Die wichtigsten englischen Sitcom-DVDs des Jahres, die man sich selbst oder anderen zu Weihnachten schenken kann, plus Bonus-DVD-Box-Tip!

Humorkritik SPEZIAL

Weihnachten – welche Zeit im Jahr wäre besser geeignet, sich eine gute Woche im Kaminzimmer einzuschließen, das Telefon wegzuschmeißen und zusammen mit einem schönen Fäßchen Schnaps englische Sitcoms zu gucken? Erst mal muß man sie natürlich haben, darum die folgenden Neuerscheinungen bitte rechtzeitig bestellen:

Gavin & Stacey

Sehr weihnachtskompatibel: die ungewöhnliche Boy-meets-Girl-Sitcom um zwei Mittzwanzigjährige, die sich nach vielen jobbedingten Telefonaten ineinander verlieben, ohne den anderen je gesehen zu haben. Er lebt in Essex, sie im provinziellen Wales, wohin er ihr nach einem turbulenten gemeinsamen Wochenende in London folgt; am Ende wird geheiratet. Natürlich nicht ohne einige Konflikte zwischen Freunden und Familien.
Nicht übermäßig dicht an Lachern, dafür atmosphärisch warm ist diese Produktion aus Steve Coogans Comedyschmiede Baby Cow, in der neben der Comedy-Neuentdeckung Mathew Horne Altstars wie Rob Brydon (»Human Remains«) und Alison Steadman (»The Worst Week Of My Life«) mitspielen. Ein feiner Soundtrack rundet das ganze zur Feelgood-Britcom des Jahres ab; eine zweite Staffel ist für nächstes Jahr in Vorbereitung.

The IT Crowd – Version 1.0 & Version 2.0

Eher was für Nerds: die ersten beiden Staffeln der Abenteuer von Roy und Moss, zwei freakigen Systemadministratoren, und ihrer neuen Vorgesetzten Jen, die von Computern keine Ahnung hat. Alle drei fristen ein Leben am unteren Ende der sozialen Leiter im Rumpelkeller von Reynholm Industries, wo jeder Anruf mit der Frage »Have you tried turning it off and on again?« beginnt und nicht selten auch schon endet.

Die geteilten Meinungen, auf die The IT Crowd in England stieß, dürften nicht zuletzt Folge der hohen Erwartungen an die Serie gewesen sein, schließlich mißt man dort Autor und Regisseur Graham Linehan ebenso an seinem sagenhaften Erfolg mit »Father Ted« wie den Produzenten Ash Atalla an seinem mit »The Office«. Da ist schwer heranzukommen, aber diese Old-School-Sitcom mit Publikum und klassischer Drei-Kamera-Bühnensituation gibt sich alle Mühe. Eine US-Adaption ist in Vorbereitung, in England läuft nächstes Jahr die dritte Staffel – die ersten beiden sind zumindest für ITler hierzulande schon beinahe Pflicht.

Father Ted – The Definitive Collection

Apropos »Father Ted«: Die gerade erschienene Definitive Collection ist zumindest für alle, die noch nichts von Father Ted besitzen, ein absolutes Muß und Glück. Gar nicht mal wegen der überwältigenden Fülle von neuem Bonusmaterial, sondern einfach weil Father Ted eine der besten englischen Sitcoms der Neunziger ist. Punktum. Für Liebhaber, die gar nicht genug bekommen können: Neu auf dem Markt ist ebenfalls die Aufzeichnung eines Stand-Up-Auftritts von Ardal »Father Dougal« O’Hanlon: Live in Dublin.

Lead Balloon

Es dauert ein, zwei Folgen, bis man sich mit der Figur des lebensüberdrüssigen Stand-Up-Comedians Rick Spleen anfreundet, dann aber schließt man den meist sauertöpfischen Komiker ins Herz, der in dieser düsteren Sitcom mit seinem besten Freund und Co-Autor über Gott und die Welt palavert und regelmäßig in Schwierigkeiten kommt, wenn er etwa erklären muß, wie sämtliche Teelöffel seines Stammcafés bei ihm zu Hause gelandet sind.

Wer sich angesichts dieses Settings entfernt an »Curb Your Enthusiasm« erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch; Jack Dee, der Lead Balloon als Autor und Hauptdarsteller zwar ebenfalls recht autobiographisch angelegt hat, ist aber weit davon entfernt, Larry David kopieren zu wollen. Von dessen Erfolgen kann er, der regelmäßig fremde Witze als seine eigenen ausgibt, ohnehin nur träumen.

Unter den Neuerscheinungen dieses Herbstes befinden sich dieses Jahr recht viele Box-Sets mit allen möglichen Specials und Bonusmaterial. Nicht nur die schon erwähnte »Definitive Collection« macht, daß der wahre Fan seine »Father Ted«-DVDs an Freunde und Familie verschenken und sich dafür die neue Gesamtausgabe holen muß, auch Monty-Python-Freunde können ihre Sammlungen auflösen und dafür das monolithische Monty Python - Everything Ever In One Gloriously Fabulous Ludicrously Definitive Outrageously Luxurious Monty Python Box Set bestellen. Drin stecken auf 16 DVDs für knapp unter 200 Euro sämtliche Folgen des »Flying Circus«, alle vier Filme, »Live At The Hollywood Bowl« (digital überarbeitet), ein Sampler der »Personal Bests«-TV-Doku, in denen im vergangenen Jahr alle Pythons porträtiert wurden, ein T-Shirt mit Python-Zitat und ein toter Papagei – na ja, jedenfalls ein Plastikpapagei zum Aufblasen.

Ebenfalls ab sofort in einem Set zu haben: The Worst Week Of My Life – Complete Collection. Zur ersten Staffel rund um die katastrophenreiche Woche vor der Hochzeit von Mel und Howard (siehe Humorkritik in Heft 1/2006) gesellt sich hier die zweite (die Woche vor der Niederkunft Mels) und das dreiteilige Weihnachts-Special, das – genau – »Worst Christmas Of My Life« heißt: Eine weitere warme Sitcom für kalte Winterabende, die ebenfalls gerade für den amerikanischen Markt adaptiert wird.

Und zuguterletzt sei noch auf die luxuriös mit Extras ausgestattete Gesamtausgabe Green Wing – Series 1, 2 and Special verwiesen, die aber nur Enthusiasten ans Herz zu legen ist, denn die zweite Staffel und vor allem das Special schwächelten dann doch ein wenig.

BONUS-TIP

Loriots vollständige Fernseh-Edition inklusive 50 noch nie veröffentlichter Sketche möge den Fan britischer Comedy mit dem daneben doch vergleichsweise mageren deutschen Komik-Oeuvre versöhnen. Denn solange es noch zeitlos komische Perlen wie diese von Loriot und, Friede ihrer Seele!, Evelyn Hamann gibt, ist auch hierzulande noch Hoffnung und im Grunde alles gut bis ausgezeichnet. Bloody Merry Christmas!

Oliver Nagel

 

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Das schreiben die anderen
Titanic unterwegs
16.02.2012 Leipzig, Conne Island
  TITANIC-Boygroup
17.02.2012 Dresden, Schauburg
  TITANIC-Boygroup
18.02.2012 Fürth, Comödie
  Max Goldt
19.02.2012 Kiel, Stadtmuseum Warleberger Hof
  F.K. Waechter: »Zeichenkunst«
Briefe an die Leser

 Jon Bon Jovi (49)!

Nach der Internetmeldung über den Fund Deiner Leiche in einem Hotelzimmer hatten wir uns schon darauf eingestellt, nun wochenlang kein Radio mehr einschalten zu können, bis die kondolenzbedingte Dauerrotation Deiner Lieder endlich vorüber wäre. Aber was mußten wir dann erfahren? Du lebst. Du erfreust Dich sogar bester Gesundheit! Und schmunzelst vermutlich nachsichtig über alle, die sich derart an der Nase haben herumführen lassen.

Bitte bitte, Jon Bon Jovi: It’s our life! It’s now or never!

Titanic

 Bäume!

Wißt Ihr eigentlich, wie beschissen Ihr ausseht, so ganz ohne Blätter? Wenn Ihr das nicht bald ändert, dann besuchen Euch demnächst: die Holzhackerbuam auf der

Titanic

 He, Rolf Hochhuth!

In Ihrem BZ-Nachruf auf Johannes Heesters gedenken Sie der Heesters-Auftritte im Berlin der Nazizeit und mokieren sich über die »geradezu idiotische Weise«, in der man Heesters anlastete, »daß auch Hitler einige dieser Vorstellungen besuchte – wie vermutlich jeder musikliebende Berliner«. Um am Schluß zu konstatieren, daß wir als Erzeugerstaat kraß versagt haben: »Die deutschsprechenden Bühnen werden sicher lange brauchen, einen Entertainer seines Ranges aus dem Ausland wieder importieren zu können. Wir Deutschen haben seinesgleichen ja noch nie hervorgebracht« – ja, stellen Sie sich vor, Hochhuth, die Dinge liegen noch schlimmer: Sogar die musikliebenden Berliner mußten wir teilweise aus Österreich einführen!

Kulturlose Grüße

Titanic

 »Aperol Sprizz«-Trinker!

Mal ehrlich: Ihr trinkt doch dieses campari-ähnliche, orangefarbene Trendgesöff nur deshalb so massenhaft gern, weil »Aperol Sprizz« ganz offensichtlich ähnlich schweinisch klingt wie »Schlüpferstürmer«, oder? Aber für die Damen unter Euch Mitläufern und Mitsäufern, müßte es da nicht viel passender und noch schweinischer auch einen »Aperol Schlukk« geben? Der dann natürlich auch die dicklich-weiße Konsistenz von »Küstennebel« hat?

Wenn schon porno, dann hardcore:

Titanic

 Guter Entwicklungsminister Niebel!

Unter Westerwelle ging es Ihrer FDP schlecht, jetzt ist schon einige Zeit Philipp Rösler Parteichef. »Ich glaube aber«, sagen Sie dem Spiegel, »daß wir mit dem neuen Personal Vertrauen zurückgewinnen können.« Das Problem ist: »Es braucht aber Zeit, das scheue Wild ›Wähler‹ davon zu überzeugen, daß es sich lohnt, wieder auf die Lichtung zu kommen.«

Niebel, haben Sie mal überlegt, was mit dem scheuen Wild passiert, wenn es sich auf die Lichtung wagt? Ja? Sie waren nicht umsonst (Fallschirm-)Jäger bei der Bundeswehr? Na, dann ahnen Sie vielleicht, warum es mit dem Vertrauen nicht so klappt.

Bleibt lieber im Unterholz:

Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Praktisch

Jedes Mal, wenn meine Frau mich von unterwegs anruft, weil sie irgendwo ein Sonderangebot entdeckt hat und mich bittet, ich solle schnell mal in Keller, Vorratsraum, Kühl- und Gefrierschrank nachsehen, wieviel wir von der betreffenden Ware noch im Haus haben, finde ich es sehr praktisch, das mit einem einzigen Blick auf eine Excel-Datei beantworten zu können. Ich verstehe so gar nicht, was Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gegen Vorratsdatenspeicherung hat.

Heinrich Rathje

 Vorbilder

Mit dem Brautpaar auf dem Weg zum Standesamt kam ich an einer Fußgängerampel zu der Erkenntnis: Scheidung ist so, wie bei Rot über die Ampel zu gehen – nur dann doof, wenn Kinder da sind.

Matthias Warnken

 Sprache deines Vertrauens

Ein großes Internetverkaufsportal warnt vor englischsprachigen Mails, hinter denen sich fast immer Betrüger verbergen würden. Ich finde diese Information dankenswert – frage mich allerdings, wie eigentlich der Onlinehandel in Großbritannien funktioniert.

Jonas Haas

 Eine Frage des Anstands

Vor dem Bürogebäude, das meinen Arbeitsplatz beherbergt, beschuldigte unser Hausmeister einen leicht heruntergekommenen Herrn, in den Eingangsbereich uriniert zu haben. Dieser bestritt die Tat vehement. Doch die Indizien sprachen gegen ihn: Die Stelle, an der er gestanden habe, sei jetzt naß, beharrte der Hausmeister, außerdem habe er den Beschuldigten an seinem Hosenstall herumnestelnd vorgefunden. Derart in die Ecke gedrängt, stemmte der nun Überführte die Hände in die Hüften und empörte sich: Das könne man aber ja wohl auch freundlicher sagen. Der Mann wußte eben, was sich gehört.

Saskia Wagner

 Position 169

Ich fühle mich in der Rolle des unbeteiligten Beobachters in der Regel recht wohl.

Aiko Kempen