[16.02.2016]
Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen TITANIC Plattenkritik: Kanye West – The Life of Pablo (Teil 2)

10. Waves (feat. Chris Brown)
Dieses Stück hat alles, was ein guter Rap-Song braucht: einen guten Rapper (K. West). Der Rest nervt ja eher, vor allem Chris Brown, dieser Rüpel. Frauen zu schlagen, dazu noch mit der Faust statt mit der flachen Hand, zeugt von keiner guten Kinderstube. Traurig, daß West mit so jemandem "abhängt", er findet das wohl "cool". Außerdem kann Brown nicht gut singen, jedenfalls im Vergleich zu Udo Jürgens oder Beyoncé. Wenn er denn wenigstens passabel sänge! Dann dürfte er von mir aus auch mal jemanden verhauen (wenn es sein MUSS). Das würde sich ja mit dem Sangestalent dann einigermaßen die Waage halten. Würde! Er kann’s ja nicht! Top-Song.

11. FML (feat. The Weeknd)
Hier zeigt sich Kanye West ungewohnt sensibel, verletzlich, introspektiv – voll peinlich! So larmoyant wie Gauck, und das als Rapper, geht’s noch??? Dafür ist die Musik auf höchstem Niveau, das haut’s dann wieder raus. Eine raffinierte Melange aus Echo & the Bunnymen, Beckmann & Band und The Jesus & Mary Chain, obwohl – oder gerade weil? – letztere das Kaufmanns-Und ja stets abgelehnt haben. Wieso eigentlich? Fazit: mittelprächtig.

12. Real Friends (feat.Ty Dolla $ign)
"Die Hi-Hat hallt im Hintergrund mächtig-metallisch", schreibt die Süddeutsche. Naja, das wollen wir ihr mal glauben, nachzuprüfen ist das sowieso nicht, jedenfalls ohne Account beim Streaming-Dienst Tidal, der Wests Album exklusiv vorabpräsentiert oder so. Wissen Sie, was so ein Account oder womöglich Premium-Account kostet? Bestimmt nicht viel, aber trotzdem… Man kann sich doch denken, wie so eine Hi-Hat klingt. "Mächtig-metallisch", hm, ja, das könnte hinkommen. Glauben wir ausnahmsweise mal der SZ, immerhin geht’s nicht um Israel. Toller Song über die Freundschaft, besonders der Mittelteil zeigt die ganze Klasse des Ka. West.

13. Wolves (feat. Frank Ocean & Caroline Shaw)
Wests Hommage an den VfL Wolfsburg weckt Zweifel an der künstlerischen Integrität des US-amerikanischen Ausnahmetalents. Ist er nicht in Chicago, Illinois aufgewachsen, müßte folglich ein eingefleischter Fan der dort ansässigen „Bulls“ (NBA) sein? Aber nein, Ka. We. besingt lieber die "Wolves" und "Mr. Hecking, ma Man", gar "the incredible atmosphere in the Volkswagen Arena". Gibt es einen Zusammenhang mit der kostenlosen Lieferung von 100 fabrikneuen Porsche (immerhin eine VW-Tochter) an die Privatadresse des bekennenden Autonarrs West? Will der niedersächsische Autobauer sein insbesondere in den USA schwer ramponiertes Image aufbessern durch die Collabo mit dem Superstar und "überragenden Jungen" (Schürrle) Kanye West. Dieser dementiert ebenso vehement wie VW-Boss Müller, allein: die Zweifel bleiben. Unabhängig vom Text ist der Song echt prima geworden: Episch-hypnotische Soundcollagen, rhythmische Salsa- und Rumba-Klänge und herrlich unbeschwerter 90er-Skatepunk geben sich die Türklinke in die Hand, hier ist für jeden was dabei. Vorsprung durch Technik, you know!

14./15. Silver Surfer Intermission/30 Hours (feat. La View)
Die bisher fruchtbarste Zusammenarbeit zwischen West und dem umtriebigen Berliner Musiker und Produzenten La View. Kanyes Halbbruder Dee-jay West-Bam hat die beiden Enfant terribles einst zusammengebracht, heute ist West Taufpate von La Views kleiner Tochter Inter, während La View Kanye in Glaubensfragen berät (Scientology). Der Song ist so brillant, so sophisticated, so mind-boggling, daß ich mir wünsche, ich hätte bereits die Gelegenheit gehabt, ihn mir anzuhören. Die SZ berichtet jedenfalls von einem "Autofahrsong", einer "tight groovenden Reise von Happach über Chicago bis nach L.A. (West(!)küste)", einem "unfaßbar entspannten Roadtrip für Personen von 6 bis 99 Jahren". Gut, daß Ernst Jünger das nicht mehr lesen muß; Gadamer hat ja eher Klassik gehört.

16. No More Parties in LA (feat. Kendrick Lamar)
Ein Gipfeltreffen, ohne Frage. Doch Lamar ist zu Fuß gekommen, während West mit dem Sportwagen den 8000er hochgefahren ist, die Sherpas ungerührt über den Haufen fahrend. So ist der echt drauf, "positiv verrückt" nennt man das heutzutage wohl. Ich will darüber nicht urteilen, dafür gibt es Juristen. Zur Musik: Die Instrumentierung arrangiert West in den vokalischen Passagen beinahe erzählerisch, schwelgerisch, nicht ohne im Allegro wieder bestimmter und kristalliner zu werden, den feinziselierten G-Funk-Beat als Klangteppich, nein eher als Rolltreppe installierend, auf der Kenny Lamars Übermensch-Reime gleichsam zum Himmel fahren.

17. Facts (Charlie Heat Version)
Puh, ganz schön viele Songs auf dem Album. Dieser hier, nun, was ist darüber zu sagen? Ein schöner Song, ohne Zweifel, gleichzeitig tieftraurig. Ein schrecklich-schauriges Stück US-Gegenwart, eine optimistisch-pessimistische Reflexion über Gut und Böse, über Krieg und Frieden, über Land und Leute, ein präzises Sittenbild der amerikanischen Gesellschaft im Spannungsfeld zwischen Silicon Valley, der Wall Street, dem Klima, dem Chinesen, dem Dänen, der Raumfahrt, der Hirnforschung, der Krankenversicherungssituation, Donald Trump, den Mormonen, dem Super Bowl, der Oscar-Verleihung, dem Islam, Netflix, der Ölkrise, der Psychoanalyse, dem Geschlechterkampf, der Situation im Bereich der Automobilzulieferbetriebe, der demographischen Katastrophe, der Glücksspielgefahr, der drohenden Malaria-Epidemie in den New-England-Staaten, dem Embargo gegen die Seychellen, der sinkenden Qualität von Trinkwasser, Hartplastik, Humankapital, Tierfutter, Antidepressiva, Radieschen, Reizwäsche, Suppengrün, Brillen, Zuckerersatzstoffen, Zahnseide, Rattengift und – berücksichtigt man die aktuelle Berichterstattung – insbesondere Kühlkettensystemen, Waffeleisen und Dillspitzen. Der Mann ist sehr ehrgeizig, das war bekannt. 

18. Fade (feat. Ty Dolla $ign & Post Malone)
Gerade angehört, sofort wieder vergessen. Ein unterschätztes Merkmal großer Kunst übrigens: daß sie einen nicht weiter beschäftigt, behelligt. Im Gedächtnis bleiben dagegen nur die trivialsten, ärgerlichsten Hervorbringungen allergrößter Banalität, Stumpf- und Dummheit: Ich muß z.B. jetzt gerade unvermittelt an das Gesamtwerk Herbert Grönemeyers denken. Fazit: Ein toller, ein großer Song. State of the art, wie man im Commonwealth sagt.




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Das schreiben die anderen
Titanic unterwegs
03.07.2016 Hannover, Wilhelm-Busch-Museum
  Rudi Hurzlmeier
03.07.2016 Aschaffenburg, Stadttheater
  Greser & Lenz und Hauck & Bauer
05.07.2016 Hamburg, Grüner Jäger
  Seddig, Werner, Masztaler, Neft + Stargast Tietze
22.07.2016 Bielefeld, Kulturzentrum Nummer zu Platz
  Stefan Gärtner

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Briefe an die Leser

 Huhu, Verlag Matthes & Seitz!

»Von der Suche nach dem Glück erzählt die Österreicherin Anna Weidenholzer in ihrem neuen Roman ›Weshalb die Herren Seesterne tragen‹. Céline Minard legt mit ›So long, Luise‹ ein zwischen Realität und Fiktion changierendes literarisches Testament vor, und der satirische Polit-Thriller ›2017‹ der Russin Olga Slawnikowa entlarvt eine Welt von Korruption, unermeßlichem Reichtum und politischer Unterdrückung im Rußland der Gegenwart und nahen Zukunft.«

Die Suche nach dem Glück, ein literarisches Testament zwischen Realität und Fiktion, eine Politthrillersatire übers korrupte Rußland: könnte man, Verlag Matthes & Seitz, sagen, daß Du der Verlag der wirklich heißen Eisen bist?

Coole Grüße von Titanic

 Augen geradeaus, Jens Spahn (CDU)!

Augen geradeaus, Jens Spahn (CDU)!

Zum Clinch zwischen Ihrer Partei und ihrer unansehnlichen Schwester aus Bayern schwafelten Sie im Tagesspiegel: »Wir können Vertrauen nur zurückgewinnen, wenn CDU und CSU gemeinsam nach vorne diskutieren und Lösungen für konkrete Probleme finden.«
Einmal angenommen, Sie finden in der CSU tatsächlich jemanden, der bereit ist, sich mit Ihnen zu treffen, vielleicht sogar jemanden mit einer ähnlich bizarren Brille wie der Ihren, und Sie beide stellen sich dann so hin, daß Sie nach vorne diskutieren, nämlich nebeneinander: Reden Sie dann nicht eigentlich aneinander vorbei? Ja? Auch egal. Titanic

 Sie, Larry Kasanoff,

haben sich unter anderem mit der Verfilmung des Videospiels »Mortal Kombat« einen Namen gemacht und sind damit zweifellos der richtige Produzent für die geplante Leinwandtrilogie »Tetris – the Movie«. Seit dieser Ankündigung bewegen uns allerdings einige Fragen, wie etwa: Warum keine Tetralogie? Werden das Quadrat und das L-förmige Teil jemals zueinanderfinden? Wird der Soundtrack mit fortschreitender Filmdauer immer schneller?

Völlig sicher ist sich allerdings, daß der Streifen ein echter Blockbuster wird: Titanic

 Übrigens, Markus Söder!

Nach Ihren Verkleidungen 2012ff. als – Wikipedia listet es akribisch auf – Punk, Drag Queen, Shrek, Mahatma Gandhi und Edmund Stoiber freut sich schon darauf, Sie fluterprobten bayerischen Heimatminister bei der nächsten Fastnacht als wahlweise Franziska van Almsick oder Clownfisch Nemo zu sehen: Titanic

 Himmel, Franz Josef Wagner!

Ja, man wird und wird nicht jünger, wähnt sich manchmal sogar schon nah und näher beim himmlischen Vater – und trotzdem muß ein alter Bild-Bock wie Sie sich so kurz vor dem gemeinsamen Treffen noch mit dem Allerhöchsten anlegen. Und etwa am 30. Mai angesichts quasibiblischer Regenfälle und Sintfluten die dürre Schmierenschreiberfaust drohend gen Himmel schütteln, daß der Morgenschnaps aus dem Glas spritzt, und fragen: »Was alles erlaubt Gott?«

Wir verraten’s Ihnen: alles. Gott erlaubt sogar solche Gestalten wie Sie.

Herzlichst Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Im Jetzt leben

Wenn Du die Zeit spüren willst, sei ungeduldig.

Michael Höfler

 Gesundheit

Was man nicht im Kopf hat, muß man in den Beinen haben, heißt es. Bei der Thrombose meines Patenonkels hat sich das auf traurige Weise bewahrheitet.

Ernst Jordan

 Harmlosigkeitslippen, die

Dieses mimische Phänomen entsteht durch ein Einwölben und leichtes Aufeinanderpressen der Lippen. Menschen zeigen es in Situationen geringfügiger Peinlichkeit, etwa bei Unklarheit über die Reihenfolge in einer Warteschlange.

Robert von Cube

 Digitale Scham

Was ich mich auf Facebook nicht zu liken traue: meine eigenen Posts, meine eigenen Kommentare und dieses grandiose Läuseshampoo.

Ella Carina Werner

 Resümee

»Sie und ich hätten miteinander glücklich werden können, doch leider lernten wir uns kennen.«

Volker Schwarz