Inhalt der Printausgabe

Die PARTEI informiert


Abenteuer im EU-Parlament
Weltexklusiver Vorabdruck in TITANIC!
(Weil niemand anders wollte …)

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Brüssel, Café Karsmakers

Büroleiter Hoffmann ruft an. Bundeskanzlerin Merkel kommt am Dienstag nach Straßburg, um ihre vermutlich letzte Rede vor dem Parlament zu halten. Einige politische Beobachter, der französische Publizist Alfred Grosser etwa, erwarten so etwas wie ihr verbales Testament. Ich nicht. Aber ich habe eigentlich auch gar keine Zeit, mich mit ihr zu beschäftigen, weil ich dringend das Manuskript zu diesem Buch fertigstellen muss, der Lektor schickt mir bereits Mails mit vielen Frage- und Ausrufezeichen. Außerdem sehe ich Merkel inzwischen wesentlich ambivalenter als in den vergangenen Jahren. Wenn man sich die nachfolgende Generation der CDU-Spitzenpolitiker ansieht, entsteht beim Anblick Merkels regelrecht Wehmut.

Hoffmann sagt: »Ich habe Generalsekretär Bordez in der Kantine getroffen. Er hat gesagt, du kannst die Minute Redezeit haben, die den Fraktionslosen zusteht.«

Ich muss lachen: »Aha, auf einmal! Udo Voigt wäre dem Parlament wohl nicht so lieb. Aber ich habe absolut keine Zeit, mich mit Merkel zu beschäftigen.«

»Du musst es machen. Sonst geht die Minute wirklich an die NPD!«

»Ich denke darüber nach.«

»Es gibt noch etwas. Auf meine Mahnung hin hat das Auswärtige Amt jetzt zumindest eine Auflistung aller Dokumente geschickt, die wir nicht erhalten können. Es sind 231 Dokumente, die allein die Wahlrechtsreform betreffen, insgesamt 2440 Seiten. Ich habe mal ein bisschen reingeschaut, es gibt interessante Gesprächsnotizen, zum Beispiel Bundespräsident Steinmeier/Tajani, ein paar Tage nach seinem Amtsantritt. Manfred Weber hat alle EU-Regierungschefs angeschrieben, die in der EVP sind. Und einen umfangreichen Austausch zwischen Jo Leinen und dem Auswärtigen Amt wegen seiner Presseerklärung: neun Seiten E-Mails!«

»Mein Gott, der Mann kann nicht einmal eine Presseerklärung schreiben!«

Straßburg, Plenum

Tajani begrüßt Merkel und erteilt ihr das Wort. Ich lese ein wenig Korrektur im Manuskript, das Buch ist so gut wie fertig, und höre mit einem Ohr die routiniert narkotisierende Rede der Kanzlerin. Sie thematisiert Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der EU. Und stimmt zum Schluss erstmals und lauthals ein in den Chor derjenigen, die eine eigene EU-Armee fordern: »Wir müssen eine europäische Eingreiftruppe schaffen, mit der Europa auch am Ort des Geschehens handeln kann. Wir sollten – das sage ich sehr bewusst auch aus der Entwicklung der letzten Jahre – an der Vision arbeiten, eines Tages auch eine echte europäische Armee zu schaffen. Dazu gehört dann im übrigen auch die gemeinsame Entwicklung von Waffensystemen innerhalb Europas. Dazu gehört auch – und das ist eine schwere Aufgabe, auch für die Bundesrepublik Deutschland –, dass wir eine gemeinsame Rüstungsexportpolitik entwickeln, weil wir auch sonst nicht einheitlich in der Welt auftreten können.«

Mit Zwischenrufen kann sie dabei gut umgehen. Als ein Front-National-Mann mehrfach mit anhaltenden »Buh!«-Rufen sein Missfallen kundtut und Tajani einschreiten will, winkt Merkel ab: »Schauen Sie, ich freue mich daran. Ich lasse mich doch nicht irritieren. Ich komme auch aus einem Parlament. Also!«

Beifall belohnt sie.

Vorbereitete Rede,
unvorbereitete Rede. Im linken Hintergrund scheitert Udo Voigt bei dem Versuch, ein Selfie zu machen.

Nach Merkel sprechen die Vorsitzenden der Fraktionen. Und dann erteilt Tajani mir das Wort. Ich stehe auf und entschuldige mich: »Vielen Dank, Präsident, Frau Bundes… ähm… kanzlerin, ich muss mich entschuldigen – ich habe gar keine Rede vorbereitet. Ich habe die Redezeit nur beantragt, weil sie sonst an Udo Voigt von der NPD gefallen wäre. Und ich …«

Anschwellender Applaus unterbricht mich, aus der gesamten CDU bis hinüber zu SPD und Grünen. Das muss ich schnell unterbinden: »Moooment! Lassen Sie mich ausreden. Und ich verachte unseriöse Kleinparteien unter ein Prozent.« Die NPD hatte bei der Bundestagswahl 0,4 Prozent, als Vertreter einer Einprozentpartei kann ich mir diesen Seitenhieb nicht verkneifen. »Insofern möchte ich gar nicht so viel sagen. Wir haben uns zum letzten Mal hier beim Abschied von Helmut Kohl gesehen. Jetzt sehen wir uns bei Ihrem Abschied. Ich möchte Ihnen mit auf den Weg geben: Sie werden mir immer sympathischer, je mehr ich Leute sehe, die Ihnen in der CDU folgen werden, in den nächsten Monaten und Jahren.«

Merkel zeigt keine Regung, sie kommt ja auch aus einem Parlament.

»Und ich möchte Sie bitten: Wenn Sie gehen, übergeben Sie unser Land besenrein. Das wäre nett! Und jetzt können Sie gehen. Vielen Dank!«

Ein unfreundliches Geraune setzt ein, »Oh«-, »Ah«-Laute, unverständliche Zwischenrufe erschallen, vornehmlich aus den Reihen von CDU/CSU.

→ Sachdienlicher Hinweis des Heute Journal

Merkel kriegt donnernden Applaus in Straßburg, eben weil es das Gefühl gibt, dass sie fehlen könnte. Nur der Clown im Europaparlament spricht es aus: »Ich bitte Sie, wenn Sie gehen, übergeben Sie unser Land besenrein. Und jetzt können Sie gehen. Vielen Dank!« Auch das steckt Merkel weg. So schnell lässt sie sich nicht abschreiben, noch ist sie die mächtigste Frau Europas.

→ Sachdienlicher Hinweis des »Stern«

Martin Sonneborn klaut der NPD Redezeit – für fragwürdige Abschiedsworte an Merkel
Nach Angela Merkels Rede nutzte er die Chance, um erst der NPD und dann der Kanzlerin einen mitzugeben.

→ Sachdienlicher Hinweis der »Stern-Leser«

Sidekick: Sonneborn = finanziert von unseren Gez Steuergelder. Das dumme Volk: fällt drauf rein und merkt nicht, dass er mit Merkel unter einer Decke steckt.

→ Sachdienlicher Hinweis aus dem Netz

M. Grosse-Brömer: Der Typ ist der peinlichste Totalausfall als Abgeordneter.

Grosse-Brömer, ist das nicht der Mann, der tatsächlich glaubt, ich wäre in der Lage, »allein Mehrheiten maßgeblich für Gesamteuropa« zu bestimmen? Aber der Name löst noch irgendeine andere Erinnerung aus … Genau, jetzt hatte ich es wieder: Das war doch der lustige CDU-Kerl aus der Harald-Schmidt-Show, den sich Ralf Kabelka ausgedacht hatte – Dr. Udo Grosse-Brömmer! Der gefakete CDU-Abgeordnete, der mit Slogans wie »Zukunft ist gut für alle!« warb. Jetzt ist er offenbar Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/ CSU-Fraktion im deutschen Bundestag. Und hat auch gleich im »Bericht aus Berlin« einen sehr lustigen Satz untergebracht: »Im Netz sind eine Menge Leute unterwegs, die destabilisieren wollen, die falsche Meinungen verbreiten, die manipulieren wollen, und da muss Politik mit umgehen, insbesondere vor Wahlkämpfen.« Falsche Meinungen? Das kann die CDU natürlich nicht wollen.

→ Sachdienliche Rede von Udo Voigt auf dem NPD-Parteitag in Büdingen

»Verehrte Freunde! Für Frau Merkel ist jeder, der in Deutschland lebt, mittlerweile ein Deutscher! Wenn der sagt, ich möchte hierbleiben, ich lass mich integrieren, dann ist das völlig egal, ob er einen Pass hat, ob er eine Einreisegenehmigung hat, jeder, der es irgendwie geschafft hat, nach Deutschland zu kommen, ist ein sogenannter Merkel-Deutscher. Verehrte Freunde, ich wollte genau dies Frau Merkel vorwerfen, als sie Anfang der Woche in Straßburg im Europaparlament gewesen ist. Da muss man mal erzählen, wie man ein Rederecht bekommt. Man bekommt ein Rederecht, als fraktionsloser Abgeordneter, mal 60 Sekunden, mal 90 Sekunden. Und unter den Fraktionslosen muss man sich dann einigen, wer reden darf. Und am Allgemeinen wenn ein Staatschef anwesend ist, dann heißt das, dass der Betreffende unter den Fraktionslosen natürlich Rederecht hat, der aus dem Land kommt, wo die Staatschefin herkommt.« Voigt klopft auf das Pult vor ihm.

»Also habe ich mich darum beworben. Und, ähem, es gibt zwei Deutsche unter den Fraktionslosen. Einer ist der Manfred Sommer… Sonneborn von der … Spaßpartei, also ein Hofnarr … in Europa … Und der andere … (Voigt scheint kurz zu überlegen) … bin ich. Der Vorsitzende der Fraktionslosen hat sich geweigert, mir das Rederecht zu geben! Und dann kamen … die 60 Sekunden für den Herrn Sonneborn. Was macht der? Der geht nach vorne ans Rednerpult, sagt der: Wisst ihr, eigentlich interessiere ich mich ja nicht für … Politik. Frau Merkel, ich hab gar keine Frage, ich hab gar keine Rede an Sie! Ich habe nur … (Voigt stochert vorwurfsvoll mit dem Zeigefinger in der Luft) … um das Rederecht gekämpft, damit der von der NPD, (ab jetzt sichtbar stolz) der Herr Voigt das Rederecht nicht bekommt! (Unmutsäußerungen im Publikum) Verehrte Freunde! (Lauthals) KANN MAN EIGENTLICH BESSER GEADELT WERDEN, ALS DASS SIE EINEN HOFNARREN BRAUCHEN, UM MICH DAVON ABZUHALTEN, FRAU MERKEL FRAGEN ZU STELLEN?!« (Applaus brandet auf, Voigt schaut staatsmännisch und zufrieden)

Brüssel, Café Karsmakers

Staatsmännisch und zufrieden schaue auch ich gerade. Das Manuskript ist fertig bis auf die letzte Seite. Und gerade hat mich eine Nachricht von »Telepolis« erreicht. Andrea Nahles, Ministerin für Gekreisch und schlichtes Schauspiel, hat bei Abgeordnetenwatch.de dementiert, die Sperrklausel noch vor der EU-Wahl 2019 einführen zu wollen.

Die Grünen haben auf hartnäckiges Betreiben von Sven Giegold auf ihrem Leipziger Parteitag beschlossen, die Wahlrechtsreform im Bundesrat nicht mitzutragen. Und die Große Koalition hat irgendwann verstanden, was das bedeutet.

Von (geistigem) Adel: Manfred Voigt (NPD)

→ Sachdienlicher Hinweis von Dr. Sebastian Roßner

Da hat die Bundesregierung in Brüssel alle anderen Mitgliedsstaaten zur #Sperrklausel für das #EP genötigt und nun schauen sie ins GG und stellen fest, dass man in Deutschland eine 2/3-Mehrheit in Bundestag und Bundesrat braucht

→ Sachdienlicher Hinweis von »Telepolis«

Mit einem hinreichend komfortablen Wahlergebnis darf der Abgeordnete der PARTEI, Martin Sonneborn rechnen, der den Rückzieher der Genossen gegenüber Telepolis wie folgt kommentiert: »Wir begrüßen die Entscheidung von Andrea Nahles. Ich vermute, dass sie nicht ganz uneigennützig zustande kam, denn bei einer Fünfprozenthürde wäre möglicherweise auch die SPD nicht mehr im nächsten Europaparlament vertreten. Ein bisschen enttäuscht hat mich, dass wir gerade Unterlagen aus dem Auswärtigen Amt entnehmen mussten, dass auch Steinmeier sich aktiv in das Geschehen eingemischt hat – in seiner Zeit als Bundespräsident, in der er eigentlich parteipolitisch neutral zu agieren hätte. Aber die unseriöse Wahlrechtsgeschichte ist natürlich nur eine von mehreren Auseinandersetzungen die wir mit der Groko Haram führen. Wenn wir jetzt den »Geld«-Prozess gegen Schäuble auch in der letzten Instanz noch gewinnen –, das wäre ein Hattrick! – sehen Sie uns strahlen wie die Grünen!«

→ Sachdienlicher Hinweis der »Westdeutschen Allgemeine Zeitung«

»Die Partei« ist für Gabriel eine »Verächtlichmachung von Politik«

Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel sprach vor 200 Schülern des Essener Humann-Gymnasiums

Schließlich geht es um Europa, das Fehlen der Fünfprozenthürde im EU-Parlament, eine Schülerin spricht von der Satirepartei »Die Partei«, worauf Gabriel relativ ungehalten davon spricht, dass er die »Partei« für eine »Verächtlichmachung von Politik und die Arbeit eines demokratischen Parlaments« hält. »Fragen Sie mal jemanden, der keine Demokratie in seinem Land hat, wie er das fände, wenn Satiriker und Kabarettisten ins Parlament einziehen.«

→ Sachdienlicher Hinweis des (unseriösen) Marktforschungsinstitutes INSA vom 1. Februar

Sonntagsfrage Europawahl INSA/BILD: CDU/CSU 30 % | GRÜNE 17 % | SPD 15 % | AFD 12 % | DIE LINKE 8 % | FDP 8 % | FREIE WÄHLER 3 % | Tierschutzpartei 1 % | PIRATEN 1 % | Sonstige 3 % | DIE PARTEI 2 %

 


»Herr Sonneborn geht nach Brüssel. Abenteuer im EU-Parlament« (KiWi) erscheint am 7. März. Bitte im Buchhandel erwerben; 100 signierte Exemplare sind versandkostenfrei ab dem 1.3. über die Homepage der PARTEI zu bestellen. Ansonsten gilt: Bitte den amazonfreien Mittwoch beachten!

Martin Sonneborn

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Toller Service, »Manager Magazin«:

»Prokrastinations-Test: Sind Sie der König der Aufschieber?« Wir wollten uns natürlich sofort testen, aber leider war noch der Abwasch zu erledigen, und spazierengehen wollten wir ja auch, und endlich auf diese eine Mail antworten …

Aber morgen dann ganz sicher! Titanic

 Jetzt mal im Ernst, MDR!

In einem Spielbericht hast Du behauptet, alle drei Tore seien »durch einen ruhenden Ball« gefallen. Muss sich der Ball nicht doch ein ganz klein wenig bewegen, damit ein Tor fallen kann?

Fragt in sich ruhend, den Toren beim Fallen zusehend: Titanic

 Carlos Ghosn (Großkapital)!

Carlos Ghosn (Großkapital)!

Einst haben Sie aus Nissan, Renault und Mitsubishi ein internationales Bündnis geschmiedet. Seit November letzten Jahres sitzen Sie in Tokio in Untersuchungshaft; Sie sollen gegen Börsenauflagen verstoßen, Ihr Gehalt falsch ausgewiesen und private Verluste auf Nissan übertragen haben. Selbstverständlich wehren Sie sich gegen die Vorwürfe, wittern »Verrat« und die »Verschwörung« einer »Armee«, die Ihnen gegenüberstehe.

Nun wissen wir nicht, was an den Anklagepunkten dran ist, aber Herrgott, Ghosn, geht man allein nach Ihrem Äußeren, wundern wir uns, dass Ihnen nicht viel ärgere Untaten zur Last gelegt werden. Sie sehen aus wie jemand, der regelmäßig Dinge blafft wie »Ich hab genug gehört« und »Schafft ihn weg!«. Wie jemand, der mit einem Knopf unter der Schreibtischplatte eine Falltür öffnen kann. Jemand, der sich mit Blick aus dem obersten Stockwerk eines Wolkenkratzers einen 60 Jahre alten Whisky einschenkt, den er seiner globusförmigen Hausbar entnommen hat, während einer seiner Konkurrenten gefesselt und geknebelt vor ihm kniet. Kurzum: Man würde Ihre Besetzung als Bond-Bösewicht wegen Klischee-Übererfüllung ablehnen. Von Ihrem spukhaften Nachnamen wollen wir gar nicht erst anfangen!

Heute mal oberflächlich: Titanic

 Schwach, Bundesagentur für Arbeit!

Da wurdest Du dafür kritisiert, dass Du eine Hartz-IV-Empfängerin zum Lösen veritabler Grundschulaufgaben gezwungen hast. Auf die Netzschelte wegen Anweisungen wie »Schreibe unter das Bild das passende Wort« hin knicktest Du sogleich ein: »Wir können gut verstehen, dass die Teilnehmenden dies kritisieren, und teilen diese Meinung auch.«

Dabei, Bundesagentur, schulst Du damit unserer pädagogischen Expertise nach diese am Arbeitsmarkt unentbehrlichen Fähigkeiten: 1. bedenkenlos Befehle ausführen, 2. stupide Jobs erledigen, 3. Hilflosigkeit ertragen wie ein Kind, 4. das Gutsherren-Du akzeptieren und 5., am wichtigsten, komplette Selbstaufgabe!

Regt sowieso eine Umbenennung in Bullshitjob-Agentur an: Titanic

 Huhu, »Welt«-Journalist Peter Praschl!

Ein Texteinstieg muss neugierig machen, packen, sonst wird der Rest nicht gelesen. Das gilt besonders für Bezahlinhalte, deren erster Absatz frei einsehbar ist, und so begannen Sie einen Artikel über Sharon Tate mit den Worten: »Nichts wirkt so belebend wie eine ermordete junge Frau. All diese Fantasien, die sie entfacht – was aus ihr noch hätte werden können.«

Nun lässt sich eine Paywall aber rein technisch schwer überwinden, wenn man beim ersten Satz direkt auf den Bildschirm kotzen muss. Denn abgesehen davon, dass junge Frauen es deutlich weniger erfrischend finden, ermordet zu werden, als Sie und jemand, der sich statt mit Limonade mit Femiziden erfrischt, eher in die Psychiatrie als in die Medien gehört, evoziert Ihr Ekelgeschwalle in uns das Bild, wie Ihnen beim Schreiben solcher Widerlichkeiten die Hose aufgeht, und gegen solch starken Brechreiz ist noch kein Kraut gewachsen.

Immerhin, Praschl, stellt sich, sollte Ihnen etwas zustoßen, nicht die Frage, was aus Ihnen noch hätte werden können. Klar wäre einfach: Es wird keine neuen Texte von Ihnen geben. Und diesen Gedanken findet sehr belebend: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Verpasste Gelegenheiten

»Rückblickend hätte ich schon einiges anders gemacht«, sagt die Mittzwanzigerin am Nebentisch. »Zum Beispiel hätte ich mit meinem Freund damals eigentlich gern mehr Zeit verbracht. Dann hätten wir uns auch viel früher getrennt.«

Tilman Birr

 Das Urteil

Seit sich in unserem Kafka-Lektürekreis herumgesprochen hat, dass die Dohle auf tschechisch »kavka« heißt –was, nebenbei bemerkt, natürlich auch Franz Kafka bekannt war und Spuren in seinem Werk hinterlassen hat –, wird bei uns statt des Ausdrucks »kafkaesk« nur noch das Wort »dohlenartig« verwendet. Anfangs hat mich das ja durchaus amüsiert, aber jetzt, nach etlichen Monaten, wirkt das Ganze auf mich doch eher albern oder zwanghaft. Teilweise finde ich die Situation sogar regelrecht dohlenartig.

Andreas Maier

 Genialer Lifehack

Du bist gerade unterwegs und möchtest wissen, wie spät es ist? Dummerweise hast du zwar keine Uhr, dafür aber eine Sozialphobie im Gepäck, kannst also auch keinen Fremden auf der Straße fragen? Kein Problem! Suche einfach den nächsten Supermarkt auf. Wähle eine Tütensuppe aus (ich habe sehr gute Erfahrungen mit der »Frühlingsgemüsesuppe« gemacht), gehe zur Kasse und bezahle sie. Tadaa! Auf dem Bon findest du die Uhrzeit. Auf die Sekunde genau.

Katharina Greve

 Feindschaftspreis

Seit ich hier in Berlin wohne, hole ich mir bei meinem bevorzugten asiatischen Restaurant regelmäßig das einzige vegane Gericht. »6,90 Euro – für dich!« hieß es dort stets schmunzelnd vom Chefkellner. Letztes Mal überreichte mir erstmals eine andere Bedienung meine Bestellung: »Macht dann 5,90 Euro.«

Dominik Mauer

 Russtikal

Die einen nennen die klassische Technik, wenn einen beim Wandern das Unwetter überrascht, schlicht »nackter Oberkörper« – für mich jedoch ist das »die russische Regenjacke machen«.

Theobald Fuchs

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
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Zweijahres-Abo: 98,60 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKatharina Greve: "Eigentlich ist Wurst umgestülptes Tier: Cartoons & Comicstrips"
Katharina Greve ist nicht nur Architektin, Situationsdesignerin und stolze Besitzerin einer Vakuumiermaschine, sondern auch Prophetin: Via Kalenderblatt sagte sie im Jahr 2013 auf den Tag genau den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. voraus. Wer wissen will, welche sonderbaren Ereignisse die Zukunft noch bereithält, braucht deshalb dieses Bilderbuch. Gegenstände mit Gefühl, Menschen ohne Gesicht, Tapetenmuster von göttlicher Anmut – all das findet sich in Greves fantastisch-wurstigem Cartoonband!Fischer/Wolff/Ziegelwagner (Hrsg.):  "Die TITANIC-Bibel: Segen, Sünden, Sauereien"Was sind schon Markus, Matthäus, Lukas, Johannes, Paulus, Gott gegen Knorr, Eilert, Bernstein, Pfarr, Schmitt, Zippert, Hurzlmeier, Raddatz usf.? Bestenfalls mittelmäßige Autoren und Zeichner. Deswegen greift der moderne Religionskenner zur TITANIC-Bibel. Das ideale Weihnachtsgeschenk für alle, die noch wissen, worum es bei Weihnachten wirklich geht (ideale Weihnachtsgeschenke).Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 15.03.:

    Die "Junge Welt" im Gespräch mit Martin Sonneborn über Turbopolitik.

  • 15.03.:

    Leo Riegel ist einer der drei Gewinner des NABU-Cartoon-Wettbewerbs. Wir gratulieren!

  • 13.03.:

    Das "Journal Frankfurt" berichtet über Chefredakteur Moritz Hürtgen.

  • 12.03.:

    Zu den Regierungskrisen der vergangenen zwölf Monate zählt die "Süddeutsche Zeitung" u.a. Moritz Hürtgens Twittercoup über einen angeblichen Fraktionsbruch.

  • 08.03.:

    Das "Handelsblatt" hat Martin Sonneborn in Straßburg (EU) getroffen.

Titanic unterwegs
22.03.2019 Wuppertal, Volkshochschule Uwe Becker
23.03.2019 Leipzig, Café »Das Kapital« Katharina Greve
23.03.2019 Leipzig, Buchmesse Thomas Gsella
23.03.2019 Leipzig, LURU-Kino in der Spinnerei Paula Irmschler