mir vorkommt wie ein Gefängnis / aber wann ist die Strafe um?“ Begemann, 1993

Der ideale Quartiersmensch ist, so stellen die sich das vor, „dynamisch, visionär, vielseitig, konstruktiv, friedlich, optimistisch, energievoll, intelligent, freundschaftlich miteinander verbunden“, alles Eigenschaften, die sich auch das Autohaus auf seine Fahne schreiben kann, und bei all den Aktionen und Spielen und Geselligkeiten geht es freilich keine Sekunde um, böses Wort, Gentrifizierung, also darum, dass es bereits getrennte Eisdielen für die vielseitig visionären Dynamiker hie und die Honks dort gibt, die sich angesichts von neuerdings 13,50-Euro-Kaltmieten (ich wohne zu acht) vielleicht nicht so sehr für den „historischen Kiez“ (Straßenfest-Programmpunkt) interessieren als für den von morgen, wo für Leute, die nicht 1,60 Euro für die Kugel Eis ausgeben können, schlicht kein Platz mehr sein wird.

Anderswo kämpfen die Leute für ihr „Recht auf Stadt“; der vor meinem Fenster proklamierte „Kiez“ will gemeinsam Blumen pflanzen und Kinder schminken und träumt den Selbstversorgertraum in der Spielstraßenidylle, den es ja bloß darum gibt, weil Gesellschaft zum Anachronismus wird. Nun soll es bekanntlich der Appell ans Heimatgefühl richten, wie ihn etwa die „Bild“-Zeitung am 7.6. per kostenloser „Heimat“-Sonderausgabe ans Volk gerichtet hat, und sollten die, die etwas Neues wollen, aber beim ganz Alten landen (bei der Dorfgemeinschaft nämlich und dem „Deutschen Nachbarschaftspreis 2018“, Schirmherr Horst Adolf Seehofer, Bewerbung läuft), je über eine „Kiez“-Zeitung nachgedacht haben:

Da ist sie schon.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Glückwunsch, Simon Rolfes!

Sie sind Sportdirektor des Fußballvereins Bayer Leverkusen und äußerten jüngst den Satz: »Wir kommen vom Ansatz, mit dem Ball spielen zu wollen.«

Und wir kommen vom Ansatz, Ihnen zu gratulieren, dass das der genau richtige Ansatz ist, denn Fußball ist ja schließlich eine Ballsportart. Hätten Sie etwa behauptet, Sie kämen vom Ansatz, mit dem Puck spielen zu wollen, oder mit Doppelkopfkarten, oder gar mit dem Gedanken, künftig Eigenblutdoping zu betreiben, wären das total falsche Ansätze gewesen. So aber haben Sie eindrucksvoll bewiesen, dass Sie vom Ansatz her der absolut richtige Mann am richtigen Ort sind und nicht etwa ballaballa.

Verwandelt diesmal ansatzlos: Titanic

 Gloria von Thurn und Taxis,

neulich fanden wieder mal die Festspiele im Innenhof Ihres Regensburger Schlosses statt. Da jubeln immer alle und freuen sich, und die geladenen Künstler, beispielsweise Elton John und Sting und Tom Jones, bedanken sich artig für die Einladung.

Und jetzt das! Bevor die Band Revolverheld zur Zugabe ansetzte, sagte Sänger Johannes Strate: »Wir spielen hier auf dem Grund einer Frau, mit deren Werten wir überhaupt nicht übereinstimmen. Man darf Missbrauch in der katholischen Kirche nicht bagatellisieren und Flüchtlinge nicht elendig im Mittelmeer verrecken lassen.« Und alle klatschten und jubelten. Und Sie? Sie sagten: »Gott sei Dank darf man heute noch seine Meinung sagen.«

Das stimmt, Prinzessin, Sie tun das ja unentwegt, haben Abtreibung als »Massenmord«, Beten als Heilmittel gegen Homosexualität und Migration als »eine Art Krieg« bezeichnet. Über jahrzehntelange Misshandlungen bei den Regensburger Domspatzen vermeldeten Sie: »In meiner Jugend waren Schläge ein ganz normales pädagogisches Mittel, um mit frechen Kindern, wie ich eines war, fertig zu werden.« Vor einem halben Jahr klang Ihre Meinung zur Meinungsfreiheit übrigens noch so: »Natürlich gibt es die Meinungsfreiheit. Aber wir dürfen nicht sagen, was wir denken.«

Mit Blick auf das, was Sie ohne Beteiligung Ihrer grauen Zellen von sich stemmen, möchte tatsächlich keinesfalls auch noch wissen, was Sie denken: Titanic

 Privet, »Zeit Campus«!

In Deinem aktuellen Heft findet sich eine Reportage über Punkrockbands in Russland und darin wiederum der Satz: »Pornofilmy«, eine der Bands, »bezeichnet sich selbst als regierungskritisch. Ihre Lieder heißen Armes Land oder Traut der Regierung nicht

Wir halten journalistische Skepsis ja wirklich in allen Ehren, aber in manchen Situationen und bei gewissen Indizien darf man seinen Interviewpartnern auch einfach mal glauben.

Finden zumindest Deine Naivchen von der Titanic

 Moinmoin, Nandus!

Moinmoin, Nandus!

Vor 18 Jahren seid Ihr aus einer Lübecker Straußenfarm ausgebüchst und habt Euch seither munter in Nordwestmecklenburg angesiedelt. Anfangs nur ein gutes Dutzend, ist Eure Population auf mittlerweile über 500 Laufvögel angewachsen. Wenn das so weitergeht, stellt Ihr demnächst in Eurem Landkreis die Bevölkerungsmehrheit.

Doch aufgepasst: Ihr habt zwar keine natürlichen Feinde, seit kurzem jedoch die Alphatierchen und Aasgeier von der FDP im Nacken, die Euch ins deutsche Jagdrecht aufnehmen wollen und als »große Gefahr« geißeln. Kleine Bitte: Könntet Ihr, statt konzeptlos alle Felder leerzufuttern, nicht zur Abwechslung mal was Sinnvolles tun, z.B. den Lebensraum des Nazidorfs Jamel verwüsten oder wenigstens das Kreisbüro der örtlichen FDP (Dorfstraße 27, 19417 Jesendorf)? Auf, auf!

Eure Fressfreunde von Titanic

 Ralph C. Freund!

Da massakriert ein weißer Nationalist in der texanischen Grenzstadt El Paso unter anderem sieben Mexikaner, woraufhin der US-Präsident seine gewohnte ausländerfeindliche Hetze betreibt. Und Sie, Chef der sog. »Republicans Overseas«, dürfen bei WDR 5 den in die Kritik Geratenen in fließendem Deutsch verteidigen: »Trump ist nun alles, aber kein Rassist.«

Na, klar Robert »C.« Freund, und das »C«, welches der damalige Immobilienspekulant und Vermieter Trump schon Anfang der Siebziger Jahre in die Bewerbungsunterlagen farbiger Wohnungsinteressenten stempeln ließ – ein Vorgehen, für das er schon damals von den US-Behörden verklagt worden ist –, stand auch nicht für »colored«, sondern für das auf die Weltläufigkeit seines Initiators verweisende Wort »Cosmopolitan«, nicht wahr?

Keine Grüße: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Habenwollen

Wenn ich Erich Fromms Buch »Haben oder Sein« verliehen habe, darf ich dann nach einiger Zeit sagen, dass ich es gerne zurückhaben würde, oder habe ich dann mal wieder gar nichts verstanden?

Ludger Fischer

 Add Blue

Die Zeit, in der mit Ersatzflüssigkeit Bindenwerbung gemacht wurde, wird auch als die Blaue Periode der Werbeindustrie bezeichnet.

Tobias Speckin

 Zu ihrem Uniabschluss

wollte sich meine Freundin ein Cutting, ein Narbentattoo, zulegen. Ihr Freund hegte allerdings ästhetische Bedenken, sodass sie ihr Vorhaben verschob. Seit einiger Zeit sind die beiden allerdings getrennt, und die Sache ist damit geritzt.

Laura Brinkmann

 Unpolitische Tiere: der Adler

Adler, Adler schweb empor
Du hast heute Großes vor
Flieg hinauf auf deinen Schwingen
Schwebe über allen Dingen
Segle, kreise, räsoniere
Sinne nach und meditiere
Über diese Frage nur:
War heute nicht die Müllabfuhr?

Gunnar Homann

 Fast schon Werbung

Beim Einkauf von Grillklimbim stieß mir Kohle mit Öko-Siegel ins Auge, die damit warb, dass sie »erstaunlich gut« brennbar sei. Ja, wagen denn nicht einmal Reklamefritzen in Zeiten der durch Streamingwerbung seelisch verhornten Kundschaft noch das ganz grelle Ranwanzen? Was kommt als nächstes? »Schokoriegel – schmeckt scheiße wäre leicht übertrieben«? »Mehl – dare to call it unschwarz«? »Dildo – nicht schlecht für einen Schwanz«?

Jasper Nicolaisen

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 17.09.:

    In der FAZ berichtet Oliver Maria Schmitt von Klumpenmenschen und Dark Tourism im Weserbergland.

Titanic unterwegs
20.09.2019 Stuttgart, Superjuju Katharina Greve
20.09.2019 Nartum, Haus Kreienhoop Gerhard Henschel
20.09.2019 Heilbronn, BUGA Oliver Maria Schmitt
22.09.2019 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »Hans Traxler. Zum Neunzigsten«