Inhalt der Printausgabe

Die PARTEI informiert


Martin Sonneborn (MdEP)
Bericht aus Brüssel
Folge 7

»Man soll nur von Europa sprechen, denn die deutsche Führung ergibt sich ganz von selbst.«

Außenpolitisches Amt der NSDAP

Folge 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15

Brüssel, EU-Parlament, Pressekonferenz von Marine Le Pen

Dichtes Gedränge am Eingang des Konferenzraumes. Zwei unangenehm wirkende Sicherheitsleute bewachen die Tür, an der ein großes Schild prangt: KEIN ZUGANG FÜR ABGEORDNETE! Zum Glück besitzen Büroleiter Hoffmann und ich Presseausweise, unbehelligt gelangen wir in den überfüllten Saal. Eine Bande von Rechtsradikalen sitzt auf der Bühne, die ich aus den Reihen der Fraktionslosen kenne, etwa Marine Le Pen und Geert Wilders. Nach knapp einjährigen Verhandlungen haben sie endlich ihre Fraktion gegründet.

Gerade fragt ein BBC-Kollege, wie viel zusätzliches Geld die Fraktion erhalten wird. Le Pen weist die Frage als »Unverschämtheit« zurück, andere Fraktionen würden das auch nicht gefragt.

Eine weitere Unverschämtheit ist die Tatsache, daß ich hier unter Journalisten sitze und nicht mit oben auf der Bühne. Bin ich nicht auch Populist? Daß Le Pen mich nicht eingeladen hat, enttäuscht mich sehr. Andererseits dürfte mein Marktwert im Parlament gerade enorm gestiegen sein: Auf die Mindestzahl von 25 Abgeordneten kommen die Neufraktionäre mit Front National und FPÖ leicht. Aber eine Fraktion muß zugleich mindestens sieben Mitgliedsstaaten repräsentieren, Le Pen operiert genau wie die EFDD von Nigel Farage* am absoluten Limit. Wenn etwa die einzige Britin**, der Belgier oder der Rumäne abspringen, bricht die Fraktion zusammen – damit auch der Anspruch auf zusätzliche 17,5 Millionen Euro und erweiterte Redezeit im Plenum. Da die Halbwertszeit der beiden europakritischen Fraktionen in der Verwaltung als eher gering eingeschätzt wird und in beiden kein deutscher Parlamentarier vertreten ist, dürfte mein Marktwert als Feuerwehrmann und Fraktionenretter im EU-Parlament jetzt bei rund einer Million liegen. Netto, Frau Le Pen, netto!

Nett auch, daß der Abschaum des Parlamentes nunmehr aus lediglich 14 fraktionslosen MEPs besteht. Vielleicht können wir mal zusammen kegeln gehen.


Sachdienlicher Hinweis einer Mitarbeiterin aus dem Sekretariat der fraktionslosen MEPs

Genauso wie die Fraktionslosen unter den MEPs ein weitaus geringeres Ansehen genießen, so sehen auch die Sekretäre der Fraktionen auf uns herab.

Anmerkung des Generalsekretärs der PARTEI Tom Hintner

Wahrscheinlich schauen noch die Schaben bei den Fraktionsmitgliedern auf die Schaben bei den Fraktionslosen herab!


Hessische Landesvertretung

Die »Union Europäischer Föderalisten« hat zu einer abendlichen Diskussion geladen: »An EU Army: Fantasy or Political Project?« Die Bühne ist allerdings von links bis rechts komplett phantasielos besetzt, neben einer kriegslüsternen amerikanischen Journalistin und einem Vertreter von rund 3000 Luftfahrt- und Rüstungsfirmen sitzen u.a. ein deutscher General und MEP Elmar Brok (CDU) auf der Bühne.

Der Reihe nach werden von allen Anwesenden die Vorteile einer schlagkräftigen EU-Armee herausgestellt. Am unterhaltsamsten agiert dabei der Rüstungslobbyist, er quengelt nach höheren Rüstungsausgaben, weil diese nach dem Fall der Mauer unverständlicherweise deutlich gesunken seien und das gesammelte Rüstungswissen von über 30 Jahren verlorenzugehen drohe, während der Russe praktisch vor der Tür stehe. Zum Schluß hat Elmar Brok seinen Auftritt.


Sachdienlicher Hinweis aus Facebook

Martin Sonneborn Brüssel, Landesvertretung Hessen: Nach ein paar Rüstungslobbyisten plädiert Elmar Brocken (150 Kilo, CDU, MdEP) für eine EU-Armee und schläft vor Begeisterung ein.

Walter Maurer Klarer Fall fürs Flakkgeschütz.
Rubin Balling Der muß Mitglied der PARTEI werden! Gekrümmte Waffen und schlafende Militärpolitiker gehören zusammen!
Andreas Vonrath Wachhalten wäre Folter.
Phi Lippe Ist er tot?


Flughafen Berlin-Tegel, Wartebereich für den Flug nach Brüssel

Achduscheiße, Elmar Brok ist überhaupt nicht tot, er stapft vielmehr geradewegs und keineswegs gutgelaunt auf mich zu! Bloß weil sein Foto ein bißchen im Internet herumging. Erregt zischt er: »Sie haben sich über mein Glasauge lustig gemacht! Ich habe nicht geschlafen, ich habe mein Auge ausgeruht!! Ich mag das nicht!!!« Gute Güte, der Mann hat ein Glasauge? Einem alten Witz zufolge muß es das linke sein, weil mich das gerade mit sehr viel mehr Sympathie anschaut. Aber seit wann muß ein Glasauge ausruhen, denke ich und sage: »Ich mag Ihre Idee einer EU-Armee nicht! Aber ich habe mich nicht über Ihr Glasauge lustig gemacht.« – »Das hätten Sie wissen müssen, informieren Sie sich über mich!« Schnaubend dreht der Ostwestfale ab. Informieren, warum? Ich weiß, wer Brok ist: über zehn Jahre Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, Kohl- bzw. Merkel-Vertrauter. Seit 1980 im Parlament, einer der einflußreichsten Strippenzieher und nebenbei über Jahrzehnte hinweg hochbezahlter Bertelsmann-Manager - eine Kombination, die der Staatsrechtler von Arnim als »legale Korruption« bezeichnet und Transparency International als »Gefahr für die Demokratie«. TTIP-Freund, mitverantwortlich für das politische Desaster in der Ukraine. Außerdem ein Choleriker, der u.a. bei FAZ, SZ und WDR unliebsame Berichterstattung durch Anrufe zu unterbinden sucht und der in dem Ruf steht, seine Assistenten zu schlagen; natürlich nur, wenn es angebracht ist. 2007 Pfeife oder Pfeifenraucher des Jahres. Hab ich was vergessen?


Sachdienlicher Hinweis von Wikipedia

In verschiedenen ukrainischen Medien wurde berichtet, Brok habe bei seinem Besuch in Kiew auch ein Bordell besucht und sich abfällig über ukrainische Frauen geäußert. Brok dementierte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Die Anschuldigungen seien haltlos und Teil einer Kampagne der ukrainischen Regierungspartei. Der ukrainische Ministerpräsident entschuldigte sich bei Brok, bezeichnete die Aktion als Verleumdungskampagne und bestritt jegliche Beteiligung seiner Regierung.


Flughafen Brüssel-Zaventem, Wartebereich des EU-Fahrdienstes

Ab und an zeigt die EU auch ihre lustigen Seiten; selbst politische Schwerstgewichte kämpfen vergeblich gegen die Bürokratie. Von einer burschikosen Fahrdienstleiterin werden Elmar Brok, Udo Voigt und ich ein und demselben VW-Bus zugewiesen, der uns ins Parlament bringen soll. Brok schwitzt vor Wut, als er dem Fahrer bedeutet, er wolle keinen von den Mitfahrern sehen, und dann mit seinem Rucksack vorne auf den beengten Beifahrersitz klettert. Ein konservativer Brite, der im letzten Moment zu uns stößt, wundert sich über das eisige Schweigen im Wagen. Es wird erst vor dem Parlament unterbrochen, als ich zu Udo Voigt sage: »Sie steigen sicherlich rechts aus.« Voigt hat offensichtlich wenig Humor: »Ja, mal sehen, hrrmpf, welche Tür äh… aufgeht…«

Straßburg, Plenum

Super, neue Sitzordnung im Plenum. Meine ehemaligen Nachbarn von FPÖ und Front National haben Fraktionsrang und dürfen ab sofort weiter vorne sitzen. Ich finde meinen Platz am rechten Rand der verbliebenen Fraktionslosen. Rechts neben mir sitzt jetzt Beatrix von Storch (AfD), links ist ein Platz frei, dann folgen Udo Voigt, Le Pen Senior*** und eine unauffällige Dame, die mir kürzlich bei einem Abendessen des südkoreanischen Botschafters gegenüber saß: Krisztina Morvai. Eine kurze Recherche ergibt, daß sie aus Ungarn stammt und von der Jobbik-Partei aufgestellt wurde – der Partei, die schon mal durchzählen lassen wollte, wie viele Juden im ungarischen Parlament sitzen.


Sachdienlicher Hinweis von Wikipedia

2008 empfahl Morvai den »liberal-bolschewistischen Zionisten«, sich schon einmal zu überlegen, »wohin sie fliehen und wo sie sich verstecken«. 2009 empfahl sie ihren jüdischen Kritikern, »mit ihren kleinen, beschnittenen Schwänzen zu spielen«, statt sich mit ihr zu befassen, und nannte die Israelis »verlauste, dreckige Mörder«. 2010 behauptete sie, Belege für eine angebliche Erklärung Shimon Peres’ zu haben, daß Israel Ungarn aufkaufen wolle.


Sachdienlicher Hinweis aus Facebook

Heiko Siebert Sind das alle Anwesenden? Bei einem Terroranschlag müßte der IS da sogar noch eigene Geiseln mitbringen.
Milan Sühnhold htt­p://www.hagopur-shop.de/Hagopur+Wildschwein+Stopp… das sollte helfen!


Während ich noch über die Einsatzmöglichkeiten von Wildschweinstopp sinniere (Spaß), steuert ein hochgewachsener 70jähriger Glatzkopf mit Fliege und Schnäuzer den freien Sitz zu meiner Linken an. »Herr Sonnäborn? Mein Name ist Korwin-Mikke…«, beginnt der Pole und hebt die Hand. Schlagartig wird mir der letzte Bericht aus Brüssel bewußt: Korwin-Mikke hatte einen Parlamentarier geohrfeigt, der ihn als meschugge bezeichnet hatte. Und ich hatte den Polen zwei Zeilen weiter ebenfalls »meschugge« genannt… Aber der studierte Philosoph holt nicht weiter aus, sondern reicht mir die Hand höflich zum Gruße: »Gutten Tag!« – »Guten Tag, mein Herr! Sie sprechen deutsch?« – »Nein. Wenn Elmar Brok Deutsch spricht, kann ich das nicht verstähn…«

Die Debatte plätschert vor sich hin, immer mehr MEPs verlassen das Plenum. Als es um die Einführung eines europaweit einheitlichen Fahrscheines geht, stößt mich mein polnischer Nachbar an. »What means ›ticket‹ in German?« Ich antworte, daß man ruhig »Ticket« sagen kann, das würde jeder verstehen. Korwin-Mikke bedankt sich artig, steht auf und hält eine Rede. Ich schalte sein Mikrophon ein, damit man hören kann, was er sagt. Engagiert spricht er sich für Vielfalt und gegen Vereinheitlichung in Europa aus. Dann hebt er den rechten Arm und ruft auf deutsch: »Ein Volk, ein Reich, ein Tickät!« Mir fällt vor Schreck fast der Stift aus der Hand! Wenn ich gewußt hätte, was der Kollege plant, hätte ich Ticket natürlich mit »Fahrschein« übersetzt. Ein F-Wort klingt in dieser Reihung doch viel passender.

Richtiger Arm, tadellose Haltung: Janusz Korwin-Mikke

Sachdienlicher Hinweis aus Facebook

Lukas Metzger Sie hätten auf die Frage nach der Übersetzung von »Ticket« anders antworten sollen. Mit »Kühlschrank«, zum Beispiel.
Henrik Kiepe »Ein Volk, ein Reich, ein Schnaps bitte«
Gerrit Volkenborn »Führerschein«! DAS hätte Korwin vermutlich auch geglaubt! »grin«-Emoticon


Am nächsten Tag ist der griechische Ministerpräsident Zypras im Plenum. Während ich die Schwingtür aufstoße, ruft Dustin Hoffmann an: »Korwin-Mikke hatte gerade wieder eine one minute speech, diesmal hat er tatsächli…« Den Rest kann ich nicht verstehen, weil mein Büroleiter von Korwin-Mikke übertönt wird. Der rüstige Monarchist stürmt auf mich zu, strahlt vor Freude über das ganze große Gesicht und verkündet, heute habe er eine noch viel stärkere Rede gehalten: »Ich habe Zypras gesagt, er muß machen es wie Pinochet, sonst keine Chance!«

Brüssel, Parlament

Ein ARD-Team interviewt mich gerade zum Thema »Kleine Parteien im Europäischen Parlament, die den Steuerzahler nur Geld kosten und nichts bringen«, als Elmar Brok vorbeispaziert. Vor laufender Kamera spricht ihn die Reporterin an, bittet ihn hinzu.

Brok (abwehrend) Mit Herrn Sonneborn mache ich nichts. Gar nichts!
Sonneborn Seit wann denn nicht, Herr Brocken? Wir haben neulich …
Brok Ich hab noch nie etwas mit Ihnen gemacht. Sie machen nur Doofes wie Twitter, wo Sie sich heute noch nicht entschuldigt haben!
Sonneborn (irritiert) Aber ich habe neulich eine sehr schöne Veranstaltung mit Ihnen absolviert!
Brok Wissen Sie was, wenn ich die Augen zu habe, ich hab ein Glasauge und darüber machen Sie sich lustig!
Sonneborn Ich habe mich nicht über Ihr Glasauge lustig gemacht.
Brok (mit vor Zorn hervortretenden Adern) Sie sind ein bösartiger Mensch, der hier nichts schafft, faul ist und nur rummeckert. Faul! Faul!
Sonneborn (bösartig) Stimmen denn wenigstens die 150 Kilo?
Brok (kommt so nah an mich heran, daß sein enormer Bauch meinen Bauch berührt und beantwortet damit die Frage. Unsere Köpfe dagegen bleiben vor der Kamera schicklich auf Abstand) Wissen Sie, auf welchem Niveau Sie sich bewegen? Eines Komikers! Das ist auch Ihr Beruf: Ein Komiker, Sie sind ein auf Steuerzahlerkosten subventionierter Komiker!

Die Köpfe in schicklichem Abstand, die Bäuche kollegial aneinandergelegt: MEP Brocken und ich.

Brüssel, Büro

Das findet auch ein Hiwi der Konrad-Adenauer-Stiftung, Parteienforscher Karsten Grabow. In seiner Studie »Kleine Parteien im Europäischen Parlament« resümiert er: »Sonneborn verweigert im Grunde jede Mitarbeit und bringt seine Geringschätzung des Parlaments zum Ausdruck.«


Sachdienlicher Hinweis des Handelsblatts

Laut KAS-Studie macht Sonneborn »im EP im Grunde nichts« – außer, daß er den Brüsseler Betrieb für Satire nutzt. Als »Trittbrettfahrer des Null-Prozent-Sperrklausel-Urteils« kostet Sonneborn die Steuerzahler jährlich mindestens 160 000 Euro. Und was bekommen sie dafür? Mal mehr oder mal weniger originelle Videoclips aus dem EP. Ein teurer Spaß also?

»Die EU kostet im Jahr 135 Milliarden Euro. Da ist die eine Milliarde, die ich in Brüssel einstecke, gut investiert«, sagte Sonneborn dem Handelsblatt. »Ich stimme abwechselnd mit ›Ja‹ und ›Nein‹. Damit mache ich nichts kaputt, außer TTIP, und habe einen höheren Unterhaltungswert als Herbert Reul.« (Chef der CDU/CSU-Gruppe im EU-Parlament; d. Red.)


Sachdienlicher Hinweis des Focus

Er kassiert 160 000 Euro pro Jahr: Sonneborn krümmt im EU-Parlament keinen Finger!
Einer, den das gewaltig aufregt, ist Elmar Brok: »Ich finde es schlimm, wenn jemand versucht, das Parlament der Lächerlichkeit anheimfallen zu lassen. Herr Sonneborn wurde gewählt und kassiert Geld für seine Abgeordnetentätigkeit, deshalb ist es seine Pflicht, positiv zu arbeiten.«


Sachdienliche Hinweise

Martin Sonneborn #ElmarBrocken will, daß ich in Brüssel »positiv arbeite«. Wie er. Aber eine 2. Ukraine können wir uns in Europa derzeit nicht leisten. ROLF!
Torsten Klöpfel Rumsitzen, Nichtstun und dafür Geld kassieren? Ich bin noch nie authentischer repräsentiert worden.


 

* Vgl. das Angebot von Farage in TITANIC 01/2015.
** Janice Atkinson, wg. zu hoher Spesenabrechnungen kürzlich aus der Ukip geflogen.
*** Le Pen Senior hat seine Tochter wahrscheinlich zu antiautoritär erzogen, jedenfalls durfte er nicht mit in die Fraktion.


Achtung, Durchsage: Dieser Bericht wurde mit 160 000 Euro aus Mitteln des Europäischen Parlamentes finanziert und zeigt möglicherweise ein Zerrbild desselben.

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Kleiner Junge aus der Audi-Werbung!

»Mein Vater sagt: Das Gas, mit dem unser Auto fährt, kommt vom Wind.«

Es tut uns wirklich leid, Dir das sagen zu müssen, aber Dein Vater ist ein ausgemachter Trottel. Titanic

 Innenärgernis Horst Seehofer!

Neulich schalteten wir im ZDF »Aktenzeichen XY – ungelöst« ein – denn soweit sind wir mittlerweile, dass wir »Aktenzeichen XY« zur Ablenkung und Entspannung brauchen –, und da baute sich mittendrinne wer vor unseren Augen auf? Sie, Herr Minister!

Sie sind nämlich heuer Schirmherr des XY-Preises für Zivilcourage, welcher an Personen verliehen wird, die durch beherztes Eingreifen Straftaten verhindert haben. In einem Onlinevideo versichern Sie, damit andere Menschen motivieren zu wollen, »dass sie sich ein Beispiel nehmen, nicht für eine Kultur des Wegschauens, sondern des Helfens und des Zusammenhalts« einzustehen.

Wir müssen an dieser Stelle nachfragen. Wie weit darf Zivilcourage, darf Nothilfe gehen? Angenommen, wir werden Zeuge, wie jemand, sagen wir mittels Abschiebemaßnahmen und qua Verbannung von Rettungsbooten, das Absaufen und anderweitige Krepieren von Flüchtenden verursacht: Haben wir dann die Erlaubnis, wenn nicht die Pflicht, dem Täter gepflegt aufs Maul zu hauen? Reicht Pfefferspray? Die Hunde loslassen?

Rechtsberatungsgesuch von Titanic

 Hey, Sticks’n’Sushi Berlin!

Ihr sucht gerade Kellnerinnen und Kellner und habt dazu bei Facebook eine Stellenanzeige kursieren lassen, die Eure Anforderungen erfreulich deutlich macht: »Bei Sticks’n’Sushi stellen wir nur Mitarbeiter ein, die ein großes Lächeln und ein kleines Ego mitbringen. Wir stellen echte Persönlichkeiten ein. Menschen, die das Wir vor das Ich stellen.«

Ihr sucht also, mit anderen Worten, servile Duckmäuser, die sich klaglos ausbeuten, zusammenschreien und kündigen lassen, auf dass Ihr jederzeit in neuen Stellenanzeigen nach Ersatz für sie suchen könnt. Solche »echten Persönlichkeiten« zu finden, die auf ihre Persönlichkeit zugunsten der Volks- oder Betriebsgemeinschaft verzichten, sollte hierzulande wohl gelingen!

Aber unter uns: Die Chefs in Eurer Fischbude sind weiterhin die mit dem kleinen Lächeln und dem großen Ego, nicht wahr?

Von Persönlichkeit zu Persönlichkeit: Titanic

 Großartige Idee, »tz«!

Ein Live-Ticker zum Helene-Fischer-Konzert im Olympiastadion: »Es folgt das Lied ›Lieb mich‹«; »Helene trägt jetzt einen roten Body, an dem eine Art Umhang aus ebenfalls roten Fäden herunterfällt.« Und so weiter. Was erwartet uns als nächstes? Eine Lesung von Juli Zeh im Snapchat-Format? Die Audiospur zur Schach-WM?

Gehörlos durch die Nacht: Titanic

 Winke winke, Prof. Herfried Münkler!

Winke winke, Prof. Herfried Münkler!

So was wie den »Asylstreit« (CDU/CSU) muss einer wie Sie natürlich analysieren, auch mal im »Stern«: »Dieses leichtfertige Spielen mit der politischen Stabilität ruft ungute Erinnerungen an Weimar hervor« – im Gegensatz zu den vielen guten, die man derzeit bekommt, wenn man »Weimar« hört –, aber: »Soweit wird es nicht kommen.« Sollten Sie den ersten Satz ernst meinen, ist der zweite leichtfertig. Meinen Sie den zweiten ernst, ist der erste Alarmismus, Phrase.

Ja, jetzt, wo wir es sagen: »So wie seinerzeit in der SPD lässt sich die Ursache des Streits auch in der Union nicht allein an persönlichen Feindschaften festmachen. Heute wie damals steht dahinter ein Konflikt um den politischen Kurs.« Ach! »Ich glaube, dass die politische Mitte weiter eine Rolle spielt.« Oha! »Früher sprach man von ›Italienisierung‹ der Politik, heute müsste man von der ›Niederlandisierung‹ sprechen.« Soso. »Der deutschen Europapolitik droht nun das, was ich das ›französische Syndrom‹ nennen würde.« Hm.

Dieses leichtfertige Spielen mit Sinn und Sprache ruft ungute Erinnerungen an andere Ihrer Veröffentlichungen hervor. Man müsste wohl von »Deutschlandisierung« des Denkens sprechen, es ist das, was wir »Politikwissenschaftssyndrom« nennen würden.

Soweit ist es schon gekommen, fürchtet: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Dekoratives Literatur-Syndrom

Wie schlimm es um die Leselust in der Bevölkerung steht, sieht man am anschaulichsten in diversen Möbelhäusern, welche aufzusuchen mich meine renovierungswütige Gattin derzeit ständig nötigt: Da offenbar keine Diebstahlgefahr mehr besteht, wurden Buchattrappen erstmals durch echte Romane ersetzt.

Volker Schwarz

 Sturmwarnung

Wer Wind sät, wird gar nichts ernten, ihr dummen Städter!

Dipl.agr.oec. Daniel Sibbe

 Polen

Ich war mit Antje in Polen. Wir haben viele Fotos gemacht. Zwischendurch haben wir die Fotos schon mal in einem Express-Laden entwickeln lassen. Wir haben gedacht, das wäre billig in Polen, war es aber gar nicht. Als wir die Fotos abholten, waren die Farben auf den Fotos alle zu farbig, knackebunt, wie ein Comic. Irgendwas ist beim Entwickeln schief gelaufen. »Scheiß Entwicklungsland«, sagte Antje.

Kirsten Fuchs

 Alptraum

Geträumt, dass Wolfgang Niedecken mit BAP noch mal durchstarten will und jetzt ein K-Pop-Album aufzeichnet – BIBIM BAP. Schweißgebadet aufgewacht.

Leo Fischer

 Anatomie 4.0

So ein Körper ist doch eh nur ein unzulängliches Hilfsmittel, da kommt man ohne Improvisation eh nicht weit. Aber trotzdem weiß ich jetzt schon, dass ich ihn vermissen werde, den alten Racker, wenn ich demnächst digitalisiert werde.

Theobald Fuchs

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Katz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige  Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In  diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen  Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde.  Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle  Sterne.
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann       alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und       hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und       Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy       Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine       gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Dorthe Landschulz: "Problemzonen"
Sie können nicht tanken, besitzen im Durchschnitt bis zu vier Paar Schuhe, gehen immer zu zweit aufs Klo in der Führungsetage - und jetzt zeichnen sie auch noch: Weiber! Eine von ihnen ist die phantastische Dorthe Landschulz. Mit der ihr eigenen (weiblichen!) Art nimmt die TITANIC-Cartoonistin und Wahlbretonin ihre Geschlechtsgenossinnen unter den (prämierten!) Stift und spart dabei auch nicht an der Erfüllung von überwunden geglaubten Gender-Klischees. Typisch! Die besten Witze werden sogar von Männern begriffen.Hans Zippert: "Würden Sie an einer Tortengrafik teilnehmen?"
Würden Sie die Frage "Würden Sie gerne ein Buch mit dem Namen 'Würden Sie an einer Tortengrafik teilnehmen?' lesen?" mit "Ja" beantworten? Und würde der Fakt, daß dieses Buch von TITANIC-Alt-Urgestein Hans Zippert stammt und den Untertitel "199 Fragen und 197 Antworten zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen für das Leben in Deutschland" trägt, Ihre Leseentscheidung positiv oder negativ beeinflussen? Zu kompliziert für Sie? OK, dann also in Ausrufesätzen: Neues Buch! Von Zippert! Mit langem Titel! Lesi lesi machen! Damit Ihr träges Hirn mal was zu tun kriegt!!Leo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Katharina Greve: "Eigentlich ist Wurst umgestülptes Tier: Cartoons & Comicstrips"
Katharina Greve ist nicht nur Architektin, Situationsdesignerin und stolze Besitzerin einer Vakuumiermaschine, sondern auch Prophetin: Via Kalenderblatt sagte sie im Jahr 2013 auf den Tag genau den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. voraus. Wer wissen will, welche sonderbaren Ereignisse die Zukunft noch bereithält, braucht deshalb dieses Bilderbuch. Gegenstände mit Gefühl, Menschen ohne Gesicht, Tapetenmuster von göttlicher Anmut – all das findet sich in Greves fantastisch-wurstigem Cartoonband!Fischer/Wolff/Ziegelwagner (Hrsg.):  "Die TITANIC-Bibel: Segen, Sünden, Sauereien"Was sind schon Markus, Matthäus, Lukas, Johannes, Paulus, Gott gegen Knorr, Eilert, Bernstein, Pfarr, Schmitt, Zippert, Hurzlmeier, Raddatz usf.? Bestenfalls mittelmäßige Autoren und Zeichner. Deswegen greift der moderne Religionskenner zur TITANIC-Bibel. Das ideale Weihnachtsgeschenk für alle, die noch wissen, worum es bei Weihnachten wirklich geht (ideale Weihnachtsgeschenke).Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
Erweitern

Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
29.08.2018 Berlin, Pfefferberg Theater Max Goldt
02.09.2018 Frankfurt, Museum für Komische Kunst »Otto. Die Ausstellung«
02.09.2018 Erlangen, Galerie Black Cube Bernd Pfarr