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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Mein Ruin

Kritisches Kolumnieren ist gewiss anfällig für Selbstgerechtigkeit, denn es geht nun einmal darum, dass man wirklich der einzig Zurechnungsfähige in einer Welt voller Verrückter ist, und das ist solange schön und komfortabel, wie es nicht stimmt, denn wenn es stimmt, wirdʼs wirklich schlimm: „Weg mit den Bauklötzen! Eine Kita ohne Spielzeug – klingt widersinnig. Tatsächlich aber kann die fehlende Ablenkung Wunder wirken und wichtige Fähigkeiten für das spätere Leben ausbilden“, und mir fehlt leider die wichtige Fähigkeit, derlei Kram, der von der fähigkeitsaffinen „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ freilich gern berichtet wird, nicht zu lesen. „Was mit einem Kind passiert, das sich ohne Spielzeug beschäftigen muss, stärkt die Persönlichkeit und fördert damit die viel beschworene Resilienz, die psychische Widerstandskraft eines Kindes“, damit es später, wennʼs im Büro einmal hakt, gleichwohl fanatisch dranbleibt und nicht etwa das einzig Richtige tut, nämlich mit dem Saufen anfängt.

„Das Projekt ,Spielzeugfreier Kindergartenʼ wurde 1991 vom Jugendamt Weilheim-Schongau in Bayern entwickelt und kommt aus der Suchtprävention“, denn „der beste Schutz gegen problematische Entwicklungen seien gut entwickelte Lebenskompetenzen, und die Weichenstellung dafür finde in der frühen Kindheit statt“, wie ja die Weichenstellungen für schlechterdings alles; weshalb die FAZ-Bloggerin, die sich mit bloß halbem Augenzwinkern „Helikoptermutter“ nennt, von der ersten „Kita-Reise“ berichtet, weil der Planet auch in Zukunft Leute benötigt, die irgendwo hinfahren, ohne dass sie wüssten warum. Aber zurück in den Nichtschongau: „Das Projekt schafft durch einen zeitlich begrenzten Wegfall gewohnter Strukturen und Angebote den Rahmen, die eigenen Lebenskompetenzen und die der anderen wahrzunehmen, weiterzuentwickeln und zu erprobenʼ, erläutert Strick“, und den mag man nehmen wollen, wo die guten (oder nicht so guten) alten Bauklötze – noch einmal und gern kursiv: Bauklötze – dafür herhalten müssen, „dass man Fehler macht und Enttäuschung aushalten muss, ohne dass dies gleich von Erwachsenen ausgeglichen werde.“

„Mein Ruin ist weiterhin / Eine Arbeit ohne Sinn / Etwas, das man nie bereut / Eine Abgeschiedenheit“  Tocotronic, 2007

Genau. „Frustrationstoleranz, Herr Frevert!“ (Niels Frevert), und da lehne ich mich gern aus dem Fenster und behaupte: Je mehr Lebenskompetenz, desto weniger Leben oder allenfalls das, was im SZ-Magazin als solches verkauft wird, wo jetzt der Chef des „besten Restaurants der Welt“, ein Italiener, der gern Maserati fährt, zum Interview war und ein Dessert im Angebot hat, das so aussieht und so aussehen soll wie frisch vom Teller gefallen: „Der beste Koch der Welt serviert mit Absicht eine zerbrochene Tarte. Aber als perfekte Rekonstruktion des nicht Perfekten. Wir sind alle fehlbar, darum geht es. Grundschüler aus Sydney, die diese Nachspeise im Unterricht behandelten, haben mir hinreißende Briefe geschrieben: ,Du bist ein sehr inspirierender Mann. Ich liebe es, dass du Fehler machst, aber trotzdem nicht aufgibst!ʼ“

Wir sind alle fehlbar, darum geht es, aber wir dürfen es nur sein, sofern aus unserer Fehlbarkeit das Perfekte wächst, denn „letztlich geht es um den Kampf gegen die Alltäglichkeit – der Tod jeder Kreativität“, und das sollen halt Grundschüler schon begreifen, dass Alltäglichkeit das Letzte und Kreativität Trumpf ist. Und ich könnte jetzt natürlich wieder dumm fragen: Wie gelangt eine postmoderne Drei-Sterne-Nachspeise in den Unterricht australischer Grundschulen?, aber solche Fragen sind ganz nutzlos, denn hier lassen sie die Bauklötze weg und da gehtʼs um postmoderne Puddings, es wird etwas mit dem zeitlich begrenzten Wegfall gewohnter Strukturen und Angebote zu tun haben. Lieber frage ich Sachen, auf die ich eine Antwort weiß: Warum kann es, geht es um ein Dessert, nicht schlicht darum gehen, dass es prima schmeckt? Warum kommen Achtjährige angesichts einer Süßspeise darauf, diese „inspiriere“ sie, und zwar bloß zu den allerkaputtesten Konkurrenz- und Selbstoptimierungsgedanken? Und was hat sie alle bloß so ruiniert?

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Empört Euch

Es gab eine Zeit, da kiffte ich noch und hätte was darum gegeben, einen Kinofilm zu sehen, der nie die Kinos erreicht hat, weil ein „Big Brother“-Esel namens Zlatko wohl doch nicht so kinotauglich war, wie man gedacht hatte; und das Peinigende daran war, dass es den Film tatsächlich gab, aber gibt es einen Film, der nirgends zu sehen ist?

Das Video, in dem der junge CDU-Esel Philipp Amthor den jungen Youtuber Rezo zu stellen beabsichtigte, gibt es dagegen ganz physisch nicht, und das ist wiederum schade; denn auch ohne von der CDU-Zerstörung mehr zu kennen, als allüberall zu lesen war, wär’s doch zu schön gewesen, einen prototypisch unwilden Jungen den Anwürfen mit, natürlich, „Argumenten“ kommen zu sehen, damit alles im Talkshowsumpf aus Rede und Gegenrede versinke. Das sah im Morgenblatt ja sogar die Constanze v. Bullion, dass es sich hier um eine Polemik gehandelt habe, und da ist es nur recht, wenn aus Frankfurt Jasper von Altenbockum genauso scharf zurückschießt, der nämlich „die neue Form von Propaganda“ erkannte, „die der rechtspopulistische Drang nach ,Wahrheit’ und ,Freiheit’ geschaffen hat. Nur handelt es sich in diesem Fall um ein linkspopulistisches Machwerk – und schon heißt es, wie toll es doch sei, dass sich die Jugend in Deutschland mit Politik beschäftige. Aber ist es wirklich ,Recherche’, wie Rezo uns glauben machen will, oder auch nur ,Beschäftigung’ mit Politik, wenn Politiker pauschal als dumm, inkompetent, korrupt und verlogen dargestellt werden? Es ist pure Demagogie, die Methode der AfD, nur eben linksherum.“

Und nur eben so, dass es nicht darum geht, Grenzen zu schließen und Kopftuchmädchen zu hassen, sondern dass die Armut mit dem Reichtum wächst und ein 26jähriger, und sei’s einer aus dem Internet, die Phrase von der „sozialen Gerechtigkeit“ zu oft gehört hat, um nicht irgendwann das Kotzen zu kriegen und sinngemäß zu sagen: Am Arsch.

„Der Ton in den sozialen Netzwerken ist gnadenlos, unerbittlich, ohne Anstand und Hemmschwelle“, weiß Jasper, und da hat er sogar recht. „Mit ,Diskurs’ hat das alles nichts zu tun“, denn der findet hinten im Feuilleton statt oder beim Bundespräsidenten, wenn er, das Grundgesetz zu feiern, zu Kaffee und Kuchen lädt und sich ausgewählte Bürgerinnen und Bürger unter Moderation von Sandra Maischberger und Giovanni di Lorenzo über „Gesundheit, Pflege, Rente“ unterhalten dürfen, so die Gelegenheit erhaltend, Politik „nah zu erleben“ (SZ, 24.5.): „Die Distanz wurde überwunden. Das dürften insbesondere jene Gäste gespürt haben, die noch ein Selfie mit der Kanzlerin ergattern konnten.“ Und dann mit dem guten Gefühl nach Hause gehen, Politik sei weder dumm noch verlogen, sondern im Gegenteil eine zum Anfassen.

„Jedes Reden wiederholt das Schweigen.“ Luhmann/Fuchs, 1989

Dabei ist doch Distanz das, worum es zu gehen hätte – angefangen bei der Distanz zum dämlich-konformen Selfietum und zu bundespräsidentiellen PR-Terminen –, und ist die eiserne Linksliberalität auch längst dabei, die junge Wut zu vereinnahmen: „Es werden täglich Entscheidungen auf Kosten nachwachsender Generationen gefällt, im Privaten wie in der Politik. Sie betreffen nicht nur den rücksichtslosen Verschleiß des Planeten, sondern auch Renten, Bildung, globale Gerechtigkeit. Eine Jugend, die da ungemütlich wird, gehört nicht verächtlich gemacht. Das Land sollte stolz auf sie sein“ (Bullion) – dasselbe Land, in dem die Rede von der „sozialen Gerechtigkeit“ eine Phrase bleiben wird und das globale Gerechtigkeit, aus gut ökonomischen Gründen, überhaupt gar nicht nicht wollen kann. Da ist es, wieder einmal, nützlich, wenn sich die Illusion nähren lässt, durch etwas schön Ungefährliches wie „kommunikatives Handeln“ (Habermas) gerieten die Dinge in Bewegung, wenn, wie der liberale Leitartikel singt, die Jungen „nachdenken, mitfühlen, sich einmischen, wählen gehen. Was für politischen Nachwuchs kann sich eine Demokratie eigentlich wünschen, wenn nicht solchen?“

Nämlich die Demokratie von und für Constanze v. Bullion, die bitte nicht mit der Bouillon-Demokratie verwechselt sei, in welcher das Fett immer oben schwimmt, egal wie sehr man rührt.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Die groben Unterschiede

Keine Regel ohne Ausnahme, und der Einzelfall, wir wissen es, ist ohnehin nicht von Belang; weshalb man das Tattoo als Massenphänomen nicht begrüßen muss, um nicht doch finden zu können, dass das Slide vom Schuster (doch, heute haben Schuster Slides statt Lederschürzen, jedenfalls da, wo Doofis wie ich wohnen) von Geschmack zeugt: sehr aufgeräumt, sorgfältig bedachte Farben, viel eher arty als stumpf, und so lange und genau konnte ich da jetzt nicht hinsehen, aber wirklich vollkommen ausnahmsweise hatte ich nicht das Gefühl, da gäb’s auch nix zu sehen, oder nur was Deprimierendes.

Das ist ja immer das Problem mit dem Selbstausdruck, dass es so schwer ist, ihn vom schlechten Allgemeinen freizuhalten, und wenn es bspw. ein Rezept fürs massenwirksame Schriftstellern gibt, dann lautet es, der Kundschaft nach dem Mund zu schreiben, idealiter sogar genau diesen Mund zu haben. Ungünstigstenfalls klingt der Selbstausdruck nicht einmal nach Mainstream, sondern nach der Decke, die zu kurz ist, und wer im Fernsehen singt, obwohl er es nicht kann, findet sich bloßgestellt, und ob man nun gratulieren soll, falls er das gar nicht merkt, ist die Frage. Die vielleicht Zwanzigjährige im Hallenbad nun ist, auch wenn man über Geschmack nicht streiten soll, ein einziger Tätowierunfall: Ohne Sinn, Konzept oder Idee hat sie Tattoos, die in keiner erkennbaren Beziehung zueinander stehen, über sich verteilen lassen, dahin, wo gerade Platz war, und so genau konnte ich auch da nicht hinsehen, aber auf dem Oberschenkel ein riesiger schwarzer Fleck, vielleicht ein zu dunkel geratener Pferdekopf, sie tut mir leid, sie wird weitermachen, und es ist natürlich völlig klar: Wer so aussieht, hat keine Kanzlei und arbeitet auch in keiner.

„Ich bin außerordentlich empfindlich gegen alles Getöse, allein es verliert ganz seinen widrigen Eindruck, sobald es mit einem vernünftigen Zwecke verbunden ist.“ Lichtenberg, ca. 1793

Denn das ist das Fiese, dass der Tätowiertrend die feinen bis gröberen Unterschiede biologisiert und die Akzidenz so zur Substanz macht wie der gymnasiale Leserbriefschreiber das Schulversagen von erblich Asozialen. Mag sein, im Alltag ist es egal, ob sich die Kassiererin mit CD- vom veganen Taschendesigner mit Plattensammlung nun durch Klamotten und Sprache oder die Elaboriertheit der Tätowierungen unterscheidet; aber ein Stigma ist das, was nicht weggeht, was sich nicht ändern lässt, und das ist dann der Triumph der sog. freien Gesellschaft: dass die, die ihr angehören, es geradezu nicht erwarten können, sich ihre unveränderlichen Rangabzeichen einbrennen zu lassen und ihren Sozialstatus, den niedrigen zumal, nicht mal mehr trotzig, sondern bloß modisch auszustellen. Denn es ist ja Popkultur, und was da einmal Selbstbehauptungszeichen des Randständigen war (und ausnahmsweise noch ist: Die hemmungslos tätowierten „Trucker Babes“ auf D-Max müssen in einer Umgebung, in der Frauen Babes sind, die harten Mädels, genau: markieren), ist jetzt Kulturindustrie; und die schlägt zwar alles mit Ähnlichkeit, lässt aber noch genügend Raum für jene Unterschiede, die die Chancengesellschaft als eine auszeichnen, die keine Zweifel daran lässt, wer seine Chance genutzt hat.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Drum prüfe

Überraschungen sind im Kolumnistenberuf ja eher selten, denn „wie groß ist der soziale Horizont eines Menschen –? Er ist doch wohl viel kleiner, als man glaubt. Die große Menge der Urteile beruht auf Überlieferung“ (Tucholsky), und die geht bei der FAZ nun einmal so, dass, ist in der Schule was zu schwer, der Schüler zu doof sein muss, und zwar insonderheit der, der sowieso nicht Abitur ist: „Dass es aber offensichtlich eine enorme Diskrepanz zwischen dem Niveau der Abituraufgaben und jenem des Unterrichts gibt, gehört zu den verheerenden Folgen der Inflationierung der Allgemeinen Hochschulreife und der Abwertung niedriger Bildungsabschlüsse. Wenn jeder das Abitur erlangen soll, die Anforderungen im Unterricht dafür gesenkt, in den Abituraufgaben aber wieder hochgeschraubt werden, kann diese Rechnung nicht aufgehen“, weiß die Berliner Feuilletonkorrespondentin Bethke, deren Kinder garantiert keinen niedrigen Bildungsabschluss haben und deren vorzügliche Hochschulreife freilich ausschließt zu wissen, dass es verheerende Folgen außerhalb des Journalphrasenlands nicht gibt, allenfalls die Verheerung als Folge von etwas. Die SZ hat immerhin das Nächstliegende getan und einen Mathelehrer gebeten, das umstrittene Abi mal durchzurechnen, und er hat es zwar geschafft, aber nicht annähernd in der gegebenen Zeit.

Trotzdem wird man vermutlich nie wissen, was an dieser Prüfung nun zu schwer war oder nicht und ob an allem, wie ein Anwurf lautete, die Kompetenzbetrunkenheit modernen Unterrichts schuld hat, obwohl zu der doch gerade jene Texterfassungsfähigkeit gehört, die vor den als zu elaboriert inkriminierten Textaufgaben einmal nützlich gewesen wäre. Was man jedenfalls wissen kann, ist, dass die allermeisten Prüflinge das Allermeiste, was sie im Abi wissen müssen, schleunigst wieder vergessen, sofern sie’s in Studium oder Beruf nicht brauchen, und dass das Abitur ein formaler Bildungsabschluss ist und die Abiturnote die Leistungsfähigkeit beurteilt und nicht eine Bildung, die man mit 18 nicht hat.

„Das eine der Blätter, im halben Format, bescheinigte sachlich, dass der Schüler am heutigen Tag die Reifeprüfung bestanden habe. Unterschrift und Siegel. Ich barg es in der Brusttasche, denn das brauchte ich zum Studieren. – Das andere, große Blatt aber war das Zeugnis (…), und andächtig zerriss ich es in viele kleine Schnipsel, bis es Konfetti war, legte es in die hohle Hand und pustete es zum geöffneten Fenster hinaus.“ Alexander Spoerl, 1950

Dass diese Leistungsfähigkeit vom Elternhaus abhängt, ist immer noch wahr, und solange das wahr ist, ist der Vorwurf, das Abitur werde inflationiert, notwendig ein klassenpolitischer. Dass auf dem Gymnasium zu viele seien, die da nicht hingehörten, ist natürlicherweise die Beschwerde derer, die keinen Zweifel daran haben, ihre Kinder täten es, und dass das Abitur um so weniger wert ist, je mehr es machen, liegt weniger an sozialdemokratischen Lehrplänen denn in der Logik der Sache. Dass Kollegin Bethke, die nicht die banalste Nullstelle mehr wird ausrechnen können, ins Keifen gerät, wo doch der Nachwuchs, der die Logik der Sache verinnerlicht hat, nur auf fairen Wettbewerb besteht, ist nichts als die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, als das Abitur noch was wert war, und dass es heute weniger wert ist, müssen die bedauern, die es sich immer schon haben leisten können.

Dann sollen sie uns aber nicht damit in den Ohren liegen, Konkurrenz belebe das Geschäft. 

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: An der Grenze (2)

Fast das Schwierigste an dieser Kolumne ist, sich nicht zu wiederholen, und sei es nur in der Überschrift oder im Zitat: „Es ist ein Unglück, dass die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie seit dem 1. August 1914 Reformistische Partei oder Partei des kleinern Übels oder Hier können Familien Kaffee kochen oder so etwas –: vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahin gegangen, wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei. So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen.“ Aber vor 87 Jahren, als Tucholsky es schrieb, war’s halt so wahr wie vor sechs, als ich es hier zitiert habe, und heute ist es immer noch wahr. Es sei denn, wir erkennten, 60 Jahre nach Godesberg, Verjährung und akzeptierten die SPD so, wie sie sich selbst versteht: als Standort- und Facharbeiterpartei, die möchte, dass alle ein bisschen Kuchen bekommen, oder wenigstens die Fleißigen, oder wenigstens die, die am Standort leben und nicht in Afrika oder sonst einem Hinterhof.

Kaum will ein Juso-Vorsitzender das, was eine Partei der Werktätigen, eine Partei der kleinen Frau und der Männer ohne Erbschaft, wollen muss: nämlich Expropriation der größten Expropriateure und genossenschaftliches, kollektives, selbstverantwortliches Wirtschaften für den Menschen statt immer nur gegen ihn – auf dass bei BMW (Betriebsrat: „Für Arbeiter ist diese SPD nicht mehr wählbar“) keine Idiotenautos mehr produziert werden müssten –, kriegt die Partei des werweiß sogar größern Übels wo keine Gewissensbisse, so doch immerhin solche Panik, dass sie hyperventiliert und sich alle Mühe gibt, den Ton noch der schärfsten CSU-Granaten (Scheuer: „verschrobenes Retro-Weltbild eines verirrten Fantasten“) zu treffen: „absurd und abwegig“, „grober Unfug“, „linke Revolutionsrhetorik“.  Und was immer man nun von Kevin Kühnert halten mag, neuerdings fällt ihm immer nur das Richtige ein: „Die empörten Reaktionen zeigen doch, wie eng mittlerweile die Grenzen des Vorstellbaren geworden sind. Da haben 25 Jahre neoliberaler Beschallung ganz klar ihre Spuren hinterlassen.“

Haben sie; und da muss das liberale Feuilleton gar nicht jammern, dass „die Dystopie zum Mainstream geworden“ sei, „dabei ginge es auch ganz anders“, wenn wir uns bloß dazu verstünden, „die Erzählungen einer Welt, wie sie sein könnte, zur Analyse dessen (zu) nutzen, was ist. Damit die Katastrophe nicht zur einzigen Alternative wird.“ Denn was ist, interessiert so gut wie keinen, und die einzige Alternative zur Katastrophe ist grosso modo das, was (laut Spon-Zahlen) 70 Prozent der Deutschen und (laut meiner Schätzung) 90 Prozent ihrer Abgeordneten für absurd und irre halten; wenn auch, immerhin, bloß 60 Prozent der unverdrossenen SPD-Fans, eine Zahl, die sich bei aktuell 17 Prozent in den Umfragen freilich relativiert.

„Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muß anders werden, wenn es gut werden soll. “ Lichtenberg, 1796

Dass sich die SPD längst nicht mehr als Alternative, sondern als Katastrophe verkauft, hat freilich auch wieder seinen Charme, und möchte sein, es hat dies gar nichts mit dem Neoliberalismus als mit der Kaffeekoch-Partei selbst zu tun und dem Verrat, mit dem sie leben muss, aber augenscheinlich nicht leben kann. Im frühen Jahr 1981 beklagte sich der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Hansen über den Kanzler Schmidt, der auf- statt abrüste und immer nur Diktatoren helfe, und auch da übernahm es der eigene Laden gern, den Abgeordneten abzubügeln, der, wie die „Ungeheuerlichkeit“ seiner „Ausfälle“ voller „Anmaßung“ beweise, „nicht im Vollbesitz seiner Gesundheit“ sei und „ein groteskes Maß an Aufgeblasenheit“ zeige, und die Presse, auch die linksliberale, krähte mit: Hansen sei ein „Wirrkopf“ mit „Profilneurose“, Kennzeichen: „Humorlosigkeit“. Gremliza, der den Fall notierte, fasste zusammen: „Und das Volk zählte die Stimmen zusammen, und siehe, es erkannte den Abgeordneten als ein grotesk aufgeblasenes, im Kopf krankes, delinquentes Subjekt, hässlich und humorlos, deviant, kriminell und neurotisch. Genau den Typen, den Degenhardt vor 15 Jahren in seinem ,Väterchen Franz’ besang: ,Der schwule Kommunist mit Tbc und ohne Pass ...’“

Ich hoffe, Kevin Kühnert („Macht er die SPD zur SED?“, „Die Zeit“) ist gesund.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Aus dem Trainingslager

„Leben heißt Hoffnungen begraben“, lässt Fontane in seinem eher langweiligen Roman „Cécile“ den jungen Herrn von Gordon sagen, und der Journalist Fontane wusste, wovon er schrieb. Doch wollen wir nicht immer auf die Zeitung schimpfen, dient sie doch mindestens dem trainierten Leser (mir!) als sozusagen Realitätsrelais und bietet Aufschluss noch da, wo es vorderhand bloß Zeitung ist.

In Sri Lanka haben kranke Köpfe viele hundert Menschen in die Luft gesprengt, in der allerhöchstwahrscheinlich irrigen Annahme, der liebe Gott begrüße das, und wenn ich „krank“ schreibe, dann meine ich das so, dass hier wer in einem geschlossenen Wahnsystem lebt; anders als etwa der „Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung der Union“ nebst „führenden Unionspolitikern“, die direkt neben dem Aufmacher vom Blutbad eine Kohlendioxidsteuer ablehnen, die das Autofahren um lächerliche 28 Cent pro hundert Kilometer verteuern würde und sowieso viel zu niedrig ist. Aber Steuern auf tödliche Gase, wo kämen wir da hin; wir schaffen doch nicht unsere stetig wachsenden Plastikmüllberge nach Asien, um jetzt beim Weiterbrummen kleinlich zu werden.

„Luft Luft“ Falco, 1986

Es gibt ja immer nur die eine Luft, und das ist nun mal die Luft, die sie atmen, und kommt wer und fordert Luftveränderung, dann verstehen sie das gar nicht. Wissenschaftler der katholischen Universität Eichstätt haben, zwei Meldungen weiter, herausgefunden, dass zweisprachiger Unterricht in der Grundschule „auch die Leistungen in Deutsch und Mathematik“ verbessere, denn „das Gehirn wird besser trainiert“, weshalb die Artikelüberschrift auch nicht die üblich sportifizierende, bei strengerer Auslegung sogar schon fast faschonable Vulgarität ist („Liegestütz fürs Gehirn“), sondern sich einfach zuviel falschem Training verdankt, jenem Training, das den modernen Leistungs- als Verbrauchs- und letztlich Powermenschen hervorbringt, einen Apparat unter Apparaten, und was verlangen wir von Apparaten? Dass sie so wunderbar funktionieren wie Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die jetzt heimlich geheiratet hat, und zwar nicht im heimischen Rheinland-Pfalz, weil das, in jeder Beziehung, zu nahe gelegen hätte, sondern in Südafrika. Weil ihr Angetrauter nämlich Südafrikaner ist? Nee: „Geschäftsführer eines Oldtimerzentrums in Mülheim-Klärlich“.

Und also fliegen 20 Leute nach Südafrika, damit man die „vierstöckige Torte“ (SZ) nicht in Kusel verzehren muss; schließlich: „Es ist unser aller Aufgabe, die Lebensgrundlagen künftiger Generationen und die biologische Vielfalt zu erhalten. Wir setzen das Prinzip der Nachhaltigkeit politisch um“ (julia-kloeckner.de), und weil sich „Wetterextreme häufen, setzt sich Landwirtschaftsministerin Klöckner für gentechnisch verändertes Saatgut ein. Es gibt aber auch Alternativen“ (Welt.de, 23.4.), aber dann kommt man nicht mehr nach Südafrika, und nach Marseille muss der SZ-Magazinist Haberl die Bahn nehmen: „Ich plädiere an dieser Stelle für Pastis. Warum? Nehmen Sie den nächsten Billigflieger nach Marseille und gehen Sie morgens runter zum Hafen“, und dann trinken wir Pastis und sind „für ein deutsches Frühstückscafé, in dem die Gäste um neun Uhr morgens die Kopfhörer aufsetzen und drauflosmailen, für immer verloren“. Das also ist die Multioptionsgesellschaft: Entweder mit den modernen Leistungs- als Verbrauchs- und letztlich Powermenschen das Frühstückscafé teilen oder mit denselben Menschen zum formvollendeten Runterkommen in den Billigflieger steigen.

Und dann in Marseille am Hafen sitzen und sich dort ein Morgenblatt besorgen; und es wieder mal nicht fassen können, wie tödlich eng es in manchen Köpfen ist.

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Gärtners kritisches Ostersonntagsfrühstück: My Baby Baby Balla Balla

Dass sich „im besten, freiesten und wunderschönsten Deutschland aller Zeiten alles unablässig selbst karikiert, ohne es zu merken“, ist an dieser Stelle bereits dargelegt worden, falls diese Darlegung nicht sogar der regelmäßige Zweck dieser Kolumne ist, und ob mein alter Einwand, die Rede von der „Realsatire“ sei eo ipso Unsinn, da noch viel mehr ist als Prinzipienreiterei, ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist, dass mein Fenster auf die Straße geht und eben eines dieser großen, mit tischplattengroßen, haifischmaulartigen Kühlergrills versehenen Aus-dem-Weg-Arschloch-Autos (das „Arschloch“ hier ruhig als Scharnier lesen) hinter einem alten Golf geparkt hat und die Motorhaube des einen fast mit der Dachkante des anderen abschließt; und dass auch der neue 7er-BMW wirklich wie eine Karikatur auf Aus-dem-Weg-Arschloch-Autos aussieht, entworfen und gebaut von Leuten, die für derlei entweder kein Auge haben oder deren Hand gar nicht die eigene ist, sondern die bewährt unsichtbare des Marktes, die leider, fragt man mich, allzu sichtbar ist und immer sichtbarer wird.

Im Buchladen ist Satire jetzt tatsächlich in die Realität gewandert: „Allgemeine Relativitätstheorie für Babys“, ein Pappbilderbuch „ab 2 Jahren“, darin etwa ein von einem schweren Objekt gekrümmtes Raumzeitgitter, und wenn ich schreibe: Das ist kein Witz, dann stimmt das nur zur Hälfte. „Allgemeine Relativitätstheorie für Babys ist eine heitere und verständliche Hinführung zu Albert Einsteins berühmtester Theorie. Kleinkinder (und Erwachsene!) lernen alles über Schwarze Löcher, Gravitationswellen und mehr. Auf unnachahmlich leichte Weise und stets mit einem Augenzwinkern schafft es der Quantenphysiker und Familienvater Chris Ferrie, Kinder und Erwachsene gleichermaßen zu inspirieren. Die Bücher der Baby-Universität sind der einfachste Weg, um schon unsere Jüngsten für die Wunder der Wissenschaft zu begeistern.“ Genau. Bzw.: „Es ist niemals zu früh, ein Genie zu werden!“

Ich, bis unter die Kopfhaut inspiriert, lese es mit einem Zwinkern derselben Augen, die die anderen Titel der Reihe im Regal liegen sehen („Evolution“, „Quantenphysik“, „Raketenwissenschaft“), und also darf man annehmen, dass die Reihe bereits ein Erfolg ist; und vergleichsweise von gestern mithin der „Kinder-Hörsaal“ der deutschen Grammophon, und geradezu von vorgestern die Frage, was das soll. Und wer das kauft. Und warum.

„Wer hier lacht, der kriegt gescheuert.“ Helge Schneider, 1995

Und wieder bin ich gezwungen, auf unsere Bildungsbürger und Mittelschichtsmuttis einzuhauen, die ja glauben, sie verdienten Mitleid, aber statt irgendeiner Art von Reflexion (oder gar Selbstreflexion) nur immer den allerärgsten Unsinn und verächtlichst vulgärdistinktorischen Scheißdreck ausbrüten und ihre Kleinsten jetzt auch noch mit Einstein traktieren, der allerdings wusste, dass die menschliche Dummheit noch viel unendlicher ist als das Universum. Falls es hier um persönliche Dummheit geht und nicht um die schlichte Konsequenz der Tatsache, dass Krieg herrscht und dass, wer kann, sich bewaffnet, der eine mit dem Messer, die andere mit Einstein und beide mit zu großen Autos.

Mag sein, die bürgerliche Gesellschaft ist nie etwas übertrieben Geistreiches gewesen; aber mit welch grimmer Entschlossenheit und immer noch einmal saublöder das voranwürgt und -walkt und -spinnt, ist vielleicht doch ein Indiz dafür, dass sie, in ihrer Schwundform als „Chancen-“ bzw. „Wissensgesellschaft“, jetzt wirklich in die Auflösung rast und kurz vor knapp noch ebenjenen Geist in die Kleinsten zu peitschen versucht, den sie auf ihren realen Baby-Universitäten an Bertelsmann verschenkt. Dass der Vorgang indes schon viel weniger traurig als längst eher widerlich ist, spricht dann freilich wieder gegen Diagnosen, die kalmierend Realsatire erkennen mögen; denn Satire, bitte sehr, wär’ ja im Idealfall zum Lachen.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Ulm!

»Du kannst nicht beides haben?« steht fett gelettert auf Anzeigen Deiner neuen Image-Kampagne. Ja, aber was denn »beides«? Die Auflösung folgt: »Doch: In Ulm/Neu-Ulm! Erlebe hier Bayern und Schwaben zusammen in der Zweilandstadt.« Ja, wirklich? Bayern und Schwaben in einer Stadt? Ist das möglich? Wovon wir nur zu träumen wagten, wird endlich wahr! Sodom und Gomorrha! Hoffentlich lässt sich unser Bali-Urlaub noch umbuchen. Aber im Ernst: Auch eine weniger depperte Kampagne würde uns nicht in Dein doppelt versaubeuteltes Nest locken.

Huch! War das jetzt Spott und Hohn? Genau! Denn bei uns, liebes Ulm, kannst Du beides haben!

Pfiati und ade! Titanic

 Ina Tenz!

Sie sind seit zwanzig Jahren Programmdirektorin im Hörfunk und wollen bei Antenne Bayern jetzt ein Lied von Sarah Connor ohne den ersten Satz senden, denn der Satz lautet: »Vincent kriegt keinen hoch, wenn er an Mädchen denkt.« Denn Vincent ist jung und schwul, weiß es aber noch nicht. Ein Song mithin, der Mut machen soll usw.

Was Sie nun daran stört? »Als erwachsene Frau gar nichts, aber als Mutter. Ich habe einen neunjährigen Sohn, und wenn er diesen Song im Radio hören und mich dann fragen würde, was diese erste Zeile bedeutet, dann möchte ich mit meinem Sohn nicht im Auto irgendwo auf dem Weg von der Schule zum Gitarrenunterricht über dieses Thema sprechen.«

Aber, Frau Tenz: Wo Sie doch nun so schön dem Klischee der sehr erwachsenen, sehr besorgten Karrieremutter und Elterntaxifahrerin entsprechen, da wird der Sohnemann auch das Klischee bedienen, wonach Neunjährige schon wissen, was ein Porno ist. Meinen S’ nicht auch?

Jederzeit gesprächsbereit: Titanic

 Sächsischer Justizminister Sebastian Gemkow (CDU)!

Als Sprecher der CDU-geführten Bundesländer gegen den Antrag Niedersachsens, das Containern zu legalisieren, haben Sie am fürsorglichsten argumentiert. In einem Fünf-Sterne-Hotel in Travemünde meinte es empathisch aus Ihnen: »Wir wollen nicht, dass sich Menschen in eine solche menschenunwürdige und hygienisch problematische Situation begeben.«

Weil es auch kein Gesetz gibt, das Menschen vor der menschenunwürdigen Situation schützt, Essen aus dem Müll holen zu müssen? Oder weil Sie, Gemkow, sich aus Solidarität ein bisschen schmutzig fühlen wollen, indem Sie den Armen sogar die Brosamen der Wegwerfgesellschaft verweigern? Oder geht es Ihnen schlicht um Entmündigung derer, die auf Mundraub angewiesen sind?

Fragt mit schlechtem Appetit: Titanic

 Fifa-Präsident Gianni Infantino!

Fifa-Präsident Gianni Infantino!

Sie sind von den Delegierten des Fußball-Weltverbandes per Akklamation für vier weitere Jahre im Amt bestätigt worden. Für Ihre erste Amtszeit fanden Sie dann lobende Worte: »In den vergangenen drei Jahren und vier Monaten ist aus dieser vergifteten, fast kriminellen Organisation das geworden, was sie sein soll. Eine Organisation, die sich um Fußball kümmert und den Fußball entwickelt.«

Und zu diesem Wandel zu einer letalen, vollends kriminellen Organisation beglückwünschen Sie angesichts anhaltender Medienberichte über das sklavengleiche Hausen, Schuften und Sterben auf den WM-Baustellen in Katar ebenso wenig wie zu Ihrer Wiederwahl:

die Menschenrechts-Ultras von Titanic

 Psychoanalytiker und Publizist Carlo Strenger!

Angeblich gehen Sie in Ihrem neuen Buch »Diese verdammten liberalen Eliten« mit diesen verdammten liberalen Eliten, zu denen Sie ja selbst gehören, streng ins Gericht. Doch nach der Lektüre fragen wir uns eins verdammt noch mal schon: Warum nicht noch viel strenger, Strenger?

Illiberal: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Geschichtsmoral

Als ich die neueste Verfilmung von Otfried Preußlers »Die kleine Hexe« sah, war ich erneut gepackt von dieser Geschichte. Wie die kleine Hexe ausgestoßen wird, weil sie sich in ihrer grundfalschen Welt aus inneren Beweggründen zum Guten bekennt. Sie hält dem unfassbaren Druck ihrer missratenen Peer Group nicht nur stand, sondern wendet sich aktiv gegen das Böse. So verbrennt sie am Schluss die Zauberbücher ihrer Rivalinnen auf dem Scheiterhaufen, um die bösen Hexen für immer unschädlich zu machen. Die pädagogische Botschaft hinter der ganzen Geschichte ist klar: Bücherverbrennungen sind nicht immer schlecht.

Jürgen Miedl

 Keine Frage des Geldes

Wirklich arm fühlt man sich, wenn einer dieser NGO-Spendenbettler, die in der Fußgängerzone herumstehen, sein Gesicht hinter dem Klemmbrett verschanzt, sobald man auf ihn zugeht.

Julia Mateus

 Gesichtsschnee

Ein ohnehin schon sehr merkwürdiges Gesetz, das – noch erstaunlicher! – weltweit gilt, verlangt von Menschen, die sich in den Bergen aufhalten, dass sie Rasierschaum oberhalb einer Höhe von 6659 Metern ausschließlich als Gesichtsschnee bezeichnen. Wer’s nicht glaubt, kann gern einmal versuchen, in den Bergen oberhalb einer Höhe von 6659 Metern Rasierschaum zu kaufen.

Andreas Maier

 Marktversagen

Als Ergebnis einer Google-Recherche nach dem von einem US-Comedian angepriesenen T-Shirt mit der Aufschrift »Neoliberalism sucks!« wurden mir ausnahmslos Hemden mit dem Slogan »Socialism sucks!« angezeigt. Daraus lässt sich nur eines folgern: Das System hat eindeutig abgewirtschaftet, ja ein Eigentor geschossen. Meine Nachfrage konnte schließlich nicht befriedigt werden!

Burkhard Niehues

 Mein Coach

hat mir aufgrund meines grüblerischen Wesens als wichtigsten Lebenstipp mitgegeben, immer nach vorne zu schauen, die Zukunft fest im Blick zu haben. Seitdem denke ich ständig an den Tod.

Anselm Neft

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 18.07.:

    "Vice" hat Martin Sonneborn im Wahlkampf begleitet.

  • 16.07.:

    Die "Welt" berichtet über Martin Sonneborn und seine Rede gegen Ursula von der Leyen.

  • 09.07.:

    Mark-Stefan Tietze untersucht in der Taz die schrägsten Auswüchse im Preiskrieg der Supermarktketten, z.B. die Zweizweiundzwanzig.

  • 01.01.:

    Dominik Bauer von "Hauck & Bauer" spricht mit "Spiegel online" über Satire und Karikatur.

  • 07.07.:

    Deutschlandfunk Kultur besucht die TITANIC-Redaktion.

Titanic unterwegs
11.08.2019 Kassel, Caricatura-Galerie »Deutschland dreht durch«
22.09.2019 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »Hans Traxler. Zum Neunzigsten«
23.09.2019 Lyon, Goethe-Institut Katharina Greve: »Das Hochhaus«
02.12.2019 Neu-Anspach, Freilichtmuseum Hessenpark Greser & Lenz: »Hessen först«