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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Büro, Büro

Es ist ja gar nicht so, dass alles nur dumm wäre, und man darf und soll ruhig Augen und Ohren offen halten für das Schöne, ja Numinose, das im Kot des Alltags um so tröstlicher leuchtet.

Ob sie „bereit und auch willens“ wäre, Kanzlerin zu werden, frug Slomkas Marietta Annegret Kramp-Karrenbauer am 7.11. d.J. im Heute-Journal, und Annegret Kramp-Karrenbauer sagte nicht einfach ja. Sie sagte: „Also wenn man sich um den Vorsitz der CDU Deutschlands, der größten Volkspartei in Deutschland bewirbt, dann ist das natürlich explizit immer auch sozusagen mit der Tatsache verknüpft, dass man eines Tages in diese Rolle kommen kann. Aber, in Deutschland ist es so und das ist richtig so, es entscheidet der Wähler, es entscheidet die Wählerin, darüber, wer Kanzlerin oder wer Kanzler wird. Die Aufgabe einer Parteivorsitzenden ist es, gemeinsam mit den Verantwortlichen dafür sorgen, dass die Partei inhaltlich, organisatorisch, personell so aufgestellt ist, dass sie, wann immer Neuwahlen sind, mit wem immer Neuwahlen sind, ein so gutes Ergebnis erreicht, dass sie überhaupt in die Verlegenheit kommt, über eine Nachfolge von Angela Merkel dann nachzudenken.“

Eigentlich sind ja alle drei spitze: Merz, weil er das hässliche Gesicht des Kapitalismus ist und es wirklich interessant wäre zu sehen, wie ein Alphamann aus der altbundesrepublikanischen Mottenkiste den postdemokratischen, vertwitterten Laden auf Trab bringt; Spahn, weil das Gruselmonster Spahn als Kanzler so was wunderbar Wahnsinniges wäre; und eben „AKK“, weil sie Merkel ohne deren ästhetische Qualitäten ist, also gar nichts.

„Dann heirat’ doch dein Büro, / dann heirat’ doch dein Büro / stell dir ein Bett dort hinein / und schlaf mit Akten und Computern ein“ Katja Ebstein, 1980

Merkel hätte in ähnlicher Situation auch nicht einfach ja gesagt. Sie hat vermutlich außerhalb eines Standesamts noch niemals einfach ja gesagt; sie hätte vermutlich begonnen mit „Dazu muss man wissen“ oder, jovial, „Ach, wissen Sie“, und dann wäre es womöglich gleichfalls weitergegangen mit etwas, was immer auch sozusagen mit der Tatsache verknüpft ist. Aber man hätte seinen Spaß daran haben können, so wie man an Lübke (gemeinerweise) seinen Spaß haben konnte. Merkel war, wie Kohl, der trost- und gnadenreiche Ausblick ins Vorsprachlich-Naturhafte, ins Kalmierend-Erlöse letztlicher Sinnzersetzung, war schopenhauerhafte Weltüberwindung in der Suspendierung des Erkenntnisvermögens; oder wenigstens Bachtinscher Karneval. Was AKKs Sprechwerkzeuge produzieren, ist bloß und immer noch Mitteilung, und zwar bürokratische, ist das Aufsagen als Nichtsagen, Unnatur im Subjekt, eine Materialschlacht ums Minimum.

Merkel, das war in den besten Momenten Dada, war De- als Rekonstruktion; AKK, die tatsächlich als Paraphe geführt werden will, ist die ewige Wiedervorlage und die Widerlegung der strukturalistischen Idee, dass Bedeutung sich aus dem ergibt, was notwendig ungesagt bleibt. Denn nichts bleibt ungesagt, wenn soviel mehr gesagt wird, als nötig wäre, und nichts falscher, als auch hier den Kleistschen Gliedermann zu sehen, dessen Bewusstlosigkeit jenes Paradies ist, aus dem uns Merkel huldvoll winkte. Der Marionette eignet ja noch Menschliches, indem keine ihrer Bewegungen genau absehbar und, mäße man nur ganz genau, sogar einzigartig ist. AKK dagegen ist das, von dem man weiß, dass es kommt, und dann kommt’s.

Falls nicht doch eher Merz kommt.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: &

Eigentlich schade, dass es den Zeitungen so schlecht geht, finden sich in ihnen doch immer wieder interessante, lustige, anrührende Geschichten. Im Morgenblatt durfte sich ein Schriftsteller, der zwar den schönen Namen Leander Scholz trägt, vorm Material aber eher wenig Respekt hat („nachvollziehen“, „zeitgleich“), sich als unverbesserlicher Sozialdemokrat outen, der „sich nicht vorstellen kann, eine andere Partei zu wählen“, und dem es ein Herzensanliegen war, unter der Überschrift „Riskante Vielfalt“ mal ganz was Originelles vorzuschlagen: Mehr Gleichheit statt immer bloß Vielfalt. Uff: „Die Gesellschaft besteht inzwischen aus einer Vielzahl von Communitys, die sich ethnisch, kulturell, religiös oder sexuell definieren. In dieser Hinsicht hat sich Deutschland den Vereinigten Staaten angeglichen. Der Preis für den Verzicht auf eine stärkere Gemeinschaft ist allerdings die Schwierigkeit, einen Konsens für soziale Reformen zu finden.“

Verstehe: Die „Bürgerversicherung“ und „eine Rentenkasse, in die alle einzahlen“, die hätten wir längst, wenn nicht die Türken, Veganerlesben und sonstig Minoritären mit ihren Ansprüchen auf Vielfalt dafür sorgten, dass – ja, was eigentlich: dass keine Zeit für den Sozialismus bleibt? Man lese genauer, als der Scholz evtl. zu schreiben versteht: Der Preis, den wir zahlen – das beschreibt eine Kausalbeziehung. Wenn ich heirate, ist der Preis, den ich zahle, dass ich nicht mehr ungestraft in der Gegend herumpoussieren kann. Wenn ich Vielfalt will, ist der Preis mehr Ungleichheit, und das klingt solange einleuchtend, wie ich auf das Adjektiv „sozial“ verzichte. Denn warum sind Vielfalt und soziale (als schlicht materielle) Gleichheit Gegensätze? In der freien Assoziation, die Marx und Engels vorschwebten und in der die freie Entwicklung des einzelnen Voraussetzung für die freie Entwicklung aller ist, warum sollte da eins, „unerpressbar“ (Dath), nicht morgens trans, mittags cis und abends Steuerzahlerin, Autofahrer oder Carnivore sein?

Aber auf Marx und Engels beruft sich ein leidenschaftlicher Sozialdemokrat zuletzt, weshalb wir da landen, wo man immer landet, wenn Vielfalt, selbst wenn sie als selbstredend „wichtig“ etikettiert wird, als Hemmschuh fürs große Ganze gelten muss: „Die Nation, die im 19. Jahrhundert die demokratische Gleichheit aller Bürger verkörpert hat, ist etwas für Verlierer geworden … Ohne Ausbildung eines demokratischen Patriotismus werden auch die Einrichtungen der Demokratie keinen dauerhaften Bestand haben.“ Andere Möglichkeit: Establishment und BDI gewähren die Bürgerversicherung und die Rentenkasse, in die alle einzahlen. Aber da das zugegebenermaßen abwegig ist, muss die Nation es richten, der gegenüber der Einzelwille, bitte sehr, zurückstecken muss, zumal der, der sich in einer Community dem Volksganzen verweigert.

„Gas! – Und durch! – Und vorwärts mit Gewinn. / Zugegeben, wie bereits vor zwanzig-dreißig-Jahren – /
A b e r: immerhin!“ Rühmkorf, 2008

Aber man muss die Sozialdemokratie verstehen: Da strampelt sie sich seit anderthalb Jahrhunderten ab, die Interessen von Kapital und Arbeit zu versöhnen, obwohl die sich zueinander wie Öl und Wasser verhalten und sich, wie Salatfans wissen, nur unter Zugabe jenes Senfs vermischen, den nationale Schriftsteller dazudrücken. Und was hat sie davon? Dass die Grünen ihr den Rang ablaufen, und der Leitartikel weiß auch, warum: „Für ihre Sache zeigen sie seit Jahrzehnten Leidenschaft, Verantwortung, Augenmaß. Was jetzt offenbar so vielen Menschen imponiert, ist das auf Unterbau und Haltung fußende Selbstbewusstsein, Antworten zu riskieren, statt lediglich Fragen zu stellen“, etwa auf die Frage: Beteiligen wir uns an einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg? „Neulich auf der Frankfurter Buchmesse diskutierte ihr baden-württembergischer Ministerpräsident Kretschmann über sein neues Buch. Darin definiert er einen Konservatismus aus Humanität und Ordnung, Freiheit und Sicherheit, Ökonomie und Ökologie. Das Publikum am überfüllten Messestand verhielt sich auf eine Weise, für die der Ausdruck ,an den Lippen hängen’ erfunden worden ist“, denn da wurde alles gut und konnte alles so bleiben. Und statt sich, wie verzweifelte Sozialdemokraten, über Gleichheit und Vielfalt wenigstens den Kopf zu zerbrechen, begnügen sich Grüne mit Weichheit und Einfalt, in Verantwortung für die Schöpfung und den Profit, und zwar mit klarer Präferenz fürs Kapital (Kretschmann/Daimler).

Das macht die Sache freilich leicht.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Fast

Langweilige Nachricht: Der sog. Schulerfolg hängt in Deutschland lt. Pisa-Forschung immer noch stärker vom Elternhaus ab als sonst in Europa. Nicht so langweilige Nachricht: Die Schule für alle, die gibt es schon, wenn etwa im bürgerlichen Tübingen der Anteil der Gymnasiasten und Gymnasiastinnen bereits bei 70 Prozent liegt. „Es ist die womöglich größte Ironie der jüngeren Bildungsgeschichte: Das Ideal der Gesamtschulverfechter, die Oberschule für (fast) alle, existiert. Es heißt Gymnasium“ (SZ, „Schule und Hochschule“, 22.10.).

Für Ironie sind wir natürlich immer, und vergessen wir also alles, was hier und andernorts über Staat, Welt und Gesellschaft gesagt worden ist. Es ist nämlich sowieso alles prima, oder immerhin fast, und wenn zwei Drittel mit allen auf die richtige Schule gehen und ein Drittel auf die geht, die es auch noch gibt, dann ist eben (fast) alles in Ordnung und hat sich die Zweidrittelgesellschaft, von der zu sprechen einst als Vorwurf gemeint war, als Ziel und Zweck, ja geradezu als Erfüllung menschlicher Assoziation etabliert. (Nebenbei: Je mehr auf die richtige Schule gehen, desto stigmatisierender die falsche. Deshalb lag im örtlichen Buchhandel zum Schulbeginn auch das exemplarische Buch für beginnende Viertkläßler: „Sicher aufs Gymnasium“. Statt nämlich auf die Resterampe.)

Auf FAZ.net neulich immerhin ein Bericht aus Estland, wo die sog. digitale Schule vorbildliche Fortschritte macht, und auf dem Foto sahen wir sehr sinnreich eine Digitaltafel, über eine klassische aus Schiefer gehängt, und die digitale hat halt viele Vorteile: Sie ist ein Bildschirm/ein Suchtmittel, geht irgendwann kaputt und ist gottlob auch nicht nachhaltig. (Wie von Leuten, die damit Umgang haben, zu hören ist, ist bereits das sog. Whiteboard der letzte Quatsch: Die Stifte stinken, landen irgendwann auf dem Müll, und um es richtig sauberzukriegen, braucht es Chemie. Statt einfach Wasser.) Aber so geht nun mal der Fortschritt, und den Fortschritt brauchen wir, damit niemand merkt, dass keiner ist; was solange gutgehen mag, wie das Drittel, das bereits offiziell nicht mehr vorkommt, mit Teilen des nächsten Drittels, das Angst hat, nicht mehr vorzukommen, und einer Oberschicht, der nichts passieren kann und die will, dass das so bleibt, plötzlich Leute wählt, die „mit dem Faschismus liebäugeln“ (Quelle vergessen, irgendein liberales Spitzenblatt), also (fast) Faschisten sind: die die Folter wieder einführen wollen, Schießbefehle wider alles Linke ausstellen, die Justiz entmachten und das Land gegen jüdische Milliardäre aufhetzen und außerdem natürlich lügen, wenn sie den Mund aufmachen.

 „Auf die Frage nach dem Ziel der emanzipierten Gesellschaft erhält man Antworten wie die Erfüllung der menschlichen Möglichkeiten oder den Reichtum des Lebens. So illegitim die unvermeidliche Frage, so unvermeidlich das Abstoßende, Auftrumpfende der Antwort, welche die Erinnerung an das sozialdemokratische Persönlichkeitsideal vollbärtiger Naturalisten der neunziger Jahre aufruft, die sich ausleben wollten. Zart wäre einzig das Gröbste: dass keiner mehr hungern soll.“ Adorno, 1945

„Knapp vorbei ist auch daneben.“ Volksweisheit

Die Zweidrittelgesellschaft, finden unsere Demokraten, ist da noch die beste unter den schlechten Möglichkeiten, und solange sich beim Ausräubern der Welt noch soviel Profit machen lässt, dass in den Metropolen (fast) alle was davon haben, kann (fast) alles so weitergehen. Sinken die Profite, muss man sich was einfallen lassen, und das sieht dann so aus, dass man den Massen zu ihrem Ausdruck statt zu ihrem Recht verhilft.

Es ist (fast) langweilig.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Zeit für Gefühle

Ich behaupte ja immer, es gebe gar keine Zukunft mehr, aber wenn die Grünen, wie es aussieht, die Partei der Zukunft sind, muss es dann nicht eine geben?

Andersherum wird ein Schuh daraus: Eben weil es keine Zukunft gibt, gibt es eine Partei, die die Zukunftslosigkeit grün kaschiert, und Wolfgang Pohrt, der alte Radikaldialektiker, hat es vor dreißig Jahren schon gewusst: dass eben die vielbesungene „Gewaltfreiheit“ der Grünen bedeutet, alles so zu lassen, wie es ist, denn das Gesellschaftsverhältnis ist ein Gewaltverhältnis, und ohne Gewalt ändern sich die Verhältnisse nicht. Das soll, wie vieles andere, aber bitte jeder und jede selbst nachlesen, denn die Edition Tiamat hat mir die (in jedem Sinn) frischen Bände der Werkausgabe (5.1 und 5.2) nicht zur Verfügung gestellt, damit ich sie hier abschreibe.

Die Grünen vertreten, es stimmt, ein „Lebensgefühl“, das, während das Leben bekanntlich nicht mehr lebt, dafür sorgt, dass es sich wenigstens so anfühlt. Die SPD hingegen, die von den Grünen als Generalvertretung des linksliberalen Stadtbürgertums abgelöst worden ist, hat vermutlich zuletzt unter Willy Brandt ein Lebensgefühl zur Wahl gestellt (falls der Schrödersche Zynismus nicht auch eines war); was sie heute darstellt und ausdrückt, ist nur mehr der Verrat, der Sozialdemokratie wesensmäßig ist und den sie, geradezu bestrafungssehnsüchtig, wo es nur eben geht eilfertig herausstreicht (Maaßen!). Mit diesem Verrat hatte man sich solang arrangieren können, wie die Absicht, mehr Demokratie zu wagen, sich in ein Lebensgefühl übersetzen ließ, ein Gefühl, das die SPD unter Helmut („Nachrüstung“) Schmidt nicht mehr bedienen wollte. Weshalb die Grünen kommen mussten, auch wenn die in ihren Anfängen das Stadtbürgerliche noch nicht so drauf hatten (trotz der von Pohrt ’86 in den Senkel gestellten „Sehnsucht der entpolitisierten westdeutschen Wohngemeinschaftslinken nach dem neidvoll gehassten Spießerglück“, nämlich der Taz zum Frühstück mit Ei und Kaffee); ein Grund vielleicht für das Popperjahrzehnt 1982ff., das weniger jung und cool denn jung und Kohl war.

Das Lebensgefühl Merkel aus offenem Stillstand als sturem Abwarten hat sich verbraucht, und die Halluzination, dass es gut sei, wie es ist, und es sogar noch besser werden wird, verkörpern die Grünen heute wie sonst niemand; wenn sich der nötige Fortschritt bloß in jedem Fall kaufen lässt („Immer mehr Menschen wechseln vom Auto aufs Lastenrad, vor allen in den Städten … Der Faltradspezialist Tern hat mit seinem motorisierten GSD-Modell ein relativ schlankes Modell entwickelt“, Zeit online, 13.10.) und Politik als Milieu- und Klientelveranstaltung nichts Schlechtes ist, wenn das Milieu nur nicht aus Anlageberatern und Porschefahrerinnen besteht (FDP), sondern juste ist, nämlich gefühlt (sic) „links von der Mitte“ (Hiska Prinz, Grüne Hessen). Der Vorwurf linksgrünen Moralismus hat insofern seine Wahrheit, als, soweit der Hauptwiderspruch von Arbeit und Kapital keiner ist, der irgendwen um den Schlaf bringt, Politik aus Moral bestehen muss, und da ist die grün-sozialliberale Moral faschistischer „Volks-“Moral (wie sie in Ungarn etwa neuerdings Obdachlosigkeit zur Straftat macht) freilich unbedingt vorzuziehen.

„Trapped today, trapped tomorrow“ Fury in the Slaughterhouse, 1991

Was da noch Zukunft ist, hat, sehr unfreiwillig und freilich bona fide, der Regisseur Peter Jackson vorgeführt, der jetzt Originalaufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg restauriert und koloriert hat, so dass sie aussehen wie frisch gefilmt. Das ist nicht etwa die reine Bestätigung von allem, was je unter dem Rubrum „Kulturindustrie“ (die alles mit Ähnlichkeit schlägt) oder „Simulation“ vorgebracht worden ist („Ein schizophrener Rausch von seriellen Zeichen, … die in ihrer Wiederholung eingeschlossen sind – wer könnte sagen, wo die Realität dessen ist, was sie simulieren?“, Baudrillard), sondern im Gegenteil super, wie im „Heute-Journal“ eine Londoner Kulturbeauftragte fand: Denn wenn 15jährige heute schwarz-weiß sähen, dann schalteten sie ja weg, und wenn sie aber etwas sehen, das sich von Kino nicht mehr unterscheidet, dann eben nicht; aber dann sehen sie Kino, und für das gilt: „Is’ nur Kino, alles halb so schlimm“ (Rodgau Monotones, 1985).

Es ist diese totale Gegenwart, die die grüne Zukunft ermöglicht. Man lese den Satz ruhig in beide Richtungen.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Heiße Fragen

Der verstorbene Mainzer Bischof Lehmann war ein freundlicher Mann der Bücher und kam mir immer vor, als verstehe er seine Sache eher metaphorisch, als glaube er also nicht im Ernst daran, nach dem Tode warte der Heiland samt Papa auf der Wolke, sondern begreife und akzeptiere das Ganze als schlicht irdisch trostfunktional, als eine konkrete Allegorie oder einen sozusagen Verblendungszusammenhang, aber einen aus Gründen und mit sozialem Nutzen.

Als die Tagesschau neulich von der Aufforderung des Weltklimarats berichtete, es eher unbedingt als nur vielleicht bei 1,5 Grad Erderwärmung zu belassen, durfte, nachdem alle Parteien vor der Kamera mit den Köpfen genickt hatten, auch ein AfD-Mann was sagen, und er sagte, freilich sei Naturschutz wichtig, gute Luft und so, aber er und seine Partei glaubten nicht an den Zusammenhang von Klimagas und Klimaschock. Punktum. Nun ist die Zivilisationsgeschichte der Menschheit eine Geschichte der Wahnsysteme, und „wenn einer mal sich in einen Gedanken förmlich hineinverrent, dann ist er ja wie vernagelt“ (Polt, Nikolausi); aber es ist auch funktional natürlich sinnvoll, einen solchen Wahn im Programm zu haben, gerade wenn es stimmt, dass die AfD als faschistische Partei das herrschende System ja nicht rundheraus abschaffen, sondern bloß versimpeln und um gewisse zivilisatorische Hemmnisse erleichtern, mithin auf seinen Markenkern zurückbringen will.

Diese Hemmnisse – Frauenrechte, Umweltschutz u. dgl. – sind nämlich ein Eingeständnis von Dysfunktionalität: Was der Kapitalismus nicht aus sich heraus leistet, muss als Reparaturleistung erbracht werden. Hält man diese Reparaturleistungen für verzichtbar, kehrt man zur guten alten Unsichtbaren Hand zurück, die alles so gut einrichtet, dass man sie nicht dabei stören soll. Die AfD, das darf man nicht vergessen, hat ein neoliberales Wirtschaftsprogramm, und wenn sie sich von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft noch etwa unterscheidet, dann darin, dass hier aus exportwirtschaftlichen Gründen noch etwas aufs Dekor gesehen wird und der Liberalismus gegen den Neger auch nichts hat, als Preisdrücker und solange sich dessen Arbeitskraft ausbeuten lässt.

„Wot?“ Captain Sensible, 1982

Die offene Irrationalität der Erzählung von der Klimaschocklüge ist also auch nicht irrationaler als der sture Glaube ans umfänglich private Wirtschaften, und wenn Kollege Zielcke sich via SZ in der Behauptung sonnt, Kapitalismus sei „eine genuine Form des Sozialismus“, denn Kapitalismus sei letztlich ein „soziales Projekt“ mit einem, oha, „sozialen Grundversprechen“, und es für sonnenklar hält, dass „die Freiheit des Individuums … jede zentrale Wirtschaftslenkung ausschließt, sofern diese als Kommandosystem die individuelle Handlungsfreiheit vereitelt“, dann wird ihm und uns auch ohne Klimawandel heiß: „Folgt daraus, dass das Freiheitsprinzip zwingend das Privateigentum an Produktionsmitteln erfordert? Eine heiße Frage, die wir hier aussparen.“

So wie die AfD die heiße Frage ausspart, ob das Achselzucken angesichts kommender Weltuntergänge in jottweedee nicht völkischer Mord sei; und wir die noch heißere, ob die Verteidigung vom gottgebenen Kapitalismus mit seinen gottgebenen Hierarchien einen solchen Zulauf (Prognose für Bayern: bis zu 14 Prozent) vielleicht nicht deshalb hat, weil die Leute nichts mehr sagen dürften, sondern weil sie nichts mehr fragen können.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Kundschaft!

Heutzutage sind ja, einem gängigen Urteil zufolge, immer alle gleich beleidigt, und nun war auch die Monthy Python-Legende Terry Gilliam (in der „Zeit“) beleidigt, der, natürlich, Political Correctness wegen: „Als ich in den Sechzigerjahren mit Satire angefangen habe, wollten die Menschen Abenteuer erleben und Leute treffen, die ganz anders sind als sie. Heute sind die Leute sehr spießig und vorsichtig geworden. Eine Ich-Ich-Ich-Welt. Die Menschen werden immer dünnhäutiger. Das schränkt die Comedy ein. Wenn man einen Witz macht, kann es sein, dass jemand beleidigt ist, obwohl das gar nicht die Absicht war.“

Nun hat, dem ewigen Wort von Heribert Lenz zufolge, jeder Witz sein Opfer, und ob es etwas ändert, wenn es ein anderes Opfer ist als gemeint, sei dahingestellt. Als TITANIC einst die Maddie-Suchkampagnen parodierte, war plötzlich die Kundschaft des britischen Boulevards beleidigt, wie, um bei TITANIC zu bleiben, seit ca. Engholm nicht mehr die sog. Kulturlinke beleidigt ist, sondern ihr genaues Gegenteil. Dass wir in einer Ich-Ich-Ich-Welt leben: kein Zweifel. Dass die Leute immer dünnhäutiger werden: mag sein. (Sie waren aber 1979ff. schon dünnhäutig genug, um das Heft so oft zu verklagen wie kein zweites.) Dass hier wieder mal die Korrekten am sinistren Werk sind: nun ja. Bzw. haben die naturgemäß eher nichts zur legendären CD „Bild-Leser beschimpfen TITANIC“ beigetragen; wie die Ich-Ich-Ich-Welt ja nicht allein die nichtweiße Minderheitenwelt ist, sondern u.a. eine, in der eins nur als Kunde König ist, und dieser König ist, samt seiner Königin, halt gern beleidigt.

Das muss er auch, denn der zufriedene Kunde ist bloß Kunde, während die empörte Kundin eine ist, mit der man es nicht länger machen kann, die sich auf die Hinterbeine stellt und füglich selbst ermächtigt. Meine Zahnärztin, gegen die nicht viel mehr einzuwenden ist, als dass sie in ihrer Praxis Gute-Laune-Radio spielen lässt, hat im Internet teils sehr negative Bewertungen, die ca. so gehen, dass sie, die Ärztin, eine Zuzahlung mit 20 Euro veranschlagt habe, die Zuzahlung habe aber 50 Euro betragen, und deshalb 0 von fünf Punkten. Das ist die Demokratie. Beleidigt sind die Leute aber auch, weil sie, im übrigen mundtot gemacht, alle Experten und Kritikerinnen sind, die bei Amazon dafür sorgen, dass die Konsumdemokratie nicht am falschen Produkt scheitere.

„Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.“ Tucholsky, 1919 

„Aber wir leben in einer Zeit, in der das Wort an sich schon das Verbrechen ist – nicht das, was damit gemeint war“, klagt Gilliam. „Das führt dazu, dass Leute nicht richtig kommunizieren. Sie benutzen Euphemismen oder vermeiden es, bestimmte Dinge zu sagen. Ich finde das sehr traurig. Auseinandersetzungen sind wichtig, um einander zu verstehen.“ Gilliam meint die sachliche, habermashafte Auseinandersetzung, die aber doch auch auf der Rechten nicht eben zuhause ist. Der Witz hat es freilich sowieso eher mit dem Kurzschluss, und abermals könnte man finden, dass er etwas falsch macht, wenn niemand mehr nach dem Elektriker schreit. Höhere Komik hat ja auch, wie es aussieht, keine Schwierigkeiten, auf neue Umweltbedingungen wiederum mit Witz zu reagieren: Auf einer Pressekonferenz hat Gilliam, erzählt er, mitgeteilt, er sei es leid, „als weißer Mann für jedes Unrecht dieser Welt verantwortlich gemacht zu werden, und dass ich jetzt eine schwarze Lesbe auf dem Weg zu einer Geschlechtsumwandlung wäre und Loretta genannt werden möchte. Das war ein Witz“, und keine schwarze Lesbe hat ihn dafür erschossen.

Dass die Leut’ im Abenteuerkapitalismus aufs Abenteuer, das intellektuelle zumal, nicht mehr scharf sind, könnte sein (kurrente Bildungspolitik hilft hier bekanntlich nach), und bedenkenswert, dass, wie ja auch Kollege Mentz beklagt hat, die Ironiefähigkeit schwindet und die Neigung zunimmt, das Wort bei seinem Nennwert zu nehmen. Ob das nun direkt und ausschließlich mit der Indizierung des Wortes „Neger“ zu tun hat (und hier haben sich Euphemismen wie „Mensch“, „Kollege“, „Nachbar“ ja nicht mal vollends durchgesetzt) oder doch umfassender damit, dass die Welt als alternativlose, von der Bewusstseinsindustrie formatierte und von Fake-News-Arschlöchern (Trump, nicht Gilliam!) verhetzte so eine luftdicht immanente ist, wär’ aber doch vielleicht eine Überlegung wert.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Deutschland spricht

Es fügt sich ja, kann man sagen, immer und grundsätzlich alles, und zwar ist es nicht angenehm, sich auf der aus multipel familiären Gründen unternommen Mehrstationenreise eine dicke Erkältung einzufangen, andernfalls hätte man aber im Hotel nicht kopflahm und ausführlich in den ausliegenden Regionalreklame-Magazinen geblättert und sich etwa über das so gut wie vollständig aus den Vokabeln „Trend“, „spannend“ und „Mädels“ zusammengesetzte Stadtwerbemagazin für „Remscheid, Wermelskirchen, Radevormwald, Hückeswagen“ gefreut. Bester Satz (aus der redaktionellen Werbestrecke für ein Pickup-Monster vom lokalen Renault-Händler): dass „alle Vorurteile gegenüber diesem beeindruckenden charmanten Riesen von vorgestern sind“. Wo nicht gar vom letzten Jahr.

Und weil sich eben alles fügt, lese ich im Morgenblatt, dass die Konjunktur „brummt“ und Bully Herbig neuerdings DDR-Flucht-Filme dreht, in welchen aus Herbigs früherer komischer Subversion Sätze geworden sind wie „Wir hatten einen Traum!“ und „Ich will meine Kinder nicht verlieren!“. Was aber nichts macht, denn die Konjunktur brummt nun mal aus Gründen der Freiheit, und es ist die mittelständische Wirtschaft, die uns alle am Brummen hält und die von der Freiheit profitiert zu sagen, was man will und freilich, um schlechterdings mitzuhalten, auch unbedingt muss: „Entspannte Drinks & szenige Weine … Genuss-Erlebnisse … das Genuss-Restaurant … Wohlfühlatmosphäre pur … das ist die Philosophie … Urlaub für die Sinne … das Besondere genießen … die Zukunft ist jetzt … mit der Passion, Ihnen Ihre Wünsche zu erfüllen … mit allen Sinnen genießen … altbewährte Traditionen … Kompetenz & Klasse … profitieren Sie von meiner persönlichen Philosophie … das fachkompente Unternehmen … Fachkompetenz … die raffinierten Highlights sind ein wahres Schnupperparadies! … EssensArt … der perfekte Rahmen … TOP aktuelle Hör- und Sehlösungen … die Welt mit allen Sinnen genießen … Badkultur für alle Sinne … Genussarrangements … Lassen Sie sich von der appetitlich angerichteten Theke inspirieren … ein hochmotiviertes Küchenteam … Schenken macht Freun(d)e … Kaffee-Genuss pur … Gastlichkeit für alle Sinne … Makeln aus Leidenschaft“, das wäre ja direkt mein Favorit gewesen: Makeln aus Leidenschaft! Aber die Konkurrenz schläft natürlich nicht: „Geben Sie Ihren Träumen Raum! Von einem Wintergarten geht ein besonderer Zauber aus: er weckt Gefühle, lässt träumen, setzt Bilder frei. Welchen persönlichen ,Film’ der Anblick eines Wintergartens in Ihrem Kopf auch auslösen mag … die besten Plätze sind Ihnen in jedem Fall sicher!“

„Deutschland dröhnt und droht / Deutschland stöhnt und schont / Niemand, der es bewohnt“ Begemann, 1993 

Soweit „SchauinsLand – das Bergische Magazin“; doch wollen wir uns natürlich nicht darauf versteifen, dass nun die Gewerbetreibenden aus dem schönen Bergischen Land die kapitalistische Sprachlosigkeit selbst wären, wo’s noch die Vollprofis vom SZ-Magazin ja kein Jota besser können: „Jedenfalls ist es der moldauisch-österreichisch-schweizerischen Violonistin ein Bedürfnis, aus dem starren Orchesterbetrieb ausbrechen zu wollen“. Und mir desgleichen eins, mich nach einer Ladung Nasenspray ins Bett zu verfügen; denn Deutschland spricht, und ich bin krank, und dass das eine mit dem anderen zu tun hat, muss ich immerhin erwägen.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Ulm!

»Du kannst nicht beides haben?« steht fett gelettert auf Anzeigen Deiner neuen Image-Kampagne. Ja, aber was denn »beides«? Die Auflösung folgt: »Doch: In Ulm/Neu-Ulm! Erlebe hier Bayern und Schwaben zusammen in der Zweilandstadt.« Ja, wirklich? Bayern und Schwaben in einer Stadt? Ist das möglich? Wovon wir nur zu träumen wagten, wird endlich wahr! Sodom und Gomorrha! Hoffentlich lässt sich unser Bali-Urlaub noch umbuchen. Aber im Ernst: Auch eine weniger depperte Kampagne würde uns nicht in Dein doppelt versaubeuteltes Nest locken.

Huch! War das jetzt Spott und Hohn? Genau! Denn bei uns, liebes Ulm, kannst Du beides haben!

Pfiati und ade! Titanic

 Fifa-Präsident Gianni Infantino!

Fifa-Präsident Gianni Infantino!

Sie sind von den Delegierten des Fußball-Weltverbandes per Akklamation für vier weitere Jahre im Amt bestätigt worden. Für Ihre erste Amtszeit fanden Sie dann lobende Worte: »In den vergangenen drei Jahren und vier Monaten ist aus dieser vergifteten, fast kriminellen Organisation das geworden, was sie sein soll. Eine Organisation, die sich um Fußball kümmert und den Fußball entwickelt.«

Und zu diesem Wandel zu einer letalen, vollends kriminellen Organisation beglückwünschen Sie angesichts anhaltender Medienberichte über das sklavengleiche Hausen, Schuften und Sterben auf den WM-Baustellen in Katar ebenso wenig wie zu Ihrer Wiederwahl:

die Menschenrechts-Ultras von Titanic

 Sächsischer Justizminister Sebastian Gemkow (CDU)!

Als Sprecher der CDU-geführten Bundesländer gegen den Antrag Niedersachsens, das Containern zu legalisieren, haben Sie am fürsorglichsten argumentiert. In einem Fünf-Sterne-Hotel in Travemünde meinte es empathisch aus Ihnen: »Wir wollen nicht, dass sich Menschen in eine solche menschenunwürdige und hygienisch problematische Situation begeben.«

Weil es auch kein Gesetz gibt, das Menschen vor der menschenunwürdigen Situation schützt, Essen aus dem Müll holen zu müssen? Oder weil Sie, Gemkow, sich aus Solidarität ein bisschen schmutzig fühlen wollen, indem Sie den Armen sogar die Brosamen der Wegwerfgesellschaft verweigern? Oder geht es Ihnen schlicht um Entmündigung derer, die auf Mundraub angewiesen sind?

Fragt mit schlechtem Appetit: Titanic

 Ina Tenz!

Sie sind seit zwanzig Jahren Programmdirektorin im Hörfunk und wollen bei Antenne Bayern jetzt ein Lied von Sarah Connor ohne den ersten Satz senden, denn der Satz lautet: »Vincent kriegt keinen hoch, wenn er an Mädchen denkt.« Denn Vincent ist jung und schwul, weiß es aber noch nicht. Ein Song mithin, der Mut machen soll usw.

Was Sie nun daran stört? »Als erwachsene Frau gar nichts, aber als Mutter. Ich habe einen neunjährigen Sohn, und wenn er diesen Song im Radio hören und mich dann fragen würde, was diese erste Zeile bedeutet, dann möchte ich mit meinem Sohn nicht im Auto irgendwo auf dem Weg von der Schule zum Gitarrenunterricht über dieses Thema sprechen.«

Aber, Frau Tenz: Wo Sie doch nun so schön dem Klischee der sehr erwachsenen, sehr besorgten Karrieremutter und Elterntaxifahrerin entsprechen, da wird der Sohnemann auch das Klischee bedienen, wonach Neunjährige schon wissen, was ein Porno ist. Meinen S’ nicht auch?

Jederzeit gesprächsbereit: Titanic

 Psychoanalytiker und Publizist Carlo Strenger!

Angeblich gehen Sie in Ihrem neuen Buch »Diese verdammten liberalen Eliten« mit diesen verdammten liberalen Eliten, zu denen Sie ja selbst gehören, streng ins Gericht. Doch nach der Lektüre fragen wir uns eins verdammt noch mal schon: Warum nicht noch viel strenger, Strenger?

Illiberal: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Keine Frage des Geldes

Wirklich arm fühlt man sich, wenn einer dieser NGO-Spendenbettler, die in der Fußgängerzone herumstehen, sein Gesicht hinter dem Klemmbrett verschanzt, sobald man auf ihn zugeht.

Julia Mateus

 Marktversagen

Als Ergebnis einer Google-Recherche nach dem von einem US-Comedian angepriesenen T-Shirt mit der Aufschrift »Neoliberalism sucks!« wurden mir ausnahmslos Hemden mit dem Slogan »Socialism sucks!« angezeigt. Daraus lässt sich nur eines folgern: Das System hat eindeutig abgewirtschaftet, ja ein Eigentor geschossen. Meine Nachfrage konnte schließlich nicht befriedigt werden!

Burkhard Niehues

 Mein Coach

hat mir aufgrund meines grüblerischen Wesens als wichtigsten Lebenstipp mitgegeben, immer nach vorne zu schauen, die Zukunft fest im Blick zu haben. Seitdem denke ich ständig an den Tod.

Anselm Neft

 Gesichtsschnee

Ein ohnehin schon sehr merkwürdiges Gesetz, das – noch erstaunlicher! – weltweit gilt, verlangt von Menschen, die sich in den Bergen aufhalten, dass sie Rasierschaum oberhalb einer Höhe von 6659 Metern ausschließlich als Gesichtsschnee bezeichnen. Wer’s nicht glaubt, kann gern einmal versuchen, in den Bergen oberhalb einer Höhe von 6659 Metern Rasierschaum zu kaufen.

Andreas Maier

 Geschichtsmoral

Als ich die neueste Verfilmung von Otfried Preußlers »Die kleine Hexe« sah, war ich erneut gepackt von dieser Geschichte. Wie die kleine Hexe ausgestoßen wird, weil sie sich in ihrer grundfalschen Welt aus inneren Beweggründen zum Guten bekennt. Sie hält dem unfassbaren Druck ihrer missratenen Peer Group nicht nur stand, sondern wendet sich aktiv gegen das Böse. So verbrennt sie am Schluss die Zauberbücher ihrer Rivalinnen auf dem Scheiterhaufen, um die bösen Hexen für immer unschädlich zu machen. Die pädagogische Botschaft hinter der ganzen Geschichte ist klar: Bücherverbrennungen sind nicht immer schlecht.

Jürgen Miedl

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 18.07.:

    "Vice" hat Martin Sonneborn im Wahlkampf begleitet.

Titanic unterwegs
11.08.2019 Kassel, Caricatura-Galerie »Deutschland dreht durch«
22.09.2019 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »Hans Traxler. Zum Neunzigsten«
23.09.2019 Lyon, Goethe-Institut Katharina Greve: »Das Hochhaus«
02.12.2019 Neu-Anspach, Freilichtmuseum Hessenpark Greser & Lenz: »Hessen först«