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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Besser als je zuvor

„Rekord bei Treibhausgasen“, meldet dasselbe Morgenblatt, aus dem die Reklamebeilage „Australiens wilde Seiten“ herausfällt, auf deren Rückseite ich die „Singapore Airlines Premium Economy Class“ beworben finde, und mehr ist dazu nicht zu sagen, Thema durch oder jedenfalls fast; denn im selben Blatt prangt die Anzeige für „Hörzu Wissen“: „Klimaerwärmung, Flutkatastrophen, Waldbrände: Wann bringt uns die Erde um?“

Dieses Miststück; dabei sind wir doch so gut zu ihr und bemühen uns, ihr nah und immer näher zu sein, indem wir uns als Naturwesen fühlen bzw. Outdoor-Trottel kleiden und, kriegen wir eine „Auto-Bild“ in die Finger, mit Redakteur Stefan Voswinkel zu einhundert Prozent einer Meinung sind: „Diese neuen SUV-Modelle werden den Abstand von VW zu den Konkurrenten verringern. Der kompakte T-Cross passt perfekt ins Leben, der I.D. Crozz löst die E-Probleme, das T-Roc Cabrio werden Fans des offenen Golf lieben. Und der Tiguan wird besser als je zuvor.“

Hätte sich nicht neulich erst ein „Streiflicht“ darüber beschwert, dass „... hat die Kontrolle über sein Leben verloren“ zur Phrase werde, ich müsste finden, dass der Erwerb, Besitz und Betrieb von etwas, das nicht nur T-Roc oder I.D. Crozz heißt, sondern auch genau so aussieht, diese Formulierung durchaus erzwingt; und wie bestellt latschen wir, sehr ausnahmsweise auf dem Weg zu einem Auto, das noch „Passat“ heißt, an einem noch viel älteren vorbei, das „Scirocco“ heißt, und hießen Volkswagen früher wie der warme Wind, wie eine Sehnsucht, klingen sie heute nach einem bitterkalten und passen perfekt ins Leben von Leuten, die, haben sie eine National Geographic-Doku übers Universum, über Supernovae und Sternenkollisionen zu betexten, unablässig und in exemplarischer Projektion von „Gewalt“, ja „Brutalität“ faseln.

„In was für einer Sch... wir herumwaten, mein Gott!“ Flaubert, 1859

Und landet der Faktenchecker googelnd beim Schweizer „Blick“, geht es gleich gewaltsam weiter:  „Video von National Geographic sorgt für Hype um Rhätische Bahn. Nach dem Gasthaus Aescher kommt dank ,National Geographic’ eine neue Schweizer Sehenswürdigkeit zu weltweiter Bekanntheit. Für einen Ansturm ist die Rhätische Bahn gewappnet. Was es zur Folge haben kann, wenn ,National Geographic’ über herausragende Sehenswürdigkeiten berichtet, haben die ehemaligen Wirte des Bergrestaurants Aescher erfahren müssen. Nachdem es ihre Beiz aufs Cover des weltweit bekannten Fachmagazins geschafft hatte, war der Hype nicht mehr aufzuhalten. Der Ansturm wurde zu groß, die Aescher-Betreiber warfen entnervt das Handtuch“. – „Das Publikum wird mir immer unverständlicher; ich begreife überhaupt nichts mehr“ (Gustave Flaubert, Brief v. 20.8.1866), aber nicht einmal das stimmt: „Es gibt einen Fundus an Dummheit in der Menschheit, der ebenso ewig ist wie die Menschheit selbst. Unterricht für das Volk und Sittlichkeit der armen Klassen sind, glaube ich, Dinge der Zukunft. Doch die Intelligenz der Massen bestreite ich, was immer auch kommen mag, eben weil sie immer Massen sein werden“ (23.1.1866) und weil die, deren Macht auf der Masse beruht, den Menschen als Masse brauchen und Unterricht und Sittlichkeit entsprechend einrichten.  

Dass in Zukunft „wieder mehr übers Erwirtschaften als übers Verteilen“ zu reden sei, hat die BDI- bzw. CDU-Politikerin Kramp-Karrenbauer mitgeteilt. Wenn ich jetzt evendöll Anarchist werde, dann soll sie sich nicht wundern.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Zeitung für Deutsche

Udo Tellmann, befreiter DDR-Bildungsbürger, Buchpreisträger („Turmel aus dem Eis“) und Kämpfer wider den linken Moralmainstream, hat sich im Edelnazi-Periodikum „Sezession“ als Innenarchitekturkritiker hervorgetan und, in Reaktion auf die „Erklärung der vielen“, den deutschen „Gesinnungskorridor“ verurteilt, und die FAZ, die auch als FAZ.net will, dass es rechts von Altenbockum nichts gebe, hat die Grazie besessen, das von einem Volontär abbügeln zu lassen: „Auch wiederholt Tellkamp seine Kritik an der Flüchtlingspolitik. Die Kultur Deutschlands werde preisgegeben, sollte die Einwanderung weiterhin so hoch bleiben wie aktuell. Dass diese seit 2015 stark zurückgegangen ist, will er nicht glauben. Im Grunde genommen alles beim Alten also. Tellkamp nutzt die Meinungsfreiheit aus, kommt trotz des vermeintlichen Gesinnungskorridors zu Wort – und wird auch zitiert, sogar von den klassischen Medien.“

In Zeiten der Pressekrise ist es wichtig, auf sein Publikum zählen zu können, und sehen wir in die Kommentarspalte, muss der FAZ da nicht bang sein (Lesbarkeit durch Verf. hergestellt): „Höchst wichtiger Protest eines namhaften Kulturträgers … U. Tellkamp hat recht … linksgerichtete Deutungshoheit … Dass ein Gesinnungskorridor existiert, errichtet von den Mainstream-Medien und u.a. von ,Kulturschaffenden’ und deren Dunstkreis, sollte bei nüchterner Betrachtung unstrittig sein … Uwe Tellkamp ist ein Aufrechter, ein Kämpfer, eine ehrliche Haut. Er steht dem ,fucking mainstream’ entgegen, weil er Format und Stil hat und dieser ganzen Sülze die Akzeptanz verweigert … Tellkamp hat in allem recht, sowohl sachlich als auch intellektuell … Der Mann verdient Respekt. Sich im neuen, anti-nationalen, kosmopolitischen Deutschland als politisch Rechter zu outen, dazu gehört beachtliche Zivilcourage … Tellkamp kann man in allen Punkten nur zustimmen. Dass gerade diejenigen, die die ,Vielfalt’ und ,Buntheit’ wie eine Monstranz vor sich hertragen, jeden in die Ecke stellen, der eine andere Meinung hat als sie selbst, ist schlicht beschämend. ,Meinungsvielfalt’ ist in diesem ,Vielfalts’-Begriff offenbar explizit nicht vorgesehen, bzw. nur für die, die FÜR Massen-Migration sind … Alles, was auch nur halbwegs nach AfD aussieht, wird außerhalb des noch Diskussionswürdigen gestellt … Klima der Gesinnungsnötigung von links ... Ihr alle, die es wagt, sich zu einer anderen politischen Überzeugung zu bekennen: Lasst alle Hoffnung fahren, wenn selbst die FAZ sich mit solchen Artikeln gegen Euch stellt!“

„Der Weg zur Verwandlung des Innen führt über das verwandelte Außen.“ Hacks, 1965

Selbst die FAZ hält aber bekanntlich ein Feuilleton, das dem Kosmopolitismus nicht vollends ablehnend gegenübersteht, und sich zweierlei Bourgeoisie warm: Die Generäle a.D., Rechtsprofessoren und Fabrikanten auf der einen und die Citoyens auf der anderen Seite, die jenes sog. bessere Deutschland verkörpern möchten, von dem auch die Fabrikanten so schön profitieren. Die Irren aus der Kommentarspalte („Vulgärmarxistische, ,autonome’, kommunistische etc. pp. Kreise dagegen genießen jede denkbare Wertschätzung; niemand grenzt sich davon ab“) sind also bloß das Komplement zum liberalen Volontär und dasselbe Kaliber, das früher dankbar war, wenn Johann Georg Reißmüller den Nazi Waldheim gegen die Juden in Schutz nahm.

Der FAZ müssen die Beiträge nicht peinlich sein. Sie sind sehr nützlich, lassen sich doch Meinungen, die von der eigenen vielleicht nur graduell abweichen, aggregieren und als (noch) deviant, aber möglich verkaufen, was seinen Charme hat in Zeiten, wo die politische Redaktion, trotz Homophobie und Ablehnung des Verbotsstaats, noch keinen Grund hat, Trump und Orbán gut finden zu müssen; und um so besser fürs plurale Profil, wenn inmitten von Projektion, plemplem und Paranoia sich einzelne Stimmen finden, deren Besitzern das Pudern mit dem Klammerbeutel erspart geblieben ist: „[Tellkamps Ruhm verdankt sich] weniger der Meisterschaft seines preisgekrönten Romans ,Der Turm’ … als seinem dort ausgebreiteten Narrativ der Spät-DDR, das der gängigen Vorstellung im siegreichen Westen entsprach, also ein ideologisches Bedürfnis befriedigte. Hätte er es bereits damals beim ,reinen Literatentum’ ohne Rücksicht auf geistige Marktförmigkeit belassen, hätte wohl kein Feuilleton-Hahn nach ihm gekräht. In die ,traurige Gesellschaft’ musste sich Tellkamp nicht erst hineinbegeben: Das war schon immer sein Zuhause.“

Was zu beweisen war. 

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Büro, Büro

Es ist ja gar nicht so, dass alles nur dumm wäre, und man darf und soll ruhig Augen und Ohren offen halten für das Schöne, ja Numinose, das im Kot des Alltags um so tröstlicher leuchtet.

Ob sie „bereit und auch willens“ wäre, Kanzlerin zu werden, frug Slomkas Marietta Annegret Kramp-Karrenbauer am 7.11. d.J. im Heute-Journal, und Annegret Kramp-Karrenbauer sagte nicht einfach ja. Sie sagte: „Also wenn man sich um den Vorsitz der CDU Deutschlands, der größten Volkspartei in Deutschland bewirbt, dann ist das natürlich explizit immer auch sozusagen mit der Tatsache verknüpft, dass man eines Tages in diese Rolle kommen kann. Aber, in Deutschland ist es so und das ist richtig so, es entscheidet der Wähler, es entscheidet die Wählerin, darüber, wer Kanzlerin oder wer Kanzler wird. Die Aufgabe einer Parteivorsitzenden ist es, gemeinsam mit den Verantwortlichen dafür sorgen, dass die Partei inhaltlich, organisatorisch, personell so aufgestellt ist, dass sie, wann immer Neuwahlen sind, mit wem immer Neuwahlen sind, ein so gutes Ergebnis erreicht, dass sie überhaupt in die Verlegenheit kommt, über eine Nachfolge von Angela Merkel dann nachzudenken.“

Eigentlich sind ja alle drei spitze: Merz, weil er das hässliche Gesicht des Kapitalismus ist und es wirklich interessant wäre zu sehen, wie ein Alphamann aus der altbundesrepublikanischen Mottenkiste den postdemokratischen, vertwitterten Laden auf Trab bringt; Spahn, weil das Gruselmonster Spahn als Kanzler so was wunderbar Wahnsinniges wäre; und eben „AKK“, weil sie Merkel ohne deren ästhetische Qualitäten ist, also gar nichts.

„Dann heirat’ doch dein Büro, / dann heirat’ doch dein Büro / stell dir ein Bett dort hinein / und schlaf mit Akten und Computern ein“ Katja Ebstein, 1980

Merkel hätte in ähnlicher Situation auch nicht einfach ja gesagt. Sie hat vermutlich außerhalb eines Standesamts noch niemals einfach ja gesagt; sie hätte vermutlich begonnen mit „Dazu muss man wissen“ oder, jovial, „Ach, wissen Sie“, und dann wäre es womöglich gleichfalls weitergegangen mit etwas, was immer auch sozusagen mit der Tatsache verknüpft ist. Aber man hätte seinen Spaß daran haben können, so wie man an Lübke (gemeinerweise) seinen Spaß haben konnte. Merkel war, wie Kohl, der trost- und gnadenreiche Ausblick ins Vorsprachlich-Naturhafte, ins Kalmierend-Erlöse letztlicher Sinnzersetzung, war schopenhauerhafte Weltüberwindung in der Suspendierung des Erkenntnisvermögens; oder wenigstens Bachtinscher Karneval. Was AKKs Sprechwerkzeuge produzieren, ist bloß und immer noch Mitteilung, und zwar bürokratische, ist das Aufsagen als Nichtsagen, Unnatur im Subjekt, eine Materialschlacht ums Minimum.

Merkel, das war in den besten Momenten Dada, war De- als Rekonstruktion; AKK, die tatsächlich als Paraphe geführt werden will, ist die ewige Wiedervorlage und die Widerlegung der strukturalistischen Idee, dass Bedeutung sich aus dem ergibt, was notwendig ungesagt bleibt. Denn nichts bleibt ungesagt, wenn soviel mehr gesagt wird, als nötig wäre, und nichts falscher, als auch hier den Kleistschen Gliedermann zu sehen, dessen Bewusstlosigkeit jenes Paradies ist, aus dem uns Merkel huldvoll winkte. Der Marionette eignet ja noch Menschliches, indem keine ihrer Bewegungen genau absehbar und, mäße man nur ganz genau, sogar einzigartig ist. AKK dagegen ist das, von dem man weiß, dass es kommt, und dann kommt’s.

Falls nicht doch eher Merz kommt.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: &

Eigentlich schade, dass es den Zeitungen so schlecht geht, finden sich in ihnen doch immer wieder interessante, lustige, anrührende Geschichten. Im Morgenblatt durfte sich ein Schriftsteller, der zwar den schönen Namen Leander Scholz trägt, vorm Material aber eher wenig Respekt hat („nachvollziehen“, „zeitgleich“), sich als unverbesserlicher Sozialdemokrat outen, der „sich nicht vorstellen kann, eine andere Partei zu wählen“, und dem es ein Herzensanliegen war, unter der Überschrift „Riskante Vielfalt“ mal ganz was Originelles vorzuschlagen: Mehr Gleichheit statt immer bloß Vielfalt. Uff: „Die Gesellschaft besteht inzwischen aus einer Vielzahl von Communitys, die sich ethnisch, kulturell, religiös oder sexuell definieren. In dieser Hinsicht hat sich Deutschland den Vereinigten Staaten angeglichen. Der Preis für den Verzicht auf eine stärkere Gemeinschaft ist allerdings die Schwierigkeit, einen Konsens für soziale Reformen zu finden.“

Verstehe: Die „Bürgerversicherung“ und „eine Rentenkasse, in die alle einzahlen“, die hätten wir längst, wenn nicht die Türken, Veganerlesben und sonstig Minoritären mit ihren Ansprüchen auf Vielfalt dafür sorgten, dass – ja, was eigentlich: dass keine Zeit für den Sozialismus bleibt? Man lese genauer, als der Scholz evtl. zu schreiben versteht: Der Preis, den wir zahlen – das beschreibt eine Kausalbeziehung. Wenn ich heirate, ist der Preis, den ich zahle, dass ich nicht mehr ungestraft in der Gegend herumpoussieren kann. Wenn ich Vielfalt will, ist der Preis mehr Ungleichheit, und das klingt solange einleuchtend, wie ich auf das Adjektiv „sozial“ verzichte. Denn warum sind Vielfalt und soziale (als schlicht materielle) Gleichheit Gegensätze? In der freien Assoziation, die Marx und Engels vorschwebten und in der die freie Entwicklung des einzelnen Voraussetzung für die freie Entwicklung aller ist, warum sollte da eins, „unerpressbar“ (Dath), nicht morgens trans, mittags cis und abends Steuerzahlerin, Autofahrer oder Carnivore sein?

Aber auf Marx und Engels beruft sich ein leidenschaftlicher Sozialdemokrat zuletzt, weshalb wir da landen, wo man immer landet, wenn Vielfalt, selbst wenn sie als selbstredend „wichtig“ etikettiert wird, als Hemmschuh fürs große Ganze gelten muss: „Die Nation, die im 19. Jahrhundert die demokratische Gleichheit aller Bürger verkörpert hat, ist etwas für Verlierer geworden … Ohne Ausbildung eines demokratischen Patriotismus werden auch die Einrichtungen der Demokratie keinen dauerhaften Bestand haben.“ Andere Möglichkeit: Establishment und BDI gewähren die Bürgerversicherung und die Rentenkasse, in die alle einzahlen. Aber da das zugegebenermaßen abwegig ist, muss die Nation es richten, der gegenüber der Einzelwille, bitte sehr, zurückstecken muss, zumal der, der sich in einer Community dem Volksganzen verweigert.

„Gas! – Und durch! – Und vorwärts mit Gewinn. / Zugegeben, wie bereits vor zwanzig-dreißig-Jahren – /
A b e r: immerhin!“ Rühmkorf, 2008

Aber man muss die Sozialdemokratie verstehen: Da strampelt sie sich seit anderthalb Jahrhunderten ab, die Interessen von Kapital und Arbeit zu versöhnen, obwohl die sich zueinander wie Öl und Wasser verhalten und sich, wie Salatfans wissen, nur unter Zugabe jenes Senfs vermischen, den nationale Schriftsteller dazudrücken. Und was hat sie davon? Dass die Grünen ihr den Rang ablaufen, und der Leitartikel weiß auch, warum: „Für ihre Sache zeigen sie seit Jahrzehnten Leidenschaft, Verantwortung, Augenmaß. Was jetzt offenbar so vielen Menschen imponiert, ist das auf Unterbau und Haltung fußende Selbstbewusstsein, Antworten zu riskieren, statt lediglich Fragen zu stellen“, etwa auf die Frage: Beteiligen wir uns an einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg? „Neulich auf der Frankfurter Buchmesse diskutierte ihr baden-württembergischer Ministerpräsident Kretschmann über sein neues Buch. Darin definiert er einen Konservatismus aus Humanität und Ordnung, Freiheit und Sicherheit, Ökonomie und Ökologie. Das Publikum am überfüllten Messestand verhielt sich auf eine Weise, für die der Ausdruck ,an den Lippen hängen’ erfunden worden ist“, denn da wurde alles gut und konnte alles so bleiben. Und statt sich, wie verzweifelte Sozialdemokraten, über Gleichheit und Vielfalt wenigstens den Kopf zu zerbrechen, begnügen sich Grüne mit Weichheit und Einfalt, in Verantwortung für die Schöpfung und den Profit, und zwar mit klarer Präferenz fürs Kapital (Kretschmann/Daimler).

Das macht die Sache freilich leicht.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Fast

Langweilige Nachricht: Der sog. Schulerfolg hängt in Deutschland lt. Pisa-Forschung immer noch stärker vom Elternhaus ab als sonst in Europa. Nicht so langweilige Nachricht: Die Schule für alle, die gibt es schon, wenn etwa im bürgerlichen Tübingen der Anteil der Gymnasiasten und Gymnasiastinnen bereits bei 70 Prozent liegt. „Es ist die womöglich größte Ironie der jüngeren Bildungsgeschichte: Das Ideal der Gesamtschulverfechter, die Oberschule für (fast) alle, existiert. Es heißt Gymnasium“ (SZ, „Schule und Hochschule“, 22.10.).

Für Ironie sind wir natürlich immer, und vergessen wir also alles, was hier und andernorts über Staat, Welt und Gesellschaft gesagt worden ist. Es ist nämlich sowieso alles prima, oder immerhin fast, und wenn zwei Drittel mit allen auf die richtige Schule gehen und ein Drittel auf die geht, die es auch noch gibt, dann ist eben (fast) alles in Ordnung und hat sich die Zweidrittelgesellschaft, von der zu sprechen einst als Vorwurf gemeint war, als Ziel und Zweck, ja geradezu als Erfüllung menschlicher Assoziation etabliert. (Nebenbei: Je mehr auf die richtige Schule gehen, desto stigmatisierender die falsche. Deshalb lag im örtlichen Buchhandel zum Schulbeginn auch das exemplarische Buch für beginnende Viertkläßler: „Sicher aufs Gymnasium“. Statt nämlich auf die Resterampe.)

Auf FAZ.net neulich immerhin ein Bericht aus Estland, wo die sog. digitale Schule vorbildliche Fortschritte macht, und auf dem Foto sahen wir sehr sinnreich eine Digitaltafel, über eine klassische aus Schiefer gehängt, und die digitale hat halt viele Vorteile: Sie ist ein Bildschirm/ein Suchtmittel, geht irgendwann kaputt und ist gottlob auch nicht nachhaltig. (Wie von Leuten, die damit Umgang haben, zu hören ist, ist bereits das sog. Whiteboard der letzte Quatsch: Die Stifte stinken, landen irgendwann auf dem Müll, und um es richtig sauberzukriegen, braucht es Chemie. Statt einfach Wasser.) Aber so geht nun mal der Fortschritt, und den Fortschritt brauchen wir, damit niemand merkt, dass keiner ist; was solange gutgehen mag, wie das Drittel, das bereits offiziell nicht mehr vorkommt, mit Teilen des nächsten Drittels, das Angst hat, nicht mehr vorzukommen, und einer Oberschicht, der nichts passieren kann und die will, dass das so bleibt, plötzlich Leute wählt, die „mit dem Faschismus liebäugeln“ (Quelle vergessen, irgendein liberales Spitzenblatt), also (fast) Faschisten sind: die die Folter wieder einführen wollen, Schießbefehle wider alles Linke ausstellen, die Justiz entmachten und das Land gegen jüdische Milliardäre aufhetzen und außerdem natürlich lügen, wenn sie den Mund aufmachen.

 „Auf die Frage nach dem Ziel der emanzipierten Gesellschaft erhält man Antworten wie die Erfüllung der menschlichen Möglichkeiten oder den Reichtum des Lebens. So illegitim die unvermeidliche Frage, so unvermeidlich das Abstoßende, Auftrumpfende der Antwort, welche die Erinnerung an das sozialdemokratische Persönlichkeitsideal vollbärtiger Naturalisten der neunziger Jahre aufruft, die sich ausleben wollten. Zart wäre einzig das Gröbste: dass keiner mehr hungern soll.“ Adorno, 1945

„Knapp vorbei ist auch daneben.“ Volksweisheit

Die Zweidrittelgesellschaft, finden unsere Demokraten, ist da noch die beste unter den schlechten Möglichkeiten, und solange sich beim Ausräubern der Welt noch soviel Profit machen lässt, dass in den Metropolen (fast) alle was davon haben, kann (fast) alles so weitergehen. Sinken die Profite, muss man sich was einfallen lassen, und das sieht dann so aus, dass man den Massen zu ihrem Ausdruck statt zu ihrem Recht verhilft.

Es ist (fast) langweilig.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Zeit für Gefühle

Ich behaupte ja immer, es gebe gar keine Zukunft mehr, aber wenn die Grünen, wie es aussieht, die Partei der Zukunft sind, muss es dann nicht eine geben?

Andersherum wird ein Schuh daraus: Eben weil es keine Zukunft gibt, gibt es eine Partei, die die Zukunftslosigkeit grün kaschiert, und Wolfgang Pohrt, der alte Radikaldialektiker, hat es vor dreißig Jahren schon gewusst: dass eben die vielbesungene „Gewaltfreiheit“ der Grünen bedeutet, alles so zu lassen, wie es ist, denn das Gesellschaftsverhältnis ist ein Gewaltverhältnis, und ohne Gewalt ändern sich die Verhältnisse nicht. Das soll, wie vieles andere, aber bitte jeder und jede selbst nachlesen, denn die Edition Tiamat hat mir die (in jedem Sinn) frischen Bände der Werkausgabe (5.1 und 5.2) nicht zur Verfügung gestellt, damit ich sie hier abschreibe.

Die Grünen vertreten, es stimmt, ein „Lebensgefühl“, das, während das Leben bekanntlich nicht mehr lebt, dafür sorgt, dass es sich wenigstens so anfühlt. Die SPD hingegen, die von den Grünen als Generalvertretung des linksliberalen Stadtbürgertums abgelöst worden ist, hat vermutlich zuletzt unter Willy Brandt ein Lebensgefühl zur Wahl gestellt (falls der Schrödersche Zynismus nicht auch eines war); was sie heute darstellt und ausdrückt, ist nur mehr der Verrat, der Sozialdemokratie wesensmäßig ist und den sie, geradezu bestrafungssehnsüchtig, wo es nur eben geht eilfertig herausstreicht (Maaßen!). Mit diesem Verrat hatte man sich solang arrangieren können, wie die Absicht, mehr Demokratie zu wagen, sich in ein Lebensgefühl übersetzen ließ, ein Gefühl, das die SPD unter Helmut („Nachrüstung“) Schmidt nicht mehr bedienen wollte. Weshalb die Grünen kommen mussten, auch wenn die in ihren Anfängen das Stadtbürgerliche noch nicht so drauf hatten (trotz der von Pohrt ’86 in den Senkel gestellten „Sehnsucht der entpolitisierten westdeutschen Wohngemeinschaftslinken nach dem neidvoll gehassten Spießerglück“, nämlich der Taz zum Frühstück mit Ei und Kaffee); ein Grund vielleicht für das Popperjahrzehnt 1982ff., das weniger jung und cool denn jung und Kohl war.

Das Lebensgefühl Merkel aus offenem Stillstand als sturem Abwarten hat sich verbraucht, und die Halluzination, dass es gut sei, wie es ist, und es sogar noch besser werden wird, verkörpern die Grünen heute wie sonst niemand; wenn sich der nötige Fortschritt bloß in jedem Fall kaufen lässt („Immer mehr Menschen wechseln vom Auto aufs Lastenrad, vor allen in den Städten … Der Faltradspezialist Tern hat mit seinem motorisierten GSD-Modell ein relativ schlankes Modell entwickelt“, Zeit online, 13.10.) und Politik als Milieu- und Klientelveranstaltung nichts Schlechtes ist, wenn das Milieu nur nicht aus Anlageberatern und Porschefahrerinnen besteht (FDP), sondern juste ist, nämlich gefühlt (sic) „links von der Mitte“ (Hiska Prinz, Grüne Hessen). Der Vorwurf linksgrünen Moralismus hat insofern seine Wahrheit, als, soweit der Hauptwiderspruch von Arbeit und Kapital keiner ist, der irgendwen um den Schlaf bringt, Politik aus Moral bestehen muss, und da ist die grün-sozialliberale Moral faschistischer „Volks-“Moral (wie sie in Ungarn etwa neuerdings Obdachlosigkeit zur Straftat macht) freilich unbedingt vorzuziehen.

„Trapped today, trapped tomorrow“ Fury in the Slaughterhouse, 1991

Was da noch Zukunft ist, hat, sehr unfreiwillig und freilich bona fide, der Regisseur Peter Jackson vorgeführt, der jetzt Originalaufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg restauriert und koloriert hat, so dass sie aussehen wie frisch gefilmt. Das ist nicht etwa die reine Bestätigung von allem, was je unter dem Rubrum „Kulturindustrie“ (die alles mit Ähnlichkeit schlägt) oder „Simulation“ vorgebracht worden ist („Ein schizophrener Rausch von seriellen Zeichen, … die in ihrer Wiederholung eingeschlossen sind – wer könnte sagen, wo die Realität dessen ist, was sie simulieren?“, Baudrillard), sondern im Gegenteil super, wie im „Heute-Journal“ eine Londoner Kulturbeauftragte fand: Denn wenn 15jährige heute schwarz-weiß sähen, dann schalteten sie ja weg, und wenn sie aber etwas sehen, das sich von Kino nicht mehr unterscheidet, dann eben nicht; aber dann sehen sie Kino, und für das gilt: „Is’ nur Kino, alles halb so schlimm“ (Rodgau Monotones, 1985).

Es ist diese totale Gegenwart, die die grüne Zukunft ermöglicht. Man lese den Satz ruhig in beide Richtungen.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Heiße Fragen

Der verstorbene Mainzer Bischof Lehmann war ein freundlicher Mann der Bücher und kam mir immer vor, als verstehe er seine Sache eher metaphorisch, als glaube er also nicht im Ernst daran, nach dem Tode warte der Heiland samt Papa auf der Wolke, sondern begreife und akzeptiere das Ganze als schlicht irdisch trostfunktional, als eine konkrete Allegorie oder einen sozusagen Verblendungszusammenhang, aber einen aus Gründen und mit sozialem Nutzen.

Als die Tagesschau neulich von der Aufforderung des Weltklimarats berichtete, es eher unbedingt als nur vielleicht bei 1,5 Grad Erderwärmung zu belassen, durfte, nachdem alle Parteien vor der Kamera mit den Köpfen genickt hatten, auch ein AfD-Mann was sagen, und er sagte, freilich sei Naturschutz wichtig, gute Luft und so, aber er und seine Partei glaubten nicht an den Zusammenhang von Klimagas und Klimaschock. Punktum. Nun ist die Zivilisationsgeschichte der Menschheit eine Geschichte der Wahnsysteme, und „wenn einer mal sich in einen Gedanken förmlich hineinverrent, dann ist er ja wie vernagelt“ (Polt, Nikolausi); aber es ist auch funktional natürlich sinnvoll, einen solchen Wahn im Programm zu haben, gerade wenn es stimmt, dass die AfD als faschistische Partei das herrschende System ja nicht rundheraus abschaffen, sondern bloß versimpeln und um gewisse zivilisatorische Hemmnisse erleichtern, mithin auf seinen Markenkern zurückbringen will.

Diese Hemmnisse – Frauenrechte, Umweltschutz u. dgl. – sind nämlich ein Eingeständnis von Dysfunktionalität: Was der Kapitalismus nicht aus sich heraus leistet, muss als Reparaturleistung erbracht werden. Hält man diese Reparaturleistungen für verzichtbar, kehrt man zur guten alten Unsichtbaren Hand zurück, die alles so gut einrichtet, dass man sie nicht dabei stören soll. Die AfD, das darf man nicht vergessen, hat ein neoliberales Wirtschaftsprogramm, und wenn sie sich von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft noch etwa unterscheidet, dann darin, dass hier aus exportwirtschaftlichen Gründen noch etwas aufs Dekor gesehen wird und der Liberalismus gegen den Neger auch nichts hat, als Preisdrücker und solange sich dessen Arbeitskraft ausbeuten lässt.

„Wot?“ Captain Sensible, 1982

Die offene Irrationalität der Erzählung von der Klimaschocklüge ist also auch nicht irrationaler als der sture Glaube ans umfänglich private Wirtschaften, und wenn Kollege Zielcke sich via SZ in der Behauptung sonnt, Kapitalismus sei „eine genuine Form des Sozialismus“, denn Kapitalismus sei letztlich ein „soziales Projekt“ mit einem, oha, „sozialen Grundversprechen“, und es für sonnenklar hält, dass „die Freiheit des Individuums … jede zentrale Wirtschaftslenkung ausschließt, sofern diese als Kommandosystem die individuelle Handlungsfreiheit vereitelt“, dann wird ihm und uns auch ohne Klimawandel heiß: „Folgt daraus, dass das Freiheitsprinzip zwingend das Privateigentum an Produktionsmitteln erfordert? Eine heiße Frage, die wir hier aussparen.“

So wie die AfD die heiße Frage ausspart, ob das Achselzucken angesichts kommender Weltuntergänge in jottweedee nicht völkischer Mord sei; und wir die noch heißere, ob die Verteidigung vom gottgebenen Kapitalismus mit seinen gottgebenen Hierarchien einen solchen Zulauf (Prognose für Bayern: bis zu 14 Prozent) vielleicht nicht deshalb hat, weil die Leute nichts mehr sagen dürften, sondern weil sie nichts mehr fragen können.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Ralph C. Freund!

Da massakriert ein weißer Nationalist in der texanischen Grenzstadt El Paso unter anderem sieben Mexikaner, woraufhin der US-Präsident seine gewohnte ausländerfeindliche Hetze betreibt. Und Sie, Chef der sog. »Republicans Overseas«, dürfen bei WDR 5 den in die Kritik Geratenen in fließendem Deutsch verteidigen: »Trump ist nun alles, aber kein Rassist.«

Na, klar Robert »C.« Freund, und das »C«, welches der damalige Immobilienspekulant und Vermieter Trump schon Anfang der Siebziger Jahre in die Bewerbungsunterlagen farbiger Wohnungsinteressenten stempeln ließ – ein Vorgehen, für das er schon damals von den US-Behörden verklagt worden ist –, stand auch nicht für »colored«, sondern für das auf die Weltläufigkeit seines Initiators verweisende Wort »Cosmopolitan«, nicht wahr?

Keine Grüße: Titanic

 Gloria von Thurn und Taxis,

neulich fanden wieder mal die Festspiele im Innenhof Ihres Regensburger Schlosses statt. Da jubeln immer alle und freuen sich, und die geladenen Künstler, beispielsweise Elton John und Sting und Tom Jones, bedanken sich artig für die Einladung.

Und jetzt das! Bevor die Band Revolverheld zur Zugabe ansetzte, sagte Sänger Johannes Strate: »Wir spielen hier auf dem Grund einer Frau, mit deren Werten wir überhaupt nicht übereinstimmen. Man darf Missbrauch in der katholischen Kirche nicht bagatellisieren und Flüchtlinge nicht elendig im Mittelmeer verrecken lassen.« Und alle klatschten und jubelten. Und Sie? Sie sagten: »Gott sei Dank darf man heute noch seine Meinung sagen.«

Das stimmt, Prinzessin, Sie tun das ja unentwegt, haben Abtreibung als »Massenmord«, Beten als Heilmittel gegen Homosexualität und Migration als »eine Art Krieg« bezeichnet. Über jahrzehntelange Misshandlungen bei den Regensburger Domspatzen vermeldeten Sie: »In meiner Jugend waren Schläge ein ganz normales pädagogisches Mittel, um mit frechen Kindern, wie ich eines war, fertig zu werden.« Vor einem halben Jahr klang Ihre Meinung zur Meinungsfreiheit übrigens noch so: »Natürlich gibt es die Meinungsfreiheit. Aber wir dürfen nicht sagen, was wir denken.«

Mit Blick auf das, was Sie ohne Beteiligung Ihrer grauen Zellen von sich stemmen, möchte tatsächlich keinesfalls auch noch wissen, was Sie denken: Titanic

 Privet, »Zeit Campus«!

In Deinem aktuellen Heft findet sich eine Reportage über Punkrockbands in Russland und darin wiederum der Satz: »Pornofilmy«, eine der Bands, »bezeichnet sich selbst als regierungskritisch. Ihre Lieder heißen Armes Land oder Traut der Regierung nicht

Wir halten journalistische Skepsis ja wirklich in allen Ehren, aber in manchen Situationen und bei gewissen Indizien darf man seinen Interviewpartnern auch einfach mal glauben.

Finden zumindest Deine Naivchen von der Titanic

 Moinmoin, Nandus!

Moinmoin, Nandus!

Vor 18 Jahren seid Ihr aus einer Lübecker Straußenfarm ausgebüchst und habt Euch seither munter in Nordwestmecklenburg angesiedelt. Anfangs nur ein gutes Dutzend, ist Eure Population auf mittlerweile über 500 Laufvögel angewachsen. Wenn das so weitergeht, stellt Ihr demnächst in Eurem Landkreis die Bevölkerungsmehrheit.

Doch aufgepasst: Ihr habt zwar keine natürlichen Feinde, seit kurzem jedoch die Alphatierchen und Aasgeier von der FDP im Nacken, die Euch ins deutsche Jagdrecht aufnehmen wollen und als »große Gefahr« geißeln. Kleine Bitte: Könntet Ihr, statt konzeptlos alle Felder leerzufuttern, nicht zur Abwechslung mal was Sinnvolles tun, z.B. den Lebensraum des Nazidorfs Jamel verwüsten oder wenigstens das Kreisbüro der örtlichen FDP (Dorfstraße 27, 19417 Jesendorf)? Auf, auf!

Eure Fressfreunde von Titanic

 Glückwunsch, Simon Rolfes!

Sie sind Sportdirektor des Fußballvereins Bayer Leverkusen und äußerten jüngst den Satz: »Wir kommen vom Ansatz, mit dem Ball spielen zu wollen.«

Und wir kommen vom Ansatz, Ihnen zu gratulieren, dass das der genau richtige Ansatz ist, denn Fußball ist ja schließlich eine Ballsportart. Hätten Sie etwa behauptet, Sie kämen vom Ansatz, mit dem Puck spielen zu wollen, oder mit Doppelkopfkarten, oder gar mit dem Gedanken, künftig Eigenblutdoping zu betreiben, wären das total falsche Ansätze gewesen. So aber haben Sie eindrucksvoll bewiesen, dass Sie vom Ansatz her der absolut richtige Mann am richtigen Ort sind und nicht etwa ballaballa.

Verwandelt diesmal ansatzlos: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Zu ihrem Uniabschluss

wollte sich meine Freundin ein Cutting, ein Narbentattoo, zulegen. Ihr Freund hegte allerdings ästhetische Bedenken, sodass sie ihr Vorhaben verschob. Seit einiger Zeit sind die beiden allerdings getrennt, und die Sache ist damit geritzt.

Laura Brinkmann

 Habenwollen

Wenn ich Erich Fromms Buch »Haben oder Sein« verliehen habe, darf ich dann nach einiger Zeit sagen, dass ich es gerne zurückhaben würde, oder habe ich dann mal wieder gar nichts verstanden?

Ludger Fischer

 Unpolitische Tiere: der Adler

Adler, Adler schweb empor
Du hast heute Großes vor
Flieg hinauf auf deinen Schwingen
Schwebe über allen Dingen
Segle, kreise, räsoniere
Sinne nach und meditiere
Über diese Frage nur:
War heute nicht die Müllabfuhr?

Gunnar Homann

 Add Blue

Die Zeit, in der mit Ersatzflüssigkeit Bindenwerbung gemacht wurde, wird auch als die Blaue Periode der Werbeindustrie bezeichnet.

Tobias Speckin

 Fast schon Werbung

Beim Einkauf von Grillklimbim stieß mir Kohle mit Öko-Siegel ins Auge, die damit warb, dass sie »erstaunlich gut« brennbar sei. Ja, wagen denn nicht einmal Reklamefritzen in Zeiten der durch Streamingwerbung seelisch verhornten Kundschaft noch das ganz grelle Ranwanzen? Was kommt als nächstes? »Schokoriegel – schmeckt scheiße wäre leicht übertrieben«? »Mehl – dare to call it unschwarz«? »Dildo – nicht schlecht für einen Schwanz«?

Jasper Nicolaisen

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
15.09.2019 Göppingen, Schloss Filseck F. W. Bernstein: »Sinnverlust ist Lustgewinn«
16.09.2019 Frankfurt, Henscheid Mark-Stefan Tietze
19.09.2019 Berlin, Hausbrauerei Eschenbräu Katharina Greve
19.09.2019 Frankfurt, Museum für Komische Kunst Hans Traxler