Inhalt der Printausgabe

Oliver Maria Schmitt

Die weichen Wände des Möglichkeitsraums

Kassel ruft die Kunst der Welt zur documenta XII

Die Warterei ist endlich vorbei: Nur noch ganz wenige Male aufwachen, dann dreht sich die Kunstwelt nicht mehr um Basel, ­Venedig oder New York, denn dann öffnet die weltweit bedeutendste Ausstellung gutaussehender, moderner und leider auch teurer Kunst ihre Pforten: Vom 13. bis 23. ­September ist in Frankfurt am Main die IAA, die Internationale Automobil-Ausstellung zu sehen. Bis dahin kann man sich die Wartezeit mit einem Ausflug nach Kassel ­verkürzen, denn da ist in diesem Sommer wieder ­documenta, die zwölfte von zwölf.

 

Die weltberühmte documenta ist eine Art mit Kunst aufgepimpte Bundesgartenschau von einzigartigem Rang. Für den Zeitraum von hundert Tagen wird sich die stolze Pökelfleischstadt Kassel in das »Museum der 100 Tage« verwandeln, die Tageskarte kostet nur 18 Euro. Und dafür gibt es eine riesige Auswahl phantastischer Kunstwerke zu sehen, von denen man einige ausdrücklich berühren darf, andere hingegen nicht. Viele Künstlernamen wird man noch nie gehört haben, aber das macht nichts, denn das Zeug wird hinterher sowieso weggeschmissen.

 

Einer alten, narrischen Tradition folgend, wird für jede Kasselaner documenta eine Leiter bestimmt, eine sog. »künstlerische Leiter«, denn ohne die geht es nicht. In den letzten Quinquennien wurde als künstlerische Leiter stets ein Vertreter einer unbeliebten Minderheit hergenommen: 1992 war es ein Holländer, 1997 eine Frau, danach ein schwarzer Afrikaner, und diesmal ist es ­sogar ein Ehepaar, es heißt: Herr Roger Martin Buergel mit Frau.

 

Roger »M.« Buergel, der nicht mit der gleichnamigen Hochzeitsnudel zu verwechseln ist, ist … ist – oje, jetzt hab ich die Schnur, das Seil, den Faden verloren…

In jedem Falle ist Buergel ein geeigneter Bewerber um den Posten der künstlerischen Leiter gewesen, denn er hat ihn ja sogar ­gekriegt, und das auch nur, weil er »als einziger Kandidat in den Bewerbungs­gesprächen ­keine Künstlernamen genannt« hat (Buergel in der Zeit vom 12. 4.). Das muß er von ­Helmut Kohl gelernt haben, der hat die Künstler­namen der beiden Spender auch nie genannt.

Aber gute Namen sind nicht alles, teuer ist auch guter Rat. Als künstlerische ­Berater im Hintergrund agieren hoffentlich wohl ­mindestens André Heller, Reinhold Messner, Hans Küng und Elke Heidenreich, andernfalls wird die Sache in Kassel schrecklich schiefgehen.

 

Einen Namen muß man allerdings ­nennen, wenn man von Roger M. Buergel spricht, nämlich den von seiner Frau. Frau Buergel (die jedoch anders heißt) wird gemeinsam mit ihrem Mann die Mega-Ausstellung kuratieren, so bleibt das Geld in der Familie. Außerdem sind Ehepaare in der Kunst nichts Ungewöhnliches, wenn wir z. B. an das Ehepaar Christo denken, an Gilbert & George, an Sonia und Robert Delaunay, an Alice und Ellen Kessler.

 

In seiner Jugend arbeitete Buergel mit ­Eimer und Feudel als »Privatsekretär« des orgiastisch-mysterischen Blutsudlers ­Hermann Nitsch, dann begann er sich für richtige Kunst zu interessieren. Seit 2001 ist der Mann mit dem leicht schwulen Menjou­bärtchen ­Dozent für Visuelle Theorie an der Universität Lüne­burg, und nach all den Jahren ist er nun selbst gespannt wie ein Flitzebogen, wie das ist, wenn man mal nicht theoretisch, sondern ganz in echt was zu sehen kriegt, was man sich in Lüneburg bislang nicht mal ­vorstellen mochte.

 

Ob sich Buergel wenigstens für die ­Dauer der documenta in Breughel ­umbenennen wird, ist noch unklar, aber das wäre als Konzept ja auch ’n bißchen dünne. Jede ­documenta braucht nämlich ein ­nachhaltiges kuratorisches Konzept, und da haben die Buergels ­einen voll fetten Hammer auf ­Lager: »Die documenta 12 hat einen Vorschlag zu machen: die Migration der Form.«

 

Bei seinen zahllosen vorbereitenden Dienstreisen um die ganze Welt ist dem Ehepaar Buergel nämlich aufgefallen, daß ­bestimmte Motive, Themen und Ideen überall grenz- und kulturüberschreitend immer wieder vorkommen. Beispiel: Hund, Katze, Maus; ­Liebe und Tod; Äpfel und Birnen. Ein ­anderes Beispiel wäre die Schnur, das Seil, der Faden, Strick, Schnur oder Kordel. Mit dieser neuartigen Reflexionstechnik wollen die ­beiden sympathischen Kunstfreaks »historisch-­politische Kontexte« öffnen, und wem das zu schwammig ist, für den kann Buergel auch genauer sprechen: »Genauer gesprochen entsteht ein Möglichkeitsraum, der nach Akteuren sucht.«

 

Sehr gut gefallen haben Buergel z.B. raum­greifende Installationen, in denen ­mehrere hundert Meter Schnur zur Geltung kommen. Wenn Buergel Schnüre aus Indien sieht, wie sie etwa die indische Künstlerin Sheela ­Gowda strickt (»zeichnerisch wie skulptural erschließt die Kordel Raum«), dann denkt er automatisch und nacheinander – wie am ­23. 4. auf einer ganzen FAZ-Seite ­nachzulesen war – an den »rituellen Gebrauch von ­Kurkuma«, an »traditionelles Frauenhandwerk, aber auch die typische Linearität indischer Malerei. Und eine Geburtserfahrung.«

 

Ferner auch mindestens an die »Formensprache der Moderne«, logisch, an »anthropo­morphes Gemenge von Schnüren« und ­damit zwangsläufig an die »Kolonialisierung des indischen Subkontinents durch die ­Briten«, vulgo die »East India Company«, die ­damit verbundene, ja verschnürte »Erfindung der ­Spinning Jenny im Jahr 1764«, an »Zeit­achsen« und das darin verstrickte (sic!) »Flechtwerk politischer Formbeziehungen«, an Lorenzettis Fresken über die »Gute und schlechte Regierung« im Palazzo ­Pubblico zu Siena, wo, man glaubt es nicht, ebenfalls ein Seil eine Rolle spielt (Buergel: ­»Dieser Strang ist ­eine Kordel«), jedoch ist bei ­Lorenzetti »der Nadel­kopf im Sinne einer modernen Demokratie entschärft«, wodurch auf der »Grundlage formaler ­Korrespondenzen« die so verzweifelt gesuchte »neue Bedeutungsebene« entsteht, m. a. W.: »Genauer gesprochen entsteht ein Möglichkeitsraum, der nach Akteuren sucht.« Genau.

 

Nicht jedoch denkt Buergel dabei an ­einen gerissenen Geduldsfaden, an die brennende Lunte, das grüne Band der Sympathie, den dicken Strick, der Saddam vorm völligen Absturz rettete, an Auktionsseilschaften im internationalen Investmentkunstbereich oder an Makramee. Macht aber nix, die Kunst ist frei.

 

Und wer Muße hat, in Buergels Sinne weiter­zusuchen und zu denken, der kommt aus dem Finden gar nicht mehr heraus. So ­sehen wir zum Beispiel auf einem neuer­lichen Bild des Modekünstlers Jonathan Meese viele lange Haare, aber auch Meese selbst hat lange Haare, und Haare spielen auch beim Fetischschmuck südamerikanischer Ozelotl-­Indianer eine Rolle, außerdem braucht man sie zur Produktion von Filz (Beuys!) und schnitt sie den Juden gleich säcke­weise ab. Da kann man hübsch drüber nachdenken, wenn man’s bezahlt kriegt, kann verpanzerte Denkstrukturen aufkrusten und eingefahrene Sehrezeptionen verfragen und hinterstören.

 

Schon jetzt, im Vorfeld, schlägt die kasselische Kunstmesse hohe Wellen, sogar im Ausland! Aus New York, Nizza, Riad, Marbella und dem Grunewald werden Kunstfreunde aus aller Welt erwartet, die alles kaufen wollen, was farbig und teuer ist. Es liegen bereits Anfragen aus Moskau vor, das Fridericianum samt Gartengrundstück zu erwerben, Abu Dhabi möchte für dreißig Jahre das Nutzungs­recht an den Markennamen »documenta«, »Kaßler« und »Hessisch Sibirien« leasen, und japanische Kunstfreunde wollen das ­gesamte Ausstellungsareal fotografieren und zuhause als Billigkopie nachbauen und mit neuartigen Schamhaarautomaten ausstatten.

 

Es gibt Kaufanfragen aus aller Welt für Werke von Daniel Richter, Gerhard Richter, Ilja Richter und dem neuerdings vor allem im deutschen Süden wieder hochgehandelten Marinerichter Filbinger, dessen graphisches Werk sich aber nur bei einigen Unterschriften nachweisen läßt. Die nicht mehr ganz so hochgehandelten Künstler Kiefer, Polke, Base­litz und Dürer sollen evtl. auf Wühl­tischen verkloppt werden, aber das ist reine Spekulation, denn was in Kassel wirklich zu sehen sein wird, daraus macht Ausstellungschef ­Roger Martin Buergel ein süßes Geheimnis.

 

Insgesamt, so schätzen Experten, wird im Kasselanischen »Museum der 100 Tage« Kunst im Wert von mindestens 228 Millionen Euro zu sehen sein.

 

Voraussichtlich werden groß- und mittelformatige Bilder, unförmige, längliche Plastiken aus Verbundwerkstoffen, Flachbildschirme mit verwackelten Videos, wo einer schreit oder zittert, zu sehen sein, auch Klangskulpturen sind denkbar, ferner von globalisierungs­gebeutelten Negern zusammengeleimte Mobiles mit rätselhaften Motiven, ­zentnerschwere Raumverbraucher aus nordamerikanischer Fertigung, eine begehbare Schrott­skulptur, eine barrierefreie Behindertentoilette, die aber gar keine ist, sondern eine ­täuschend echte Replik, wo man dann seinen eigenen Standort hinterfragen muß, außerdem sehen wir verstörende Assemblagen, Collagen und Potpourris von ihrer ursprünglichen Funktion beraubten Gebrauchsgegenständen, einen schlafenden ­Museums­wärter aus glasfaserverstärktem Kunststoff, ein Tryptichon mit zwei fehlenden Bildern zum Preis von einem, ein herausgemeißeltes Graffito, das von einem sozialen Brennpunkt dieser Erde stammt, einen Farbfernseher, eine Trockenhaube und ein Fragezeichen, und dann noch ein Fabergé-Ei von Franklin Mint mit einer süßen Katze drauf, es ist hochwertig verarbeitet, ein bleibender Wert, man kann jederzeit Verwandte und Freunde damit beeindrucken.

 

Das Zauberwort der diesjährigen Saison lautet jedenfalls: Skulptur. Die Skulptur ist nämlich absolut im Kommen, diese ganzen konkret gemalten Bilder von isolierten Menschen sind ja mittlerweile viel zu teuer. Und längst ist die Skulptur nicht mehr »das, wo­r­über man stolpert, wenn man von einem Gemälde zurücktritt«, wie es der amerikanische Maler Ad Reinhardt einmal formulierte, sondern das, was man kauft, wenn alle anderen es auch halbwegs preiswert kaufen, bevor es dann zu teuer wird.

 

Weil die Stadt Kassel mit all ihren Schlössern, Museen und Hallen zuwenig Ausstellungs­fläche bietet, hat Buergel im Garten des ­Fridericianums ein gigantisches Gewächshaus errichten lassen, den sog. »Aue-Pavillon«, in dem es nach Auskunft der Zeit auch »Palmeninseln« geben wird, denn dort drinnen gehe es um nichts weniger als eine neue »Ethik des Miteinanders«.

 

Das wird uns bevorstehen, denn obwohl die Architekten die Wände gerne aus einer »leichten, gazehaften Membran« gefertigt hätten, um herauszufinden, ob es neben dem ohnehin ­virulenten weichen Keks auch einen »weichen Raum« geben könne, einen »offenen, sozialen Raum« freilich, in den jeder nachts reinspazieren und gegen die Kunst schiffen kann, hat die künstlerische Leitung dies aus Sicherheitsgründen untersagt. Nun sagen die Architekten, wie die FAZ sich schon freut, ein »Desaster durch die Massen an schwitzenden Leuten«, eine »Gefängnisatmosphäre« voraus und beklagen, daß man mit diesen festen Wänden ja schon »wieder im System der Galerien und Banken« gelandet sei.

 

Da jedoch traditionell pro documenta mindestens ein Großkunstwerk im Kataster Kassels verbleibt, befürchtet man schon jetzt die anschließende baurechtliche Umwidmung der Gewächshäuser zu einem überdachten Parkplatz. Wenn man sich aber doch noch zu ­»weichen Wänden« entschlösse, könnte Kassel schon im Herbst mit dem größten barierre­freien Behindertenpissoir nördlich der Alpen auf­warten, was dem darniederliegenden Kasse­l­aner Städtetourismus interessante neue ­Attraktivitätsmodule verschaffen könnte.

 

Ob die zwölfte Kasselinische documenta ein voller Erfolg wird, ein Debakel oder nur ein Etappensieg auf dem Weg vom Faden zum Strick – das ist so unsicher wie das Amen in der Moschee. Sicher ist nur: Am Sonntag, dem 23. September, ist Schluß. Und am Montag, dem 24. September, – auch das eine Neuerung – werden sämtliche Werke, die keinen Abnehmer gefunden haben, zum halben Preis verramscht. Schnäppchenjäger aufgepaßt!

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Originell, Dieter Janecek (Grüne),

war Ihre Anfrage an die Bundesregierung, wie diese auf einen Erstkontakt mit Außerirdischen vorbereitet sei, natürlich nicht. Wie jeder Mensch weiß, landen Aliens bevorzugt in den USA, weil sie dort fetziger in den Medien abgefeiert werden. Für Deutschland bleiben dann nur die Extraterrestrischen übrig, die problemlos eine Partei wie die Grünen bevölkern können.

Den Erstkontakt gab es also längst, und sich auf grüne Männchen wie Sie, Janecek, vorzubereiten, ist so öde, dass man es nicht mal der Bundesregierung wünscht. Titanic

 Wunderbar hingegen, Universität Innsbruck,

ist, dass an Deinem Institut für Systematische Theologie ein Professor Palaver lehrt.

Lol in Tirol: Titanic

 Respekt, Julia Klöckner (CDU),

Respekt, Julia Klöckner (CDU),

wie Ihnen der Job als Landwirtschaftsministerin bereits nach wenigen Monaten in Mark und Bein übergegangen ist! Ja, man kann sagen, Sie haben schon ordentlich Stallgeruch. Der »Stern« konfrontierte Sie mit der rustikal formulierten Frage, »was Sie fühlen, wenn Sie in einen Schweinestall kommen, in dem die Tiere auf 0,75 Quadratmeter stehen und in der eigenen Scheiße liegen«. Bauernschlau konterten Sie: »Es gibt sehr unterschiedliche Ställe. Ich betrachte die Landwirtschaft differenziert ... Groß ist nicht gleich böse. Es gibt ganz kleine Betriebe, die ihre Tiere nicht artgerecht halten. Oder große, die sehr viel fürs Tierwohl tun ... Dort laufen Kühe frei herum, gehen selbstständig zum Melkroboter, ihr Gesundheitszustand wird ständig durch digitale Halsbänder überwacht.«

Und ist das nicht das perfekte Sinnbild für den Zustand aller Regierungsparteien? Die großen sind nicht zwangsläufig böse, stinken kann es überall, ehemalige Volksparteien dümpeln im Kot, Wähler werden nicht artgerecht zur Schlachtbank geführt – ach, sagen Sie: Was vermeldet Annegret Kramp-Karrenbauers Digitalhalsband gerade? Und schafft es Jens Spahn schon ganz allein zur Melkmaschine?

Muh! Titanic

 Isabel Vollmer (Schauspiel)!

Im neuen Til-Schweiger-Film »Klassentreffen 1.0« lutschen Sie drehbuchbedingt an des Meisters Fingern und berichteten hinterher über den Dreh: »Es war lustig, denn später steckte ich auch meinen Finger in Til Schweigers Mund. Er konnte seine Regieanweisungen dann nur nuschelnd geben.«

Ach, interessant, das erklärt einiges. Nur nicht: Steckt Ihr Finger wirklich erst seit diesem Dreh da drin? Und wann nehmen Sie ihn endlich mal heraus?

Würdeingserträglchrmachnfür: Titanic

 Noch was, Kretschmer!

»Es ist widerlich, wie Rechtsextreme im Netz Stimmung machen und zur Gewalt aufrufen. Wir lassen nicht zu, dass das Bild unseres Landes durch Chaoten beschädigt wird«, twitterten Sie, nachdem der Nazimob durch Chemnitz gefegt war. Machen Sie sich da mal keine Sorgen: Das Bild, das wir von dem Land haben, für das Chaoten wie Sie verantwortlich zeichnen, kann gar nicht mehr beschädigt werden.

Ihre Sachsen-Basher von der Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Tragik

Seit ich meine Therapeutin geghostet habe, fürchte ich, ihr irgendwann einmal über den Weg zu laufen und mich dann erklären zu müssen. Diese Angst ist inzwischen so groß, dass ich mich kaum mehr auf die Straße traue, Menschen meide, eine regelrechte Sozialphobie entwickelt habe. Nun bräuchte ich eine neue Therapie – aber woher weiß ich, dass ein anderer Psychologe mich nicht verpetzen würde? Die stecken doch alle unter einer Decke!

Valentin Witt

 Comicidee

Das Ermittlerduo »Die Algorith-Men« ist immer da, wo am wahrscheinlichsten was passiert.

Johannes Floehr

 Perspektivwechsel

»Du machst ’ne Kur«, ruft mir mein Nachbar zu, als er mich, gerade vom Einkaufen zurückkommend, vor meiner Wohnung antrifft. »Nein«, sage ich, »ich schließe die Tür auf.« »Also gut«, korrigiert er sich: »Du gehst in Kur.« Woraufhin ich – wahrheitsgemäß – antworte: »Nein, ich fahre mit dem Zug.« Daraufhin er: »Du bist echt anstrengend.« Aus dieser Perspektive hatte ich das noch gar nicht betrachtet: dass man Leute zur Kur schickt, damit sie ihren Mitmenschen mal eine Zeitlang nicht auf den Keks gehen.

Burkhard Niehues

 Verlorene Generation

Kürzlich habe ich mit unserer neunzehnjährigen Praktikantin über Musik diskutiert. Als alter Grunge-Liebhaber fragte ich natürlich, ob sie Soundgarden kenne. Sie meinte nur, sie sei mit Spotify total zufrieden.

Ringo Trutschke

 Ein Gutes

hat die Zerstörung der Umwelt ja auch: Sie beschenkt die Poesie mit neuen Bildern. Zum Beispiel: »Die Latte Macchiato hatte den zarten Braunton eines komplett verbrannten Rasens.« Oder: »Der Boden vibrierte wie hundert SUVs morgens um halb acht vor der Grundschule.« Oder auch: »Der Ozean strich sanft über den Sandstrand wie mit Plastikhandschuhen.«

Theobald Fuchs

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Heiko Werning: "Vom Wedding verweht – Menschliches, Allzumenschliches"
Es ist dies Buch etwas ganz besonderes: Heiko Werning, renommierter  Forscher aus Berlin, lag jahrelang in seinem Kiez, dem Wedding, auf der  Lauer. Kein Ereignis entging ihm, der Wedding konnte ihm nichts,  aber auch gar nichts verheimlichen. Abgründe, tiefe Täler und  menschliche Katastrophen – erfreuen Sie sich an heiteren G’schichterl,  die Werning noch so einen Urenkeln erzählen wird.Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
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Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
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Sie können nicht tanken, besitzen im Durchschnitt bis zu vier Paar Schuhe, gehen immer zu zweit aufs Klo in der Führungsetage - und jetzt zeichnen sie auch noch: Weiber! Eine von ihnen ist die phantastische Dorthe Landschulz. Mit der ihr eigenen (weiblichen!) Art nimmt die TITANIC-Cartoonistin und Wahlbretonin ihre Geschlechtsgenossinnen unter den (prämierten!) Stift und spart dabei auch nicht an der Erfüllung von überwunden geglaubten Gender-Klischees. Typisch! Die besten Witze werden sogar von Männern begriffen.Hans Zippert: "Würden Sie an einer Tortengrafik teilnehmen?"
Würden Sie die Frage "Würden Sie gerne ein Buch mit dem Namen 'Würden Sie an einer Tortengrafik teilnehmen?' lesen?" mit "Ja" beantworten? Und würde der Fakt, daß dieses Buch von TITANIC-Alt-Urgestein Hans Zippert stammt und den Untertitel "199 Fragen und 197 Antworten zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen für das Leben in Deutschland" trägt, Ihre Leseentscheidung positiv oder negativ beeinflussen? Zu kompliziert für Sie? OK, dann also in Ausrufesätzen: Neues Buch! Von Zippert! Mit langem Titel! Lesi lesi machen! Damit Ihr träges Hirn mal was zu tun kriegt!!Leo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKatharina Greve: "Eigentlich ist Wurst umgestülptes Tier: Cartoons & Comicstrips"
Katharina Greve ist nicht nur Architektin, Situationsdesignerin und stolze Besitzerin einer Vakuumiermaschine, sondern auch Prophetin: Via Kalenderblatt sagte sie im Jahr 2013 auf den Tag genau den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. voraus. Wer wissen will, welche sonderbaren Ereignisse die Zukunft noch bereithält, braucht deshalb dieses Bilderbuch. Gegenstände mit Gefühl, Menschen ohne Gesicht, Tapetenmuster von göttlicher Anmut – all das findet sich in Greves fantastisch-wurstigem Cartoonband!Fischer/Wolff/Ziegelwagner (Hrsg.):  "Die TITANIC-Bibel: Segen, Sünden, Sauereien"Was sind schon Markus, Matthäus, Lukas, Johannes, Paulus, Gott gegen Knorr, Eilert, Bernstein, Pfarr, Schmitt, Zippert, Hurzlmeier, Raddatz usf.? Bestenfalls mittelmäßige Autoren und Zeichner. Deswegen greift der moderne Religionskenner zur TITANIC-Bibel. Das ideale Weihnachtsgeschenk für alle, die noch wissen, worum es bei Weihnachten wirklich geht (ideale Weihnachtsgeschenke).Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 20.10.:

    Die "Morgenpost" rezensiert Christian Y. Schmidts Erinnerungsroman "Der letzte Huelsenbeck".

Titanic unterwegs
22.10.2018 Karlsruhe, Hochschule für Gestaltung Christian Y. Schmidt
23.10.2018 Suhl, CCS Kulturkeller Vampir Max Goldt
24.10.2018 Jena, Volksbad Max Goldt
25.10.2018 Berlin, Raumerweiterungshalle Christian Y. Schmidt