[03.08.2014]
Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Erbarmungslos

Daß die Zeitung nur die halbe Wahrheit sagt, ist natürlich nur ein Vorurteil; man muß bloß verstehen, die Zeitung zu lesen.

Was die freie Welt dem dunklen Herrscher im Kreml vorwirft, ist, daß er separatistische Rebellen mit Waffen ausgestattet habe, die diese Rebellen dann „mutmaßlich“ (Der Spiegel) dazu benutzt haben, einen „Massenmord“ (FAZ) an Zivilisten zu verüben. Deshalb: „Stoppt Putin jetzt!“ (Der Spiegel), und zwar durch „Wirtschaftssanktionen gegen Rußland“ (SZ): „Zur verschärften Politik der Europäer beigetragen hat die Empörung über den Abschuß eines malaysischen Passagierflugzeugs über dem Osten der Ukraine. Die Separatisten stehen im Verdacht, das Flugzeug mit 298 Menschen an Bord mit einer von Rußland gelieferten Boden-Luft-Rakete versehentlich abgeschossen zu haben.“

In derselben Zeitung, auf derselben Seite, drei Fingerbreit Luftlinie entfernt, findet sich dann diese Meldung: „Eine Ermittlergruppe der EU hat schwere Vorwürfe gegen führende Mitglieder der ehemaligen ,Befreiungsarmee des Kosovo’ (UÇK) zur Zeit des Bürgerkriegs Ende der Neunzigerjahre erhoben. Die UÇK profitierte damals von einer Intervention der Nato. Es gebe Beweise für zahlreiche Kriegsverbrechen, sagte der amerikanische Chefermittler Clint Williamson am Dienstag in Brüssel. Er forderte die Einrichtung eines Sondertribunals.“ Das dann, lesen wir auf Seite 6, über folgendes zu richten hätte: „Widerrechtliche Tötungen, Entführungen, das Verschwindenlassen (politischer Gegner), illegale Verhaftungen in Lagern in Kosovo und Albanien, sexuelle Gewalt, andere Formen unmenschlicher Behandlung, die zwangsweise Vertreibung von Individuen aus ihren Häusern und Gemeinden, die Schändung und Zerstörung von Kirchen und anderen religiösen Orten“, dies alles gipfelnd in „ethnischen Säuberungen“, deren Opfer „vorrangig Serben und Roma“ gewesen seien.

„Verrat, Sire, ist nur eine Frage des Datums.“ Talleyrand, 1814/15

Diese freundliche Befreiungsarmee stand nun zur Zeit des Bürgerkriegs Ende der neunziger Jahre auf Seite der Guten, weil sie nämlich gegen Serbien kämpfte und der Feind meines Feindes mein Freund ist. Ethnische Säuberungen hatte, soweit es den Westen betraf, allein Milosevic zu verantworten, und 2011 prangerte ein Bericht eines Schweizer Abgeordneten des Europaparlaments, auch das können wir lesen, an, daß „die westlichen Alliierten der UÇK … es zugunsten der ,kurzfristigen Stabilisierung der Lage … vorzogen, die Augen (vor Kriegsverbrechen der UÇK) zu verschließen.’“ Also hatte der Westen vielleicht keine Waffen an separatistische Rebellen geliefert, aber an ihrer Seite gekämpft und ihnen den Rücken freigehalten zum Töten, Vergewaltigen, Vertreiben, was leicht war, weil dieselbe freie Presse, die sich heute schäumend über „russische Propaganda“ beklagt, an der Freundlichkeit der albanischen Befreiungsarmee keinen Zweifel ließ.

Man kann sich empören über 298 Menschen, die nur darum starben, weil Verbrechern der Verlauf einer Landesgrenze mißfällt. Man kann sich aber auch empören über die Erbarmungslosigkeit der nationalen Heuchelei, gerade dann, wenn die Heimatfront so geschlossen steht, daß die Wahrheit sogar in der Zeitung stehen kann, ohne daß es etwas ändert.




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13.08.2016 Eschwege, Open Flair (Kleinkunstzelt)
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18.08.2016 Berlin, Das ERNST
  »Das Herz in der Hose«
26.08.2016 Klütz, Literaturhaus Uwe Johnson
  Gerhard Henschel

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Briefe an die Leser

 Werter Andreas Scheuer!

»Dort, wo Millionen von Deutschen Urlaub machen, da geh ich davon aus, daß es sich um sichere Herkunftsstaaten handelt!« Im Bierzelt des Schierlinger Volksfestes erhielten Sie für diesen Satz Beifall. Doch wir wären uns da nicht so sicher. Als CSU-Generalsekretär ist es zwar nachgerade Ihre Pflicht, holzschnittartig zu vereinfachen. Nur … nein, wir wollen jetzt nicht auf das bei den Deutschen so beliebte Urlaubsland Türkei hinaus, dessen Rechtsstaatsdefizite niemand schärfer anprangert als die CSU. Wir meinen vielmehr die 43 Millionen Übernachtungen, die Bayern im Sommerhalbjahr 2015 aus anderen deutschen Bundesländern verzeichnet hat. Demnach wäre Bayern: ein sicheres Herkunftsland! Und das können Sie ja wohl nicht im Ernst gemeint haben! Titanic

 Kuckuck, Eckart von Hirschhausen!

Groß war unsere Erleichterung, als wir neulich auf Stern.de den Satz »Eckart von Hirschhausen zieht ins Altenheim« lasen, noch größer die Enttäuschung, als sich dann herausstellte, daß Ihr Heimaufenthalt schon wieder vorbei war und doch nur der Recherche diente. Im besten Reportagestil (»Irgendwo klingelt ein Wecker«) berichten Sie über Demenz und das Abenteuer Altenheim, stellen erfrischend ehrliche Reflexionen an (»Hirnabbau kommt nicht über Nacht«) und schwärmen nach einem Tänzchen mit einer Heimbewohnerin von »Musik als Medikament«, das man einfach – Schmerz laß nach! – »ohr-al« zu verabreichen brauche. Schließlich stellen Sie voll Lob auf das so facettenreiche Leben fest: »Unfreiwillig komisch sind Menschen, die mit 60 immer noch die gleichen Ziele verfolgen wie mit 20 – in den gleichen Klamotten.«

Und auch wenn Sie das sicher schon oft gehört haben: Hätten Sie mal lieber Ihren Arztkittel anbehalten und wären gut versteckt in irgendeinem Krankenhaus geblieben, dann hätte vielleicht sogar noch etwas halbwegs Unterhaltsames aus Ihnen werden können, denn »unfreiwillig komisch« ist halt doch immerhin irgendwie komisch.

Ihr Pflegepersonal von Titanic

 Andrea Berg, Teuerste!

Andrea Berg, Teuerste!

Anläßlich Ihrer neuen Platte »Spesen fehlen«, nein: »Besenheben«, nein: »Seelenbeben« luden Sie, na klar, zur Homestory die Bunte ein, die dann auch gleich zur Stelle war. Und so berichteten Sie also von Songs, die »Sternenträumer« heißen, von Ihrem neuen Plattenlabel Bergrecords, von Ihren Fans, die auf Ihren Konzerten »lachen, weinen, Party machen« sollen, und auch von Ihrer 17jährigen Tochter. 17 Jahr’, blondes Haar … und ein schwieriges Alter, nicht wahr? Gerade deswegen möchten Sie Ihre Tochter »auch beschützen und ihr möglichen Kummer ersparen«, sie habe nämlich ab und an durchaus unter Ihrem Beruf als Schlagersängerin zu leiden.

Klar, Frau Berg, auf dem Schulhof ist derzeit nämlich viel eher Helene Fischer angesagt und nicht eine alte Schlagernudel wie Sie. Dennoch dürfe man seine »Kinder nicht in Watte packen«, weswegen Sie der Bunten auch gleich eifrig steckten, daß Ihre Tochter derzeit »frisch verliebt« sei. So ist’s richtig: »Eigene Erfahrungen« müssen die Teens machen, wie Sie sagen. Wer nicht lernt, wie es sich anfühlt, wenn in Klatschmagazinen von den eigenen Liebschaften berichtet wird, der kann später kein tiefsinniges »Seelenbeben« schaffen und für die Fans damit Momente, »in denen sich ihre Seele ausruhen kann«. Rabenmutter! Titanic

 Wenn Ihr, Veranstalter des »Luxury Business Day«,

Euch fragt, warum wir auch dieses Jahr wieder nicht an »Deutschlands Luxuskonferenz« teilgenommen haben und nun also auch nicht wissen, wie Ihr »Luxus erfahrbar machen und Kunden emotional berühren« möchtet, müßt Ihr einfach mal einen Blick auf Eure Eintrittspreise werfen. 590 Euro für ein Ticket?

Wir sind doch nicht der allerniederste Pöbel, sondern die unangenehm berührten Snobs von der Titanic

 Und Sie, Claudia Pechstein,

jammerten, nachdem der BGH Ihre Klage auf Schadenersatz gegen die Internationale Eislauf-Union abgewiesen hatte: »Jeder Flüchtling, der in Deutschland einreist und registriert wird, genießt Rechtsschutz. Aber nicht wir Sportler.« Stimmt! Weniger Rechtsschutz, als eine quasi von Geburt an von deutschen Spitzensportfunktionären gepamperte Olympia-Medaillengewinnerin und jetzige Hauptmeisterin der Bundespolizei erhält, ist im Grunde ja kaum vorstellbar.

Aber immer schön sportlich bleiben! Denn einfach nur ein bißchen im Kreis herum Schlittschuh fahren, das ist halt auch etwas dürftig im Vergleich zu Disziplinen wie dem Balkanrouten-Langstreckenlauf oder der Freistil-Schwimmstaffel über das Mittelmeer. Da haben sich die Flüchtlinge ihren Tiptop-Rechtsschutz doch wirklich redlich verdient. Und das sogar ganz ohne Doping!

Dabeisein ist alles: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Dreieckshoroskopisches

Astrologie ist eine höchst subjektive Angelegenheit. Die Ansicht zum Beispiel, daß Stier und Skorpion sich aufs vorzüglichste ergänzen, teilen meine Frau (Stier) und meine Geliebte (Skorpion) auf keinen Fall. Ich hingegen schon.

Karsten Wollny

 Selbstverwirklichung

Wenn einer ein Trottel ist, gebe ich ihm die Chance, es zu zeigen. Das gilt auch und in erster Linie für mich selbst.

Tibor Rácskai

 Kundenrezension

Heute zum ersten Mal die »Steinofen-Pizza Hawaii« von Tegut gekauft. Konnte es überhaupt nicht fassen, wie fade die Pizza schmeckte! Erst beim vorletzten Stück fiel mir ein, daß ich ja immer noch Schnupfen habe. Testnote: weiß nicht.

Dominik Bauer

 Vergeblich

Unter den vielen Talenten, die mir nur geringfügig gegeben sind, ist die Schlagfertigkeit am geringsten ausgeprägt. Beispiel: Seit guten 16 Jahren nehme ich mir vor, wenigstens ein einziges Mal mit »Danke, ich trinke nicht!« zu antworten, wenn mir irgend jemand ein Glas Wasser anbietet. Es ist mir bis heute nicht gelungen.

Teja Fischer

 In tiefer Trauer

Mit meinen Haustieren hatte ich bisher außergewöhnlich viel Pech. Erst mein süßer Dackel Larry, dann meine verschmuste Dänische Dogge Doyle, kurz darauf die wilde, wilde Perserkatze Layla und letzte Woche auch noch mein geliebter Wellensittich Ulf – sie alle sind in ihrem Aquarium ertrunken.

Andreas Maier