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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Nordkorea, diskutabel

Im nächsten Jahr wird diese Kolumne, rechnet man ihre Vorgängerin hinzu, zehn Jahre alt, und zehn Jahre lang wird es immer dasselbe gewesen sein: Ein dummes Zitat aus der Qualitätspresse, dann Adorno oder Haffner, fertig.

Zehn Jahre sind freilich nichts gegen die Zähigkeit, mit welcher der bürgerliche Leitartikel sich durch die Zeiten argumentiert, und zwar womöglich sogar noch variantenärmer, als selbst ich es vermag. In Berlin drängt eine Initiative auf einen Volksentscheid, um die Verstaatlichung privater Wohnungsgesellschaften zu erwirken, etwa der „Deutschen Wohnen“, der allein in Berlin die sagenhafte Menge von 100 000 Wohnungen gehört. „Zunächst“, sagt da der Leitartikel, „hört es sich an wie eine spätsozialistische Rachefantasie“; jedoch: „Die Verstaatlichung privaten Eigentums ist kein Willkürakt, sondern unter bestimmten Rechtsannahmen diskutabel.“ Gleichwohl: „Gleichwohl wäre es absurd, würde man die private Wohnungswirtschaft auf diese Weise enteignen, um aus der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland eine Art Immobilien-Nordkorea zu machen.“

„Gé-nau“ (Herr Alfred), denn es geht gewiss anders, aber so geht es auch: „Die Lösung der Wohnungskrise liegt in der gerechten Nutzung von Wohnraum und einem sozialen Bodenrecht. Ohne den Neubau von Wohnungen wird es nicht gehen. Und der kann nur mit den Bürgern, aber nicht gegen ihren Willen durchgesetzt werden. Partizipation ist daher das Gebot der Stunde. Politik und Bauwirtschaft müssen das verloren gegangene Vertrauen zurückerobern. Das wird schwer – aber es ist der einzige Weg.“ Was wir also brauchen, ist mehr Gerechtigkeit. Dazu muss besseres Recht geschaffen werden. Der Neubau von Wohnungen schadet gewiss auch nicht, und hier müssen die Bürgerinnen und Bürger mitentscheiden dürfen, damit sich das Vertrauen in die Demokratie recht bald wiederhergestellt finde. Leicht ist das nicht, und es wird seine Zeit dauern, aber Politik und Bauwirtschaft verdienen unser Vertrauen, und anders geht es nun einmal nicht.

„Alles, was der Feind bekämpft, müssen wir unterstützen; alles, was der Feind unterstützt, müssen wir bekämpfen.“ Mao, 1939

Geht es, was mich betrifft, freilich doch, aber im Gegensatz zum süddeutschen Architektur-Redakteur bin ich nicht gehalten, die Auslieferung von Grundbedürfnissen ans Großkapital noch dann zu verteidigen, wenn selbst in der eigenen Zeitung ständig steht, wohin das führt. In meiner Welt muss es Mietwohnungskonzerne sowenig geben wie solche für Lebensmittel oder Versicherungen; will man diese Welt aber behalten, etwa weil man selbst für eine Medienholding arbeitet, dann soll, wer in München oder sonstwo sein halbes Einkommen fürs Wohnen ausgibt, die Idee nicht gut finden dürfen, dass 100 000 Stadtwohnungen der öffentlichen (oder irgendeiner genossenschaftlichen) Hand gehören könnten, damit sich niemand vor dem Schicksal jener kleinen Leute fürchten muss, denen, es stand im Lokalteil, in Nordschwabing ein Wohnkonzern die Bude sanieren will, um hernach die Miete zu verdreifachen. Also schreibt man „Immobilien-Nordkorea“, so wie man in anderen Fällen „Bautzen“ schreibt (oder die üblichen CDU-Granaten, präsentiert die Umweltministerin einen Plan zur Klimarettung, „Planwirtschaft“ krähen), und überlässt den Rest dem guten demokratischen Gang, der, muss er zwischen Geld- und Lebensinteressen wählen, noch stets die richtige Entscheidung getroffen hat.

Zwei Tage nach diesem leidenschaftlich lehrbuchhaften Leitartikel verteidigt ein Kollege an gleicher Stelle die Entscheidung der ARD, sich durch linguistische Expertise aus der Framing-Falle („Staatsfunk“) führen zu lassen: „Gegner von Information und Aufklärung gibt es links und rechts … Wer andere Ansichten vertritt, soll als Feind empfunden werden.“

Falls nicht als Nordkorea.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Eberts Erben

Man soll der ewig gescholtenen SPD ruhig auch mal dankbar sein, und sei’s dafür, dass sie das System zur Selbstbezichtigung anleitet: Ca. einen „Angriff auf die soziale Marktwirtschaft“ sahen CDU und CSU in dem sozialdemokratischen Versuch, mittels perspektivischer Mindestlohnerhöhung und „Respekt-Rente“ dem „Land ohne Würde“ (Die Antwort) ein ganz kleines bisschen Egalität zu verschaffen, und dass soziale Marktwirtschaft also ist, die Werktätigen bis an die Grenzen des linksliberalen Leitartikels zu verheizen, haben wir nun schriftlich. Irgendein Esel i-aahte dann noch von „Leistungsgerechtigkeit“, und man wusste wieder mal Bescheid. (Liebe Straßenbahnfahrer, Krankenpfleger und Bäckereifachverkäuferinnen mit Euren 1500 netto: Leistet einfach mehr. Oder streikt und sagt dem Esel, er soll seinen Dreck alleene machen.)

Da muss es der Sozialdemokratie guttun, wenn sie wenigstens für ihre ruhmreiche Vergangenheit gelobt wird, die vielleicht nicht mit der vielzitierten Gewährung der Kriegskredite 1914, aber doch mit dem ersten sozialdemokratischen Präsidenten Deutschlands begann: Friedrich Ebert, den die Nationalversammlung vor hundert Jahren zum Reichspräsidenten wählte, Friedrich Ebert, nach dem in ganz Deutschland Straßen benannt sind, dieweil er nämlich „Revolutionär und Präsident“ (SZ) war, für die „Neue Zürcher Zeitung“ gar ein „linker Patriot“, der die „fragile Demokratie zusammenhielt“, indem er nämlich, das lesen wir anderswo, die Revolution der Arbeiter- und Soldatenräte von den reaktionären Freikorps „zusammenschießen“ ließ (Sebastian Haffner, „1918/19. Eine deutsche Revolution“, älterer Titel: „Die verratene Revolution“), weil er die Revolution nicht wollte: „Ich hasse sie wie die Sünde.“ Und wenn irgendwas, dann macht das in Deutschland einen Deutschen zum großen Deutschen: das Vaterland vor dem Bolschewismus zu retten.

Wer die Entwicklung im bolschewistischen Russland kennt, mag finden, nach Lage der Dinge habe Ebert richtig gehandelt, als er den drohenden kommunistischen Umsturz abwürgte. Bloß: Er drohte nicht. Die KPD wurde erst 1919 gegründet, und der Spartakusbund war eine Splittergruppe. Was tatsächlich drohte, und zwar von den Massen der Arbeiter und Soldaten, nennt Haffner eine „konstitutionelle Rätedemokratie“ (also keine Diktatur) und die Entfernung der alten Verwaltungs- und Militäreliten von der Macht. Antimilitaristisch und egalitär war sie, diese deutsche Revolution, ja „gutmütig“, und von der revolutionären Umwälzung der Produktionsverhältnisse noch gar keine Rede: „Die Revolution von 1918 war kein russischer Importartikel, sie war deutsches Eigengewächs; und sie war keine kommunistische, sie war eine sozialdemokratische Revolution – genau die Revolution, die die SPD fünfzig Jahre lang vorausgesagt und gefordert, auf die sie ihre Millionen Anhänger vorbereitet und als deren Organ sie sich ihnen ihr Leben lang angeboten hatte … Das ist die Tatsache: Was die SPD blutig niedergeworfen hat …, ist keine kommunistische Revolution, sondern eine sozialdemokratische.“

„In der ganzen Naturgeschichte kenne ich kein ekelhafteres Lebewesen als die Sozialdemokratische Partei.“ Gustav Landauer, 1919

Nun mag wiederum einer finden, dass eine sozialdemokratische Revolution ein Widerspruch in sich ist (Haffner weiß es a.a.O. selbst: „Die Sozialdemokratie ist eine ehemalige Arbeiterpartei, die der Kapitalismus für seine Zwecke gezähmt hat“) und dass der „Arbeiterstaat“, den sich die Massen laut Haffner erhofften, über kurz oder lang fragen muss, wem die Fabriken gehören. Was bleibt, ist aber der (friedliche) Wille, mit jenen reaktionär-imperialistischen Zuständen zu brechen, die eben erst Abermillionen Tote gefordert hatten und deren uneingeschränktes Fortwesen Tucholsky dann beklagen wird; und dass es die deutsche Sozialdemokratie war, der Kleinbürger Ebert vorweg, die der Reaktion diesen Arbeiterwiderstand aus dem Weg geräumt hat. Um, als der Faschismus die Freikorps dann an die Regierung gebracht hatte, die Heldin zu geben.

Hier darf man ruhig was merken; und falls nicht: einfach „Ebert“ durch „Schröder“ ersetzen.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Respekt

Wissenschaft ist keineswegs bloß etwas, das feststellt, dass Margarine Fett enthält, und nun ist der Nachweis erbracht, dass Kinder, die zweisprachig aufwachsen, nicht nur eine Sprache mehr beherrschen und sich mit weiteren Sprachen leichter tun, sondern „sich später oft besser konzentrieren“ können (SZ 7.2., Wissen); so wie, wer Geld hat, meistens noch mehr dazu kriegt.

Warum wird derlei erforscht, warum steht das in der Zeitung? Sprachen können ist schön und nützlich, mehr muss dazu niemand wissen, und den Rest regelt die freie Konkurrenz, die wider Migranten und EU-Ausländerinnen und deren beängstigend polyglotte Brut die private trilinguale Grundschule vorhält. Denn geschenkt bekommt man nichts im Leben; und falls aber doch, ist das für die, die ausnahmsweise einmal leer ausgegangen sind und einen einsprachigen Haushalt führen, ein schöner Ansporn, wenn auch ein teurer, dafür sogar multipel sinnvoller.

Was unsere Eingangsfrage beantworten mag; wie die Logik der Verhältnisse nun einmal eine unerbittliche ist und sich von der Wiege bis kurz vor die Bahre beweist. Weshalb unsere Wirtschaftsliberalen, die darauf bestehen, dass Rente immer nur das sein kann, was vorher eingezahlt worden ist, funktional völlig recht haben: „Wer wenig verdient und eingezahlt hat und kräftig aufgestockt wird, erhält dann soviel wie andere, die doppelt soviel verdient haben. Ist das gerecht?“ fragt da im Leitartikel der Wirtschaftsredakteur, der sich freilich kein Stück daran stört, dass es sich in diesem Land Menschen gefallen lassen müssen, „aufgestockt“ zu werden, und zwar, läuft’s dumm und also nach dem Willen der SPD, mittels einer Respektlosigkeit namens „Respekt-Rente“, die etwa einer Friseurin nach einem halben Leben Haareschneiden knapp 1000 Euro bescheren soll. Ob das gerecht ist, fragen wir nicht, wir sind ja keine Wirtschaftsredakteure. (Sowenig wie Karikaturisten, die nebenan mit dem sozialdemokratischen Generalsekretär, der ins Füllhorn greift, das Ressentiment passend bebildern: Geld aus dem Fenster werfen für Leute, die nichts Anständiges gelernt haben, nicht einmal, dass laut Leitartikel und Ludwig Erhard „jeder Bürger zunächst für sich selbst verantwortlich ist“.)

„Doch wenn du Respekt nur einmal von weitem zu sehen kriegst, / hast du Glück gehabt.“ Flowerpornoes, 1995

Vielleicht hat die Friseurin aber Glück und ist Türkin, dann wird sich ihr Sohn einmal besser konzentrieren können, bestenfalls sogar ein „kleiner Weltbürger“ (SZ Wissen) werden, falls die Konkurrenz ihn lässt, denn das ist die Chancengesellschaft, die mit historischer Konsequenz mal wieder auf das Konto der SPD geht: Alle haben ihre Chance, und kann man sie nicht nutzen, wartet die Respekt-Rente, die so heißt, weil es ja unseren Respekt verdient, dass alle bei dem ganzen Unsinn mitmachen, ohne im Alter mehr davon zu haben als den Respekt ausgerechnet der SPD; und nämlich eine Respekt-Rente, die, indem man einen Heidenrespekt vor ihr entwickelt, ihrerseits dafür sorgt, dass man das mit den Chancen rechtzeitig verinnerlicht und, falls man nicht passend verheiratet ist, das Unpassende nach Möglichkeit passend macht. Und über das französische Kindermädchen dann doch einmal nachdenkt.

Aber was rede ich. Ich Neidhammel bin ja auch dagegen, Kinder allezeit „stark“ zu machen, denn nichts, wirklich gar nichts braucht die Welt weniger als Stärke.

Allenfalls deutsche Sozialdemokratie.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Mit Eingriff

Nehmen wir an, ich säße an einem neuen Roman, und handlungsstiftendes Moment wäre die kurios, aber plausibel falsche Zustellung eines Briefs – wäre es da nicht sagenhaft, wenn am Donnerstag der frische „Freitag“ in meinem Briefkasten gesteckt hätte, ohne dass ich Abonnent noch Autor wäre, und zwar bloß, weil Postleitzahl und Hausnummer stimmten und die Titelschlagzeile lautete: „Der Gärtner wird zum Bock“? Und müssten mäkelige Lektorate („Wer glaubt denn so was!“) nicht spätestens dann klein beigeben, wenn sie erführen, dass der zur Schlagzeile gehörende Text von meiner lieben Kollegin und Freundin Kathrin Hartmann stammt? Die mich wegen der lustigen, von der Redaktion ausgedachten Zeile schon hatte anfunken wollen?

Die Antwort weiß, wie üblich, nur der Wind, aber Kathrins Text handelte von der Unmöglichkeit, hierzulande über Einschränkungen zugunsten von Natur und Zukunft auch nur zu sprechen (Veggie-Day etc.), ohne dass gleich alle „Verbotsstaat!“-Schnappatmung kriegen, und eröffnete den Schwerpunkt zum Thema „Öko-Diktatur? Ja bitte! Tempolimit, Flugverbot, Kohleausstieg: Hartes Eingreifen rettet den Planeten“; und dass am Abend Verkehrsminister Scheuer bei Illner das Recht des freien Bürgers auf Vollgas samt „drei Autos in der Garage“ verteidigte und am Freitag der Holger Steltzner in seiner FAZ gleich wieder gegen die „Klimaschutzreligion“ wütete, war dann kein Zufall, denn das ist ja Alltag.

Den kleinen Briefwechsel, der sich aus der „unerhörten Begebenheit“ (Goethe) entspann, schloss ich mit dem Hinweis, ich sei natürlich dafür, für die Diktatur nämlich, denn auf die „Vernunft“ (Kant) des konsumistisch deformierten Menschen kann man, wenn die Empirie etwas besagt, sowenig bauen wie auf die Freiwilligkeit von Konzernökologie. Porsche kann nicht fürs Tempolimit sein und die Lufthansa (Nordamerika ab 419€, Slogan: „Say yes to the world“, cos it’s hot!) nicht für eine Besteuerung von Flugbenzin, sowenig wie Lisa Normalverbraucherin, die mit Miete und allem gerade eben hinkommt und sich das ganze Jahr auf zwei Wochen all inclusive freut. Die Gelbwesten, bei denen es mehrheitlich für Flugreisen gar nicht reicht, gibt es, seit Macron versucht hat, die Dieselsteuer zu erhöhen, und Diesel braucht man in der französischen Armutsprovinz nicht für pathische Geländewagen, sondern zum Überleben.

„Die nächste sozialistische Revolution ist ein theoretisches Rätsel, das wir praktisch lösen müssen, aber nur wer sie vorbereitet, macht Geschichte. Alles andere, selbst wenn es Politik treibt, ist der ahistorische Leerlauf einer erschöpften, ungerechten und wahnsinnigen Welt.“ Dath, 2019

Politik hat also mindestens zwei Gründe, es mit den Verboten nicht zu übertreiben: das Kapital und die, die den Mehrwert zusammenschuften und etwas davon haben wollen, und sei’s Daddelkram und täglich Fleisch zum Grillpartypreis. Die Überflusswirtschaft ist in jeder Beziehung auf Überfluss angelegt, und Eingriffe, gar harte, bringen den ganzen Laden ins Wackeln; und noch das Tempolimit, weichster aller Eingriffe, wird zur Härte da, wo er die Macht des einzelnen einschränkt, über sich selbst (und drängelnd auf der Überholspur: über andere) zu verfügen. Dass er diese Macht auch bei 220 nicht hat, weiß er nicht, und mindestens darin ist Scheuer kein Lobbyist, sondern bloß dumm genug, dass er es auch nicht weiß.

Es sind diese Probleme, die eine Mangelwirtschaft eben nicht hat: Da kann man einmal in zehn Jahren ans Schwarze Meer fliegen, und die restliche Zeit ist man froh, wenn im Betriebsferienheim an der Ostsee ein Platz frei ist. Dass die realsozialistische Mangelwirtschaft, in welcher niemand fror oder hungerte, ihre Produktivkräfte noch nicht so weit hatte, das Nötige ohne Gift zu produzieren, ist eine historische Feststellung, die nicht blind dafür machen soll, dass, reden wir von harten Eingriffen, solche in die Eigentumsordnung das eigentliche Ziel sein müssen. Denn der wirklich harte, diktatorische Eingriff, der diese nicht berührt, sorgte ja bloß dafür, dass die Verbrauchs- und Vernutzungswirtschaft weitergehen kann, und wäre der Eintopfsonntag, der Solidarität mit der Ordnung meint, nicht mit ihren Opfern.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Ein Welterfolgsmensch

Träume gehen ja eher ausnahmsweise in Erfüllung, aber es wäre doch wirklich zu schön, wenn der deutsche Spitzenregisseur Florian Henckel von Donnerhall-Donnersmarck nun auch seinen zweiten Regie-Oscar abholen und einheimsen dürfte dafür, die deutsche Diktaturgeschichte, die sich Ausland so gut verkauft, wiederum sehr schmackhaft angerichtet zu haben; und gleichzeitig in der Heimat dafür zu sorgen, dass die Heimat erfährt, wie es wirklich war.

Oder jedenfalls fast. Ein reichliches Jahrzehnt nach jenem Triumph, den man besser, als ich es getan habe, vermutlich nicht würdigen kann, berichtet Christoph Hein in seinem nächsten, im Feuilleton des Morgenblatts in einem kleinen Auszug abgedruckten Buch davon, wie Donnersmarck ihn einst aufgesucht und um Hilfe gebeten habe: Wie es denn in der DDR für einen Schriftsteller so sei. Hein erzählte ihm dies und das, Donnersmarck schrieb mit und war „unsäglich dankbar“ (Hein), und vier Jahre später saß der Schriftsteller auf persönliche Einladung im Kino und staunte, dass ihm der Vorspann vom „Leben der anderen“ ausdrücklich dankte. Obwohl alles der reine Quatsch war: „Dass der Filmheld seine Arbeit konspirativ anfertigen muss, sie auf einer dramatisch versteckten Schreibmaschine schreibt, das Manuskript in Agentenmanier in den Westen schmuggelt, dass er, der einer der berühmtesten Autoren des Landes sein soll, samt seiner Freundin, ebenfalls sehr berühmt, von der Staatssicherheit abgehört und lebensbedrohend bedrängt wird, alles das ist bunt durcheinandergemischter Unsinn.“ Sicher, er, Hein, sei mal verwanzt gewesen, aber in den paranoiden sechziger Jahren; was Donnersmarck da als späte DDR ausmale, sei ein melodramatisches „Gruselmärchen“. Hein bat den kommenden Starregisseur, seinen, Heins, Namen aus dem Vorspann des Märchens zu entfernen. Seitdem ist Donnersmarck wohl beleidigt und erzählt laut Hein, die Inspiration zum Film stamme von Wolf Biermann, und auf seine Weise stimmt das ja auch.

„,Worüber schreiben Sie? Was ist Ihr Thema? Eine Liebesgeschichte?’ fragte sie weiter. Dallow spielte mit dem Weinglas und überlegte. ,Der Held ist ein Idiot. Und er bekommt schließlich, was er verdient. Das ist schon alles.’“ Hein, 1989

Nun ist der Film ein Welterfolg geworden, und ohne Melodrama kein Welterfolg; aber auch das Melodrama kann sich entscheiden, ob es, so es auf Geschichte basiert, diese Geschichte an der Wahrheit entlang fiktionalisieren will oder nicht. Spielbergs „Schindlers Liste“, zum 25jährigen Jubiläum jetzt wieder in den Kinos, ist ja ebenfalls Melodrama, aber eins, das die historische Wahrheit immerhin nicht zurechtfälscht. Musste der Film auch nicht, denn „um Wirkung zu erzielen“, weiß Hein, „braucht es Schwarz-Weiß, werden edle Helden und teuflische Schurken benötigt“, und um die musste sich Spielberg nicht bemühen. Donnersmarck dagegen entschied sich für den in jeder Hinsicht bunten Unsinn, der überdies den Vorteil hat, sich vom offiziellen Unsinn zum Thema nicht zu unterscheiden, wie Welterfolge ja nicht unbedingt mit Irritationen erzielt werden.

Warum erzähle ich das alles? Warum erzählt es Hein, ein Dezennium zu spät? Weil es der Kulturindustrielle Donnersmarck selbst dann geschafft hat, wenn es sein neuester Schmarren im Dolby Theatre von L.A. heuer nicht schaffen sollte. Zehn Jahre nach der Filmpremiere trifft Hein einen Germanistikprofessor, der in seinem Seminar Heins Anti-Zensur-Rede von 1987 besprochen hat, und der Professor berichtet, seine Studentinnen hätten sich geweigert zu glauben, dass Hein dafür weder verfolgt worden, noch ins Gefängnis gekommen sei. „Das sei unmöglich, beharrten die Studenten, so könne es nicht gewesen sein, sie wüssten das ganz genau, weil sie ja den Film ,Das Leben der anderen’ gesehen hätten. Man sei … in Unfrieden voneinander geschieden.“ Ich hoffe sehr, es hat sich hier um ein Haupt- bzw. ja jetzt Master-Seminar gehandelt, denn es soll bitte jeder ein Germanistikstudium absolvieren dürfen, ohne den u.U. ja doch noch elementaren Unterschied zwischen Fiktion und Wirklichkeit, Propaganda und Wahrheit besser zu kennen, als es hierzulande, geht es statt um Relotius um den bolschewistischen Todfeind, erwünscht ist.

„Der Film“, schließt Heins Text, „wurde ein Welterfolg. Es ist aussichtslos für mich, meine Lebensgeschichte dagegen setzen zu wollen. Ich werde meine Erinnerungen dem Kino anpassen müssen. Denn wenn auch die Tragödie zur Farce wird und schließlich zur Hanswurstiade, so endet doch alles als Melodram.“ Anders gewendet: „In der Kulturindustrie ist das Individuum illusionär … Es wird nur soweit geduldet, wie seine rückhaltlose Identität mit dem Allgemeinen außer Frage steht“ (Dialektik der Aufklärung).

Mithin als Henckel-Donnersmarck. Applaus.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Das sind so Fragen

Dass in unseren beschleunigten Zeiten alles immer schneller gehe, ist ja nicht die ganze Wahrheit, und ich meine jetzt nicht meine Hauptpost. An der Ampel zum Supermarkt wirbt das Erste Programm noch immer für seine „Themenwoche Gerechtigkeit, ab 11. November“. Immerhin ist das Motiv super: Eine Grundschulgarderobe voller Jacken, und darüber die Frage: „Von klein auf abgehängt – ist das gerecht?“

Das sind so Fragen, die aber immerhin besser sind als gar keine, denn wer nicht fragt, bleibt dumm, und wenn die Leut’ nicht fragen und sich immer bloß fügen, ist das ja auch keine Lösung. Pluralismus ist, wenn möglichst vielen möglichst kluge Fragen einfallen, und lautet die Antwort, wie sie etwa als Online-Kommentar Gestalt gewinnt und in der Mittelschicht als mindestens latente gängig ist, auf obiges Beispiel dann: Na, wenn die Eltern nun einmal asozial sind!, liegt das in der Natur der freiheitlich-demokratischen Sache.

Und wenn die ARD etwas ist, dann freiheitlich-demokratisch. Sie gibt nicht einfach eine Meinung vor, wie in denselben Netzforen so gerne behauptet wird, nicht einmal eine, wie sie dem gesunden oder jedenfalls unverhetzten Menschenverstand als selbstverständlich erschiene: Kinder abhängen und aussortieren, das ist nicht gerecht, sondern infam. Aber selbst die augenfällig richtige Meinung als alternativlos zu verkaufen ist jene Meinungsdiktatur, die doch keiner wollen kann, und deshalb die gute, demokratische Frage: Alles für Constanze und nix für Kevin, ist das gerecht? Hm? Wie sind denn da die Meinungen so? Was sagen die Gäste bei Maischberger? Pro & Contra, Für und Wider? Dass das von kleinauf abgehängte Kind von derlei folgenlosen Gedankenaustäuschen nicht einmal das hat, was man „die Gesellschaft für ein Problem sensibilisieren“ nennt, versteht sich und ist das Opfer, das auch der abgehängteste Teil der Gesellschaft für ihre (nicht so sehr für seine) Freiheit zu bringen bereit sein muss.

„ … und morgen ist es dann vorbei.“ Nena, 1983

Der vor Weihnachten verstorbene Wolfgang Pohrt hatte ja zuletzt die resignierte Ansicht formuliert, der Kapitalismus sei ein perfekter Organismus und deshalb leider unschlagbar, zumal da die Leute auch nichts anderes wollten als vorne dran und Gewinner sein können, schon evolutionär nicht. Das ist so bedenkenswert wie alles Pohrtsche, aber um meinerseits mal eine gute Frage zu stellen: Warum dann noch die ganzen Umstände? Die scheinheiligen Fragen, die Flunkerei, die Hetze? Wenn der Kapitalismus rein gar nichts zu fürchten hat, schon gar nicht die Wut derer, die er abspeist, warum wirbt dann noch die Reklame für den neusten Panzerwagen damit, er verfüge über, gute Güte, „Empathie“?

Weil nicht alle Kapitalisten sowenig zu fürchten haben wie der Kapitalismus selbst, und je kleiner die Kapitalistinnen, desto mehr, und weil, um zur Woche der Gerechtigkeit zurückzukehren, öffentlich-rechtliches Fernsehen Mittelschichtsfernsehen ist. Dass die Frage nach Gerechtigkeit überhaupt gestellt wird, gibt der Mittelschicht das gute Gefühl, es gehe mitunter noch um jene Gerechtigkeit, um die es spätestens dann geht, wenn das Einkommen für die Privatschule oder die Miete, aber keinesfalls für beides reicht. Dass Gerechtigkeit lediglich in Frageform auftritt, hält andererseits die Konkurrenzängste klein, denn Gerechtigkeit meint die sog. Leistungsgerechtigkeit und nicht etwa eine, die eine Überwindung oder auch bloß Milderung von Klassenprivilegien auch bloß probierte.

Dass man’s nicht wissen kann, wie’s weitergeht, ist der einzige Trost, den der alte Pohrt für uns bereit hielt. Der hatte aber, was er selbst am besten wusste, seine Pension. Wer keine hat und sich auch keine Antworten vorstellen kann, die von den offiziellen abweichen, wird sich darüber beruhigen wollen, dass zu den vielen guten Fragen nicht noch welche hinzukommen, die nicht dümmer sind, als sie klingen.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Yes, We Can

Einer der vielen stillen Untertitel, die diese Kolumne trägt, lautet „Det fiel ma uff“, und am 10. Januar fiel mir aus der People-Spalte dieses entgegen: „Harald Schmidt, 61, TV-Entertainer, lebt kommunikationstechnisch hinterm Mond … Auch seine fünf Kinder halte er von Handy und Internet fern: ,Bevor sie 14 sind, gibt’s kein Smartphone.’“ Und da fiel ma uff, dass ich nur einen Tag zuvor an derselben Stelle etwas ganz Ähnliches gelesen hatte: „Sophie Ellis-Bextor, 39, britische Sängerin, ist allein unter Männern. Auf Instagram verkündete sie die Geburt ihres fünften Sohnes.“ Und außerdem, dass mir neulich untergekommen war, dass Alexa Hennig von Lange, 45, mit Mann und fünf Kindern in (sowieso) Berlin lebt.

Der Einzelfall ist ja immer viel uninteressanter als das Phänomen, und das Rentnerpaar, das vor meinem Fenster eben in grellblauer Expeditionskleidung ins Auto klettert, ist so uninteressant wie das andere Rentnerpaar, das gestern vor meinem Fenster in roter Expeditionskleidung ins Auto geklettert ist. Interessant ist, dass praktisch alle Rentnerpaare, die vor meinem Fenster ins Auto klettern, sich so zurechtmachen (oder eben nicht zurechtmachen), und wie absolut unvorstellbar es für meine Großeltern gewesen wäre, so ins Auto zu steigen, und vor allem in so ein Auto zu steigen. Es können, vermute ich, sehr nette Menschen fünf Kinder haben, genauso wie nicht jeder gleich krank ist, der zwei Hunde besitzt, und ich hab einen Freund, der hat seine drei Kinder aus Versehen (Zwillinge); aber weil alles immer Mitteilung ist, sind fünf Kinder heutzutage entweder Unterschicht (vgl. „Die Wollnys“, RTL2) oder im Gegenteil Status, nämlich Luxus, wie die Kleinbürger in Expeditionsmontur eben immer nur zwei Kinder haben, weil mehr schlicht viel zu teuer ist, beim Wohnen angefangen. Sieben Kinder (v.d. Leyen), das ist Adel (Schloss), für dreie ist man, mindestens in der Stadt, besser besserverdienend, und fünf wäre also die Idealzahl für den Geldadel, die Kulturprominenz, die die „affirmative Kultur“ (Marcuse) auch darin repräsentiert, dass die Kinderschar das Akkumulations- und Klassenprinzip im Fleische akklamiert. Denn Kinder sind die Zukunft, und je mehr Kinder, desto mehr Zukunft, z.B. fürs Personal.

„I’m the end of the line / The end of the family line“ Morrissey, 1991

Dass das Gegenteil wahr ist, werden Ökologinnen gern bestätigen, wie es keinen ökologischen Vorteil gibt, der so groß ist, wie keine Kinder zu haben; der Vorteil wird noch um einiges größer, wenn man in den Wohlstandsregionen keine hat. Andererseits will, wer Kinder hat, nur selten drauf verzichten, und ohne sich nun streiten zu müssen, ob Piwitt recht hat und der Fortpflanzungstrieb bloß ein Sexualtrieb sei, und abseits der Tatsache, dass Familie ideologisch kontaminiert ist und wenig die (zumal weiblichen) Köpfe so mit schauerlichstem Kitsch füllt wie das zeitgenössische Kinderkriegen, will mensch meist, dass etwas von ihm bleibe. Weshalb Künstler und Intellektuelle auf Kinder auch eher verzichten können als die Leute von der Bau- oder Zulassungsstelle.

„He knew that the child was his warrant. He said: If he is not the word of God God never spoke.“ Cormac McCarthy, 2006

Die Ostentation, mit der in Zeiten, da der Planet aus dem letzten Loch pfeift, in den Metropolen nicht mehr über zwei, drei, viele Vietnams, sondern über drei, vier, viele Victors nachgedacht wird, will mir mit der, mit der Geländeporsches durchs Viertel dirigiert werden, allerdings verwandt scheinen, bloß dass „der scheiternde Versuch, eine in heftiger Transformation befindliche Werte- und Weltordnung zu konservieren“, im einen Fall ein ganz offenbarer „Zynismus auf Rädern“ (Johannes Vincent Knecht, Konkret 8/18) ist, im anderen ein ideologisch sehr viel besser kostümierter und zudem einer, der sich am Einzelfall nicht bestätigt. Dass Kinder durchaus ein Zynismus sein können, etwa weil sie, die Frau immer wieder ins Kindbett zwingend, patriarchale Herrschaft festigen, weiß, wer Arno Schmidts „Fouqué“ gelesen hat; persönlich aber ist kein Kind jemals einer, denn für das klassistische Geltungsbedürfnis der revitalisierten, spätneobourgeoisen Großfamilie kann es solange nichts, wie es dieses Bedürfnis nicht reproduziert.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Ulm!

»Du kannst nicht beides haben?« steht fett gelettert auf Anzeigen Deiner neuen Image-Kampagne. Ja, aber was denn »beides«? Die Auflösung folgt: »Doch: In Ulm/Neu-Ulm! Erlebe hier Bayern und Schwaben zusammen in der Zweilandstadt.« Ja, wirklich? Bayern und Schwaben in einer Stadt? Ist das möglich? Wovon wir nur zu träumen wagten, wird endlich wahr! Sodom und Gomorrha! Hoffentlich lässt sich unser Bali-Urlaub noch umbuchen. Aber im Ernst: Auch eine weniger depperte Kampagne würde uns nicht in Dein doppelt versaubeuteltes Nest locken.

Huch! War das jetzt Spott und Hohn? Genau! Denn bei uns, liebes Ulm, kannst Du beides haben!

Pfiati und ade! Titanic

 Psychoanalytiker und Publizist Carlo Strenger!

Angeblich gehen Sie in Ihrem neuen Buch »Diese verdammten liberalen Eliten« mit diesen verdammten liberalen Eliten, zu denen Sie ja selbst gehören, streng ins Gericht. Doch nach der Lektüre fragen wir uns eins verdammt noch mal schon: Warum nicht noch viel strenger, Strenger?

Illiberal: Titanic

 Ina Tenz!

Sie sind seit zwanzig Jahren Programmdirektorin im Hörfunk und wollen bei Antenne Bayern jetzt ein Lied von Sarah Connor ohne den ersten Satz senden, denn der Satz lautet: »Vincent kriegt keinen hoch, wenn er an Mädchen denkt.« Denn Vincent ist jung und schwul, weiß es aber noch nicht. Ein Song mithin, der Mut machen soll usw.

Was Sie nun daran stört? »Als erwachsene Frau gar nichts, aber als Mutter. Ich habe einen neunjährigen Sohn, und wenn er diesen Song im Radio hören und mich dann fragen würde, was diese erste Zeile bedeutet, dann möchte ich mit meinem Sohn nicht im Auto irgendwo auf dem Weg von der Schule zum Gitarrenunterricht über dieses Thema sprechen.«

Aber, Frau Tenz: Wo Sie doch nun so schön dem Klischee der sehr erwachsenen, sehr besorgten Karrieremutter und Elterntaxifahrerin entsprechen, da wird der Sohnemann auch das Klischee bedienen, wonach Neunjährige schon wissen, was ein Porno ist. Meinen S’ nicht auch?

Jederzeit gesprächsbereit: Titanic

 Fifa-Präsident Gianni Infantino!

Fifa-Präsident Gianni Infantino!

Sie sind von den Delegierten des Fußball-Weltverbandes per Akklamation für vier weitere Jahre im Amt bestätigt worden. Für Ihre erste Amtszeit fanden Sie dann lobende Worte: »In den vergangenen drei Jahren und vier Monaten ist aus dieser vergifteten, fast kriminellen Organisation das geworden, was sie sein soll. Eine Organisation, die sich um Fußball kümmert und den Fußball entwickelt.«

Und zu diesem Wandel zu einer letalen, vollends kriminellen Organisation beglückwünschen Sie angesichts anhaltender Medienberichte über das sklavengleiche Hausen, Schuften und Sterben auf den WM-Baustellen in Katar ebenso wenig wie zu Ihrer Wiederwahl:

die Menschenrechts-Ultras von Titanic

 Sächsischer Justizminister Sebastian Gemkow (CDU)!

Als Sprecher der CDU-geführten Bundesländer gegen den Antrag Niedersachsens, das Containern zu legalisieren, haben Sie am fürsorglichsten argumentiert. In einem Fünf-Sterne-Hotel in Travemünde meinte es empathisch aus Ihnen: »Wir wollen nicht, dass sich Menschen in eine solche menschenunwürdige und hygienisch problematische Situation begeben.«

Weil es auch kein Gesetz gibt, das Menschen vor der menschenunwürdigen Situation schützt, Essen aus dem Müll holen zu müssen? Oder weil Sie, Gemkow, sich aus Solidarität ein bisschen schmutzig fühlen wollen, indem Sie den Armen sogar die Brosamen der Wegwerfgesellschaft verweigern? Oder geht es Ihnen schlicht um Entmündigung derer, die auf Mundraub angewiesen sind?

Fragt mit schlechtem Appetit: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Keine Frage des Geldes

Wirklich arm fühlt man sich, wenn einer dieser NGO-Spendenbettler, die in der Fußgängerzone herumstehen, sein Gesicht hinter dem Klemmbrett verschanzt, sobald man auf ihn zugeht.

Julia Mateus

 Marktversagen

Als Ergebnis einer Google-Recherche nach dem von einem US-Comedian angepriesenen T-Shirt mit der Aufschrift »Neoliberalism sucks!« wurden mir ausnahmslos Hemden mit dem Slogan »Socialism sucks!« angezeigt. Daraus lässt sich nur eines folgern: Das System hat eindeutig abgewirtschaftet, ja ein Eigentor geschossen. Meine Nachfrage konnte schließlich nicht befriedigt werden!

Burkhard Niehues

 Gesichtsschnee

Ein ohnehin schon sehr merkwürdiges Gesetz, das – noch erstaunlicher! – weltweit gilt, verlangt von Menschen, die sich in den Bergen aufhalten, dass sie Rasierschaum oberhalb einer Höhe von 6659 Metern ausschließlich als Gesichtsschnee bezeichnen. Wer’s nicht glaubt, kann gern einmal versuchen, in den Bergen oberhalb einer Höhe von 6659 Metern Rasierschaum zu kaufen.

Andreas Maier

 Mein Coach

hat mir aufgrund meines grüblerischen Wesens als wichtigsten Lebenstipp mitgegeben, immer nach vorne zu schauen, die Zukunft fest im Blick zu haben. Seitdem denke ich ständig an den Tod.

Anselm Neft

 Geschichtsmoral

Als ich die neueste Verfilmung von Otfried Preußlers »Die kleine Hexe« sah, war ich erneut gepackt von dieser Geschichte. Wie die kleine Hexe ausgestoßen wird, weil sie sich in ihrer grundfalschen Welt aus inneren Beweggründen zum Guten bekennt. Sie hält dem unfassbaren Druck ihrer missratenen Peer Group nicht nur stand, sondern wendet sich aktiv gegen das Böse. So verbrennt sie am Schluss die Zauberbücher ihrer Rivalinnen auf dem Scheiterhaufen, um die bösen Hexen für immer unschädlich zu machen. Die pädagogische Botschaft hinter der ganzen Geschichte ist klar: Bücherverbrennungen sind nicht immer schlecht.

Jürgen Miedl

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 18.07.:

    "Vice" hat Martin Sonneborn im Wahlkampf begleitet.

  • 16.07.:

    Die "Welt" berichtet über Martin Sonneborn und seine Rede gegen Ursula von der Leyen.

  • 09.07.:

    Mark-Stefan Tietze untersucht in der Taz die schrägsten Auswüchse im Preiskrieg der Supermarktketten, z.B. die Zweizweiundzwanzig.

  • 01.01.:

    Dominik Bauer von "Hauck & Bauer" spricht mit "Spiegel online" über Satire und Karikatur.

  • 07.07.:

    Deutschlandfunk Kultur besucht die TITANIC-Redaktion.

Titanic unterwegs
02.08.2019 Göppingen, Schloss Filseck F. W. Bernstein: »Sinnverlust ist Lustgewinn«
11.08.2019 Kassel, Caricatura-Galerie »Deutschland dreht durch«
27.08.2019 Hamburg, Grüner Jäger Ella Carina Werner mit A. Neft, B. Maak u.a.
28.08.2019 Berlin, Theater im Pfefferberg Max Goldt