Das endgültige Vollgasmagazin

Pflichtblatt für Toyota



Humorkritik
(Seite 7 von 7)

Schamoni, Strunk & Braun

Schon seit einiger, ja schon langer Zeit verfolge ich mit einiger Sympathie die Aktivitäten des größtenteils Hamburger Szeneaktivisten, Sängers und Showstars Rocko Schamoni. Mir gefielen seine frühen Aufnahmen, als er noch, zusammen mit den Goldenen Zitronen "Hallo, ich bin Rocko Schamoni" sang, als er später, begleitet von "The Explosions And The Explosionettes", "Ich hab schon mal gelebt" röhrte, ich schätze ihn als amüsanten Dia-Vortrags-Entertainer ebenso wie seine Attitüde des allzeit charmanten Salonlöwen, des manchmal schwülstigen und oft overdressten Glamourkönigs - eine Rolle, die er sich in langer und zäher Arbeit recht passend zurechtgeschneidert hat. Nicht immer war das Ergebnis spektakulär überzeugend, seine letzte CD "Showtime" etwa, erschienen bei Trikont, hörte ich zwar gerne - zweifellos unterstützt der leicht abgeschmackte 70er-Jahre-Clubsound Schamonis nicht minder abgeschmackte Texte -, dennoch lasse ich im CD-Schacht gerne der Vorgängerin den Vortritt, "Galerie Tolerance" (Trikont), auf der "The silver bohemian" Schamoni unglaubliches Material dahersingt: "Junge Punx" heißt eine unentrinnbar sülzige, gleichwohl sehr klagende Ballade mit Texten wie saure Schlagsahne: "Der Weg führt nach Hannover / Und jeder weiß Bescheid / Auch viele Polizisten / Machen sich bereit // Ein Treffen der Gefühle / Die Fantasie regiert / Die Schönheit Eurer Jugend / Blendet und schockiert // Junge Punx / Wollen tanzen, wollen träumen…" etc., da ist dann wirklich kein Halten mehr, und doch hält man inne vor so viel stiller Größe.
Wenig mag ich über den gerade erschienenen "Tatsachenroman" Rocko Schamonis berichten. In "Risiko des Ruhms" (rororo) bilanziert er im letzten Abschnitt: "Im Großen und Ganzen aber ist das Haltbarkeitsdatum für einen Popstar irgendwann ab dreißig überschritten, und man wendet sich anderen Dingen zu. Jetzt ist es zum Beispiel die Literatur." Und die wird es auch verkraften. Recht planlos, doch stets aufgeräumt und erzählbereit tobt Schamoni durch eine Lebensgeschichte, die wohl seine eigene sein könnte, wenn sie es nicht teilweise sogar wäre. Manches ist sehr komisch, vieles absurd, einiges auch verquast und schwer aushaltbar. Dafür ist dem preiswerten Büchlein aber sogar eine Mini-CD beigegeben, die Auskopplungen seiner jüngsten "Showtime"-Produktion enthält.
In seiner raren Freizeit stülpt sich Schamoni einen Eimer über den Kopf und läßt sich, zusammen mit zwei gleichfalls kopfbedeckten Herren, fotografieren, nämlich für das Cover der neuen CD "Studio Braun-Gespräche II" (BMG Ariola). Anfangs hieß diese Telefonscherz-Combo noch Studio Bach, und ich empfahl deren erste Platte mit lustigen Telefonmitschnitten uneingeschränkt zum Kauf (TITANIC 5/98). Das soll für die zweite auch gelten, dreißig größtenteils kurze Gespräche sind zu hören, in denen die Komik zwar oft genug nur von den Studio-Braun-Anrufern geliefert wird (die angerufenen Opfer reagieren lediglich verdutzt), aber oft genug ist dies in seiner erfrischend rüpelhaften Art auch hochkomisch, etwa wenn sich der Anrufer auf die Stelle eines Seminarleiters mit ausschließlich zwei Qualifikationen bewirbt: "Pennen" und "Saufen". Schön ist auch der Telefonwitzservice "Der lachende Roland", der Witze per Telefon liefert; hier glänzt Schamonis Kollege Jürgen Dose zwar nur noch selbst, dies aber in so großartiger Weise, daß man die Person am anderen Ende gar nicht weiter braucht.
Wer aber ist Jürgen Dose? Hinter dem eingängigen Namen verbirgt sich keineswegs nur ein weiteres Mitglied von "Studio Braun", sondern der Musiker, Komödiant und Radio-Fritz-Moderator Mathias Halfpape, der seine CDs mal unter dem Pseudonym Heinz Strunk, mal als Jürgen Dose in Umlauf bringt. Seine letzte, "Der Schlagoberst kommt" (Rintintin / EMI), stammt von Heinz Strunk und präsentiert eine schöne Sammlung von putzigen Musikstücken, munteren Monologen und liebevoll arrangierten Kurz- und Kleinsthörspielen, in denen etwa ein Zahnarzt seinen Patienten fragt: "Was glauben Sie eigentlich, was ich empfinde, wenn ich Zähne wie Ihre sehe?" Wunderbare Verhaspler sind zu hören, wenn Halfpape alias Strunk seine verhuschte Figur Jürgen Dose atemlos daherplappern und von seltsamen Familienauslöschungen berichten läßt, gelegentlich derer die einzelnen Familienmitglieder eins nach dem anderen an "Selbstentzündung" sterben und qualvoll in Flammen aufgehen. Ein andermal warten Dose und seine Mutter auf die Rückkehr des älteren Bruders Peter: "Oft denken wir gemeinsam an unseren älteren Bruder Peter. Ob er wohl nächstes Jahr wieder zurückkommt? fragt Mudder. Er ist vor fünf Jahren ins Fichtelgebirge gegangen und dort aufgequollen. (…) Im Fichtelgebirge gibt es fast nur Buchen und Tannen, höchöch. Oft lachen wir über diesen absurden Zustand und freuen uns, gemeinsam lachen zu können." Ich lache mit, nehme auch Strunks manchmal etwas unglücklichen Hang zum Fäkal-Obszönen billigend in Kauf, weil er mich dann prompt mit der erschütterndsten Rap-Nummer tröstet, die ich je über eine zerbrochene Männerfreundschaft gehört habe: "Das Auge sieht es, doch das Herz muß es glauben."
Und das lacht einem dann doch reichlich.




   1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7



 
  • 08.02.:

    Wegen Überlänge aus der ZDF-"heute-Show" geflogen: Martin Sonneborn über Populismus, die PARTEI und die kommenden NRW-Wahlen

Titanic unterwegs
09.02.2010 Marburg, Waggonhalle
  Max Goldt
09.02.2010 Frankfurt, Die Käs
  Thomas Gsella
09.02.2010 Hamburg, Fleetstreet
  Gerhard Henschel
10.02.2010 Darmstadt, Centralstation
  Max Goldt

 Mensch, Henryk M. Broder,

da stellen Sie im Grunde nun schon die personifizierte Bestätigung für die Erderwärmungstheorie dar, bei all der heißen Luft, die Sie notorisch produzieren, aber es reicht Ihnen immer noch nicht. Was ist los? Will denn kein muslimischer Sack Couscous mehr umfallen? Oder warum müssen Sie sich nun auch noch am Klima vergreifen? So faselten Sie, diesmal im Rheinischen Merkur, bar jeder auch nur groben Ahnung der klimatologischen Zusammenhänge von einem »epidemischen Wahnsinn, der sich als Vernunft geriert«, und meinten damit jede auch noch so schüchterne Überlegung, ob man aus der einen oder anderen Erkenntnis der Klimaforschung möglicherweise irgendwann mal Konsequenzen für Wirtschaft und Politik ziehen müßte. Aber was interessieren Ergebnisse jahrzehntelanger Forschung, wo Sie uns doch glasklar vorrechnen: »Das anthropogene, also von Menschen verursachte CO2, macht ein bis drei Prozent des gesamten freigesetzten CO2 auf der Erde aus. Wir könnten also den Flugverkehr komplett einstellen, alle Autos, Rolltreppen und Aufzüge stillegen, auf den Gebrauch von Bügeleisen, Waffeleisen und Schuhputzautomaten verzichten – und hätten noch immer 97 bis 99 Prozent CO2 in der Atmosphäre.« Abgesehen davon, hihi, daß nicht mal wir Ihnen eine Atmosphäre mit 97 % CO2 wünschen würden, obschon die damit garantierte Aussicht auf Ruhe vor Ihnen sehr verlockend ist, wollen wir es mal zur Erklärung mit einer Analogie versuchen: Selbst in Ihrem Körper werden wohl so fünf Liter Blut fließen. Nehmen wir mal an, ein paar Milliliter davon bilden – Sie kennen das ja: Übergewicht, Sesselfurzerei, Cholerikertum – eines Tages ein kleines Gerinnsel, das dann in Ihrem Kreislauf herumschwimmt. Dieses sozusagen anthropogene Blut würde dann nicht einmal 0,1 % ausmachen, aber trotzdem könnte es zu schlimmen Verheerungen in, sagen wir, Ihrem Oberstüberl führen.
Ach? Schon passiert?
Dachte sich bereits:

Titanic

 Liebe Papst-Fans!

Wenn Ihr dem Heiligen Vater persönlich nahekommen wollt, müßt Ihr es natürlich anders anfangen als die Dame, die sich in der Weihnachtszeit öffentlich auf ihn geworfen hat und prompt abgeführt worden ist. Es gibt eine viel sicherere Methode: Ihr etabliert Euch als Herausgeber eines Fäkalienorgans, in dem Ihr Schlafzimmersensationen und blutrünstige Räuberpistolen mit nackten Weibern kombiniert, und wenn Ihr dabei supererfolgreich seid, weil Ihr noch schmutziger und brutaler zur Sache geht als die härteste Konkurrenz, dann macht’s auf einmal Schwuppdiwupp, und der Papst gewährt Euch eine Audienz im Vatikan.
Das glaubt Ihr nicht? Obwohl Ihr sogar an die Unfehlbarkeit des Papstes glaubt? Dann fragt doch mal den Kai Diekmann.
Pfüat Gott!

Titanic

 Hey, Polen!

Na, was soll denn das? Da übergeben wir Euch im vollsten Vertrauen eines unserer vielen wohlorganisierten und ordentlichen Lager, und schon verschwindet die Disziplin wie im Nu. Einstmals noch Stätten geregelten Ablaufes und äußerster Produktivität, wird, Euren Händen überantwortet, sofort geklaut, was nicht niet- und nagelfest ist.
Da soll noch einer sagen, daß Demokratie frei macht!

Titanic

 Schirrmacher!

»Wie hat das Internet das Denken verändert?« – dies ist laut Ihrer in die FAZ gestiefelten Meinung nichts weniger als die »Frage des Jahres 2010«. Sapperlot, Schirrmacher! Das wissen Sie schon im Januar? Bei aller Wichtigkeit einer Frage, die doch in Ihrem eigenen Buch »Payback« praktisch schon beantwortet ist: Besteht nicht eine klitzekleine Restwahrscheinlichkeit, daß im Laufe des immerhin noch elf Monate währenden Jahres andere Fragen auftauchen? Da geht noch einiges: Wer hat den lieben Papst umgebracht? Wer sind die unheimlichen Besucher von der Beteigeuze? Wer hat Schirrmachers Bücher wirklich geschrieben? Lassen Sie dem jungen Jahr doch noch etwas Zeit!
Meint Ihre geruhsame

Titanic

 Und Sie, Ursula von der Leyen,

befanden nun im SZ-Interview, Kinder seien »keine Krankheit, sie sind ein Glücksfall!« Tja. Dürfen wir uns erlauben festzustellen: Das müssen Sie ja wohl sagen, Sie strahlende Ritterin des Follikelsprungs! Denn sonst wären Sie ja schon längst an chronischer Empfängnis verstorben.
Wir sind mal so frei: Ihre kerngesunden und trotzdem glücklichen Verhütungsspezialisten auf der

Titanic

 Zur kritischen Gastronomie

Bei vielen Köchen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Quiche sagen.

Thea Unangst

 Stimmt

Zu Weihnachten bekam ich einen selbstgemachten Kalender mit Familienfotos. Als ich ihn durchgesehen hatte, bemerkte ich: »Auf dem einen Foto sehe ich ziemlich fett und schwul aus.« Meine Schwester blickte kurz rüber und sagte: »Stimmt.« Ich: »Laß mich doch erst mal hinblättern.«

Tim Wolff

 So gesehen

Eine Freundin arbeitet als Psychologin in einer psychiatrischen Klinik. Eines Tages hält ihr eine aus der Karibik stammende Patientin einen Vortrag zum Klima in Deutschland: »Das ist doch klar, daß es hier so kalt ist, wenn niemand tropische Bäume und Blumen anpflanzt. Solange ihr Tannenbäume pflanzt, dürft ihr euch nicht wundern, daß es schneit. Auf Tannenbäume schneit es immer. Ihr habt es in der Hand! Es klappt aber nur, wenn alle mitmachen!« So flötet die junge Frau vergnügt, während sie den Flur hinunter zu ihrem Zimmer tanzt.

Christof Goddemeier

 Jugend erforscht

Erfreut konnte ich feststellen, daß sich unsere Universität als Reaktion auf die ansteigende Jugendkriminalität diesem Problem auch wissenschaftlich nähert. Bei genauerer Betrachtung stellte sich das »Gang-Labor« dann jedoch als Bereich der Physiotherapie heraus.

Ulf Harding

 Marketingfehler

Statt die arme Landbevölkerung zu schröpfen, hätte man zur Finanzierung des Dreißigjährigen Kriegs besser einen zweiten Teil der Bibel auf den Markt werfen sollen.

Christian Widder