Die PARTEI informiert


Martin Sonneborn (MdEP)
Bericht aus Brüssel
Folge 2

»Man soll nur von Europa sprechen, denn die deutsche Führung ergibt sich ganz von selbst.«

Außenpolitisches Amt der NSDAP

Folge 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11

Brüssel, EU Parlament

Lässig nehme ich die letzten Stufen, schlendere auf die Einlaßkontrollen in der Haupthalle zu. Ein interessantes Gefühl, zum ersten Mal seit Jahren ist mein Ausweis nicht gefälscht. Aber obwohl er dadurch weniger eindrucksvoll wirkt, versucht niemand mich aufzuhalten, im Gegenteil, die Wachmänner grüßen höflich. Sie haben eine eingebaute natürliche Gesichtserkennung, die es ihnen ermöglicht, die meisten der 751 MdEPs, rund die Hälfte von ihnen neu im Parlament, freundlich durchzuwinken.

Das Hochgefühl vergeht schlagartig, als mir eine osteuropäisch konturierte Dame resolut den Weg verstellt. Sie erweist sich als Assistentin der fraktionslosen Parlamentarier, die den Finger hebt und mich streng fixiert: »Haben Sie sich eingetragen?« Schuldbewußt verneine ich. »Das müssen Sie jeden Tag tun! Das ist das Allerallerwichtigste, was Sie hier im Parlament tun können! Wenn Sie sich nicht eintragen, bekommen Sie kein Tagegeld.«

Sie zieht mich am Arm, und zusammen machen wir uns auf die Suche nach dem Raum, in dem sich die non-attached members* in ein schmuckloses Anwesenheitsbuch eintragen können. Der Raum wird in den ersten Wochen täglich wechseln, vermutlich soll diese Taktik die Ortskenntnis der Neuparlamentarier fördern. Das tut sie sehr trickreich, als wir nach 20minütiger Suche den im Intranet annoncierten Raum finden, ist er verschlossen. Zwei bizarr große und kantig wirkende Blondinen, vermutlich nordische Kommunis- oder niederländische Faschistinnen, stoßen zu uns, offensichtlich in ähnlicher Mission. »They changed the room«, raune ich ihnen zu, »it’s cheaper for the EU!« Die beiden verziehen keine Miene und machen auf dem spitzen Absatz kehrt. Wir folgen ihnen unauffällig. Nach insgesamt 45 Minuten Schnitzeljagd erreichen wir das Ziel, eine Minute vor Türschluß. Nachdem ich mich unter den gelangweilten Blicken eines überbezahlten EU-Beamten eingetragen habe, kontrolliere ich, wer so alles da ist, und erlebe eine Überraschung. Marine Le Pen hat unterzeichnet, ihr alter Herr nicht. Warum hat sie nicht schnell für ihn mitunterschrieben: Ist sie ehrlich? Oder haßt sie ihn nur?

Straßburg, erster Sitzungstag

Mein erster Arbeitstag in Frankreich und gleich: peng, Plenarsitzung! Morgens um 10 Uhr! Ein älterer Herr mit wild wuchernden Augenbrauen sitzt schon im schwarzen Mercedes des Fahrdienstes, der mich ins Parlament bringen soll. Der neue Arbeitskollege stellt sich als Ungar vor. Auf die Frage, wie es um die Demokratie in seinem Land stehe, beruhigt er mich, es sei alles in Ordnung: Seine Partei habe bei den letzten Wahlen 52 Prozent erhalten, die Presse sei frei, und die Linken könnten sich im Internet äußern. Der Rest der Fahrt verläuft schweigend.

Auf dem Weg ins Plenum laufe ich einigen Journalisten in die Arme. Ich erkläre in mehrere Kameras, daß ich hier sei, um den Laden mal so richtig umzukrempeln, dann suche ich im Plenarsaal den Platz, von dem aus ich die Weltgeschicke in Zukunft bestimmen soll.


→ Sachdienlicher Hinweis der Jungen Welt

J.W. Mit 184 709 Stimmen sind Sie ins Europaparlament eingezogen. Die Plenarsitzungen begannen am 1. Juli. Haben Sie sich schon eingelebt?
M.S. Die Plenarsitzungen in Straßburg sind tatsächlich etwas bizarr. Direkt links von mir sitzen krachlederne FPÖ-Typen in kurzen Hosen, rechts die unrasierte »Alternative für Deutschland«, links vor mir Marine Le Pen vom französischen Front National, auch unrasiert, und links hinter mir Udo Voigt von der NPD. Ich ducke mich immer schnell weg, wenn die Parlamentskamera filmt, wegen Rufschädigung und so.


Die Arbeit selbst ist nicht der Rede wert: Der Vorarbeiter, ein sympathischer Kerl mit Glatzkopf und Kinnbart, erklärt uns unter komplettem Verzicht auf Wörter mit der Buchstabenkombination Sch, wie man das kleine Arbeitsgerät mit den drei Knöpfen für JA, NEIN und MEINETWEGEN, MIR IST SOWIESO ALLES EGAL auf dem Tisch bedient. Ein Probelauf, dann noch einer, und dann bedankt sich der Mann, daß wir ihn zum Parlamentspräsidenten gewählt haben. Es folgt die ausgefeilteste Sch-freie Dankesrede, die ich je gehört habe, aber weil der Chef die Situation für historisch befindet, will er sie auch so bezeichnen: als historich. Herzlichen Glückwunch, Herr Chulz!

Plenum. Rechts von mir: FPÖ
Auch rechts von mir: AfD

→ Sachdienlicher Hinweis von Präsident Schulz

»Wäre die EU ein Staat und sie würde einen Antrag zum Beitritt zur Europäischen Union stellen, würde sie wegen sichtlicher Demokratiedefizite abgelehnt.«


Danach ist Tagesfreizeit. Büroleiter Dustin Hoffmann – nicht mit mir verwandt! – und ich sichten drei Kubikmeter Lobbyistenpost und Einladungen. Am besten gefällt mir der Gratulationsbrief des Botschafters der Islamischen Republik Iran, der mit »Eure Exzellenz« anhebt und unseren beiden Völkern Glück und Erfolg wünscht. Ich beschließe, sein Volk demnächst mal zu besuchen. Abends machen wir die netten grünen Kollegen Terry, Jan und Ska aus politisch-strategischen Gründen mit Tequila derart betrunken, daß sie am nächsten Tag ein Video** aufnehmen, mit dem sie es bis in die verfickte*** Bild-Zeitung schaffen.


→ Sachdienlicher Hinweis von Telepolis

Telepolis Stellen Sie jetzt wenigstens Verwandtschaft und Freunde an, nach dem bayerischen Modell?
M.S. Nein, das ist mittlerweile leider untersagt. Obwohl mich die Begründung eines UKIP-Mannes, er habe seine Frau als erstaunlich gut bezahlte Büroleiterin angestellt, weil niemand anders das könne, vollkommen überzeugt. Präsident Schulz hat über 30 Leute, die für ihn arbeiten, inklusive eines Kammerdieners. Ich überlege gerade, ihm ein Angebot zu machen: Ich stelle seine Verwandten ein und er meine. Das kann für beide Seiten interessant werden, ich habe in einen libanesischen Großfamilien-Clan eingeheiratet.


→ Sachdienlicher Hinweis des Focus

Drei Vertreter der rechtsradikalen griechischen »Goldenen Morgenröte« stellten gegenseitig ihre Töchter ein.


Straßburg, zweiter Sitzungstag

Der zweite Arbeitstag ist schon fast Routine. Mittags entdecke ich im Plenum einen Mann im rosafarbenen Hemd, der aussieht wie David McAllister. Ein Schotte in Rosa? Ich gehe zurück zum Eingang, suche in den Anwesenheitsbüchern den Namen McAllister. Da steht er – aber keine Unterschrift daneben! Ein Schotte, der vergißt, sich einzutragen? Verrückt. Poste schnell ein Bild im Internet und kommentiere meine Beruhigung darüber, daß der Mann nicht Ministerpräsident von Niedersachsen geworden ist. Dann ab, zwischen die Verhaltensauffälligen im linken Flügel des Plenums. Ich wähle aus Langeweile ein paar Quästoren, dann gehe ich in mein Büro und schaue mir die weiteren Wahlen im Fernseher an. Das ist lustiger, besonders wenn stark gestikulierende männliche Abgeordnete aus Bulgarien von weiblichen Dolmetschern mit piepsiger Stimme übersetzt werden.


Ich stehe an den Aufzügen, als ein Mann im rosafarbenen Hemd auf mich zukommt: »Guten Tag, ich bin David McAllister, ich wollte mich mal vorstellen.« – »Ich kenne Sie, McAllister, ich bin Niedersachse. Ich habe mich heute morgen gefragt, warum Sie sich im Plenum nicht eingetragen haben. Sie sind doch Schotte?« – »Nicht eingetragen? Ich habe mich eingetragen!« – »Haben Sie nicht ...« – »Ich habe gelernt, daß es das Allerallerwichtigste ist, mich immer und überall sofort einzutragen, ich habe das bestimmt getan!« – »Haben Sie nicht, hier ist der Beweis.« Er wirft einen Blick auf das Foto in meinem Handy und schreckt zurück: »Das kann nicht sein! Von wann ist das?« »Von heute morgen. Aber die Bücher liegen noch da«, zwinkere ich. »Gut übrigens, daß wir uns treffen, ich habe da eine politische Vision, die ich gerne mit Ihnen zusammen umsetzen würde!«

Europapolitisch ein unbeschriebenes Blatt: McA.

Der Mann, dem die Tagesschau erst kürzlich noch attestierte, daß er »europapolitisch unerfahren« sei, schaut interessiert. »Sie kennen doch die Gurkenkrümmungsverordnung, die die EU 2009 zurückgenommen hat, weil zu viele Leute darüber gelacht haben.« – »Ja, und?« – »Ich möchte diese Verordnung wieder einführen, aber für Exportwaffen.« McAllisters Blick verdüstert sich, hilflos schaut er auf die geschlossene Fahrstuhltür. »Verstehen Sie? Je zwei Zentimeter Krümmung auf je zehn Zentimeter Lauf. Ich glaube, daß viel Leid und Unbill in der Welt verhindert werden, wenn wir als Waffenexporteure da voranschreiten ...« – Des Schotten Blick wird ziellos, dann blitzt Hoffnung: Ein akustisches Signal kündigt den Fahrstuhl an. »Very interesting idea«, stößt der CDU-Spitzenkandidat hervor, dann springt er zwischen die sich öffnenden Fahrstuhltüren. »Let’s do lunch!« rufe ich ihm nach, dann sind meine ersten Sondierungsgespräche beendet.


→ Sachdienlicher Hinweis des Economist

As a member of the European Parliament Mr Sonneborn plans to revive the EU’s infamous cucumber-curvature law (scrapped, after much ridicule, in 2009). But now it will apply to weapons exports and will promote curviness rather than discouraging it: every 10cm of gun or tank barrel will have to curve by 2cm.

Kommentar von Leser Ohio: Lord, I pray that you will protect (and distance) me from Germans trying to be funny.
Kommentar von Leser N. Zillatron: I am one of those .62%. Well, what other choices were there? His presence in the Parliament represents my raised middle finger to all those self-righteous, pompous wights that consider ordinary citizens bothersome pests.


Straßburg, dritter Sitzungstag

Plenum! Der Fahrdienst hat Probleme, die letzte Abstimmung an diesem Freitagmorgen soll um 10 Uhr beginnen, um 9.50 Uhr ist der Wagen endlich am Hotel. Um 10.05 Uhr stürme ich ins Plenum (nicht ohne im Vorübereilen eine Art Unterschrift im Anwesenheitsbuch zu plazieren). Massen von gutgelaunten Europäern kommen mir entgegen, jemand winkt, ruft: »Schon alles vorbei!« Eine deutsche Parlamentarierin begegnet mir, ich frage: »Was haben Sie gemacht?« – »Ich glaube, wir haben abgestimmt!« – »Ah, das ist gut, worum ging es?« – »Weiß nicht, aber es war per Handzeichen und ging mit großer Mehrheit durch!«


→ Sachdienlicher Hinweis meines Friseurs

»Was wollen EU? Was machen EU? Nichts hören von EU! Nur Haufen dumme Gesetze!«


Im Fahrstuhl ist die Stimmung ausgelassen, das Ganze erinnert an den letzten Schultag. In breitestem Österreichisch werden Assistentinnen angewiesen, die 15-Uhr-Flüge umzubuchen, man könne die Maschine davor noch erreichen. Auf den Fluren ist der Schlenderschritt, der in Brüssel und Straßburg von Montagabend bis Donnerstagabend vorherrscht, auf einmal einem schnellen, präzisen Laufstil gewichen, die Rollkoffergeschwindigkeit hat sich verdreifacht. Ich leere eine Flasche Gewürztraminer – Begrüßungsgeschenk der Stadt Straßburg – und nehme den nächsten Zug nach Berlin. Die EU-Sommerferien haben begonnen.


* Die fraktionslosen Abgeordneten sind die Aussätzigen im EU-Parlament, 52 Typen, die keiner mag: FPÖ, rechtsradikale Ungarn, ein paar Kommunisten, griechische Faschisten, Udo Voigt und ich.

** Empfohlene Google-Suchworte: Spott für grüne Teletubbies, Fremdschäm-Video

*** Ich genieße Immunität.

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St. Gärtner ist der Schutzheilige der Alphabetisierten und Literaten. Gerühmt und bekannt als Parodist Daniel Kehlmanns, Ildikó von Kürthys, Arno Geigers und Thomas Gsellas, hat er nun seinen ersten Roman "vorgelegt" (Feuilletonphrase). "Putins Weiber" ist ein Pageturner (Klappentextphrase) des Gut-Schreibers (Idiotenphrase), voll mit Frauen, Alkohol, Psychotherapie, Aphorismen und Geschwätz, seltsamen Nachbarn, noch mehr Frauen, Männerfreundschaft und Autofahrten. So würde Nick Hornby schreiben, wenn ihm Eckhard Henscheid rechtzeitig Lawrence Sterne vorgestellt hätte!Hans Zippert: "Würden Sie an einer Tortengrafik teilnehmen?"
Würden Sie die Frage "Würden Sie gerne ein Buch mit dem Namen 'Würden Sie an einer Tortengrafik teilnehmen?' lesen?" mit "Ja" beantworten? Und würde der Fakt, daß dieses Buch von TITANIC-Alt-Urgestein Hans Zippert stammt und den Untertitel "199 Fragen und 197 Antworten zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen für das Leben in Deutschland" trägt, Ihre Leseentscheidung positiv oder negativ beeinflussen? Zu kompliziert für Sie? OK, dann also in Ausrufesätzen: Neues Buch! Von Zippert! Mit langem Titel! Lesi lesi machen! Damit Ihr träges Hirn mal was zu tun kriegt!!Heinz Strunk: "Das Strunk-Prinzip"
Sie sind ein totaler Versager und können sich Bücher nur als Abo-Prämie leisten? Dann nehmen Sie wenigstens dieses hier: "Das Strunk-Prinzip", die beliebte Kolumne aus TITANIC als Buch! Power- und 110-Prozent-Autor Heinz Strunk zwiebelt Ihnen blitzgescheite Weisheiten um die Ohren bis Sie gar nicht mehr anders können als in Erfolg, Geld und Sex zu ersaufen. Das Strunk-Prinzip setzt Ihrem Elend endlich ein Ende. Mutter wird sich freuen!Anselm Neft: "Helden in Schnabelschuhen"
Anselm Neft ist Großinquisitor auf Lesebühnen und Mitherausgeber des EXOT-Magazins für komische Literatur. Sein zweiter Roman führt geradewegs hinein in die finstere, stinkende, voraufklärerische Welt der Mittelaltermärkte. Dorthin verschlägt es seine Helden Max und Katja, die nach ihrem Studienabschluß in Philosophie aus schierer Verzweiflung mit der Mittelalterband Kobold auf Tour gehen und sich dabei in höchst komplizierte Liebes- und Lebenshändel verstricken. Neft schreibt, wie ihm der Schnabel(schuh) gewachsen ist – genau das Richtige für mittelalte Komik-Connaisseure mit Hang zum Schalmeienklang!Leo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Markus Riexinger: "Kaktus der Verwesung"
Der "Gott des komischen Gemetzels" (L. Fischer) schlägt zurück: Markus Riexinger schlachtet sich einmal quer durch die deutsche Sprache, zerdrischt halbfertige Dramolette und prügelt poetische Versatzstücke in die Unkenntlichkeit. Frei nach Niels Bohr: Wer über die Miniaturen und Erzählanfälle des Berliner Jungautors nicht entsetzt ist, hat sie nicht verstanden.Wiglaf Droste: "Schalldämpfer"
Bei Wiglaf Droste, der "linken und rechten Hand des Fehlerteufels" (Bud Spencer), sitzt nicht nur der "Colt der Sprachkritik" (Terence W. Adorno) locker, er kann auch Fortsetzungsromankompilationen schreiben, die Herz und Hirn treffen. Z.B. diese, "Schalldämpfer", in der das "Kommando Leise Welt", eine Organisation zur Rettung des menschlichen Trommelfells, Lärmbolde und Schreihälse ganz leise wegknallt. Pflicht für alle, die den Schuß noch nicht gehört haben.Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Katharina Greve: "Eigentlich ist Wurst umgestülptes Tier: Cartoons & Comicstrips"
Katharina Greve ist nicht nur Architektin, Situationsdesignerin und stolze Besitzerin einer Vakuumiermaschine, sondern auch Prophetin: Via Kalenderblatt sagte sie im Jahr 2013 auf den Tag genau den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. voraus. Wer wissen will, welche sonderbaren Ereignisse die Zukunft noch bereithält, braucht deshalb dieses Bilderbuch. Gegenstände mit Gefühl, Menschen ohne Gesicht, Tapetenmuster von göttlicher Anmut – all das findet sich in Greves fantastisch-wurstigem Cartoonband!Fischer/Wolff/Ziegelwagner (Hrsg.):  "Die TITANIC-Bibel: Segen, Sünden, Sauereien"Was sind schon Markus, Matthäus, Lukas, Johannes, Paulus, Gott gegen Knorr, Eilert, Bernstein, Pfarr, Schmitt, Zippert, Hurzlmeier, Raddatz usf.? Bestenfalls mittelmäßige Autoren und Zeichner. Deswegen greift der moderne Religionskenner zur TITANIC-Bibel. Das ideale Weihnachtsgeschenk für alle, die noch wissen, worum es bei Weihnachten wirklich geht (ideale Weihnachtsgeschenke).Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Stephan Rürup: "Basteln mit Bier"
Während eine Baumarktkette nach der andere pleitegeht, zeigt uns Stephan Rürup, wie auch ohne Hobel und Schrauben schöne Bastelarbeiten entstehen können: nämlich mit Bier! Der TITANIC-Hauszeichner hat sich einmal um den Globus getrunken und dessen bedeutendste Monumente nachgeb(r)aut. Ergebnis: ein handliches Prachtbändchen, das in keinem Hobby- und Getränkekeller fehlen darf.Volker Surmann: "Lieber Bauernsohn als Lehrerkind"
Lesebühnenautor, Gelegenheits-Slammer, TITANIC-Autor – und Provinz-Exilant: Volker Surmann stammt aus den Tiefen des Teutoburger Waldes, heute wohnt er im Trend-Städtchen Berlin. In seinem ironisch-autobiografischen Heimatroman beschreibt der „Alien vom Planeten Acker“ (Eigenwerbung) u.a. den grausamen Mord an seiner Lieblingskuh und sein Versagen beim Traktorfahren – Blut und Boden sind also garantiert! „Ist Volker bloß ein metrosexueller Großstädter, gefangen im Körper eines ostwestfälischen Bauernkinds?“ Finden Sie es heraus!Gerhard Henschel: "Beim Zwiebeln des Häuters – Glossen und Verrisse 1992-2012"Margot Käßmanns buntscheckige Gedankenwelt, Heinos faszinierende Schlichtheit, Slavoj Žižeks Parallaxengeschwurbel oder Günter Grassens Gedächtnislücken – TITANIC-Chefschimpfer Gerhard Henschel versucht Gestalten zu begreifen, von denen andere sich wünschen, sie nie kennengelernt zu haben. In diesem Sammelsurium herausragender Schleimfiguren finden Sie die schönsten Henschel-Polemiken aus zwanzig Jahren.Heiko Werning: "Schlimme Nächte: Von Abstürzen und bösen Überraschungen"Jeder von uns hat schon mal eine erlebt und würde sie am liebsten für immer aus dem Gedächtnis löschen: eine schlimme Nacht. Heiko Werning aber, Lesebühnengott und Reptilienforscher, hat sich an über 30 schlimme Nächte erinnert und sie tapfer aufgeschrieben. Kindlicher Kaninchenmord bei der Nachtwanderung, verpaßte Chancen im malaysischen Massagesalon, Prügeleien mit Fußballfans, psychopathische Spermien-Strickerinnen: diese Nachtmahre werden Sie nicht mehr schlafen lassen!Das Ingrid-Hirsch-Gedächtnisabo: 15 Postkarten und 1 FeuerzeugDieser Geniestreich modernen Verlagsmanagements bedient altmodische Printbriefschreiber und Pyromanen gleichermaßen! Sie wollten schon immer mal einen Kinderhort anzünden und die passende Bekenner-Postkarte an die Polizei verfassen, die Beamten aber zugleich subtil darauf hinweisen, daß Sie TITANIC-Fan sind? Sie wollten schon immer mal fünfzehn herrliche TITANIC-Motive in Flammen aufgehen sehen, ohne sich aber zu sehr vom Heft zu distanzieren? Sie wollten schon immer mal 15 alte Postkarten und 1 Feuerzeug zusammen mit einem Kamm, einem blutigen Messer und dem Büstenhalter Ihrer Mutter in ein Paket an die Kanzlerin schicken? Dieses verlagsintern "Irren-Abo" genannte Komplettpaket kann (Liquidität vorausgesetzt) noch heute Ihnen gehören!Heiko Werning/Volker Surmann (Hrsg.): "Fruchtfleisch ist auch keine Lösung"
Fernsehkocharenen und Jamie-Oliver-Apps auf der einen Seite – Ehec, Dioxin und Cranberrybier auf der anderen: Ernährung fasziniert und verängstigt heute gleichermaßen. Höchste Zeit für einen kritischen Sammelband, in dem 35 Hobby-Esser über Antivegetarismus und Provitamine, über Thymian, Safran und Foer debattieren. Zu den Textköchen zählen Sterne-Satiriker, die sich mit den Grenzen des guten Geschmacks nur allzu gut auskennen: Leo Fischer, Stefan Gärtner, Oliver Nagel, Katharina Greve, Wiglaf Droste, Mark-Stefan Tietze u.v.a.m.Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
Erweitern
Das schreiben die anderen
  • 10.02.:

    Über Engelbert Sonneborn, den aussichtsreichsten Kandidaten (hier ganze PK streamen!) für das Amt des Bundespräsidenten, berichten "Süddeutsche", Heute.de und "Spon".

  • 08.02.:

    Martin Sonneborn erklärt bei der FAZ seinen Vater zum Bundespräsidenten und spricht mit Telepolis über die Bundestagswahl 2017.

  • 07.02.:

    Meedia hat u.a. TITANIC-Chefredakteur Tim Wolff nach seiner Meinung zum aktuellen "Spiegel"-Titel gefragt.

  • 07.02.:

    TITANIC-Redakteur Leo Riegel dreht für die Taz einen Imagefilm über seine Beziehung.

  • 03.02.:

    Über eine Altherrenlesung der TITANIC-BoyGroup in Mainz berichtet die "Allgemeine Zeitung".

Titanic unterwegs
21.02.2017 Kassel, Rotopol
  Leonard Riegel
23.02.2017 Nürnberg, Bernsteinzimmer
  Thomas Gsella
24.02.2017 Göttingen, Apex
  Thomas Gsella
24.02.2017 Jever, Rathaus
  Gerhard Henschel

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Briefe an die Leser

 Nochmals zu Ihnen, Kubicki!

Weil Sie ja neulich auf die Frage, wie die Jahre waren, nachdem die FDP aus dem Bundestag geflogen war, antworteten: »Unglaublich hart. Unsere Bundesgeschäftsstelle wurde um gut ein Drittel reduziert, wir haben mehr als 600 Mitarbeiter der Bundestagsfraktion verloren.« Verloren haben Sie diese Mitarbeiter also. Wie im Krieg? Oder doch eher wie bei sogenannten Unternehmensverschlankungen, an denen die FDP sonst solche Freude hat? Mit Freisetzung ohne Anschlußverwendung, wie das Ihr früheres Parteichefchen Philipp Rösler wohl ausgedrückt hätte? Weiter jammerten Sie: »Und unsere mediale Präsenz hat leider abgenommen. Der Wiederaufbau mußte aus den Ländern organisiert werden. Das ging an die physische und mentale Leistungsgrenze. Ich möchte solche Jahre nicht noch mal erleben.« Wir dagegen schon.

Mimimimimi… Titanic

 Der Versuch, Wochenblatt »Zeit«,

Deinen Lesern unbekannte Welten näherzubringen, in Ehren, aber mußtest Du den Artikel »Jedes 5. Kind ist arm« wirklich im Ressort »Zeit zum Entdecken« plazieren? Ja? Dann freut sich schon jetzt auf Deine Leserreisen nach Bochum-Wattenscheid und Bremerhaven-Lehe: Titanic

 Huhu, Alain Badiou!

Wenn wir im allerjüngsten Werk eines sehrsehr alten Philosophen (»Versuch, die Jugend zu verderben«) die Aufforderung lesen, »das Konstruierte aufzugeben«, weil es Ihrer Meinung nach »etwas anderes« ist, das uns »den Weg zum wahren Leben weist«, finden wir das, zumal im wahren Leben, reichlich konstruiert.

Geben Sie gern auf: die Postpremiumdenker auf der Titanic

 Völlig irre, Piper Verlag,

ist, was Du uns in Deiner Vorschau über »Sweet Rotation«, den demnächst bei Dir erscheinenden Debütroman einer Laura Wohnlich, berichtest: »Der plötzliche Tod ihrer Mutter hat eine nachhaltige Wirkung auf die 19jährige Anna. Sie muß endlich das Projekt Erwachsenwerden in Angriff nehmen.« Wie kraß ist das denn! Eine 19jährige, bei der sich der plötzliche Tod der Mutter nachhaltig auswirkt! Wo doch jeder weiß, daß 19jährigen der Tod eines Elternteils dermaßen am Arsch vorbeigeht (so sie ihn überhaupt mitkriegen), daß sie das Projekt Erwachsenwerden knicken und erst mal ganz entspannt weiterchillen!

Und weil Anna in der Folge nicht nur Escortgirl wird, sondern auch noch einen Nelson kennenlernt, dessen Augen über »die Farbe von Waldpfützen« verfügen, hat auch Dein Werbetext eine nachhaltige Wirkung. Die Lektüre von »Sweet Rotation« wird nämlich keinesfalls in Angriff nehmen: Titanic

 Preßmannsheil, Sportredakteure!

»Barca jagt Super-Bubi«, »Auch Bayern jagt Hoffenheims Süle«, »Klopp jagt Bilbao-Rakete«, »Gladbach jagt nächstes Chelsea-Juwel«: Merkt Ihr eigentlich noch was? Bzw.: Wart Ihr selbst mal auf einer Jagd? Ja? Und da ist das Wild dann nicht vor Todesangst geflüchtet, sondern hat bereitwillig einen Millionenvertrag unterschrieben? Nein? Dann tut uns doch bitte den Gefallen und gebt Euch die Kugel!

Läßt sich nicht ins Bockshorn jagen: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Ludwig und ich

Mit dem guten alten, von mir sehr geschätzten Beethoven habe ich schon einiges gemein: schlechtes Gehör, schwache Augen und zwei linke Hände. Deshalb habe ich dem Raum mit dem soeben fertig verlegten Laminatboden in Anlehnung an das Op. 133 auch den Ehrentitel »Die Große Fuge« verliehen.

Helge Möhn

 Familientradition

Zu seinem runden Geburtstag durfte sich jeder von uns elf Enkeln ein bißchen Gold aus Opas Zahn schlagen.

Teja Fischer

 Untere Mittelschicht

Manchmal binde ich meinem Chihuahua ein Frisbee auf den Rücken, verstreue Leckerlis auf dem Boden und tue so, als wenn ich mir einen Roomba leisten könnte.

Ernst Jordan

 Offenes Ende

In meinem »English Film and Conversation Club« sahen wir zuletzt »Before Sunset«. Nach dem Film schwelgen die meisten der anwesenden Damen in Überlegungen, ob July Delpy und Ethan Hawke, die sich zufällig in Paris wiedertrafen, neun Jahre nach einer verzauberten Nacht, ob sie sich nun endlich bekommen werden, obwohl das Taxi, das Ethan, alias Jesse, zum Flugzeug zurück nach Amerika bringen soll, schon längst vor dem Haus bereitsteht. Alle hoffen, daß die beiden nun die Entscheidung für ein gemeinsames Leben in der Dachwohnung treffen werden. Der Mann in der Runde wirft die Frage auf, ob der Taxifahrer wohl immer noch unten warten muß.

Miriam Wurster

 Blickroute, die

Die Distanz, die es einfallsreich zu überbrücken gilt, wenn einem ein Bekannter entgegenkommt und man sich schon zugenickt hat, aber noch zu weit entfernt ist, um Worte zu wechseln.

Robert von Cube