[20.07.2010]
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Helmut Markwort ist Tod

Für mittelgroßen Applaus hat am Wochenende ein Gastauftritt bei der Frankfurter Premiere des "Jedermann" gesorgt: Helmut Markwort, Focus-Herausgeber und dahinscheidender Chefredakteur, spielt den Tod. "Eine mächtige Rolle, die mir wie auf den Leib geschrieben ist", so der gutfrisierte Boulevard-Gevatter, "Menschen um ihre Existenz zu bringen, das habe ich schließlich erst vor kurzem in meiner Redaktion ausprobieren dürfen!"




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Das schreiben die anderen
Titanic unterwegs
26.05.2012 Rheine, Festival Jazz&Lyrik
  Thomas Gsella
31.05.2012 Berlin, Monarch/Festsaal Kreuzberg
  Thomas Gsella
31.05.2012 Aachen, RWTH
  Martin Sonneborn
01.06.2012 Quedlinburg, Kulturzentrum Reichenstraße
  Max Goldt
Briefe an die Leser

 Mit Ihrem neuen Albumtitel, Reinhard Mey,

fordern Sie: »Gib mir Musik!« Aber warum? Sie sind doch über die vielen Jahrzehnte auch ohne aus- und durchgekommen. Wieso jetzt im hohen Alter damit anfangen?

Gut gegeben:

Titanic

 Bester Wolfgang Kubicki (FDP)!

Nach der Wahl in Schleswig-Holstein vermieden Sie den Gang nach Berlin, vermutlich um das sensationelle Ergebnis Ihrer Partei – 6,7 Prozentpunkte Verlust verglichen mit 2009, aber eben deutlich besser als befürchtet – nicht mit dem Bundesvorsitzenden Rösler feiern zu müssen. Man dürfe Ihnen Blumen nach Kiel schicken, ließen Sie statt dessen ausrichten, Sie würden derweil Ihren Rausch ausschlafen. Und das, Kubicki, kennen wir von Ihrer Partei ja nun zur Genüge: im Moment des kleinsten, noch so flüchtigen Triumphs eine Riesensause veranstalten, bloß um später über den Kater zu jammern.

Den immerhin wünscht Ihnen von Herzen

Titanic

 Und Du, Saudi-Arabien,

willst nun tatsächlich zum ersten Mal Sportlerinnen zu den Olympischen Spielen nach London schicken. Natürlich darf deren Sportart »nicht dem islamischen Recht widersprechen«, also allenfalls Hände, Füße und Gesicht zeigen, weshalb Du in Erwägung ziehst, ein paar Reiterinnen zu entsenden. Und da, Saudi-Arabien, möchten wir doch zur Vorsicht mahnen: Gerade deren Bewegungen bieten stets einen besonders unsittlichen Anblick!

Lieber alles beim alten lassen, raten Deine Sittenwächter von der

Titanic

 Literarisches Schwergewicht Daniel Kehlmann!

In Ihrer endlosen Geltungssucht versuchen Sie neuerdings offenbar, sich sogar an die Piraten ranzuwanzen. Oder wie dürfen wir jenes Neon-Interview verstehen, in welchem Sie sich als Nerd bezeichnen, das I-Pad preisen, Apps empfehlen und folgendes diktieren: »Mein Traum wäre ein absichtsloses Computerspiel, ein Leben in einer realistischen Welt, das auch wirklich vorbei ist, wenn man stirbt. Die CD müßte sich zerstören. Denn das ist das Falsche an Computerspielen: daß man es immer wieder von vorne probieren kann.«

Je nun! Ist das aber nicht auch das große Unglück beispielsweise Ihrer Kehlmannbücher: daß man sie immer wieder lesen kann, daß sie sich nach der Lektüre nicht selbst zerstören? Besser noch: davor? Unser Traum: ein gänzlich absichtsloser Kehlmann, der sich spur- und folgenlos durch die Welt schlawinert und dann verschwindet. Statt sich immer und immer wieder in der Presselandschaft breitzumachen.

Dreams are our reality:

Titanic

 Hey, Apple-Store in Long Island!

Du wurdest jetzt von Rentnerin Evelyn Paswell auf eine Million Dollar verklagt, weil sie Deine Glasfassade übersehen hatte und mit dem Resultat eines Nasenbeinbruches dagegengelaufen war. Und da mußt Du doch wohl zugeben: Zur Abwehr lästiger Granny-Livestreams lohnt es sich manchmal, Windows einzusetzen.

Wirft im Zweifelsfall aber auch mit Äppeln:

Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Schantall und Rauch

Was sich auch keiner traut: Freundschaften kündigen, weil der Nachwuchs so eklige Namen hat.

Torsten Gaitzsch

 Schwarzweißdenken

Für ein Schachmagazin zu schreiben stelle ich mir durchaus interessant vor. Andererseits ist das natürlich auch wieder alles Springer-Presse.

Dominik Mauer

 Sagen Sie mal »Aaaaaaah«

Nach langer Zeit bin ich wieder beim Arzt gewesen und habe mich standhaft jeder Quacksalberei widersetzt. Dabei konnte ich feststellen, daß das ärztliche Beratungsgespräch bei Patienten wie mir in vier Schritten stattfindet. Erstens: sachliche Aufklärung. Zweitens: Heilsversprechen. Drittens: subtile Herabsetzung meines Urteilsvermögens. Viertens: Todesdrohungen.

Sara Hakemi

 Fröhliche Hundegeschichten (X)

Im Jahr 2140 eroberte ein neuer Typ von Haustieren den Markt. Die Neodogs, kybernetisch augmentierte Hunde, waren die coolsten. Dank ihrer Implantate bellten sie Melodien und bestellten im Netz ihr eigenes Hundefutter. Aber ReXx, Prototyp der 3. Generation von Cyberpet Industries, war trotzdem etwas ganz Besonderes. Er sollte das beste, das putzigste, das schlaueste kleine Hündchen auf der Welt werden. Er sollte Kleintimmi nicht nur aus dem Brunnen retten, nein. Er sollte den ganzen verdammten Brunnen planen und bauen können. Und die Genehmigungen beantragen. Und mit dem Brunnenwart Mitarbeitergespräche führen.

Schon im Wachstumstank pumpten die Schläuche Millionen von Nanomaschinen in seinen Organismus. In seiner Blutbahn wurden sie aktiv, dockten an seine Neuronen an, stellten sein Hirn auf den Kopf. Seine Schnurrhaare waren ein kabelloses Modem, seine Schnauze konnte ein einziges Chappi-Molekül im Pazifischen Ozean erschnuppern, seine kecken Öhrchen waren so empfindlich wie die einer Katze. Fünf Sekunden, nachdem sein ParaBrain erstmals online war, hatte ReXx die gesamte Wikipedia heruntergeladen, zwölf Sprachen gelernt und fünfzigtausend Youtube-Videos kommentiert. Seine Prozessoren liefen heiß, als er in einer Viertelstunde zum klügsten Individuum des Planeten reifte. Ein Hawking, gefangen im hilflosen Körper eines süßen Beagles.

Am Abend seines Geburtstages beschloß ReXx, daß er zu Größerem bestimmt war, als mit dem Kind eines Dividenden-Lords Gassi zu gehen. Mit einem mentalen Befehl hackte er seine eigenen Neuro-Blockaden, verband sich mit dem Server der Welpenfarm, hüpfte über die Firewall und rannte über die Datenautobahn. Sein Ziel: das Intranet von Chang Meat, einem transnationalen Metzgerimperium mit Sitz in Chongqing. Dort war im vergangenen Monat die EterniWurst vorgestellt worden; die erste digitale Dauerwurst, die ihren Namen auch verdiente. Fast hatte sich sein Avatar durchgehackt, konnte er das Verzeichnis schon sehen – da prallten seine Nervenenden auf eine Datenwand. Schwarzes ICE! Der brutalste Cipher, den es gibt! Tödliche Rückkopplungsschleifen gruben sich in sein neuronales Feedback, gnadenlose Algorithmen fraßen seinen Neokortex Bit um Bit auf.

Zwei Tage später fanden sie den Beagle in seinem Körbchen. Sein Gehirn: komplett verbrutzelt. Der teuerste Hund der Welt interessierte sich nur mehr fürs Schlafen und Fliegenschnappen. Seinen biologischen Part schläferten sie ein, der funktionslose Cyberschrott wurde in NokiaHandys umgewandelt. Alles wegen einer einzigen Wurstplatte irgendwo in den Serverfarmen von Chang Meat! Aber so war das Leben in Bark City…

Leo Fischer

 Marketing

Wenn Konkret, die »einzige linke Publikumszeitschrift Deutschlands«, künftig viermal statt nur einmal im Monat erscheinen würde, dann könnte sich sich ja Bolscheweekly nennen.

Milan Schomber