[09.03.2014]
Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Das ganze Ostland soll es sein

In den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts hatten westliche Drehbuchautoren genaue Vorstellungen darüber, woran sich der Dritte Weltkrieg entzünden würde: Entweder behinderte Rußland die vitalen (Energie-)Interessen des Westens (Threads, BBC, 1984; Countdown to Looking Glass, CTV/HBO, 1984) oder wollte, abwegig genug, West-Berlin (The Day After, 1983). Lediglich für das Skynet aus Terminator konnte man den Osten schlecht verantwortlich machen, denn dafür reichten die Plankapazitäten des VEB Robotron nicht hin.

Daß sich aus der Entscheidung des russischen Präsidenten, die Krim, eine Halbinsel mit überwiegend russischer Bevölkerung und der Basis der russischen Schwarzmeerflotte, nicht einfach so EU und Nato zu überlassen, der Dritte Weltkrieg entwickelt, glauben hauptsächlich die Polen, die deutsche Sensationspresse zwischen „Spiegel online“ und SZ sowie der ARD-„Brennpunkt“. Die Polen, weil sie, nach den polnischen Teilungen und der berüchtigten Zusatzvereinbarung des Hitler-Stalin-Paktes, die Russen hassen, wie sie die Deutschen, an allen vier Teilungen federführend beteiligt, nicht hassen, weil die Deutschen zwar ungleich größeres Unglück über die polnische Nation gebracht haben, aber zur Ersten Welt gehören, während die Gebiete jenseits des Bug sich zwischen Zweiter und Dritter Welt nicht recht entscheiden können. Deswegen möchte das offizielle Polen ein großes Nato-Manöver an seiner östlichen Grenze stattfinden lassen, damit Putin nicht auf die Idee komme, Polen zu überrollen, eine Idee, die als noch abwegiger gelten darf als der Dritte Weltkrieg um den Berliner Tiergarten.

„Kräfte treten immer paarweise auf. Übt ein Körper A auf einen anderen Körper B eine Kraft aus (actio), so wirkt eine gleichgroße, aber entgegen gerichtete Kraft von Körper B auf Körper A (reactio).“ Newton, 1726

Die deutsche Sensationspresse wiederum muß auf der Kriegsgefahr bestehen, weil das so eine wunderbar dramatische Sache ist, wenn Moskau den Ton „drastisch verschärft“ (SZ, natürlich gelogen), und die ARD, weil sie als Staatssender in nationalen Angelegenheiten natürlich Etappendienst versehen und Stimmung machen muß. Denn die Krim ist keine zuvörderst ukrainische Angelegenheit, sie ist eine russisch-europäische, und die Frage ist nicht, wann Putin in die Ukraine einmarschiert (Antwort: gar nicht), sondern auf welchen Widerstand die deutsch dominierte Europäische Union bei dem Versuch stoßen wird, ihren Einflußbereich in Richtung Ural zu schieben. Denn das Bestehen auf „territorialer Integrität“ bedeutet nichts weiter, als daß Simferopol so westlich werden müsse, wie es Lwiw schon ist, auch wenn Simferopol so russisch ist, wie es Lemberg nie war. Das ukrainische Assoziierungsabkommen mit der EU, hat Putin seinem Besucher Sigmar Gabriel erklärt, sei ohne jede Rücksicht auf russische Interessen entstanden; das lag in der Natur der Sache. Eine ungeteilte Ukraine kann nicht in EU und Putins Eurasischer Union gleichzeitig sein, und diesen Satz soll tausendmal aufschreiben, wer Putin einen Kriegstreiber schilt. Wer selbst keiner sein will, der möge sich jetzt, wo das Kind im Brunnen liegt, fragen, ob die Krim russisch werden zu lassen vielleicht nicht der schlechteste Weg ist, eine „Eskalation“ (SZ, „Spiegel online“, Brennpunkt) zu verhindern; und sich im Anschluß mal überlegen, ob es wirklich ein Naturgesetz ist, daß legitime Interessen immer bloß westliche sind. 




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Das schreiben die anderen
Titanic unterwegs
03.07.2016 Hannover, Wilhelm-Busch-Museum
  Rudi Hurzlmeier
03.07.2016 Aschaffenburg, Stadttheater
  Greser & Lenz und Hauck & Bauer
05.07.2016 Hamburg, Grüner Jäger
  Seddig, Werner, Masztaler, Neft + Stargast Tietze
22.07.2016 Bielefeld, Kulturzentrum Nummer zu Platz
  Stefan Gärtner

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Briefe an die Leser

 Huhu, Verlag Matthes & Seitz!

»Von der Suche nach dem Glück erzählt die Österreicherin Anna Weidenholzer in ihrem neuen Roman ›Weshalb die Herren Seesterne tragen‹. Céline Minard legt mit ›So long, Luise‹ ein zwischen Realität und Fiktion changierendes literarisches Testament vor, und der satirische Polit-Thriller ›2017‹ der Russin Olga Slawnikowa entlarvt eine Welt von Korruption, unermeßlichem Reichtum und politischer Unterdrückung im Rußland der Gegenwart und nahen Zukunft.«

Die Suche nach dem Glück, ein literarisches Testament zwischen Realität und Fiktion, eine Politthrillersatire übers korrupte Rußland: könnte man, Verlag Matthes & Seitz, sagen, daß Du der Verlag der wirklich heißen Eisen bist?

Coole Grüße von Titanic

 Augen geradeaus, Jens Spahn (CDU)!

Augen geradeaus, Jens Spahn (CDU)!

Zum Clinch zwischen Ihrer Partei und ihrer unansehnlichen Schwester aus Bayern schwafelten Sie im Tagesspiegel: »Wir können Vertrauen nur zurückgewinnen, wenn CDU und CSU gemeinsam nach vorne diskutieren und Lösungen für konkrete Probleme finden.«
Einmal angenommen, Sie finden in der CSU tatsächlich jemanden, der bereit ist, sich mit Ihnen zu treffen, vielleicht sogar jemanden mit einer ähnlich bizarren Brille wie der Ihren, und Sie beide stellen sich dann so hin, daß Sie nach vorne diskutieren, nämlich nebeneinander: Reden Sie dann nicht eigentlich aneinander vorbei? Ja? Auch egal. Titanic

 Sie, Larry Kasanoff,

haben sich unter anderem mit der Verfilmung des Videospiels »Mortal Kombat« einen Namen gemacht und sind damit zweifellos der richtige Produzent für die geplante Leinwandtrilogie »Tetris – the Movie«. Seit dieser Ankündigung bewegen uns allerdings einige Fragen, wie etwa: Warum keine Tetralogie? Werden das Quadrat und das L-förmige Teil jemals zueinanderfinden? Wird der Soundtrack mit fortschreitender Filmdauer immer schneller?

Völlig sicher ist sich allerdings, daß der Streifen ein echter Blockbuster wird: Titanic

 Übrigens, Markus Söder!

Nach Ihren Verkleidungen 2012ff. als – Wikipedia listet es akribisch auf – Punk, Drag Queen, Shrek, Mahatma Gandhi und Edmund Stoiber freut sich schon darauf, Sie fluterprobten bayerischen Heimatminister bei der nächsten Fastnacht als wahlweise Franziska van Almsick oder Clownfisch Nemo zu sehen: Titanic

 Himmel, Franz Josef Wagner!

Ja, man wird und wird nicht jünger, wähnt sich manchmal sogar schon nah und näher beim himmlischen Vater – und trotzdem muß ein alter Bild-Bock wie Sie sich so kurz vor dem gemeinsamen Treffen noch mit dem Allerhöchsten anlegen. Und etwa am 30. Mai angesichts quasibiblischer Regenfälle und Sintfluten die dürre Schmierenschreiberfaust drohend gen Himmel schütteln, daß der Morgenschnaps aus dem Glas spritzt, und fragen: »Was alles erlaubt Gott?«

Wir verraten’s Ihnen: alles. Gott erlaubt sogar solche Gestalten wie Sie.

Herzlichst Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Im Jetzt leben

Wenn Du die Zeit spüren willst, sei ungeduldig.

Michael Höfler

 Gesundheit

Was man nicht im Kopf hat, muß man in den Beinen haben, heißt es. Bei der Thrombose meines Patenonkels hat sich das auf traurige Weise bewahrheitet.

Ernst Jordan

 Harmlosigkeitslippen, die

Dieses mimische Phänomen entsteht durch ein Einwölben und leichtes Aufeinanderpressen der Lippen. Menschen zeigen es in Situationen geringfügiger Peinlichkeit, etwa bei Unklarheit über die Reihenfolge in einer Warteschlange.

Robert von Cube

 Digitale Scham

Was ich mich auf Facebook nicht zu liken traue: meine eigenen Posts, meine eigenen Kommentare und dieses grandiose Läuseshampoo.

Ella Carina Werner

 Resümee

»Sie und ich hätten miteinander glücklich werden können, doch leider lernten wir uns kennen.«

Volker Schwarz