Inhalt der Printausgabe

Die PARTEI informiert


Martin Sonneborn (MdEP)
Bericht aus Brüssel
Folge 2

»Man soll nur von Europa sprechen, denn die deutsche Führung ergibt sich ganz von selbst.«

Außenpolitisches Amt der NSDAP

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Brüssel, EU Parlament

Lässig nehme ich die letzten Stufen, schlendere auf die Einlaßkontrollen in der Haupthalle zu. Ein interessantes Gefühl, zum ersten Mal seit Jahren ist mein Ausweis nicht gefälscht. Aber obwohl er dadurch weniger eindrucksvoll wirkt, versucht niemand mich aufzuhalten, im Gegenteil, die Wachmänner grüßen höflich. Sie haben eine eingebaute natürliche Gesichtserkennung, die es ihnen ermöglicht, die meisten der 751 MdEPs, rund die Hälfte von ihnen neu im Parlament, freundlich durchzuwinken.

Das Hochgefühl vergeht schlagartig, als mir eine osteuropäisch konturierte Dame resolut den Weg verstellt. Sie erweist sich als Assistentin der fraktionslosen Parlamentarier, die den Finger hebt und mich streng fixiert: »Haben Sie sich eingetragen?« Schuldbewußt verneine ich. »Das müssen Sie jeden Tag tun! Das ist das Allerallerwichtigste, was Sie hier im Parlament tun können! Wenn Sie sich nicht eintragen, bekommen Sie kein Tagegeld.«

Sie zieht mich am Arm, und zusammen machen wir uns auf die Suche nach dem Raum, in dem sich die non-attached members* in ein schmuckloses Anwesenheitsbuch eintragen können. Der Raum wird in den ersten Wochen täglich wechseln, vermutlich soll diese Taktik die Ortskenntnis der Neuparlamentarier fördern. Das tut sie sehr trickreich, als wir nach 20minütiger Suche den im Intranet annoncierten Raum finden, ist er verschlossen. Zwei bizarr große und kantig wirkende Blondinen, vermutlich nordische Kommunis- oder niederländische Faschistinnen, stoßen zu uns, offensichtlich in ähnlicher Mission. »They changed the room«, raune ich ihnen zu, »it’s cheaper for the EU!« Die beiden verziehen keine Miene und machen auf dem spitzen Absatz kehrt. Wir folgen ihnen unauffällig. Nach insgesamt 45 Minuten Schnitzeljagd erreichen wir das Ziel, eine Minute vor Türschluß. Nachdem ich mich unter den gelangweilten Blicken eines überbezahlten EU-Beamten eingetragen habe, kontrolliere ich, wer so alles da ist, und erlebe eine Überraschung. Marine Le Pen hat unterzeichnet, ihr alter Herr nicht. Warum hat sie nicht schnell für ihn mitunterschrieben: Ist sie ehrlich? Oder haßt sie ihn nur?

Straßburg, erster Sitzungstag

Mein erster Arbeitstag in Frankreich und gleich: peng, Plenarsitzung! Morgens um 10 Uhr! Ein älterer Herr mit wild wuchernden Augenbrauen sitzt schon im schwarzen Mercedes des Fahrdienstes, der mich ins Parlament bringen soll. Der neue Arbeitskollege stellt sich als Ungar vor. Auf die Frage, wie es um die Demokratie in seinem Land stehe, beruhigt er mich, es sei alles in Ordnung: Seine Partei habe bei den letzten Wahlen 52 Prozent erhalten, die Presse sei frei, und die Linken könnten sich im Internet äußern. Der Rest der Fahrt verläuft schweigend.

Auf dem Weg ins Plenum laufe ich einigen Journalisten in die Arme. Ich erkläre in mehrere Kameras, daß ich hier sei, um den Laden mal so richtig umzukrempeln, dann suche ich im Plenarsaal den Platz, von dem aus ich die Weltgeschicke in Zukunft bestimmen soll.


→ Sachdienlicher Hinweis der Jungen Welt

J.W. Mit 184 709 Stimmen sind Sie ins Europaparlament eingezogen. Die Plenarsitzungen begannen am 1. Juli. Haben Sie sich schon eingelebt?
M.S. Die Plenarsitzungen in Straßburg sind tatsächlich etwas bizarr. Direkt links von mir sitzen krachlederne FPÖ-Typen in kurzen Hosen, rechts die unrasierte »Alternative für Deutschland«, links vor mir Marine Le Pen vom französischen Front National, auch unrasiert, und links hinter mir Udo Voigt von der NPD. Ich ducke mich immer schnell weg, wenn die Parlamentskamera filmt, wegen Rufschädigung und so.


Die Arbeit selbst ist nicht der Rede wert: Der Vorarbeiter, ein sympathischer Kerl mit Glatzkopf und Kinnbart, erklärt uns unter komplettem Verzicht auf Wörter mit der Buchstabenkombination Sch, wie man das kleine Arbeitsgerät mit den drei Knöpfen für JA, NEIN und MEINETWEGEN, MIR IST SOWIESO ALLES EGAL auf dem Tisch bedient. Ein Probelauf, dann noch einer, und dann bedankt sich der Mann, daß wir ihn zum Parlamentspräsidenten gewählt haben. Es folgt die ausgefeilteste Sch-freie Dankesrede, die ich je gehört habe, aber weil der Chef die Situation für historisch befindet, will er sie auch so bezeichnen: als historich. Herzlichen Glückwunch, Herr Chulz!

Plenum. Rechts von mir: FPÖ
Auch rechts von mir: AfD

→ Sachdienlicher Hinweis von Präsident Schulz

»Wäre die EU ein Staat und sie würde einen Antrag zum Beitritt zur Europäischen Union stellen, würde sie wegen sichtlicher Demokratiedefizite abgelehnt.«


Danach ist Tagesfreizeit. Büroleiter Dustin Hoffmann – nicht mit mir verwandt! – und ich sichten drei Kubikmeter Lobbyistenpost und Einladungen. Am besten gefällt mir der Gratulationsbrief des Botschafters der Islamischen Republik Iran, der mit »Eure Exzellenz« anhebt und unseren beiden Völkern Glück und Erfolg wünscht. Ich beschließe, sein Volk demnächst mal zu besuchen. Abends machen wir die netten grünen Kollegen Terry, Jan und Ska aus politisch-strategischen Gründen mit Tequila derart betrunken, daß sie am nächsten Tag ein Video** aufnehmen, mit dem sie es bis in die verfickte*** Bild-Zeitung schaffen.


→ Sachdienlicher Hinweis von Telepolis

Telepolis Stellen Sie jetzt wenigstens Verwandtschaft und Freunde an, nach dem bayerischen Modell?
M.S. Nein, das ist mittlerweile leider untersagt. Obwohl mich die Begründung eines UKIP-Mannes, er habe seine Frau als erstaunlich gut bezahlte Büroleiterin angestellt, weil niemand anders das könne, vollkommen überzeugt. Präsident Schulz hat über 30 Leute, die für ihn arbeiten, inklusive eines Kammerdieners. Ich überlege gerade, ihm ein Angebot zu machen: Ich stelle seine Verwandten ein und er meine. Das kann für beide Seiten interessant werden, ich habe in einen libanesischen Großfamilien-Clan eingeheiratet.


→ Sachdienlicher Hinweis des Focus

Drei Vertreter der rechtsradikalen griechischen »Goldenen Morgenröte« stellten gegenseitig ihre Töchter ein.


Straßburg, zweiter Sitzungstag

Der zweite Arbeitstag ist schon fast Routine. Mittags entdecke ich im Plenum einen Mann im rosafarbenen Hemd, der aussieht wie David McAllister. Ein Schotte in Rosa? Ich gehe zurück zum Eingang, suche in den Anwesenheitsbüchern den Namen McAllister. Da steht er – aber keine Unterschrift daneben! Ein Schotte, der vergißt, sich einzutragen? Verrückt. Poste schnell ein Bild im Internet und kommentiere meine Beruhigung darüber, daß der Mann nicht Ministerpräsident von Niedersachsen geworden ist. Dann ab, zwischen die Verhaltensauffälligen im linken Flügel des Plenums. Ich wähle aus Langeweile ein paar Quästoren, dann gehe ich in mein Büro und schaue mir die weiteren Wahlen im Fernseher an. Das ist lustiger, besonders wenn stark gestikulierende männliche Abgeordnete aus Bulgarien von weiblichen Dolmetschern mit piepsiger Stimme übersetzt werden.


Ich stehe an den Aufzügen, als ein Mann im rosafarbenen Hemd auf mich zukommt: »Guten Tag, ich bin David McAllister, ich wollte mich mal vorstellen.« – »Ich kenne Sie, McAllister, ich bin Niedersachse. Ich habe mich heute morgen gefragt, warum Sie sich im Plenum nicht eingetragen haben. Sie sind doch Schotte?« – »Nicht eingetragen? Ich habe mich eingetragen!« – »Haben Sie nicht ...« – »Ich habe gelernt, daß es das Allerallerwichtigste ist, mich immer und überall sofort einzutragen, ich habe das bestimmt getan!« – »Haben Sie nicht, hier ist der Beweis.« Er wirft einen Blick auf das Foto in meinem Handy und schreckt zurück: »Das kann nicht sein! Von wann ist das?« »Von heute morgen. Aber die Bücher liegen noch da«, zwinkere ich. »Gut übrigens, daß wir uns treffen, ich habe da eine politische Vision, die ich gerne mit Ihnen zusammen umsetzen würde!«

Europapolitisch ein unbeschriebenes Blatt: McA.

Der Mann, dem die Tagesschau erst kürzlich noch attestierte, daß er »europapolitisch unerfahren« sei, schaut interessiert. »Sie kennen doch die Gurkenkrümmungsverordnung, die die EU 2009 zurückgenommen hat, weil zu viele Leute darüber gelacht haben.« – »Ja, und?« – »Ich möchte diese Verordnung wieder einführen, aber für Exportwaffen.« McAllisters Blick verdüstert sich, hilflos schaut er auf die geschlossene Fahrstuhltür. »Verstehen Sie? Je zwei Zentimeter Krümmung auf je zehn Zentimeter Lauf. Ich glaube, daß viel Leid und Unbill in der Welt verhindert werden, wenn wir als Waffenexporteure da voranschreiten ...« – Des Schotten Blick wird ziellos, dann blitzt Hoffnung: Ein akustisches Signal kündigt den Fahrstuhl an. »Very interesting idea«, stößt der CDU-Spitzenkandidat hervor, dann springt er zwischen die sich öffnenden Fahrstuhltüren. »Let’s do lunch!« rufe ich ihm nach, dann sind meine ersten Sondierungsgespräche beendet.


→ Sachdienlicher Hinweis des Economist

As a member of the European Parliament Mr Sonneborn plans to revive the EU’s infamous cucumber-curvature law (scrapped, after much ridicule, in 2009). But now it will apply to weapons exports and will promote curviness rather than discouraging it: every 10cm of gun or tank barrel will have to curve by 2cm.

Kommentar von Leser Ohio: Lord, I pray that you will protect (and distance) me from Germans trying to be funny.
Kommentar von Leser N. Zillatron: I am one of those .62%. Well, what other choices were there? His presence in the Parliament represents my raised middle finger to all those self-righteous, pompous wights that consider ordinary citizens bothersome pests.


Straßburg, dritter Sitzungstag

Plenum! Der Fahrdienst hat Probleme, die letzte Abstimmung an diesem Freitagmorgen soll um 10 Uhr beginnen, um 9.50 Uhr ist der Wagen endlich am Hotel. Um 10.05 Uhr stürme ich ins Plenum (nicht ohne im Vorübereilen eine Art Unterschrift im Anwesenheitsbuch zu plazieren). Massen von gutgelaunten Europäern kommen mir entgegen, jemand winkt, ruft: »Schon alles vorbei!« Eine deutsche Parlamentarierin begegnet mir, ich frage: »Was haben Sie gemacht?« – »Ich glaube, wir haben abgestimmt!« – »Ah, das ist gut, worum ging es?« – »Weiß nicht, aber es war per Handzeichen und ging mit großer Mehrheit durch!«


→ Sachdienlicher Hinweis meines Friseurs

»Was wollen EU? Was machen EU? Nichts hören von EU! Nur Haufen dumme Gesetze!«


Im Fahrstuhl ist die Stimmung ausgelassen, das Ganze erinnert an den letzten Schultag. In breitestem Österreichisch werden Assistentinnen angewiesen, die 15-Uhr-Flüge umzubuchen, man könne die Maschine davor noch erreichen. Auf den Fluren ist der Schlenderschritt, der in Brüssel und Straßburg von Montagabend bis Donnerstagabend vorherrscht, auf einmal einem schnellen, präzisen Laufstil gewichen, die Rollkoffergeschwindigkeit hat sich verdreifacht. Ich leere eine Flasche Gewürztraminer – Begrüßungsgeschenk der Stadt Straßburg – und nehme den nächsten Zug nach Berlin. Die EU-Sommerferien haben begonnen.


* Die fraktionslosen Abgeordneten sind die Aussätzigen im EU-Parlament, 52 Typen, die keiner mag: FPÖ, rechtsradikale Ungarn, ein paar Kommunisten, griechische Faschisten, Udo Voigt und ich.

** Empfohlene Google-Suchworte: Spott für grüne Teletubbies, Fremdschäm-Video

*** Ich genieße Immunität.

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Marlene Mortler, Drogenbeauftragte!

Als Asketin in chief forderten Sie zuletzt eine Verteuerung alkoholischer Getränke. »Billigalkoholika zum Discountpreis«, wie Sie mit tautologischer Schärfe verlautbarten, »haben nichts mehr mit Genuß zu tun, sondern zielen auf Masse und animieren gerade Jüngere mit wenig Einkommen zum Saufen.«

Da können wir ja von Glück reden, daß die Maß im Bierzelt zwar durchaus zum Massenphänomen taugt, nämlich dem, daß Ihre CSU-Parteifreunde sich so lange damit begießen, bis sie zu betrunken sind, um der Wirtin noch ins Dirndl packen zu können, und freilich ferner noch bewirken mag, daß sie hinterher im selbstchauffierten Dienstwagen die Münchener Innenstadt zerlegen; jedoch bei den Preisen auf der Wiesn und dergleichen schwerlich von »Billigalkoholika« die Rede sein kann.

Aber was Alkoholkonsum in Ihrem Sinne angeht, könnte die Lösung doch so viel einfacher sein: Jede junge mittellose Schnapsnase sollte für ihre Trinkerei einfach eine großzügige staatliche Stütze erhalten (Arbeitstitel: ALK I). So kann sie sich künftig einfach 50 Jahre gereiften Gin gönnen, Sie können endlich mit Ihrem »Genuß« und jene in Zufriedenheit dahindelirieren.

G’suffa! Titanic

 Grünen-Kompostierer Robert Habeck!

Auf zwei vollen »Zeit«-Seiten im Fach Kommunikationssimulation gegen die Dünnpfiffkanone di Lorenzo anstinken zu können, das nötigt durchaus Respekt ab. Und doch genügt nur eines Ihrer Sätzlein, um die Sprach-, Gedanken- und Sinnlosigkeit Ihres politischen Daseins zu erahnen: »Das stimmt zunehmend weniger.«

Abnehmend mehr davon überzeugt, daß null bei Ihnen stimmt: Titanic

 Superstar Ingo Naujoks!

Superstar Ingo Naujoks!

»DB Mobil« gestanden Sie lachend Ihre Angst, beim Schlafen im Abteil beobachtet zu werden: »Vor allem Schulklassen. Da laufen oft Gruppen von fünf, sechs Kindern hin und her und tun so, als müßten sie auf die Toilette, während sie flüstern: Ist er das oder nicht? Da geh ich meist nach einer Weile hin und sage: Wollen wir ein Foto machen, oder wollt ihr ewig hier rumschleichen?«

Und lassen Sie uns raten: Die Schulkinder, die für Superserien mit Ihnen wie etwa »Morden im Norden« im Ersten sicher regelmäßig das I-Pad aus der Hand legen, antworten dann: »Wozu denn, wir suchen doch nur die Toilette, Herr Schaffner!«

Lacht: Titanic

 Hallo, Amazon!

Deine Anzeige »Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch« hat sich ja durchaus bewährt: Gruppenzwang als Kaufanreiz. Wenn nun aber bei Ansicht des Spritzmittels »Raupenfrei Xentari« als bald darauf folgender Kauf anderer Konsumenten »12 Dartpfeile mit 100 Spitzen« angegeben wird, könnte das nicht eher als Hinweis auf die Nichtwirksamkeit des Produkts verstanden werden?

Wirft auch gleich mit spitzen Gegenständen: Titanic

 Patrik Schumacher (Architekt)!

Sie fordern u.a. »den totalen Rückzug des Staats, die ›Abschaffung aller Formen des sozialen und preisgünstigen Wohnungsbaus, aller Formen von Mietkontrolle‹ sowie die Privatisierung aller Straßen und Plätze«, weiß Faz.net über Sie zu berichten. Weiter heißt es da: »Schumacher glaubt, daß die neuen Smart Cities, wenn sie einmal von den Steuerungsabsichten des Staats befreit werden, ›zu einem Superhirn‹, einer einzigen künstlichen Intelligenz heranwachsen, von der auch die in Vororte und Suburbs abgedrängten Geringverdiener etwas hätten, und wenn es ein Anreiz sei, sich ins Zentrum vorzuarbeiten.«

Denn wenn man nichts hat, hat man so immerhin noch den Spaß im Kampf um die Existenz und ein Dach über dem Kopf, nicht wahr? Keine weiteren Fragen mehr, Herr Architekt. Nur vielleicht noch diese: Wer hat Ihnen denn bitte in den Dachstuhl gekackt?

Vermessen: Ihre Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Leider

Als Engländerin in Berlin bemerke ich, daß deutsche Kinder andauernd falsche Wörter benutzen. Ein Beispiel: Viele deutsche Kinder sagen, daß Kaninchen Hasis sind. Die deutschen Kinder laufen über den Bauernhof mit ihren deutschen Eltern, schauen sich Kaninchen an und rufen: »Ei gucke, Mama, ein süßer Hasi!« Die Eltern sagen dann leider nie: »Nein, du Idiot, das ist kein Hase, das ist ein Kaninchen, das ist eigentlich eine total andere Spezies von Tier! Hasen haben viel längere Ohren und leben über der Erde! Mach nie wieder diesen Fehler! Du Idiot!« Statt dessen sagen sie: »Ja, mein Schneckerchen, so ein süßer Hasie, mit süßen Hasenohren! So süß! Laß uns mal die Schweine anschauen …«

Jacinta Nandi

 Portion Mut

Wenn ich schon frühmorgens, unmittelbar nach dem Aufstehen, am Aufreißen des Espresso-Portionstütchens scheitere, mich der für diesen Vorgang eigentlich gar nicht notwendigen Schere bedienen muß, dann fühle ich mich den Anforderungen des Lebens an sich nicht mehr gewachsen. Eine couragiertere Persönlichkeit hätte dieses Scheitern vielleicht in einen Triumph gewendet, wäre zum weltweiten Vorkämpfer gegen den Verpackungswahn und die Reinhaltung der Meere aufgestiegen. Aber wenn ich darüber nachdenke, fühle ich mich noch elender.

Burkhard Niehues

 Kochtip eines Studenten

Es schmeckt gleich doppelt so gut, wenn es von Pfand bezahlt ist.

Karl Franz

 Neulich in der U-Bahn

Einigermaßen verwundert ein paar Grundschüler das Wort »Paranoia« sagen hören. Dann panischer Gedanke: Sprechen die über mich?

Adrian Schulz

 Mantras und Mudras

Beim Yoga geht es nicht um Vergleiche oder Leistung, es fördert Achtsamkeit, Demut und Hingabe. Also gut, durch die geschlossenen Augenlider wird schon geprüft, wie weit die Nachbarin bei der Vorwärtsbeuge kommt, wie lange die Streberin ganz vorne den Pflug halten kann. Am Ende der Stunde kann ich dann endlich punkten, bei der Tiefenentspannung ziehe ich sie alle ab.

Miriam Wurster

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Katz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige  Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In  diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen  Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde.  Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle  Sterne.
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Kamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann       alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und       hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und       Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy       Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine       gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Hauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Dorthe Landschulz: "Problemzonen"
Sie können nicht tanken, besitzen im Durchschnitt bis zu vier Paar Schuhe, gehen immer zu zweit aufs Klo in der Führungsetage - und jetzt zeichnen sie auch noch: Weiber! Eine von ihnen ist die phantastische Dorthe Landschulz. Mit der ihr eigenen (weiblichen!) Art nimmt die TITANIC-Cartoonistin und Wahlbretonin ihre Geschlechtsgenossinnen unter den (prämierten!) Stift und spart dabei auch nicht an der Erfüllung von überwunden geglaubten Gender-Klischees. Typisch! Die besten Witze werden sogar von Männern begriffen.Hans Zippert: "Würden Sie an einer Tortengrafik teilnehmen?"
Würden Sie die Frage "Würden Sie gerne ein Buch mit dem Namen 'Würden Sie an einer Tortengrafik teilnehmen?' lesen?" mit "Ja" beantworten? Und würde der Fakt, daß dieses Buch von TITANIC-Alt-Urgestein Hans Zippert stammt und den Untertitel "199 Fragen und 197 Antworten zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen für das Leben in Deutschland" trägt, Ihre Leseentscheidung positiv oder negativ beeinflussen? Zu kompliziert für Sie? OK, dann also in Ausrufesätzen: Neues Buch! Von Zippert! Mit langem Titel! Lesi lesi machen! Damit Ihr träges Hirn mal was zu tun kriegt!!Leo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Katharina Greve: "Eigentlich ist Wurst umgestülptes Tier: Cartoons & Comicstrips"
Katharina Greve ist nicht nur Architektin, Situationsdesignerin und stolze Besitzerin einer Vakuumiermaschine, sondern auch Prophetin: Via Kalenderblatt sagte sie im Jahr 2013 auf den Tag genau den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. voraus. Wer wissen will, welche sonderbaren Ereignisse die Zukunft noch bereithält, braucht deshalb dieses Bilderbuch. Gegenstände mit Gefühl, Menschen ohne Gesicht, Tapetenmuster von göttlicher Anmut – all das findet sich in Greves fantastisch-wurstigem Cartoonband!Fischer/Wolff/Ziegelwagner (Hrsg.):  "Die TITANIC-Bibel: Segen, Sünden, Sauereien"Was sind schon Markus, Matthäus, Lukas, Johannes, Paulus, Gott gegen Knorr, Eilert, Bernstein, Pfarr, Schmitt, Zippert, Hurzlmeier, Raddatz usf.? Bestenfalls mittelmäßige Autoren und Zeichner. Deswegen greift der moderne Religionskenner zur TITANIC-Bibel. Das ideale Weihnachtsgeschenk für alle, die noch wissen, worum es bei Weihnachten wirklich geht (ideale Weihnachtsgeschenke).Zweijahres-Abo: 92,40 EUR (Ausland: 112,80 EUR)Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 21.06.:

    Das NDR-Medienmagazin "Zapp" hat die TITANIC-Redaktion für einen Beitrag über Twitterfakes besucht.

Titanic unterwegs
22.06.2018 Hamburg, Kampnagel Martin Sonneborn
24.06.2018 Berlin, Jägerklause Katharina Greve
28.06.2018 Stuttgart, Stadtbibliothek Katharina Greve
30.06.2018 Hamburg, Planten und Blomen Ella Carina Werner