[14.02.2016]
Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Herrschaft des Unrechts

Es geht uns gut wie lange nicht. Wie lange noch? Finanzminister Wolfgang Schäuble hat von seinem Haus ein Schuldenszenario errechnen lassen, und die Ergebnisse sind laut Frankfurter Allgemeiner „erschreckend“, dieweil wir im Jahr 2060 „griechische Verhältnisse“ haben könnten, denn „die deutschen Staatsfinanzen drohen … langfristig aus dem Ruder zu laufen“: „In seinem turnusmäßigen Tragfähigkeitsbericht fürchte sein Ministerium im ungünstigsten Fall einen Anstieg der Staatsverschuldung bis 2060 auf rund 200 Prozent der Wirtschaftsleistung, schreibt das Handelsblatt am Freitag. Das ist mehr als die aktuellen Schuldenquote Griechenlands und fast das Dreifache der gegenwärtigen Verschuldung Deutschlands.“

Schuld daran hat nach aktueller Analyse und nach Angaben der Welt am Sonntag hauptsächlich „die demografische Alterung“, denn die deutsche Staatsschuld werde „nur dann dauerhaft in der Nähe der Maastricht-Grenze von 60 Prozent der Wirtschaftsleistung bleiben, wenn sich Faktoren wie die Geburtenrate ausgesprochen günstig entwickeln“. Zumal da das Leben immer teurer wird: „Bundesfinanzminister Schäuble sieht sich derzeit von Seiten seiner Ministerkollegen mit immer neuen Ausgabenwünschen konfrontiert. Arbeitsministerin Andrea Nahles hatte gerade erst knapp eine halbe Milliarde Euro mehr gefordert“, zu Integrationszwecken nämlich, und „Bauministerin Barbara Hendricks will zur Bewältigung des Flüchtlingszustroms jährlich zusätzlich 1,3 Milliarde Euro für Wohnungsbau und Stadtentwicklung“. Und fertig ist die Meldung: Es geht uns gut wie lange nicht, aber in nicht einmal 50 Jahren sind wir Griechenland, weil wir einerseits zu wenige Deutsche sind, andererseits die ganzen Asylanten mit Milliardenbeträgen durchgefüttert werden wollen.

Dazu eine Rechnung: Die Schulden der deutschen öffentlichen Haushalte erhöhen sich pro Sekunde um rund 1500 Euro, am Tag um rund 130 Millionen Euro. Nach einer Woche sind wir schon bei der Milliarde, die „uns“ die Flüchtlinge kosten. Es sind, mit Hilmar Kopper zu sprechen, praktisch Peanuts.

Schulden hat man dann, wenn man mehr ausgibt als einnimmt. Mehr ausgeben als einnehmen wird ein Staat z.B. dann, wenn er Verluste sozialisieren muß, von den Gewinnen aber, bei z.B. historisch niedrigen Unternehmenssteuern, relativ immer weniger sieht. Allein Hartz IV, die Reststütze für die Verzichtbaren, hat bislang bald eine halbe Billion Euro gekostet.

„It's a rich man’s world“ ABBA, 1976

Schulden vergrößern sich selbsttätig durch die Schuldzinsen, und wer ein Unternehmen ist oder Aktien hat und direkt von den niedrigen Unternehmenssteuern profitiert, der kann das Geld, das er zuviel hat, wiederum jenem Staat leihen, der ihm den Überschuß ermöglicht hat. Dann hat der Staat noch mehr Schulden und muß ein Schwimmbad zumachen, aber wer Gläubiger des Staates ist, bekommt ja seinerseits Zinsen und fliegt dann einfach ans Meer.

Das kann eine Weile gutgehen, sogar eine sehr lange Weile, aber irgendwann ist der Staat pleite. Dann kommt, zum Beispiel, der IWF und verscherbelt alles, was öffentlich war (und also allen gehört hat), an jene, die dank ihrer Anleihen (und des Profits aus den niedrigen Unternehmenssteuern) Geld übrig haben. Vielleicht kommt der IWF auch nicht, aber wer vom Schuldenstaat irgendwas erwartet, weil er statt Aktien und Anleihen eine kleine Rente und einen kaputten Rücken hat, der sieht in die Röhre. Vielleicht kommt auch ein Schuldenschnitt oder, was aufs selbe hinausläuft, eine Inflation, aber wem vorher eine Fabrik gehört hat, dem gehört sie hinterher immer noch, und wieder sehen jene in die Röhre, die diese Fabrik eben nicht haben. Das sind gottlob die wenigsten.

Bernie Sanders (USA) will sich das Geld ja von den Reichen zurückholen. Ein absoluter Spinner, der hierzulande bestenfalls belächelt wird, und zwar von denen, die zuletzt lachen und natürlich wollen, daß das so bleibt. Denn das wäre ja was: eine Welt, in der alle was zu lachen haben!

Verrückt.




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Briefe an die Leser

 Politologe Bernhard Weßels!

Den Wahlausgang des Brexit-Referendums mit dem Abstimmungsergebnis von 51,9 Prozent für die EU-Gegner interpretierten Sie für Spon so: »Das Problem beim Votum: Es gibt in Wahrheit keine echte Mehrheit für den Brexit. Denn von den 92 Prozent der Wahlberechtigten, die sich für das Referendum registrieren ließen, haben nur 70 Prozent abgestimmt. Für eine positive Mehrheit aller britischen Wahlberechtigten aber hätten von ihnen 75 Prozent pro Brexit stimmen müssen – statt wie geschehen 52 Prozent. Ich halte das Ergebnis deshalb eigentlich nicht für belastbar.«

Haben wir’s doch schon immer geahnt! Und wenn Sie jetzt noch unseren früheren Mathelehrern weismachen, daß die damaligen, knapp mehrheitlichen Unterrichtsergebnisse wie 2+2=4 oder a²+b²=c² eigentlich nicht belastbar sind, weil 22 Prozent der Klasse sich mit einer »I don’t give a fuck!«-Einstellung geweigert hatten, die Aufgaben überhaupt zu lösen, hätten Sie zumindest in der Redaktion eine echte Mehrheit (75 Prozent) für Ihre Wahlanalyse.

Mit kollegialen Grüßen: Ihre Vermutungswissenschaftler von Titanic

 Mensch, Ikea!

Du siehst Dich genötigt, in Nordamerika 29 Millionen Kommoden zurückzurufen, die offenbar immer wieder Kinder unter sich begraben haben. Dabei hattest Du mit dem Namen »Malm« doch akkurat angekündigt, was von diesen Möbeln zu erwarten ist! Sicherlich verstehst Du deshalb, daß wir als verantwortungsbewußte Verbraucher künftig von einigen Deiner Produkte lieber die Finger lassen, vor allem dem Drehstuhl »Torkel«, den Kleiderbügeln »Bumerang« sowie dem Zeitschriftensammler »Knuff«. Und auch die Schuhablage »Lustifik« ist uns nicht ganz geheuer!

Gruß auf den Holzweg: Titanic

 Sie, letztlich torlos gebliebener Thomas Müller,

erklärten uns: »Tore sind nicht mein Benzin, eher der Lack auf dem Auto, der Speziallack, der nach außen gut aussieht… Mein Benzin ist mein Antrieb nach Erfolg.«

Einverstanden, Müller. Aber wäre es denn nicht möglich, daß Sie in Wahrheit gar nicht mit Benzin, sondern mit Diesel betrieben werden müssen? Sehen Sie doch mal am Tankdeckel nach!

Raten Ihnen herzlich Ihre Tankwarte von der Titanic

 Es leuchtet, Ingeborg Pils,

schon ein, daß gerade Sie ein Buch mit dem Titel »Deutsche Biere« geschrieben haben. Aber ohne Vorwort von Bild-Büchse Donata Hopfen oder wenigstens Tagesspiegel-Flasche Sebastian Leber bleibt die Pointe einfach zu trocken.

Hat heute leider keine Tulpe für Sie: Titanic

 Grüß Gott & hühott, Bayerischer Rundfunk!

Grüß Gott & hühott, Bayerischer Rundfunk!

»Obwohl die Signatur als ›Kowalski‹ zu entziffern ist, wurde diese Rastszene mit Pferden nicht von ihm gemalt«, steht es im Online-Archiv der für ihren Sachverstand geschätzten Sendung »Kunst & Krempel« über das »qualitätsvolle Kabinettstück« aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. So weit, so gewohnt gediegen. Aber was hat Dich denn bitteschön geritten, den mit 1500 Euro taxierten Dachbodenfund wie folgt zu übertiteln:

Fragt als Liebhaber prächtiger Schinken: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Werbeslogan zu Ende gedacht

Backen ist Liebe, Braten ist Leidenschaft, Dampfgaren ist Gleichgültigkeit, Dünsten ist Haß.

Julia Mateus

 Richtigstellung

Schon lange möchte ich die allgemeine Lebensweisheit korrigieren, nach der es die kleinen Dinge sind, die das Leben erst schön machen. Es sind nämlich ebenso die kleinen Dinge, die das Leben auch richtig zur Hölle machen können: kneifende Unterhosen, Pop-up-Fenster, im Automat feststeckende Getränkedosen, Mückensummen beim Einschlafen etc. Denken Sie bitte weiter darüber nach.

Leonard Riegel

 Dreieckshoroskopisches

Astrologie ist eine höchst subjektive Angelegenheit. Die Ansicht zum Beispiel, daß Stier und Skorpion sich aufs vorzüglichste ergänzen, teilen meine Frau (Stier) und meine Geliebte (Skorpion) auf keinen Fall. Ich hingegen schon.

Karsten Wollny

 Selbstverwirklichung

Wenn einer ein Trottel ist, gebe ich ihm die Chance, es zu zeigen. Das gilt auch und in erster Linie für mich selbst.

Tibor Rácskai

 Kundenrezension

Heute zum ersten Mal die »Steinofen-Pizza Hawaii« von Tegut gekauft. Konnte es überhaupt nicht fassen, wie fade die Pizza schmeckte! Erst beim vorletzten Stück fiel mir ein, daß ich ja immer noch Schnupfen habe. Testnote: weiß nicht.

Dominik Bauer