[05.01.2015]
Eintrag teilenEintrag per Email versenden Mit Facebook-Freunden teilen Twittern mit Google+ teilen Darts – ein Sport für die ganze Familie

Es ist wieder soweit! Wie stets um die Jahreswende herum macht es sich die Familie auf der Couch gemütlich, um gemeinsam Darts-WM zu schauen. Dick eingemummelt und mit reichlich Gebäck auf dem Tisch, begeistern sich Papa und Mama, wie adipöse Randgestalten Pfeile auf eine Korkscheibe schmeißen. Da jagt ein Highlight das andere. Zum Beispiel jetzt! Die Kamera zoomt blitzschnell an das rote fingerhohe Feldchen heran; zwei Pfeile stecken bereits drinnen. Bämm! "Onehundredandeiiiiiiiightyyyy!" schreit ein Mann, der sich nur durch fortgeschrittenen Kehlkopfkrebs für seinen Job des Punktebrüllers empfehlen konnte. Die sich größtenteils der Anonymität wegen verkleideten Massen johlen, gröhlen, verschütten Bier und ordern beständig neues, um anhaltend zu vergessen, wie beschämend ihre Anwesenheit an diesem Ort der zelebrierten Einfalt doch eigentlich ist.

Wie jeder Kneipensport besticht auch Darts durch seine simplen Regeln (Pfeil in Kork schmeißen), schließlich soll er ja von jedem noch so hirnreduzierten Schluckspecht verstanden werden. Nach dem gerade erst überstandenen Poker-Boom muß mit Darts nun das nächste Schwachsinnigenspiel herhalten, dessen Simplizität dem nicht trinkenden Volk derart sauer aufstieß, daß es aus dieser zum Spiel stilisierten saufverzögernden Maßnahme eine Wissenschaft, ja einen professionell zu betreibenden Sport entwickelt hat. Normalerweise finden zwei Typen Menschen zum Profi-Darts: solche, die sich zu fein sind, in der Kneipe zu saufen, und lieber Spiele spielen; und solche, denen es nach mehreren Tagen Vollsuff dringend nach Abwechslung und Frustabbau verlangt. Und wenn noch niemand da ist, dem man aufs Maul schlagen kann, wirft man eben Pfeile auf ein Scheibe. Als Schlüsselqualifaktion empfiehlt es sich übrigens, aus einem Land zu stammen, das sich vornehmlich aus Verbrechern, Tagedieben und anderen Schurkengestalten zusammensetzt – also Holland oder einem Staat der britischen Inseln. Es ist auffällig, daß also gerade solche Nationen zu Alkoholsportarten neigen, die in anständigen Disziplinen (Fußball) vor allem mit nachhaltiger Erfolglosigkeit reüssieren. Ein Schelm, wer hier einen kausalen Zusammenhang vermutet.

Man darf also gespannt sein, welcher Arbeitslosentrend demnächst von der Kneipe ins Rampenlicht überschwappt. Die Kicker- und Skat-Weltmeisterschaften gibt es zwar schon, die haben aber Gottseidank noch keine entsprechende Lobby aufbauen können. Die Chancen für eine Am-Spielautomaten-Sitzen-WM stehen daher gar nicht schlecht. Auch Bierdeckelschnipsen erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Am wahrscheinlichsten scheint derzeit allerdings eine Rauch-WM. Der einstige Breitensport wird zwar aufgrund des größtenteils eingehaltenen Rauchverbots mittlerweile vornehmlich im Untergrund bzw. in den Hinter- wie Innenhöfen hiesiger Wirtshausgassen praktiziert – erfreut sich aber dennoch größter Beliebtheit. Erste "Raucher-Clubs" haben sich bereits gegründet.




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Das schreiben die anderen
Titanic unterwegs
13.08.2016 Eschwege, Open Flair (Kleinkunstzelt)
  Oliver Maria Schmitt, Bernd Gieseking, Frank Goose
14.08.2016 Frankfurt, Elfer
  Mark-Stefan Tietze
18.08.2016 Berlin, Das ERNST
  »Das Herz in der Hose«
26.08.2016 Klütz, Literaturhaus Uwe Johnson
  Gerhard Henschel

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Briefe an die Leser

 Grüß Gott & hühott, Bayerischer Rundfunk!

Grüß Gott & hühott, Bayerischer Rundfunk!

»Obwohl die Signatur als ›Kowalski‹ zu entziffern ist, wurde diese Rastszene mit Pferden nicht von ihm gemalt«, steht es im Online-Archiv der für ihren Sachverstand geschätzten Sendung »Kunst & Krempel« über das »qualitätsvolle Kabinettstück« aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. So weit, so gewohnt gediegen. Aber was hat Dich denn bitteschön geritten, den mit 1500 Euro taxierten Dachbodenfund wie folgt zu übertiteln:

Fragt als Liebhaber prächtiger Schinken: Titanic

 Werter Andreas Scheuer!

»Dort, wo Millionen von Deutschen Urlaub machen, da geh ich davon aus, daß es sich um sichere Herkunftsstaaten handelt!« Im Bierzelt des Schierlinger Volksfestes erhielten Sie für diesen Satz Beifall. Doch wir wären uns da nicht so sicher. Als CSU-Generalsekretär ist es zwar nachgerade Ihre Pflicht, holzschnittartig zu vereinfachen. Nur … nein, wir wollen jetzt nicht auf das bei den Deutschen so beliebte Urlaubsland Türkei hinaus, dessen Rechtsstaatsdefizite niemand schärfer anprangert als die CSU. Wir meinen vielmehr die 43 Millionen Übernachtungen, die Bayern im Sommerhalbjahr 2015 aus anderen deutschen Bundesländern verzeichnet hat. Demnach wäre Bayern: ein sicheres Herkunftsland! Und das können Sie ja wohl nicht im Ernst gemeint haben! Titanic

 Kuckuck, Eckart von Hirschhausen!

Groß war unsere Erleichterung, als wir neulich auf Stern.de den Satz »Eckart von Hirschhausen zieht ins Altenheim« lasen, noch größer die Enttäuschung, als sich dann herausstellte, daß Ihr Heimaufenthalt schon wieder vorbei war und doch nur der Recherche diente. Im besten Reportagestil (»Irgendwo klingelt ein Wecker«) berichten Sie über Demenz und das Abenteuer Altenheim, stellen erfrischend ehrliche Reflexionen an (»Hirnabbau kommt nicht über Nacht«) und schwärmen nach einem Tänzchen mit einer Heimbewohnerin von »Musik als Medikament«, das man einfach – Schmerz laß nach! – »ohr-al« zu verabreichen brauche. Schließlich stellen Sie voll Lob auf das so facettenreiche Leben fest: »Unfreiwillig komisch sind Menschen, die mit 60 immer noch die gleichen Ziele verfolgen wie mit 20 – in den gleichen Klamotten.«

Und auch wenn Sie das sicher schon oft gehört haben: Hätten Sie mal lieber Ihren Arztkittel anbehalten und wären gut versteckt in irgendeinem Krankenhaus geblieben, dann hätte vielleicht sogar noch etwas halbwegs Unterhaltsames aus Ihnen werden können, denn »unfreiwillig komisch« ist halt doch immerhin irgendwie komisch.

Ihr Pflegepersonal von Titanic

 Andrea Berg, Teuerste!

Andrea Berg, Teuerste!

Anläßlich Ihrer neuen Platte »Spesen fehlen«, nein: »Besenheben«, nein: »Seelenbeben« luden Sie, na klar, zur Homestory die Bunte ein, die dann auch gleich zur Stelle war. Und so berichteten Sie also von Songs, die »Sternenträumer« heißen, von Ihrem neuen Plattenlabel Bergrecords, von Ihren Fans, die auf Ihren Konzerten »lachen, weinen, Party machen« sollen, und auch von Ihrer 17jährigen Tochter. 17 Jahr’, blondes Haar … und ein schwieriges Alter, nicht wahr? Gerade deswegen möchten Sie Ihre Tochter »auch beschützen und ihr möglichen Kummer ersparen«, sie habe nämlich ab und an durchaus unter Ihrem Beruf als Schlagersängerin zu leiden.

Klar, Frau Berg, auf dem Schulhof ist derzeit nämlich viel eher Helene Fischer angesagt und nicht eine alte Schlagernudel wie Sie. Dennoch dürfe man seine »Kinder nicht in Watte packen«, weswegen Sie der Bunten auch gleich eifrig steckten, daß Ihre Tochter derzeit »frisch verliebt« sei. So ist’s richtig: »Eigene Erfahrungen« müssen die Teens machen, wie Sie sagen. Wer nicht lernt, wie es sich anfühlt, wenn in Klatschmagazinen von den eigenen Liebschaften berichtet wird, der kann später kein tiefsinniges »Seelenbeben« schaffen und für die Fans damit Momente, »in denen sich ihre Seele ausruhen kann«. Rabenmutter! Titanic

 Wenn Ihr, Veranstalter des »Luxury Business Day«,

Euch fragt, warum wir auch dieses Jahr wieder nicht an »Deutschlands Luxuskonferenz« teilgenommen haben und nun also auch nicht wissen, wie Ihr »Luxus erfahrbar machen und Kunden emotional berühren« möchtet, müßt Ihr einfach mal einen Blick auf Eure Eintrittspreise werfen. 590 Euro für ein Ticket?

Wir sind doch nicht der allerniederste Pöbel, sondern die unangenehm berührten Snobs von der Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Dreieckshoroskopisches

Astrologie ist eine höchst subjektive Angelegenheit. Die Ansicht zum Beispiel, daß Stier und Skorpion sich aufs vorzüglichste ergänzen, teilen meine Frau (Stier) und meine Geliebte (Skorpion) auf keinen Fall. Ich hingegen schon.

Karsten Wollny

 Selbstverwirklichung

Wenn einer ein Trottel ist, gebe ich ihm die Chance, es zu zeigen. Das gilt auch und in erster Linie für mich selbst.

Tibor Rácskai

 Kundenrezension

Heute zum ersten Mal die »Steinofen-Pizza Hawaii« von Tegut gekauft. Konnte es überhaupt nicht fassen, wie fade die Pizza schmeckte! Erst beim vorletzten Stück fiel mir ein, daß ich ja immer noch Schnupfen habe. Testnote: weiß nicht.

Dominik Bauer

 Vergeblich

Unter den vielen Talenten, die mir nur geringfügig gegeben sind, ist die Schlagfertigkeit am geringsten ausgeprägt. Beispiel: Seit guten 16 Jahren nehme ich mir vor, wenigstens ein einziges Mal mit »Danke, ich trinke nicht!« zu antworten, wenn mir irgend jemand ein Glas Wasser anbietet. Es ist mir bis heute nicht gelungen.

Teja Fischer

 In tiefer Trauer

Mit meinen Haustieren hatte ich bisher außergewöhnlich viel Pech. Erst mein süßer Dackel Larry, dann meine verschmuste Dänische Dogge Doyle, kurz darauf die wilde, wilde Perserkatze Layla und letzte Woche auch noch mein geliebter Wellensittich Ulf – sie alle sind in ihrem Aquarium ertrunken.

Andreas Maier