Inhalt der Printausgabe

Die ARD und ihre Girls

 

Notate aus der Welt des Moderatorinnenjournalismus.

Von Leo Fischer

Anne Will - die Schöne

Anne Will: »Meine innere Lampe hat Wackelkontakt.«

Hört man das Wort »Moderatorin«, denken die meisten Menschen zuerst an gar nichts. Als zweites denken sie aber sofort an Anne Will. Sie ist der Shooting-Star im Moderier-Business, niemand kommt mehr an ihr vorbei, seitdem sich die Presse entschieden hat, lange Artikel über Nachrichtensprecherinnen abzudrucken. Denn Anne Will trägt eine der wichtigsten und seriösesten Frisuren der Welt auf dem Kopf herum; von allen Journalisten kann sie die Nachrichten am besten vorlesen. Sie setzt Maßstäbe.

 

Auch äußerliche. Denn Anne Will ist ohne jeden Zweifel schön. Sie hat seidiges Haar und strahlende Augen. In der Maske wird sie vor jeder Sendung geschminkt, dadurch wirkt sie nicht so leblos und innerlich tot, kleine Rötungen oder Rasierwunden verschwinden unter einer zentimeterdicken Patina. »Ich kann eine innere Lampe ein-schalten«, sagte sie dem Zeit-Magazin. Knipst Anne Will diese Lampe an, wirkt sie fröhlich, lustig, lebhaft; knipst sie sie aus, ist sie wieder die kalte und berechnende Anne Will, die ihre Kollegen so hassen.

 

Denn Anne Will ist nicht nur eine strahlende Gute-Laune-Fee, sie ist auch Geschäftsfrau. Mit einem befreundeten Anwalt hat sie das Unternehmen »Will Media« gegründet, wo man Anne Will-Ersatzteile ordern kann, wenn ein warmherziges Lächeln oder eine ironische Augenbraue mal den Geist aufgibt. Will ist Profi. Akribisch bereitet sie sich auf jede einzelne Sendung vor. Immer wieder liest sie die Texte, hockt dazu in einem sogenannten Büro – einem kleinen Zimmer mit Stuhl und Tisch drinnen. »Draußen wird es gerade dunkel, drinnen leuchtet nur noch ihr Computermonitor. Sie nimmt sich ihre Moderationstexte vor. Sie schreibt einen Satz, spricht ihn laut aus, irgend etwas stimmt nicht, klack-klack-klack machen die Tasten, löschen, umformulieren, wieder laut aussprechen, weitertippen. Es klingt jetzt, als rede sie im Schlaf. Ein Satz, klack-klack, der nächste Satz«, berichtet ein sichtlich konsternierter Christoph Amend im Zeit-Magazin von den verrückten Arbeitstechniken der Journalistin. In ihrem Büro arbeitet sie am liebsten, im Gegensatz zu ihrer Wohnung, die sie als Rückzugsort, auch als Wohnort betrachtet. Will lebt in Hamburg und Berlin, aber immer nur an einem Ort, nie an beiden gleichzeitig. Das gibt die Geometrie der Raum-Zeit einfach nicht her.

 

Im Büro schreibt sie Text um Text. Klackerklackerpeng. Wenn sich die Nachrichtenlage ändert, muß sie schauen, ob die Texte noch zur Welt passen. »In meinem Büro lasse ich vier Fernseher gleichzeitig laufen, gucke, was die anderen so machen« (Emma), jedes einzelne ihrer vier Augen richtet sie auf einen Konkurrenzsender. Ein Knochenjob. Fast zu viel Arbeit für eine einzelne Frau – da ist es gut, daß sie ganze Hundertschaften von Mitarbeitern hat, die dafür sorgen, daß sie praktisch überhaupt nichts tun muß. Dennoch:

 

Ihre Konzentration darf nie nachlassen. Ist die Kamera an, muß sie zu sprechen anfangen, steht hingegen ein Mensch oder ein Kollege vor ihr, darf sie nicht zu reden aufhören. Know-how heißt hier Gewußt-wie.

 

Ihre neue Sendung heißt »Anne Will«, obwohl auch andere Menschen darin auftreten. Aber der ursprünglich geplante Titel »Verschiedene Politiker, die mal wieder ins Fernsehen wollen« war sogar für die neuen Großbildfernseher zu lang. Ansonsten hat sich gegenüber der Vorgängersendung »Sabine Christiansen« praktisch nichts verändert. »Neu ist der Einspielfilm, und neu ist die Couch«, weiß zum Beispiel der Reporter der Welt. Den Einspielfilm mußten sie neu drehen, weil Christiansens Gesicht dort noch eingeblendet wurde, die Couch austauschen, weil Christiansens Gestank einfach nicht rauszukriegen war. Jetzt redet Will dort oder sitzt auf der Couch. Oder stößt, wie Amend weiß, »ein mädchenhaftes, beinahe naiv wirkendes Kichern« aus, »oft streicht sie gleichzeitig mit ihren Händen die Haare aus dem Nacken. Es ist eine ziemlich unschlagbare Mischung.« Anne Will, ein Profi mit vier Fäusten und Augen. Kichernd streicht sie sich die Haare von den Zähnen, wenn sie, klickerklackerklonk, auf die Tastatur einhämmert. Zwei Stunden braucht sie, bis der Begrüßungstext für die nächste Sendung steht: »Guten Abend, liebe Zuschauer«, wird er heißen. Sie lebt nach Spielregeln, die sie kennt.

 

»Es scheint«, meint zuletzt der nun schon vollends verliebte Christoph Amend, »als wünsche sich das Publikum in Zeiten einer ideologiefreien Großen Koalition, die perfektes Politik-Handwerk betreibt, eine ebenso ideologiefreie Moderatorin, die eben auch perfektes Handwerk betreibt.« Anne Will – eine perfekte Frau. »Fehler zu wiederholen finde ich doof«, sagt sie. Vielleicht ist dies das wichtigste Betriebsgeheimnis der Anne Will: Einfach keine Fehler machen, bewußt nur richtige Entscheidungen treffen – falsche Entscheidungen sind oft keine gute Wahl. Eine Spielregel, die Anne Will kann – wie so vieles. Was sie aber nicht mehr kann, ist, die Tagesthemen zu moderieren.

Caren Miosga - die Wuschlige

Caren Miosga: »Ich bin frisch geduscht.«

Denn Anne Will hat ihren Platz dort aufgegeben, sie wird abgelöst von Caren Miosga. Miosga statt Anne Will, Anne Will statt Christiansen – die Hickhackordnung im Krampfhennenstall ist eine extrem frigide oder rigide.

 

Zweifelsohne ist die »Neue« bei den Tagesthemen eine aparte Erscheinung. Caren Miosga ist schön, schön und entsetzlich wie der Morgen, tückisch wie die See, stärker als die Grundfesten der Erde. Sie hat sehniges Haar und kräftige Augen. »Die 38jährige sieht aus wie frisch geduscht«, glaubt die Berliner Zeitung, »die Haare leicht gewellt, die Wangen rosig.« Die FAZ sieht es anders: »Sie hatte sich nicht eigens eine Tagesthemen-Frisur zugelegt, keine kompliziert zerzauste Fönhaube wie etwa Sabine Christiansen, sie war weder onduliert noch gelockt, dafür, auch der Augenbraue sei Dank, auf eine sehr erwachsene Art mädchenhaft.« Das kleine erwachsene Mädchen, weder toupiert noch verschmiert, weder zerzaust noch verlaust, alle sind sie sich einig: da wurde nicht einfach irgendeine stinkende, vor sich hin lallende Pennerin vom Bahnhof vor die Kamera gezerrt. Die Pennerin ist erwachsen geworden, hat geduscht.

 

Wie Anne Will ist Miosga jung und hochqualifiziert. Miosga kann drei verschiedene Fremdsprachen benennen (»Französisch, Englisch und Belgisch, stimmt’s?«) und vom Blatt ablesen; Anne Will hingegen ist in der Lage, alle europäischen Hauptstädte nachzuschlagen und kurze Texte auf dem Teleprompter zu erkennen. »Aber«, hakt die Berliner Zeitung nach, »kann sie auch die Augenbraue so ironisch-kess lupfen wie ihre Vorgängerin Anne Will? Caren Miosga sagt, sie kann, aber nicht auf Kommando.« Absurde Muskelkrämpfe tanzen über ihr in Agonie verzerrtes Gesicht, wenn sie es trotzdem versucht. »Sie kann die Nase hin- und herziehen und sie dabei ein wenig kräuseln, so wie es Kaninchen manchmal tun« (Berliner Zeitung). Ein Talent, mit dem man nicht auf die Welt kommt: man muß damit geboren sein.

 

Andere Dinge muß Miosga erst noch lernen, muß sich bei den Tagesthemen erst behaupten. Zwei wichtige Grundsätze hat sie sich für die Moderierarbeit auferlegt: 1.) Wenn die Sendung beginnt, muß sie in die Kamera sehen. 2.) Ist die Sendung aus, muß sie nach Hause fahren. Ähnliche Prinzipien im Umgang mit ihren Kollegen: Hallo, Uli Wickert, sagt sie, wenn sie ihn auf der Straße trifft. Oder Tom Buhrow. Zwei verschiedene Männer mit zwei verschiedenen Namen, die sie beide kennen muß und nur verwechseln darf, wenn es dunkel ist. Der Wiedererkennungseffekt ist entscheidend: Die Zuschauer wollen dieselbe Frau sehen, wenn im Fernsehen der Schriftzug »Caren Miosga« eingeblendet wird. Wenn sie am Montag strahlend wie der Jüngste Tag und mit auf Hochglanz frisiertem Haar auftritt, kann sie am nächsten nicht mit eitrigem Aussatz und büschelweise Haarausfall kommen. Genauso wichtig ist es, bei Terminen zum richtigen Ort zu gehen, nicht einfach wie ein frisch geköpftes Huhn blindlings durch die Gegend zu rennen. Auch das hat sie lernen müssen. »Zu ihren eigenen Probe-Tagesthemen sei sie prompt zu spät gekommen. Sie hat sich zwischen Maske und Studio verlaufen. Es sei schon eine große Herausforderung« (Berliner Zeitung). Spielregeln, die einem keiner beibringt.

 

Miosga hat lange fürs Radio gearbeitet. Ein völlig anderes Medium. Ihr Aussehen konnte so nicht zur Geltung kommen, sie mußte es den Hörern erst vermitteln: »Liebe Hörerinnen und Hörer, ich habe seidiges Haar und bin schön geschminkt, ich bin gutaussehend, meine Stimme ist wohlklingelnd und subtil erotisch. Meine Kleidung hat mehr Geld gekostet als Ihre.« Bei den Tagesthemen sind solche Ankündigungen verzichtbar, ihr Aussehen kommt wieder zur Geltung, ebenso wie die Garderobe. Miosga weiß: Jeden Tag muß sie Kleidung anziehen, sonst wird sie auf der Straße komisch angesehen oder verhaftet. Spielregeln, die einem jeder beibringt. Spielregeln, die einzuhalten sich lohnt: Seit sie mit der Arbeit angefangen hat, landet jeden Monat ein Geldbetrag auf ihrem Konto. Sie nennt es Gehalt.

 

Millionen sehen sie jetzt an. Sie hingegen kann nur Tom Buhrow sehen. Sein lüsterner Blick; der Schweiß auf seiner Stirn; der Wahnsinn in seinen Augen. Die Tagesthemen sind sexy geworden, sinnlich, sündhaft, brünstig, bacchantisch; knapp unterdrückte Triebe züngeln und zappeln, nur unterbrochen durch gelegentliche Ausbrüche von topseriösem Spitzenjournalismus.

Katrin Bauernfeind - die Bauerschlaue

Katrin Bauerfeind: »Click here to win a free iPod.«

Eine ganz andere Kategorie der Moderatorin ist mit Katrin Bauer-feind auf den Markt getreten. Katrin Bauerfeind moderierte zunächst eine Sendung im WWW, die Ehrensenf genannt wurde und auch so hieß. Sie kommentierte Sachen, die sie im Internet gesehen hatte. Alles, was auffällig, seltsam oder kompliziert war, wurde gnadenlos komisch heruntergemacht. Ein herrlicher Spaß. Wenn etwas witzig war, machte sie einen witzigen Spruch dazu; wenn etwas traurig war, auch. So etwas kannte man bis dato im Fernsehen noch nicht oder hatte es schon wieder vergessen. Bauerfeind gewinnt den Grimme-Award, wird vom Fernsehen entdeckt. Jetzt moderiert sie die Sendung Polylux. Spielregeln, die sie liebt.

 

Bauerfeind hat eine solide Herkunft. Ihr Vater war Veteran im Bauerkrieg, ihre Mutter ißt gern Bauerjoghurt (den großen). Wenn sie sich verletzt, legt sie sofort einen hygienischen Bauerverband an. Bauerfeind ist bodenständig geblieben; sie ist nicht irgendein Medienflittchen, das gerade gehypt wird, wie die Süddeutsche weiß; vielmehr ist sie »das neue Ding, der letzte Schrei, ganz heißer Shit«. Mit ihren zarten 25 Jahren hat sie schon einiges von der Welt gesehen. Dem Tagesspiegel erzählte sie, was sie von Berlin alles kennt: »Den großen Turm, den Dom, die Spree, den Hauptbahnhof. Außerdem kenne ich die Stadtteile Mitte und Charlottenburg und Friedrichshain. Reicht doch fürs erste. Erst mal will ich pendeln, wenn das nicht klappt, wird umgezogen.« Hoffentlich weit weg.

 

Kein Zweifel: Katrin Bauerfeind ist stöhn. Ihr Haar ist weich wie Seidenraupen, mit ihren Augen kann sie aus dem Kopf rausschauen. Ob Bauerfeind die ironische Augenbraue von Caren Miosga geklaut oder aber von Anne Will stibitzt hat? Hat sie sie vielleicht gar von ihrer letztlich gleichgrindigen Vorgängerin Tita von Hardenberg? Eine Frage, der nachzuspüren sich wohl verlohnte, wenn es am Ende nicht so egal, auch so langweilig wäre und nicht zudem schon in Spiegel, Zeit oder eben in der Süddeutschen gestanden hätte, die es auch bemerkt hat, »das Augenbrauen-Spiel, das sie sich eindeutig von ihrer Vorgängerin abgeschaut hat. Ob das die Berliner Studioluft macht, die Produzenten es vorgeben oder Bauerfeind damit Tita von Hardenberg huldigen will: Sie sollte es lassen. Als eigenständige Bauerfeind ist sie besser.« Die eigenständige Bauerfeind ist, wenn sie mal die Berliner Luft aus ihrem Kopf abgelassen hat, eigentlich ganz normal: Sie mag (wahrscheinlich) Schokolade, Katze, Blume; sie hat eine Aversion gegen das Fugen-n und guckt aus dem Fernseh heraus statt nur hinein (wie alle anderen). »Mal schauen«, sagt sie heute ironisch, wenn man sie zu Themen befragt. Dabei wirkt sie schon jetzt so verbraucht und leer wie ihre zehn Jahre älteren Kolleginnen. Katrin Bauerfeind: neues Ding, letzter Schrei, arme Sau. Spielregeln, die keiner kennt.

Ausblick & Schluß

Wo stehen Miosga, Will, Bauerfeind in zehn Jahren? Werden sie noch so strahlende Haare und seidige Augen haben? Oder werden sie sich nicht doch ganz allmählich in Runzel-, Moppel-, Wabbel-Ichs verwandeln? Vor allem aber: Wird man noch immer in den Zeitungen lesen können, wie die drei gerade aussehen? Werden Hochzeiten zu feiern sein, will am End’ gar Amend Will, wird es also, klickerklacker, eine spannende Journalistenhochzeit zwischen dem Chefwahnsinnigen vom Zeitmagazin und der Starmoderatorin geben? Wird dann Anne Will-Amend in ihrer Sendung eine – inzwi-schen natürlich von vielenvielen Falten umkränzte – Augenbraue lupfen? Die Spielregeln sind bekannt. Oder, um es mit Dagmar Berghoff zu sagen: Gute Nacht, bis morgen. Die neue Zeit ist da.

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Ralph C. Freund!

Da massakriert ein weißer Nationalist in der texanischen Grenzstadt El Paso unter anderem sieben Mexikaner, woraufhin der US-Präsident seine gewohnte ausländerfeindliche Hetze betreibt. Und Sie, Chef der sog. »Republicans Overseas«, dürfen bei WDR 5 den in die Kritik Geratenen in fließendem Deutsch verteidigen: »Trump ist nun alles, aber kein Rassist.«

Na, klar Robert »C.« Freund, und das »C«, welches der damalige Immobilienspekulant und Vermieter Trump schon Anfang der Siebziger Jahre in die Bewerbungsunterlagen farbiger Wohnungsinteressenten stempeln ließ – ein Vorgehen, für das er schon damals von den US-Behörden verklagt worden ist –, stand auch nicht für »colored«, sondern für das auf die Weltläufigkeit seines Initiators verweisende Wort »Cosmopolitan«, nicht wahr?

Keine Grüße: Titanic

 Gloria von Thurn und Taxis,

neulich fanden wieder mal die Festspiele im Innenhof Ihres Regensburger Schlosses statt. Da jubeln immer alle und freuen sich, und die geladenen Künstler, beispielsweise Elton John und Sting und Tom Jones, bedanken sich artig für die Einladung.

Und jetzt das! Bevor die Band Revolverheld zur Zugabe ansetzte, sagte Sänger Johannes Strate: »Wir spielen hier auf dem Grund einer Frau, mit deren Werten wir überhaupt nicht übereinstimmen. Man darf Missbrauch in der katholischen Kirche nicht bagatellisieren und Flüchtlinge nicht elendig im Mittelmeer verrecken lassen.« Und alle klatschten und jubelten. Und Sie? Sie sagten: »Gott sei Dank darf man heute noch seine Meinung sagen.«

Das stimmt, Prinzessin, Sie tun das ja unentwegt, haben Abtreibung als »Massenmord«, Beten als Heilmittel gegen Homosexualität und Migration als »eine Art Krieg« bezeichnet. Über jahrzehntelange Misshandlungen bei den Regensburger Domspatzen vermeldeten Sie: »In meiner Jugend waren Schläge ein ganz normales pädagogisches Mittel, um mit frechen Kindern, wie ich eines war, fertig zu werden.« Vor einem halben Jahr klang Ihre Meinung zur Meinungsfreiheit übrigens noch so: »Natürlich gibt es die Meinungsfreiheit. Aber wir dürfen nicht sagen, was wir denken.«

Mit Blick auf das, was Sie ohne Beteiligung Ihrer grauen Zellen von sich stemmen, möchte tatsächlich keinesfalls auch noch wissen, was Sie denken: Titanic

 Privet, »Zeit Campus«!

In Deinem aktuellen Heft findet sich eine Reportage über Punkrockbands in Russland und darin wiederum der Satz: »Pornofilmy«, eine der Bands, »bezeichnet sich selbst als regierungskritisch. Ihre Lieder heißen Armes Land oder Traut der Regierung nicht

Wir halten journalistische Skepsis ja wirklich in allen Ehren, aber in manchen Situationen und bei gewissen Indizien darf man seinen Interviewpartnern auch einfach mal glauben.

Finden zumindest Deine Naivchen von der Titanic

 Glückwunsch, Simon Rolfes!

Sie sind Sportdirektor des Fußballvereins Bayer Leverkusen und äußerten jüngst den Satz: »Wir kommen vom Ansatz, mit dem Ball spielen zu wollen.«

Und wir kommen vom Ansatz, Ihnen zu gratulieren, dass das der genau richtige Ansatz ist, denn Fußball ist ja schließlich eine Ballsportart. Hätten Sie etwa behauptet, Sie kämen vom Ansatz, mit dem Puck spielen zu wollen, oder mit Doppelkopfkarten, oder gar mit dem Gedanken, künftig Eigenblutdoping zu betreiben, wären das total falsche Ansätze gewesen. So aber haben Sie eindrucksvoll bewiesen, dass Sie vom Ansatz her der absolut richtige Mann am richtigen Ort sind und nicht etwa ballaballa.

Verwandelt diesmal ansatzlos: Titanic

 Moinmoin, Nandus!

Moinmoin, Nandus!

Vor 18 Jahren seid Ihr aus einer Lübecker Straußenfarm ausgebüchst und habt Euch seither munter in Nordwestmecklenburg angesiedelt. Anfangs nur ein gutes Dutzend, ist Eure Population auf mittlerweile über 500 Laufvögel angewachsen. Wenn das so weitergeht, stellt Ihr demnächst in Eurem Landkreis die Bevölkerungsmehrheit.

Doch aufgepasst: Ihr habt zwar keine natürlichen Feinde, seit kurzem jedoch die Alphatierchen und Aasgeier von der FDP im Nacken, die Euch ins deutsche Jagdrecht aufnehmen wollen und als »große Gefahr« geißeln. Kleine Bitte: Könntet Ihr, statt konzeptlos alle Felder leerzufuttern, nicht zur Abwechslung mal was Sinnvolles tun, z.B. den Lebensraum des Nazidorfs Jamel verwüsten oder wenigstens das Kreisbüro der örtlichen FDP (Dorfstraße 27, 19417 Jesendorf)? Auf, auf!

Eure Fressfreunde von Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Fast schon Werbung

Beim Einkauf von Grillklimbim stieß mir Kohle mit Öko-Siegel ins Auge, die damit warb, dass sie »erstaunlich gut« brennbar sei. Ja, wagen denn nicht einmal Reklamefritzen in Zeiten der durch Streamingwerbung seelisch verhornten Kundschaft noch das ganz grelle Ranwanzen? Was kommt als nächstes? »Schokoriegel – schmeckt scheiße wäre leicht übertrieben«? »Mehl – dare to call it unschwarz«? »Dildo – nicht schlecht für einen Schwanz«?

Jasper Nicolaisen

 Unpolitische Tiere: der Adler

Adler, Adler schweb empor
Du hast heute Großes vor
Flieg hinauf auf deinen Schwingen
Schwebe über allen Dingen
Segle, kreise, räsoniere
Sinne nach und meditiere
Über diese Frage nur:
War heute nicht die Müllabfuhr?

Gunnar Homann

 Add Blue

Die Zeit, in der mit Ersatzflüssigkeit Bindenwerbung gemacht wurde, wird auch als die Blaue Periode der Werbeindustrie bezeichnet.

Tobias Speckin

 Habenwollen

Wenn ich Erich Fromms Buch »Haben oder Sein« verliehen habe, darf ich dann nach einiger Zeit sagen, dass ich es gerne zurückhaben würde, oder habe ich dann mal wieder gar nichts verstanden?

Ludger Fischer

 Zu ihrem Uniabschluss

wollte sich meine Freundin ein Cutting, ein Narbentattoo, zulegen. Ihr Freund hegte allerdings ästhetische Bedenken, sodass sie ihr Vorhaben verschob. Seit einiger Zeit sind die beiden allerdings getrennt, und die Sache ist damit geritzt.

Laura Brinkmann

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
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Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 17.09.:

    In der FAZ berichtet Oliver Maria Schmitt von Klumpenmenschen und Dark Tourism im Weserbergland.

Titanic unterwegs
19.09.2019 Berlin, Hausbrauerei Eschenbräu Katharina Greve
19.09.2019 Frankfurt, Museum für Komische Kunst Hans Traxler
20.09.2019 Stuttgart, Superjuju Katharina Greve
20.09.2019 Nartum, Haus Kreienhoop Gerhard Henschel