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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Das Beste oder etwas

So sehr lehne ich die „sozialen“ Netzwerke (liest man immer öfter, die Tüddelchen) nicht ab, um mich nicht gelegentlich anregen zu lassen, und wenn ich beim „Likes“-Einsehen erfahre, die von mir gerügte „Leistungsgesellschaft“ habe immerhin für sich, dass der Alltag funktioniere, und ohne Leistung gehe es vielleicht einfach nicht, fahre keiner mehr den Müll weg oder repariere das Klo, dann habe ich nicht nur was zum Nachdenken, sondern auch gleich die nächste Kolumne.

Zunächst ist das Wort von der „Leistungsgesellschaft“ doppelte Propaganda: Einmal in der Weise, von der an dieser Stelle zuletzt die Rede war (und abermals sei hier die junge Fußballerin zitiert, die vor der WM für die Fernsehnachrichten den Rauswurf des Auswahlfußballers M. Götze kommentieren sollte: Wer nicht leiste, der fliege eben); zweitens aber auch dadurch, dass sie vorliegende Gesellschaft als eine meritokratische simuliert. Leistungsgesellschaft ist dann eine, deren Mitglieder ihr Fortkommen und ihren Status allein ihrer Leistung verdanken, und dass das Quatsch ist, muss hier vielleicht nicht abermals ausgeführt werden. „Leistungsgesellschaft“, das ist der  protestantische Prädestinationsgedanke: Der Herr gibt es den Seinen, und wem er es nicht gibt, der ist hübsch selber schuld; mit der feinen Extrapointe, dass die, die an einen anderen Herrn glauben (Allah o.ä.), sich sowieso nicht beschweren dürfen.

Dies beiseite, ist das aber keine dumme Frage, wie denn eine Gesellschaft aussähe, in der es aufs Leisten nicht gar so unbedingt ankäme, und eine übliche Antwort wäre: wie in der DDR; wobei man finden mag, es sei ja nicht nötig, von einem Extrem ins andere zu fallen, wenn es stimmt, dass starre Planwirtschaft plus Paranoia Initiative behindert haben. Als eine ohne Initiative braucht aber auch die freie Gesellschaft nicht gedacht werden zu müssen, wenn die freie Gesellschaft eine ist, in der die freie Initiative des einzelnen zur freien Initiative aller führt, oder bloß zu deren Möglichkeit, was völlig ausreicht. (Vor meinem Fenster malern Maler im Sonnenschein eine Altbaufassade frisch; müssten sie es nicht, täten sie’s vielleicht nicht; dass sie statt dessen gar nichts mehr täten, ist aber unwahrscheinlich. Dem Bedingungslosen Grundeinkommen darf man ja skeptisch gegenüberstehen, aber hat man die Leute gefragt, was denn wäre, hätten sie Geld zum Leben, einfach so – und man hat sie oft gefragt –, haben sie kaum einmal geantwortet, sie würden sich aufs Sofa legen.)

„Leistung muss sich wieder lohnen.“ CDU, 1982

Das ist natürlich völlig utopisch, und die Leistungsgesellschaft, in welcher Druck und Konkurrenz dafür sorgen, dass allen (oder immerhin vielen) möglichst alles (oder immerhin manches) jederzeit in bester Qualität zur Verfügung steht, hat ihrerseits freilich gar keine Konkurrenz, weder theoretisch noch praktisch. Kaum klemmt etwa bei meinem alten CD-Spieler die Schublade, bringe ich ihn die inhabergeführte Werkstatt für Musikwiedergabe, und es dauert vier Wochen, bis ich ihn wieder abholen kann (Kosten: 30 Euro): ca. so dürfte im Realsozialismus Dienstleistung funktioniert haben. Die Leistungsgesellschaft hingegen sorgt dafür, dass z.B. die Firma Philips Fernseher im Angebot hat, die scheint’s viel zu billig sind, als dass sie vernünftig funktionieren könnten, die aber im Saturn-Elektromarkt, fragt man nach einem einfachen, aber funktionablen Fernseher, ohne weiteres empfohlen werden. Jetzt besitze ich seit zwei Jahren einen Smart-Fernseher, mit dem sich anfallsfrei eigentlich nur DVDs gucken lassen, und für diesen Fernseher haben irgendwo Menschen, die man vorher nicht und nachher nicht gefragt hat, ihre Arbeitskraft verkauft, um von den Rohstoffen und den Bedingungen, unter denen sie zutage kommen, nicht zu reden.

Und das alles, damit andererseits fettfrei fritierende Friteusen, Dinge, die „SpeedMax Pro“ heißen und sonstige „Genussmomente“ (philips.de) im Portfolio sein können. Is’ natürlich, Daumen hoch, auch eine Leistung.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Nix passiert

Aus dem Sommerurlaub heimkehrend, stellt, eine Stunde vor Ankunft, zuverlässig Nervosität sich ein, weil es so schwer ist, sich vorzustellen, es solle während dreier Wochen der Abwesenheit sich nichts ereignet haben; und wenn sich aber nicht nichts ereignet haben kann, was soll sich dann in einer leeren Wohnung ereignet haben außer, sagen wir, einem Wasserrohrbruch? Aber alles steht und und liegt so da, wie vor drei Wochen verlassen, und ich bin tatsächlich erleichtert.

Dass immer alles bleibe wie gewohnt, ist die zentrale Sehnsucht von Konservativen, von konservativer Bildungsbeobachtung etwa, und das ist halt immer der Vorteil des Konservatismus: dass er sich auf das berufen kann, was man kennt, denn das Neue kennt man nicht, und was man nicht kennt, frisst man meist weniger gern als das, was man kennt. (Deswegen wäre der allwaltende Tourismus, beriefe er sich auf ein „Fernweh“ der Leute, auch sehr im Unrecht; denn die Leute fressen da, wo man sie unter erheblichem, sozusagen mörderischem Aufwand hingeflogen hat, auch bloß das, was sie kennen.) Was nun die Bildung anlangt, hat sich eine ideelle Allianz von Linken und Konservativen da gebildet, wo diese, etwa Konrad Paul Liessmann, gegen Kompetenz und Bologna anschreiben, so aussichtslos wie beim Publikum erfolgreich, und sich darauf berufen, dass das Ziel von Bildung doch sein müsse, den Geist zu befreien, und dass Bildung ohne Sachwissen, zumal vorderhand „unnötiges“, keine sei. Das ist links, wie man so sagt, anschlussfähig, auch wenn Liessmann das humanistische Gymnasium vorschwebt, gegen das gar nicht viel zu sagen wäre, wäre seine Funktion nicht in erster Linie eine sozialexklusive: Eine Schule für alle, und alle lernen Altgriechisch – das scheint mir mit Bildung mehr zu tun haben als eine Kompetenzorientierung, die, las man, in Hamburg dazu führt, dass ich die abiturielle Biologieklausur praktisch ohne Vorwissen bestehen könnte, weil ich über genug Textkompetenz verfüge, die Lösung dem Aufgabentext zu entnehmen.

„Was anders wäre, ist namenlos“ Adorno, 1942

Was Schülerinnen und Schüler von Schule, zumal der ihren, halten, ist zuletzt zweimal untersucht worden: Einmal von einem Gesamtschullehrer aus NRW, der nichtrepräsentativ herausfand, dass z.B. die deutlich gestiegene Wochenstundenzahl (von durchschnittlich 25 auf 34) für Verdruss sorge, dann, durchaus prominenter und mit ganz anderem Ergebnis, von Hans-Werner („Unsinn“) Sinns ehemaligem Ifo-Institut: „Jugendliche benoten Schulen deutlich besser als Erwachsene – das ist eines der überraschenden Ergebnisse aus dem neuen Bildungsbarometer des Ifo-Instituts. Neben 4000 Erwachsenen waren für die größte deutsche Bildungsumfrage in diesem Jahr erstmals auch 1000 Schüler befragt worden. Die 14- bis 17-Jährigen sind mit ihren Schulen offensichtlich zufriedener, als es sich angesichts der allgegenwärtigen Debatte um fehlende Lehrer, Gebäude und Computer erwarten ließ: Jeder zweite gibt seiner aktuellen Schule die Note 1 oder 2, jeder dritte hat immer noch ein ,befriedigend’ für sie übrig. … Bei Noten und Prüfungen sind Jung und Alt beieinander. 62 Prozent der Schüler sind gegen die Abschaffung von Noten, 76 Prozent für das Sitzenbleiben (Erwachsene: 74 und 83 Prozent). Hoch im Kurs stehen auch bundesweit einheitliche Vergleichstests, in der Grundschule und danach. Ebenso das Zentralabitur: 83 Prozent sind dafür (Erwachsene: 90). Das leistungsorientierte Schulsystem ist offenbar noch viel stärker gewollt, als die Bildungspolitik es wahrhaben will“ (SZ, 14.9.).

Des Menschen Wille ist ja sein Himmelreich, und Kinder, pflegt mein Bruder zu sagen, sind ohnehin CDU. Sehen wir uns die Zahlen an, sind es gemittelt zwei Drittel, die sich für Noten, Leistung, Wettbewerb, Sitzenbleiben entscheiden. Das muss nicht heißen, dass Noten, Leistung, Wettbewerb, Sitzenbleiben „richtig“ sind (für Hitler haben sich bekanntlich noch viel mehr Menschen entschieden); das heißt, dass sich die bewährte Zweidrittelgesellschaft ab ovo über ihr Leistungsregime reproduziert und dass die glücklichen zwei Drittel wollen, dass das so bleibt.

Und wenn ich nach Hause komme und es hat sich nichts verändert, bin ich erleichtert, denn was soll sich in einer leeren Wohnung ereignet haben außer, sagen wir, einem Wasserrohrbruch?

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Dienst ist Dienst

Für den Fall, dass Sie, liebes Publikum, verzweifelt darauf gewartet haben, dass ich mich zum Thema „Dienstpflicht“ äußere: Ich wollte mich, hahaha!, drücken. Drücken vor dem öden Bekenntnis, das so viele gleichalterige Kollegen in ihre Spalten getippt haben, die Zivildienstzeit habe einem doch sehr gutgetan (obwohl’s freilich stimmt); drücken auch vor der Verlegenheit, mit Kramp-Karrenbauer evtl. einer Meinung sein müssen, wenn auch vielleicht aus besseren Gründen; drücken vor dem notwendig altväterlichen Tonfall, der noch das völlig Richtige nach den Freuden der Pflicht klingen lässt: „Da die meisten Abiturienten nach der Schule aber keine Ahnung haben, was sie tun sollen, setzen sich viele von ihnen erst mal in irgendein Flugzeug [und] blasen Kerosin in die Luft … Wann kommt man schon mal raus aus seinem sozialen Kokon? Freundlich gewendet: Wann hat man schon mal die Möglichkeit, wirklich völlig andere Lebenswelten für ein paar Monate kennenzulernen? Wer jetzt sagt: Da redet irgendein Onkel daher – ja, mag sein. Aber die zehn Jahre des Mäanderns mit Zivildienst, Kellnern im Café, zweckfreiem Lesen, Radtouren durch Europa waren sicher so sinnstiftend und prägend wie alles seither.“

Nun stehen aber auch diese wahren Worte des SZ-Kollegen Rühle, am 9.8. im Feuilleton erschienen, in der Online-Version unter der Spitzmarke „Berufseinstieg“ und der Überschrift „Mit Lebenslauf ist nicht der Weg zur Arbeit gemeint“, und schon haben wir ihn wieder verlassen, den zweckfreien Mäander, wie halt auch ein Pflichtdienst in die Welt der Zwecke gehört: Die Jugend, nachdem man sie auf schneller, höher, weiter (manche sagen: dümmer) gedrillt hat, bekommt jetzt ein Jahr „Lebenserfahrung“ oktroyiert, weil das den Unternehmen, hört man, fehlt. Der Zivildienst alten Zuschnitts war ja ein Ersatzdienst, mithin einer, dem ein „Anti“ eingeschrieben war, und noch wer ihn aus Bequemlichkeit vorzog, wollte sich nicht früh um fünf aus dem Bett brüllen lassen, nur damit der Russe nicht kommt. Der Ersatzdienst war, wie unfreiwillig immer, eine politische, sogar linke Angelegenheit; das Pflichtjahr (als nämlich nationales) wäre eine rechte, wie es ja nie ganz unwichtig ist, wer da nun auf Pflichterfüllung besteht. In Kramp-Karrenbauers Vision wäre das Pflichtjahr ein Dienst an derselben Gesellschaft, die sich zuletzt bloß durch Asozialität, ja „Arschlöcherigkeit“ (Magnus Klaue) hervorgetan hat und deren Solidarität so aussieht, dass, wer arm ist, arm bleibt und dass, wer krank ist, vielleicht bloß operiert wird, weil das dem Krankenhaus Geld einträgt. (In den Tagesthemen präludiert Zamperoni einen Bericht über das wohl ganz und gar vorbildliche dänische System von Sozialsicherheit im Alter mit der Bemerkung, in Skandinavien werde derlei als „Grundrecht“ empfunden. Verrückt.)

„Er trat … genußvoll … an die Tafel, ergriff die Kreide, hob die unansehnliche Hand und schrieb, während ihm der Ärmel bis zum Ellenbogen hinabrutschte, dabei einen trockenen, gelblichen, wenigstens hundertjährigen Arm freigab, das Thema an die Tafel, in seiner gedruckten, schrägen Schrift, in der Schräge der Scheinheiligkeit. Es hieß: ,Die Freuden der Pflicht.’“ Siegfried Lenz, 1968

Der Ersatzdienst konnte in ein Lebensjahrzehnt des zweckfreien Mäanderns gehören, weil Zweckfreiheit, zumindest ideell, noch ausdrücklicher Teil von Adoleszenz war. Das Pflichtjahr wäre bloß ein weiteres Praktikum, dessen Sinn sich darin erschöpfte, orientierungslosen Schulabgängern die Flucht in den Konsumismus zu ersparen, den freilich dieselbe Gesellschaft verantwortet, die den Nachwuchs jetzt so großartig in die antikonsumistische Pflicht nehmen will. Nicht auszuschließen zwar, dass der eine oder die andere nach einem Jahr als Pflegehilfe die Zeitung oder amtliche Armutsberichte mit anderen Augen läse, und wenn Christian Lindner sich gegen die „Verstaatlichung“ von Lebenszeit wendet, müsste man schon wieder dafür sein. Aber dagegen muss ich sein, weil das Pflichtjahr eine Lüge ist, den üblichen trüben Interessen dient und die Verzweckung des Lebens scheinheilig bemäntelt.

Dass ich der eigenen Brut von Australien dringend abriete und ein Freiwilligenjahr empfähle, steht auf einem anderen Blatt; wo nicht auf demselben.

PS. Falls noch wer seit Mai darauf wartet, dass ich mich zum Fall Dieter Hanitzsch/Netanjahu äußere: Seine Kündigung verdankt das Karikaturisten-Urgestein nicht gnadenloser politischer Korrektheit, sondern der „Süddeutschen Zeitung“, denn sein Netanjahu war, täusche ich mich nicht, kein „Stürmer“-Jude, sondern ein SZ-Jude. Den gibt es mittlerweile, aber weil es ihn nicht offiziell gibt, musste Hanitzsch gehen. So einfach ist das manchmal, und nicht, dass man nichts mehr sagen dürfe, ist das Problem, sondern dass sie’s alle ständig sagen, ohne es freilich gesagt haben zu wollen. – Das Sonntagsfrühstück macht Urlaub und ist am 16.9. wieder für Sie da.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Post von Gärtner

Es ist ja nicht so, dass ich nie den Wirtschaftsteil läse, schon wegen unserer Performerinnen und Start-upper: „Wenn Oliver Kray von Herausforderungen spricht, sagt er das englische Wort ,Challenge’. Adressen, zum Beispiel, können so eine ,Challenge’ sein, weil es doch nicht sein kann, dass man sie heute, in Zeiten von Smartphones, immer noch braucht, um Post zu verschicken. ,Wer weiß denn heute noch die Straße, Hausnummer und Postleitzahl seiner Freunde?’, fragt Kray“, und ich sage: Ich, aber ich werde nicht gefragt, und also antwortet das Morgenblatt mit immerhin etwas Ironie: „Niemand, natürlich, und das ist gerade die Challenge, schließlich ist Kray Gründer von My Postcard, einem Start-up, das per App“, womit auch sonst, „die gute alte Postkarte wiederbeleben möchte.“

Und das geht dann so, dass man per App seine eigene Postkarte gestalten (oder sagen wir besser: kreieren) kann, mit eigenen Fotos, aber „man findet auch ganz klassische Postkartenmotive, den Eiffelturm, die Brooklyn-Bridge, Positano. Kray hat die Lizenzen von Verlagen gekauft, und nun kann man die Bilder mit eigenen Fotos mischen. ,Wir sind die Postkarte, die du wirklich willst’“, und für 1,99 Euro wird sie dann auch noch verschickt, so dass man seinen Arsch vom Pool schon gleich gar nicht mehr wegheben muss.

Die Frage: Was soll das? ist natürlich in unserer herrlichen App-Welt dumm und völlig falsch gestellt, denn das freshe Challenge-Unternehmen verschickt bereits zwei Millionen Stück im Jahr, so dass, wer in Zukunft Urlaubspost bekommt, nicht mehr handschriftliche Grüße auf wunderbar austauschbaren Postkartenmotiven findet, sondern austauschbar Selbstgemachtes, nur ohne die Handschrift, als wäre die Handschrift auf der guten alten Postkarte nicht das Selbstgemachteste schlechthin. Im übrigen ist es freilich Schwachsinn, Postkartenmotive selbst zu fotografieren, denn wer sich daheim das Colosseum ansehen will, kann sich einen Bildband kaufen, und wenn ich sehen will, dass jemand anderes das Colosseum gesehen hat, reicht mir das Colosseum auf der Ansichtskarte, die ja viel mehr verrät als das stumpf gewordene „Ich war da“ und die Fähigkeit des Absenders, Handyfotos zu machen. Die Ansichtskarte als solche spricht die Sprache ihres Ortes, in Bildauswahl und Beschriftung, und wenn eine Freundin, sagen wir, in Burkina Faso ist, dann will ich doch wissen, wie die Ansichtskarten in Burkina Faso aussehen und nicht, wie kreativ die Freundin ist, zumal da, wie jeder weiß, ein Ansichtskartentext bereits als genügend große kreative Herausforderung zu gelten hat.

„Um diese Zeit wurde die Fahrt für mich langsam zu einer Art Delirium, nach der nervösen halbwachen Nachtfahrt, der putzigen Schweiz, dem verlodderten Norditalien, dazwischen ein paar Postkarteneindrücke der Seen, und ich habe gemerkt, dass diese Fahrt eine Ochsentour ist. – Der Eindruck einer allgemeinen Verkommenheit war überhaupt nicht wegzudenken.“ Brinkmann, 1972

Die Ansichtskarte ist ein Versatzstück, aber ein offenes, ein augenzwinkernder Verweis auf die Austauschbarkeit des Reiseerlebnisses, auf nämlich „die ewigen Ramblas von Prag“ (Gunnar Homann: Sabbatical, München 2017, sehr gute Reiselektüre übrigens); eine „individuell“ gestaltete Ansichtskarte ist bloß ein Widerspruch in sich und ein Hinweis darauf, dass auch hier keine Distanz, keine Ironie mehr walten soll, wo sich noch der stumpfste Urlaub als gottweißwie individuell und kreativ verkauft. Im übrigen ist auf Urlaubsgrüße von Leuten gepfiffen, die es „viel zu kompliziert“ (Challenge-Kray) finden, sich um „Stift, eine Marke und auch einen Briefkasten“ zu bemühen, und deren Gruß sich bloß zerstreuungssüchtiger Smartphone-Daddelei verdankt.

Aber was rede ich; mir ist ja auch die E-Grußformel „LG“ suspekt. Denn wer „Liebe Grüße“ ehrlich meint, der schreibt sie hin, und wer nicht, der lasse es. It’s the form, stupid, aber wenn irgend etwas heutzutage in den Wind gesprochen ist, dann das.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Hausgeburt Hitler

Die Rückenstudios, die ich besuche, haben grundsätzlich (weil billig) keine Klimaanlage, und also muss man sich das so vorstellen, dass ich, bildlich gesprochen, in der Sauna Liegestütz mache, und hinterher geht es mir, als hätte ich in der Sauna Liegestütz gemacht. Dann ist es, heimgekehrt, freilich Essig mit Kafkas Briefen oder „To Hell and Back: Europe 1914–1949“, und der Fernseher geht an, und um den Abend aber nicht völlig herzuschenken, sehe ich auf DVD endlich die letzte Folge von Fassbinders „Acht Stunden sind kein Tag“, einer (ausdrücklich so genannten) „Familienserie“ von 1972. In dieser letzten Folge setzen sich die Arbeiter (!) mit ihrer Forderung durch, ihre Arbeit selbst zu organisieren, aber bloß, weil sie einen klugen Chef (Klaus Löwitsch) haben, der sich die Hälfte des durch die Selbstorganisation gemachten Extragewinns für die Firma sichert, was nicht nur der italienische Kollege, sondern auch Hanna Schygulla (als Freundin von Arbeitervordenker Gottfried John) unfair findet: Dass dem, dem immer alles gehört, immer alles gehört! (So ging einmal öffentlich-rechtliches Fernsehen, jedenfalls beim roten WDR.)

In der Gegenwart dann im Morgenblatt eine Reportage über den, natürlich, „dramatischen“ Hebammenmangel, denn immer mehr Frauen kriegen immer mehr Kinder, aber „es fehlt an Personal, Pflegenotstand auch hier. Im Sommer, wenn die Hebammen mit eigenen Schulkindern Ferien machen müssen, ist es noch dramatischer als sonst“, zumal da es immer weniger Hebammen gibt, die auch tatsächlich Geburtshilfe leisten, der hohen Versicherungsprämien wegen. Wäre das eine Familienserie von Fassbinder, Hanna Schygulla wäre die Vorsitzende des Bayerischen Hebammenverbandes und könnte (wie die echte im Artikel) sagen: „Unser Gesundheitssystem ist doch rein wirtschaftlich orientiert, und mit Geräten und Technik wird das Geld verdient, aber doch nicht mit der Geburtshilfe.“ Und dann ginge Gottfried John mit seinen Arbeitern zum feinen Herrn Spahn und würde ihm die Meinung geigen.

„Nicht mehr für die ,da draußen’ (den Anderen, die Nächsten und Liebsten, für ,uns’, die Gemeinschaft, die Gesellschaft, die Menschheit, den Planeten, den wir miteinander teilen) bin ich verantwortlich, sondern für meinen Körper: für sein Vermögen und seine Fähigkeit, mir die Belohnung durch ,Wellness’ zu verschaffen.“ Bauman, 2017

Aber es ist nicht Fassbinder, es ist die Renate Meinhof von der „Süddeutschen“, und also kriegen wir, weil unser Gesundheitssystem rein technisch orientiert ist und die Gewährsfrau eine Hausgeburtshebamme, nebenbei noch das Loblied aufs Hausgebären gesungen: „Wer [die Hebamme] erlebt, spürt, dass sie Gebärenden genau die Sicherheit und Ruhe spiegeln [?] kann, die sie brauchen, um ihr Kind loszulassen [!], ohne Technik, ohne Saugglocke, Anästhesie, Wehentropf und Dammschnitt.“ Was immer das nun mit dem Pflegenotstand zu tun hat. „Hier, im wohlhabenden Münchner Umland, … ist die Rate der Hausgeburten deutlich höher als anderswo“, sie liegt in den Industrieländern bei zwei Prozent, obwohl des Kindes „allererste Erfahrungen seine ganze Entwicklung, seine physische und seelische Gesundheit prägen werden, wissen Hirnforscher, Psychotraumatologen und und Neurowissenschaftler seit langem. … Von Anfang an, auch im Uterus schon, lernt das Kind, der Welt zu trauen – oder eben nicht.“ Weswegen Geburtshilfe – und nicht etwa der perennierende Skandal der Klassen- und Beutelschneidermedizin – „ein Thema der ganzen Gesellschaft werden muss. Mit Menschen, die der Welt nicht trauen, ist nämlich kein Staat zu machen, im Sinne des Wortes, jedenfalls kein guter“, und jedenfalls kein so guter wie, sagen wir, Großdeutschland mit seinen wunderbar vielen Hausgeburten. Wie sich die Vorzüglichkeit der menschlichen Geschichte bis ca. 1950 durch die Hausgeburt sehr schön erklären lassen lässt.

Journalismus ist Klassendienst, und deren Traum ist ja neuerdings, in einem Bauernhaus das fünfte Kind inmitten einer Margarinereklame zu kriegen: „ … und so schnitt  Nike der Schwester die Nabelschnur durch. Hitze drang ins Zimmer. Im Garten wogte der Wein, scharrten die Hühner im Sand, strahlte der Phlox. Ein Tag im Sommer.“ Und einer in „Retrotopia“ (Zygmunt Bauman), „in dem der chronische Mangel an Erfüllung genuiner Bedürfnisse mit dem Trick der illusorischen Gratifikation phantomartiger Bedürfnisse lebbar gemacht wird.“ Und natürlich alles bleiben kann, wie es ist, solange die feineren Herrschaften mit den guten, einfachen Dingen beschäftigt sind und ihre Blagen seelisch optimiert gebären, um dann mit ihnen Staat zu machen.

Er ist danach.   

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Race under Pressure

Ich habe es wirklich versucht. Ich habe mir Kommentare unter einem „Tagesspiegel“-Beitrag zum Klimawandelsommer („Die Erde glüht“) angesehen („Nicht vorhanden …  ist der Zusammenhang zwischen CO2-Gehalt der Atmosphäre und der globalen Mitteltemperatur, der der Treibhausthese zugrunde liegt. Wenn Sie schon 10000 Jahre zurückblicken, dann ist Ihnen doch sicher das Temperaturmaximum vor 8000 Jahren aufgefallen, dem ein CO2-Minimum gegenübersteht. Die Diagramme dazu finden Sie …“); habe mir ebd. einen Kommentar zur zeitlosen Frage „Was will die SPD eigentlich?“ durchgelesen („Steuertransparenz für Konzerne? Der sozialdemokratische Bundesfinanzminister Olaf Scholz lehnt ab – und vergrößert so die Leerstelle hinter der Sinnfrage an seine Partei“); war sogar bei „Spiegel online“ („Garmisch hält den Blitz-Rekord“). Und doch führt, fürchte ich, auch an diesem Sonntag kein Weg vorbei an dieser Debatte um diesen in Gelsenkirchen geborenen, mit deutschen Bürgerrechten ausgestatteten, aber u.a. türkischsprachigen Fußballspieler; und „Debatte“, also den rhetorischen Schlagabtausch nach festen Regeln, darf man’s spätestens seit Mittwoch nennen, als im Morgenblatt die türkischstämmige Buchautorin der türkischen Community empfahl, sich nicht in der Opferrolle zu gefallen, sondern sich lieber zu integrieren und aufzusteigen; also gegen den Hunger nach Anerkennung einfach mehr zu spachteln.

Dass sich in der Causa fast alle idiotisch aufgeführt haben, ist vielleicht als Ergebnis völlig ausreichend, und die zuletzt drängende Frage, welche Sätze des Rassismus-Tweets nun vom Fußballer selbst stammten (der doch als Stiller galt und, so die SZ in einem wirklich restlos korrupten Satz, schon zu Schulzeiten „massiv vor sich hin träumte“) und welche von seinem ausgefuchsten Berater, mag meinetwegen so im Sommerloch verschwinden wie der ganze Unsinn insgesamt; denn dass der durchschnittliche Fußballer von Politik weder Ahnung hat, noch sich für sie interessiert, ist doch genauso klar wie die Tatsache, dass hier Rassismus, der offene wie der latente, die Gelegenheit ergriffen hat. Und dass die „Zivilgesellschaft“ längst keine so zivilisierte ist, wie es etwa die FAZ („Özil wurde nicht für seine Herkunft kritisiert – sondern für sein Verhalten“) gern hätte: Ein argloser SPD-Stadtrat aus dem Osthessischen schreibt auf Facebook unter ein Foto des deutschen WM-Kaders: „25 Deutsche und zwei Ziegenficker“, entschuldigt sich dann und sagt der DPA, ihm seien da „die Pferde durchgegangen“, er habe „vielleicht nicht gleich überlegt“, aber er sei „nicht ausländerfeindlich“, seine Wortwahl bloß „nicht gut“ gewesen. Wo doch die bessere nun wirklich auf der Hand lag: 25 Deutsche und zwei Undeutsche.

„Both Germany and Turkey are similar in having persistent ideas of ,race’ and ,blood’ defining the nation.”  „The Guardian“, 23.7.2018

Rassismus ist halt immer das, was drin ist und raus will, und es oblag, natürlich, der „Bild“-Zeitung, hier Öl ins Feuer zu schütten, indem sie, das Volksempfinden sowohl bedienend als auch schürend, von des Fußballers „Jammer-Rücktritt“ zeterte und seinem „wirren“ Angriff aufs Vaterland, und Patrick Bahners, der in der FAZ die „Kampagne“ beschrieb, war noch viel zu freundlich: „Spielverderber, Heulsuse, Memme: Özil einen Jammerlappen zu nennen ist die Logik der Schulhofkämpfe, mit denen eine deutsche Tageszeitung sonst vor dem Ende der multikulturellen Gesellschaft warnt.“ Das Schwache, Weibische, Querulantische als undeutsch zu qualifizieren ist nämlich Nazi-Logik, wie das Gebarme von „Experten“ (Basler, Matthäus) wegen des Fußballers fehlender/falscher „Körpersprache“ wiederum faschistische Männerscheiße ist (und auch fachlich völlig fehlgeht: „Warum die Kritik an Özils Körpersprache schwachsinnig ist“, „Elf Freunde“, 20.6.2018). Im übrigen hat jeder Spieler, der in Russland angetreten ist, Werbung für die dortige Autokratie gemacht, und wird jeder, der 2022 in Katar dabei ist, Werbung für den dortigen „Sklavenstaat“ („Tagesspiegel“) machen. Mag sein, zeitgenössischer Fußball ist eine Werbung für Freiheit und Demokratie; allerdings im Sinne Springers.

Und dann wär’s ja geradezu inkonsequent, wenn er nicht, kommt es drauf an, rassistisch wäre.

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Andererseits

Die Welt, ein Widerspruch: Einerseits heult das Morgenblatt jetzt sogar im Wirtschaftsteil herum, wg. Klimawandels müsse sich das Konsumverhalten endlich ändern; andererseits bewirbt, einen Tag später, dasselbe Morgenblatt ganzseitig seine Reiseführerreihe: „Alles perfekt. Nicht lange suchen, Buch kaufen, Flug buchen und eine perfekte Zeit erleben“, was immer das sei. Klingt jedenfalls ekelhaft, nach Urlaub für Befehlsempfänger (m/w), und das ist es ja wohl auch.

Einerseits lesen wir von einer CSU im Umfragetief und davon, dass da ein Kalkül nicht aufgegangen sei und sich nämlich die sog. Zivilgesellschaft bewege und auf Demos („Ausgehetzt!“) und an der Urne dem Rechtspopulismus eine schöne Absage erteile; andererseits sitze ich im Eiscafé neben einem freundlichen Vertreter und einer freundlichen Vertreterin des solventen Bürgertums (Typ Kanarische Inseln, 2x im Jahr), mindestens eine Hälfte mit höheren akademischen Weihen, und die Herrschaften loben Seehofer in hohen Tönen: Wenn er nicht wäre, geschähe ja gar nichts! Und einerseits ist Israel die einzige funktionierende Demokratie im Nahen Osten, andererseits (Achtung, Pseudowiderspruch!) hat die Knesset jetzt ein Gesetz verabschiedet, wonach Israel zum „Nationalstaat für jüdische Menschen“ wird, was die große arabische Minderheit im Land nicht freuen kann. Einerseits ist das, und das sage ich als Freund, scheiße; andererseits ist, etwa in Deutschland, die Zahl antisemitischer Angriffe, sowohl verbal/online als auch physisch, zuletzt explodiert (Faz.net: „Es wird schlimmer, Tag für Tag“). In Bonn hat es zuletzt einen jüdischen Gastprofessor aus den USA getroffen.

Einerseits ist Netanjahu ein nationalistischer Blödmann; andererseits hat eine demokratische Mehrheit diesen Blödmann genauso gewählt wie den Faschisten und Antisemiten Orbán, der jetzt von Netanjahu mit allen Ehren empfangen worden ist und von „exzellenten persönlichen Beziehungen“ gesprochen hat. Einerseits liegt das daran, dass beide sich in einer Welt aus Feinden wähnen; andererseits ist das im ungarischen Falle eine aus machtstrategischen Gründen gepflegte, faschistische Halluzination, im israelischen nicht und sucht, wo alle Welt was gegen Juden hat, Netanjahu die Nähe derer, die noch mehr als gegen Juden was gegen Muslime haben.

„Die Welt ist eben die Hölle, und die Menschen sind einerseits die gequälten Seelen und andererseits die Teufel darin.“ Schopenhauer, 1851

Einerseits hat in Israel das Gesetz das Parlament nur knapp (und nach Tumulten) passiert, hat der Staatspräsident Distanz gezeigt und ruhen liberale Hoffnungen auf dem Obersten Gericht; andererseits haben Orbáns polnische Freunde von der klerikalfaschistischen PiS dafür gesorgt, dass auf den Gerichten des Landes keine liberalen Hoffnungen mehr ruhen können, und beschwert sich der polnische Präsident allenfalls darüber, wie verzerrt sein schönes Polen im Ausland dargestellt werde. Einerseits hat sich die EU sogleich „besorgt“ über die israelischen Entwicklungen gezeigt; andererseits haben die Polen jahrelang ihren Rechtsstaat demontieren dürfen und sind dafür sogar noch mit EU-Milliarden ausgestattet worden. Einerseits ist Israel noch eine funktionierende, wenn auch trendgemäß ins Illiberale driftende Demokratie; andererseits ist Ostmitteleuropa längst rechtspopulistisch-illiberales Kernland, wo, anders als in Israel, niemand gegen die Abschiebung von Migranten protestiert: Es gibt nämlich fast keine.

Ich geh’ jetzt erst mal ins Freibad, zum Kindergeburtstag: Da gibt es hoffentlich einerseits Eis und andererseits Pommes. Shalom.

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Wahlkämpfende CSU!

Nachdem Dein Hassthema Flüchtlinge demoskopisch und demagogisch in die Lederhose gegangen war, musstest Du dringend bei richtigen Themen etwas versprechen, beispielsweise »bestmögliche Versorgung im ländlichen Raum«. Konkret: »Ausbau der Telemedizin« und »Einführung einer Landarztquote«.

Und weißt Du was, CSU, eine TV-Serie à la »Der Landarzt«, mit Pflichtquote bei den Bettlägrigen, damit wäre beides erreicht!

Verspricht: Titanic

 Natürlich, Herr Fleischhauer!

In Ihrer Kolumne verkündeten Sie, dass die Kanzlerin ihre Politik als fortgesetzten Widerstand gegen den Nationalsozialismus sehe: »Am vergangenen Freitag hat Angela Merkel ihre Sommerpressekonferenz gegeben. Der Termin war kurzfristig anberaumt worden, was dafür spricht, dass sie sich bewusst für den 20. Juli entschieden hat.«

Sehr überzeugend! Aber spricht diese Beobachtung nicht auch genau für das Gegenteil? Also dafür, dass Angela Merkel sich den 20. Juli gerade nicht extra lange freigehalten hat, um die Pressekonferenz zu veranstalten, sondern es eben an diesem Tag kurzfristig am besten passte? Aber das kann ja der überlegensten Logik passieren, dass auch ihr Gegenteil Sinn ergibt. Uns scheinen allerdings Thema, These und Argumentation Ihrer Kolumne dieses Mal irgendwie besonders kurzfristig anberaumt worden zu sein.

Nur so ein Gefühl von Titanic

 Peter Maffay!

Der »Berliner Morgenpost« verrieten Sie: »Die Zeit der Alkoholexzesse habe ich hinter mir gelassen. Die Aufnahmen, die ich unter Alkohol eingespielt habe, waren einfach nicht gut.«

Ach, Maffay, kein Grund zum Kummer. Die Aufnahmen, die Sie ohne Alkohol eingespielt haben, auch nicht.

Bittere Wahrheit von Ihrer Titanic

 Wartet nur, Wespen!

Wartet nur, Wespen!

Nachdem Ihr nacheinander unseren IT-Mann und unsere Redaktionsassistentin gestochen, beim Konferenzessen unsere Schnitzel belagert und dicke Stücke aus unseren Fritten gefräst habt und massenhaft in unsere Biere geplumpst seid, fragen wir uns: Was macht Euch so unbesorgt und hochnäsig? Denn jetzt, da die Klimaerwärmung richtig loslegt, ziehen bald die richtig dicken Dinger aus dem Süden bei uns ein und machen Euch fertig, ha! Da wäre zum Beispiel der Mittelmeerskorpion, der Euch mit seinem flinken Stachel den Garaus machen wird! Sein Gift kann nämlich sogar Menschen tö- ... Halt, stop!

Reicht Euch doch noch mal die Hand: Titanic

 Scheiße, liebe Sachsen!

»Sachsen: Jedes dritte Kind kann vor der Einschulung nicht richtig sprechen« – diese Schlagzeile vom 23. Juli gab uns zu denken: Wie um Himmels willen schafft Ihr’s denn, den beiden anderen Kindern das richtige Sprechen auch noch abzutrainieren?

Hält ja schon die Gusche: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Das Familienfest

Die letzte Illusion, noch ein Quentchen Berufsjugendlichkeit innezuhaben, geht flöten, wenn den pubertierenden Neffen damit gedroht wird, zur Strafe im Auto der Tante mitfahren zu müssen, wenn sie nicht spuren.

Miriam Wurster

 Vergeblich

Sich einen ganzen Sommernachmittag lang auf dem Balkon in der Sonne aalen, dabei über den Sinn und Zweck des Effizienzgedankens nachsinnen, am Ende zu keinem Ergebnis gelangen und schlussendlich alle Überlegungen hierzu wieder komplett vergessen. Passiver Widerstand im Zeitalter des Neoliberalismus kann so geil sein!

Burkhard Niehues

 Zur Verkehrslage

Verkehrsinfarkt, Megastaus, Abgasskandal, Parkplatznot – auf den deutschen Straßen herrscht Chaos, Aggression und Frust. Es ist allgegenwärtig: Viele Autofahrer ertragen das alles nur noch im SUV.

Thorsten Mausehund

 Paradoxon

Seit bekannt ist, dass Menschen mit einer narzisstischen Neigung aus Eitelkeit niemals in Therapie gehen würden, werden die Therapeuten geradezu überrannt von Narzissten, die beweisen wollen, dass sie keine sind.

Teja Fischer

 Frage

Wann gibt es endlich den Seit-es-Zwinkersmileys-gibt-muss-jede-ironisch-gemeinte-Botschaft-damit-versehen-werden-da-sie-sonst-keinesfalls-mehr-vom-Rezipienten-als-überspitzt-dechiffriert-werden-kann-und-deshalb-heftige-Reaktionen-auslöst-Frown?

Jürgen Miedl

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Katz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige  Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In  diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen  Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde.  Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle  Sterne.
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann       alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und       hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und       Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy       Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine       gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Dorthe Landschulz: "Problemzonen"
Sie können nicht tanken, besitzen im Durchschnitt bis zu vier Paar Schuhe, gehen immer zu zweit aufs Klo in der Führungsetage - und jetzt zeichnen sie auch noch: Weiber! Eine von ihnen ist die phantastische Dorthe Landschulz. Mit der ihr eigenen (weiblichen!) Art nimmt die TITANIC-Cartoonistin und Wahlbretonin ihre Geschlechtsgenossinnen unter den (prämierten!) Stift und spart dabei auch nicht an der Erfüllung von überwunden geglaubten Gender-Klischees. Typisch! Die besten Witze werden sogar von Männern begriffen.Hans Zippert: "Würden Sie an einer Tortengrafik teilnehmen?"
Würden Sie die Frage "Würden Sie gerne ein Buch mit dem Namen 'Würden Sie an einer Tortengrafik teilnehmen?' lesen?" mit "Ja" beantworten? Und würde der Fakt, daß dieses Buch von TITANIC-Alt-Urgestein Hans Zippert stammt und den Untertitel "199 Fragen und 197 Antworten zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen für das Leben in Deutschland" trägt, Ihre Leseentscheidung positiv oder negativ beeinflussen? Zu kompliziert für Sie? OK, dann also in Ausrufesätzen: Neues Buch! Von Zippert! Mit langem Titel! Lesi lesi machen! Damit Ihr träges Hirn mal was zu tun kriegt!!Leo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Katharina Greve: "Eigentlich ist Wurst umgestülptes Tier: Cartoons & Comicstrips"
Katharina Greve ist nicht nur Architektin, Situationsdesignerin und stolze Besitzerin einer Vakuumiermaschine, sondern auch Prophetin: Via Kalenderblatt sagte sie im Jahr 2013 auf den Tag genau den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. voraus. Wer wissen will, welche sonderbaren Ereignisse die Zukunft noch bereithält, braucht deshalb dieses Bilderbuch. Gegenstände mit Gefühl, Menschen ohne Gesicht, Tapetenmuster von göttlicher Anmut – all das findet sich in Greves fantastisch-wurstigem Cartoonband!Fischer/Wolff/Ziegelwagner (Hrsg.):  "Die TITANIC-Bibel: Segen, Sünden, Sauereien"Was sind schon Markus, Matthäus, Lukas, Johannes, Paulus, Gott gegen Knorr, Eilert, Bernstein, Pfarr, Schmitt, Zippert, Hurzlmeier, Raddatz usf.? Bestenfalls mittelmäßige Autoren und Zeichner. Deswegen greift der moderne Religionskenner zur TITANIC-Bibel. Das ideale Weihnachtsgeschenk für alle, die noch wissen, worum es bei Weihnachten wirklich geht (ideale Weihnachtsgeschenke).Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 23.09.:

    Nordbayern.de interviewt TITANIC-Boygroup-Boy Oliver Maria Schmitt.

  • 23.09.:

    Die Seite "Werben & Verkaufen" lobt den PARTEI-Wahlkampf in Bayern.

  • 22.09.:

    Zum Oktoberfestbeginn schreibt Mark-Stefan Tietze in der Taz über die "Wiesn in der Krisn".

Titanic unterwegs
24.09.2018 Leipzig, Moritzbastei Hauck & Bauer
25.09.2018 Hamburg, Kleine Laeiszhalle Max Goldt
25.09.2018 Hamburg, Grüner Jäger Ella Carina Werner
25.09.2018 Nürnberg, Modul 26 Hauck & Bauer