[11.03.2011]
Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen Der Liveticker-Liveticker

07.15 Uhr Hamburg Die Libyen-Liveticker-Redakteure von Spiegel online wollen endlich nach Hause. Dann die Nachricht: Erdbeben und Tsunamiwarnung in Japan. Es müssen Überstunden gemacht werden.

07.30 Uhr Berlin Zittern in der Bild-Redaktion: Es gibt noch keine Meldungen über Tote, nur Bilder von ruhig reagierenden Japanern. So sieht doch keine Panik aus!

08.30 Uhr Hamburg Bei Spiegel online trifft der Chef ein und befiehlt: Es wird weitergetickert! Einzelne Redakteure verstecken sich unter Tischen, andere rennen auf die Straße.

08.45 Uhr Berlin Die Schlagzeile "Küsten-Bukkake in Japan! Hier die geilsten Bilder" wird verworfen, weil die Bilder noch nicht geil genug sind. Verzweiflung breitet sich aus.

09.00 Uhr Frankfurt In der Redaktion von faz.net werden die Worte knapp. Einzelne Mitarbeiter müssen mit "wie es heißt" und "melden Agenturen" beliefert werden.

10.00 Uhr Berlin Endlich der erste Live-Tote: Ein überarbeiteter Praktikant glaubt, es sei Samstagnachmittag, und er müsse noch die Bundesligakonferenz tickern. Er ertrinkt in seinem Angstschweiß.




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Das schreiben die anderen
  • 18.08.:

    Über Smartphones in Kinderhand schreibt heute Mark-Stefan Tietze in der Taz.

  • 16.08.:

    Hans Zippert hat einen offenen Brief an Jeff Bezos geschrieben – nachzulesen in der Welt.

  • 15.08.:

    In der Jungle World erklärt Christian Y. Schmidt die chinesische Wahrnehmung der Deutschen ‌– und umgekehrt.

  • 13.08.:

    Michael Ziegelwagners Roman "Der aufblasbare Kaiser" wurde für den Deutschen Buchpreis 2014 nominiert.

  • 12.08.:

    Mark-Stefan Tietze in der Taz über die Nachteile des Jetsettens.

Titanic unterwegs
22.08.2014 München, Galerie Bezirk Oberbayern
  Rudi Hurzlmeier: »THE HU SHOW«
28.08.2014 Prerow, Kulturkaten "Kiek In"
  Hauck&Bauer
30.08.2014 Frankfurt, Caricatura Museum
  Thomas Gsella
30.08.2014 Frankfurt, Caricatura Museum
  Pit Knorr, Oliver Maria Schmitt, Hans Zippert
Briefe an die Leser

 Frankfurter Verlagsanstalt!

»Hinrich, dem ein ›e‹ zum eleganteren Heinrich fehlt, findet an einem sonnigen Maitag einen Brief mit schwarzem Rand in seinem Briefkasten. Wer mag da gestorben sein? Hinrich wagt nicht, den Umschlag zu öffnen.« So eröffnest Du in Deiner Verlagsvorschau einen Text, mit dem Du Bodo Kirchhoffs vermutlich wieder ganz famosen neuen Roman »Verlangen und Melancholie« anpreist. Um alsbald fortzufahren: »Und was steht in diesem Brief mit dem schwarzen Rand? Aufklärung bringt erst eine Reise nach Warschau.« Hm. Oder vielmehr: naja. Bzw.: Findest Du nicht, daß der Aufwand ein bißchen unverhältnismäßig ist: 448 Seiten Kirchhoff – nur damit ein Hinrich ohne »e« in Warschau erfährt, was in einem Brief steht, den er doch daheim einfach nur hätte aufmachen müssen, wenn er das denn gewollt hätte?

Ohne jedes Verlangen, »Verlangen und Melancholie« zu lesen: Titanic

 Darüber hinaus, Grass,

ließen Sie uns im Focus-Interview wissen, keine Angst vor dem Tod zu haben. Schrecklich fänden Sie aber, dement zu werden und für Ihre Familie nur noch eine Belastung zu sein. Und: »Noch entsetzlicher wäre die Vorstellung, in dementem Zustand auch noch der Öffentlichkeit quasi vorgeführt zu werden – so wie es Walter Jens geschehen ist. Einer der peinlichsten Vorgänge, die ich je erlebt habe.« Nun, Grass, zumindest diese Sorge können wir Ihnen nehmen, denn das erledigen Sie ja regelmäßig höchstselbst.

Peinlich berührt: Titanic

 Und Ihr, Inder,

gebt der FAS zufolge also durchschnittlich rund ein Drittel Eures Einkommens für Bestechung aus. Das klingt natürlich zunächst nach sehr viel, aber, liebe Inder, verzweifelt nicht! Tröstet Euch mit dem Gedanken, daß Euer durchschnittliches Einkommen ohne Bestechung eben auch glatt ein Drittel niedriger wäre.

Nichts zu danken: Titanic

 Fast-Witwen Kohl-Richter/ Scheel!

WM, ISIS, BND, NSA, der Nahostkonflikt, all das prasselte in den letzten Wochen pausenlos auf uns ein. Und dann noch das Wetter, uff! Da kann man schon mal den Überblick an einer Nebenfront verlieren. Weshalb wir in Euer beider Fälle nicht mehr recht auf dem laufenden sind: Welche ist denn nun die Bösere? Welches Satansweib liegt aktuell vorne im von der Presse ausgerufenen Lady-Macbeth-Ähnlichkeitswettbewerb? Die eine, die ihren dementen Gatten angeblich im Altersheim verrotten läßt, ihm nicht einmal die Geburtstagssause zum Fünfundneunzigsten gönnt, sich statt dessen seinen Dienstwagen krallt und damit unbefugt durch die Republik braust? Jedenfalls dann, wenn sie nicht grade rassistisch über die Pflege-Neger des Altersheims ablästert? Oder doch die andere von Euch, die das fanatisch verehrte Eheopfer im Oggersheimer Bungalow einsperrt, stiefmütterlich dessen Söhne verstößt, sämtliche Kontakte zur Außenwelt kappt und sich jetzt auch noch zur Herrin über den Nachlaß aufschwingt? Die den alten Mann – jüngsten Fotos zufolge – nicht einmal mehr ordentlich füttert? So daß selbst die zurückhaltende Zeit juxt, der arme Greis »befindet sich nun schon seit mehreren tausend Tagen in der Gewalt« der Horrorbraut?

Jedenfalls: Das Rennen zwischen Euch beiden Top-Hexen scheint echt knapp zu sein. Drum bitten wir höflichst: Führt endlich mal eine Entscheidung herbei! Unsretwegen gern auch per vergiftetem Apfel oder tödlicher Spindel.

Es wär’ ja auch für die beiden Ehemänner das Gnädigste!

Fordert pietätvoll: Titanic

 Sexy, Sebastian Turner!

Werbepapst (Scholz & Friends) und erfolgloser Bürgermeisterkandidat in Stuttgart gewesen zu sein reichte Ihnen nicht. Deshalb haben Sie zu Jahresbeginn 20 Prozent des Berliner Tagesspiegel gekauft, um als Ko-Herausgeber jetzt mal so richtig Zeitung zu machen. Dann war es kurz still, aber jetzt haben Sie da was aus dem Sack gelassen … Ganz schön keck von Ihnen, den in Ehren ergrauten Lesern des biederen Hauptstadtblatts täglich eine schöne, stramme »Morgenlatte« zu verschreiben mit Mails, die man sich ab fünf Uhr früh auf sein Smartphone runterholen kann!

Huch, Moment, falsch gelesen: »Morgenlage« nennen Sie Ihren neuen Frühaufsteher-Newsletter und wollen damit doch nur wieder »Premium-Entscheider« befriedigen statt die Masse der altliberalen Pornographiekonsumenten. Schade; für einen Moment dachten wir, Sie hätten das Mittel gegen die Zeitungskrise gefunden.

Aber munter weiterforschen, empfiehlt Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Geehrt oder gefedert?

Seit mich die Dozentin nach dem Seminar über Frauenbilder in der Höfischen Literatur mit den Worten verabschiedete, ich könne sehr gut mittelalterlich argumentieren, frage ich mich, ob ich auf dieses Kompliment nun stolz sein soll – oder ob es für meine (weibliche) Umwelt vielleicht doch viel besser wäre, wenn man mich für immer in ein dunkles Verlies sperrte.

Fabian Lichter

 Technischer Rückschritt

Manchmal, an so Tagen, da habe ich das dumpfe Gefühl, irgendwo in meiner Nähe, vielleicht in meiner unmittelbaren Nähe, womöglich sogar in mir selbst werde eine besondere Art von Maschinerie in Gang gesetzt, gar nicht einmal raffiniert, sondern plump und schwerfällig, von unklarer Funktionsweise und unbestimmtem Zweck, mit Rädern, deren Unwucht das Gebilde erzittern läßt, und Kolben, die klagend durch Batzen längst eingedickten Schmierfetts walken, und rostigen Ventilen, die modrige Seufzer aushauchen. Eine Dumpfmaschine, die mich langsam aufzehrt. Wo ist der TÜV, wenn man ihn braucht?

Tibor Rácskai

 Gentleman durch und durch

Clubtoiletten sind Orte absurder Geschehnisse. In Ermangelung freier Pissoirs entschied sich ein junger wohlgekleideter Mann, sein Geschäft ins Porzellan des Waschbeckens zu verrichten. Ob es nun auf gute oder auf eben gar keine Erziehung schließen läßt, daß er sich gleichzeitig die Hände wusch?

Frederik Skorzinski

 Der Schatten des Kindes

Bei seinen Streifzügen auf allen Vieren in die geheimnisvollsten Ecken und Winkel seines Elternhauses hat unser Sohn (neun Monate) jetzt den Friedhof der vergessenen Bücher entdeckt und zielsicher das für ihn bestimmte Buch aus dem Regal gezogen. Dem elterlicher Fürsorge geschuldeten ersten Schrecken, daß es sich dabei um »Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo« handelte, folgte schnell eine nüchterne Abwägung seiner Wahl. Vorteil: Das bereits angesparte Geld zur Finanzierung seines Studiums können wir nun selbst verprassen. Nachteil: David Bowie.

Carlos Ruiz Sibbe

 Danke nachträglich

Tagsüber hetzt man von Verpflichtung zu Verpflichtung, darum nehme ich mir für meine morgendliche Verrichtung umso mehr Zeit: Während ich auf dem Klo sitze, lese ich ganz entspannt die Zeitung, gönne mir manchmal sogar einen Kaffee und lasse mich von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen. Dies zur Erklärung und mit nachträglichem Dank für Ihr Verständnis, verehrte Mitreisende des Frühfluges Hamburg-Wien von Mitte Juni.

Thorsten Mausehund