Inhalt der Printausgabe

Die Munterschicht macht mobil

DEUTSCHLANDS MITTE

UND DIE DÄMONEN AUS DER UNTERSCHICHTSHÖLLE

 

Von Mark-Stefan Tietze


Natürlich wurde die Unterschichtsdebatte von den deutschen Mittelschichten geführt; weder Fabrikbesitzer noch Erntehelfer verdingen sich ja in Journalismus und Sozialtechnologie. Sie war ein Selbstgespräch der Mittelschicht und hatte deshalb neben allerhand terminologischem Gequassel zunächst den altbekannten wohligen Grusel jener Schicht zum Inhalt, die sich beim unschönen Anblick des gesellschaftlichen Bodensatzes darüber verständigte, daß sie gottlob so nicht ist, und sich also wie üblich über diese Abgrenzung definierte und in ihrem Selbstverständnis bestätigte; oder dies jedenfalls wollte.

Daß es nämlich am unteren Ende der Gesellschaft ein wachsendes Milieu der Darbenden, Hoffnungslosen und Verwahrlosten gebe, um das man sich zur Abwechslung einmal kümmern müsse, hatten im Oktober nacheinander der SPD-Vorsitzende Beck und seine Friedrich-Ebert-Stiftung entdeckt und die Publizistik mit dieser Entdeckung in jähe Erregung versetzt, z.B. die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die sich in ihrem Leitartikel am 17.10. die fremdartigen Lebensumstände innerhalb des Milieus vorzustellen versuchte: »Welche Dramen sich dort abspielen, hat zugleich auf besonders drastische Weise die Entdeckung eines toten Kindes im Kühlschrank seines rauschgiftsüchtigen Vaters vor Augen geführt.« So daß mit Kindstötung, Drogenwahn und kühlschranktypischer sozialer Kälte bereits wichtige Unterscheidungsmerkmale zum Alltag der FAZ-Leserschaft vorlagen.

Daß es in der beschriebenen Unterschicht allerdings auch unter weniger dramatischen Umständen immer noch schlimm genug zugehe, berichtete am selben Tag Brigitte Fehrle im Leitartikel der Frankfurter Rundschau: »Wenn eine junge Frau – wie jüngst in Berlin – eine Lehrstelle als Friseurin abbricht mit der Begründung, sie bekomme mehr Geld, wenn sie Hartz IV beantrage und schwarz putzen gehe, dann hat die Politik vieles falsch gemacht.« Beispielsweise zugelassen, daß Friseurinnen im ersten Lehrjahr 256 Euro monatlich erhalten? Also etwa soviel, wie Frau Fehrle im selben Monat evtl. beim Coiffeur läßt? Nein, sondern: »Unter anderem zugelassen, daß staatliche Alimentation zu einer gesellschaftlich anerkannten Lebensform wird, die jeglichen individuellen Aufstiegswillen verschüttet.« So daß mit mangelndem Ehrgeiz, Schicksals- und Staatsergebenheit weitere, dem FR-Leser von vornherein wesensfremde Unterschichtsmerkmale sichtbar wurden.

Just diesem Bild des Elends hatte Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zwar tags zuvor entgegenwirken wollen, indem er laut Netzeitung klarstellte: »Das sind wahrhaft nicht alles Menschen, die den ganzen Tag in Trainingsanzügen in irgendwelchen Pommesbuden rumsitzen und Gameboy spielen«; doch hatte sein trotziger Einwurf die Verbreitung dieses Schreckensgemäldes nicht verhindern können, wie sie am 19.10. Walter Wüllenweber im Stern vornahm: »In den vergangenen Jahren hat die Unterschicht eigene Lebensformen entwickelt, mit eigenen Verhaltensweisen, eigenen Vorbildern und eigenen Werten« – welche sich wiederum, Studien zufolge, vor allem dadurch auszeichneten: »Arbeit, Leistung, sich für eine Sache anzustrengen, das rangiert im Wertesystem dieser neuen Unterschicht ganz hinten. Ganz vorn steht der Konsum.«

Der ja von der Mittelschicht zutiefst abgelehnt wird. Dort kauft man seine Audis und Volvos nur höchst widerwillig und lediglich, um sicherer zur Arbeit zu kommen und den neuen Stern vom Kiosk zu holen – oder, um es mit ganz anderen Worten zu sagen: An dieser grellen Projektion konnte man sehen, was die Unterschichtsdebatte eigentlich verhandelte, nämlich die neuen Probleme dieser Mittelschicht, die Erosion ihrer blendenden Laune und ihre wachsenden Abgrenzungsschwierigkeiten. Recht klar trat damit zutage, daß sich die eifrig diskutierten Unterschichtsprobleme lediglich als Projektion der Mittelschichtsprobleme darstellten: der Probleme überwiegend satter, aber durchaus verunsicherter Eierköpfe.

Ökonomisch hat diese Schicht, sofern abhängig beschäftigt, damit zu kämpfen, daß im günstigen Fall der Aufstieg schwerer fällt – Kosten steigen, Einkommenszuwächse und Beförderungen bleiben aus – und im ungünstigen Fall der Abstieg droht. Man wird ja immer leichter seinen Arbeitsplatz los, und dank der rot-grünen Arbeitsmarktreformen fällt man nach nur zwölf Monaten Arbeitslosigkeit auf den Lebensstandard eines verlausten Unterschichtlers. Schlimmer sind jedoch die psychischen Folgen dieser Drohung: »Es gibt eine Rutsche in die Armut, genannt Hartz IV, und es gibt eine gewaltige Angst davor, daß man sich auf einmal selbst darauf befinden könnte«, erkannte Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung am 16.10. blitzgescheit. »Es gibt, auch in der Mittelschicht, eine Anhäufung von Unzufriedenheit, durchwirkt von Existenzangst.« Und was damit gemeint ist, verriet Heiner Geißler am 17.10. im Interview mit derselben SZ: »Nach einem Jahr Arbeitslosengeld landen heute auch Leute, die 20, 30 Jahre gearbeitet haben, bei Hartz IV und werden damit behandelt wie 30jährige Alkoholiker.« Da kennen die Arbeitsagentur und ihre Verdächtigungsinstanzen nämlich nichts; und plötzlich auch keine Statusunterschiede mehr.

Genau dieser skandalöse Zustand ist es aber auch, der die deutsche Mittelschicht bis ins Mark hinein erschüttert, unabhängig davon, wie betroffen man tatsächlich ist. Denn in Wahrheit ist doch die Mittelschicht eine stets und seit jeher von der Politik umworbene und begünstigte Großgruppe gewesen. Sie stellte schließlich jene aktive, organisierte und jederzeit artikulationsbereite Mehrheit dar, mit der Wahlen gewonnen wurden und die daher gepäppelt werden mußte. Aus diesem Grund wurde z.B. das gesamte Bildungssystem auf die Bedürfnisse der Mittelschicht zugeschnitten: Gymnasien sind finanziell besser ausgestattet als Grund- und Hauptschulen; Kleinkindbetreuung und Kindergärten kosten Geld, das Studium bis vor kurzem nicht. Doch auch wenn es mit Riesterrente und Elterngeld Trostpflaster gab – insgesamt wurde die Mittelschichtsförderung in den vergangenen Jahren zurückgefahren. Die rot-grünen Steuergeschenke gingen ja eher an Spitzenverdiener, überdies wurde die Eigenheimzulage abgeschafft wie das Ehegattensplitting demnächst wahrscheinlich auch. Hinzu kamen die von Politik und Finanzdienstleistern genährten Sorgen um die Alters- und Gesundheitsversorgung, die auch dem Dümmsten klarmachen, daß der Sozialstaat in Abwicklung begriffen ist; und die das Angstsparen der Mittelschicht einerseits erklären wie andererseits so aussichtslos erscheinen lassen: Es muß ja im Falle von Arbeitslosigkeit und Pflegebedürftigkeit ohnehin alles weggefrühstückt werden.

So hat der fortwährende Verlust von Privilegien dem Bewußtsein der Mittelschicht einen gewaltigen Schaden zugefügt und ihr das Gefühl vermittelt, kurz vor dem Abgrund zu stehen. Die Überzeugung aber, daß sein Absturz, anders als der des 30jährigen Alkoholikers, vollkommen ungerecht und ungerechtfertigt wäre, gehört zur seelischen Grundausstattung des angestellten Mittelschichtlers. Er hat sich seine Privilegien redlich verdient und droht bei weiterem Verlust damit, seine Motivation und seinen Glauben ans System zu verlieren, wie Prantl in der SZ gleichfalls warnte: »Die innere Gewißheit, daß es in einer Leistungsgesellschaft jeder nach oben schaffen und sich dann auch oben halten kann, wenn er nur begabt und fleißig ist, ist dahin – auch in einem Teil des Mittelstandes.« Mit Begabung und Fleiß sind hier aber auch die zentralen Begriffe genannt, auf denen das Überlegenheitsgefühl der Mittelschicht ruht. Mit ihnen unterschied man sich stets nicht nur von der Unterschicht, sondern ebenfalls von der degenerierten und dekadenten Oberschicht, die einfach nur gut von ihrem Vermögen lebt.

Derartig gut zu leben versteht jedoch, laut Wüllenwebers Propagandastreich im Stern, heutzutage auch die Unterschicht: »Geld haben die Armen in Deutschland genug. Sie haben Spülmaschinen, Mikrowellenherde, die neuesten Handys, DVD-Spieler, meist mehrere Fernseher«, weshalb man sich um dieses leidige Thema keine Gedanken zu machen brauchte, wie der Tenor der meisten Kommentare lautete. »Mit mehr Sozialknete kann man die Benachteiligung nicht wirksam bekämpfen«, befand also stellvertretend Wüllenweber. »Die Erfahrung zeigt: Das würde nur den Umsatz bei McDonald’s erhöhen.« Zur Förderung von Begabung und Fleiß dagegen habe er etwas gefunden: »Es gibt Methoden, die tatsächlich helfen. Die Lösung heißt Bildung.«

Damit hatte die Mittelschicht ihre wichtigste Waffe ausgepackt. Bildung ist ja nicht nur der Strohhalm, an dem sie sich festklammert, sondern auch die Saat, die sie allerorten ausstreuen möchte. Für den Kriminologen Christian Pfeiffer wäre das Heilmittel darum, laut Focus vom 23.10., ein »attraktives Alternativprogramm zur Medienverwahrlosung«, und der notorische »Historiker« Paul Nolte plädierte dort auch wieder einmal »für eine Werbekampagne gegen den Dauerkonsum von Alkohol, Fritten, Naschzeug und Fernsehen«. Beiden Schlauköpfen war gewiß bewußt, daß sie ihre Waffe auch gegen den Feind in den eigenen Reihen richten müssen. Denn daß es mit der Bildung in Deutschland nicht zum besten steht, weiß jeder, und daß dies wahrlich nicht nur die Unterschicht betrifft, ahnen zumindest die meisten: Dieselben Mittelschichtler, die sich über das schlechte Deutsch und die Bildungslücken der Unterschicht mokieren, nehmen ihre Nachhilfestunden schließlich bei Bastian Sick und Günther Jauch. Man bedenke auch, daß Deutschland mit Franz Müntefering einen Vizekanzler hat, den bereits normales sozialwissenschaftliches Denken so überfordert, daß er es sich in den ARD-Tagesthemen am 16.10. noch einmal ausdrücklich verbat: »Wir dürfen diese Gesellschaft nicht aufteilen in Schichten, in Kategorien.«

Wo man aber so redet, hat sich die alte bildungsbürgerliche Kultur mitsamt ihren feinen Unterschieden augenscheinlich aufgelöst. Und tatsächlich: Hausmusik und gemeinsame Heimatmuseums-besuche dürften in der Mittelschicht inzwischen sehr selten sein, statt dessen wird zusammen mit der Unterschicht zu McDonald’s und ins Fußballstadion gerannt. Und auch die gesammelten Werke der Familie Mann begeistern hier weniger als Popmusicals, Fernreisen und Fernseher mit sehr großem Bildschirm.

Jene Dämonen »Passivität, Permissivität, Bildungsferne und Selbstaufgabe«, die Kathrin Kahlweit der Unterschicht am Tag nach Müntes Offenbarungseid in der SZ attestierte, müssen also – und das war es, was die Debatte ihrem Publikum eigentlich sagen wollte – in der Mittelschicht selbst exorziert werden. Am besten durch ihr Gegenteil, die christlichen Tugenden Betriebsamkeit, Zucht, Bildungsbeflissenheit und Selbstsucht.

So daß schließlich alles wieder auf die Charakterfrage hinauslief, die der engagierte Mittelschichtler durch einen ungeheuren Kraftakt gemeinhin für sich entscheidet – und zwar rigoros, weshalb Nikolaus Piper in der Süddeutschen auch drängte: »Es ist richtig, rigoros gegen arbeitsunwillige Hartz-IV-Empfänger vorzugehen, (…) um Arbeits-suchenden klarzumachen, daß Beitrags- und Steuerzahler ihnen gegenüber ebenfalls legitime Ansprüche haben.« Daß die erwachsene Unterschicht diesen Ansprüchen großteils nicht genügen kann, daß sie für Bildungsbemühungen unempfänglich und für die Leistungsgesellschaft längst verloren ist, war in der Debatte von vornherein klar. Um so lieber stürzte man sich deshalb auf ihre Kinder und forderte, wie Stern-Autor Wüllenweber, von der Politik eine Komplettrenovierung staatlicher Institutionen: »Im Bildungssystem bedeutet das zum Beispiel: Ganztagskindergärten und Ganztagsschulen zuerst in Neukölln und im Hasenbergl. Erst danach sind die Mittelschichtsviertel dran. Die besten Kindergärtnerinnen und die besten Lehrer nach Billstedt. Das Städtische Theater sollte zuerst mit den anstrengenden Kindern aus Problemschulen zusammenarbeiten, bevor es sich den pflegeleichten Gymnasiasten zuwendet.« Da werden sich die Mittelschichtsviertel schön freuen, bzw. man sieht die vielen Bürgerintiativen und schäumenden Lokalzeitungsleserbriefe schon vor sich. Es war aber vermutlich auch gar nicht so gemeint, sondern eher ein freundlicher Hinweis an die Mittelschicht: Schaut, wie gut wir es im Prinzip noch haben. Oder auch: Dies alles müßten wir tun und finanzieren, damit unsere eigenen Kinder demnächst auch noch mit gleichgutgeförderten Unterschichtsbälgern konkurrieren müssen.

Weshalb am Ende der Debatte von derlei Sozialschmus auch nicht mehr die Rede war, sondern viel eher der Appell an die Politik stand: Verhindert bitte, daß es uns so geht wie denen da unten. Und so ergriff die gleichfalls abstiegsbedrohte CDU unter Führung von Jürgen Rüttgers Partei für die abstiegsbedrohte Mittelschicht, die von den Sozialkassen mehr erwartet als nur ein Almosen, und begann eine Woche danach, sich überraschend einmütig für einen verlängerten Bezug des Arbeitslosengeldes I auszusprechen, damit den langjährigen Beitragszahlern aus der Mittelschicht der Sturz in die Unterschichtshölle erspart bleibe.

Denn wie gesagt: Um die Unterschicht ging es in der Unterschichtsdebatte halt schon gar nicht.

 

ausgewähltes Heft

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Moinmoin, Nandus!

Moinmoin, Nandus!

Vor 18 Jahren seid Ihr aus einer Lübecker Straußenfarm ausgebüchst und habt Euch seither munter in Nordwestmecklenburg angesiedelt. Anfangs nur ein gutes Dutzend, ist Eure Population auf mittlerweile über 500 Laufvögel angewachsen. Wenn das so weitergeht, stellt Ihr demnächst in Eurem Landkreis die Bevölkerungsmehrheit.

Doch aufgepasst: Ihr habt zwar keine natürlichen Feinde, seit kurzem jedoch die Alphatierchen und Aasgeier von der FDP im Nacken, die Euch ins deutsche Jagdrecht aufnehmen wollen und als »große Gefahr« geißeln. Kleine Bitte: Könntet Ihr, statt konzeptlos alle Felder leerzufuttern, nicht zur Abwechslung mal was Sinnvolles tun, z.B. den Lebensraum des Nazidorfs Jamel verwüsten oder wenigstens das Kreisbüro der örtlichen FDP (Dorfstraße 27, 19417 Jesendorf)? Auf, auf!

Eure Fressfreunde von Titanic

 Glückwunsch, Simon Rolfes!

Sie sind Sportdirektor des Fußballvereins Bayer Leverkusen und äußerten jüngst den Satz: »Wir kommen vom Ansatz, mit dem Ball spielen zu wollen.«

Und wir kommen vom Ansatz, Ihnen zu gratulieren, dass das der genau richtige Ansatz ist, denn Fußball ist ja schließlich eine Ballsportart. Hätten Sie etwa behauptet, Sie kämen vom Ansatz, mit dem Puck spielen zu wollen, oder mit Doppelkopfkarten, oder gar mit dem Gedanken, künftig Eigenblutdoping zu betreiben, wären das total falsche Ansätze gewesen. So aber haben Sie eindrucksvoll bewiesen, dass Sie vom Ansatz her der absolut richtige Mann am richtigen Ort sind und nicht etwa ballaballa.

Verwandelt diesmal ansatzlos: Titanic

 Ralph C. Freund!

Da massakriert ein weißer Nationalist in der texanischen Grenzstadt El Paso unter anderem sieben Mexikaner, woraufhin der US-Präsident seine gewohnte ausländerfeindliche Hetze betreibt. Und Sie, Chef der sog. »Republicans Overseas«, dürfen bei WDR 5 den in die Kritik Geratenen in fließendem Deutsch verteidigen: »Trump ist nun alles, aber kein Rassist.«

Na, klar Robert »C.« Freund, und das »C«, welches der damalige Immobilienspekulant und Vermieter Trump schon Anfang der Siebziger Jahre in die Bewerbungsunterlagen farbiger Wohnungsinteressenten stempeln ließ – ein Vorgehen, für das er schon damals von den US-Behörden verklagt worden ist –, stand auch nicht für »colored«, sondern für das auf die Weltläufigkeit seines Initiators verweisende Wort »Cosmopolitan«, nicht wahr?

Keine Grüße: Titanic

 Privet, »Zeit Campus«!

In Deinem aktuellen Heft findet sich eine Reportage über Punkrockbands in Russland und darin wiederum der Satz: »Pornofilmy«, eine der Bands, »bezeichnet sich selbst als regierungskritisch. Ihre Lieder heißen Armes Land oder Traut der Regierung nicht

Wir halten journalistische Skepsis ja wirklich in allen Ehren, aber in manchen Situationen und bei gewissen Indizien darf man seinen Interviewpartnern auch einfach mal glauben.

Finden zumindest Deine Naivchen von der Titanic

 Gloria von Thurn und Taxis,

neulich fanden wieder mal die Festspiele im Innenhof Ihres Regensburger Schlosses statt. Da jubeln immer alle und freuen sich, und die geladenen Künstler, beispielsweise Elton John und Sting und Tom Jones, bedanken sich artig für die Einladung.

Und jetzt das! Bevor die Band Revolverheld zur Zugabe ansetzte, sagte Sänger Johannes Strate: »Wir spielen hier auf dem Grund einer Frau, mit deren Werten wir überhaupt nicht übereinstimmen. Man darf Missbrauch in der katholischen Kirche nicht bagatellisieren und Flüchtlinge nicht elendig im Mittelmeer verrecken lassen.« Und alle klatschten und jubelten. Und Sie? Sie sagten: »Gott sei Dank darf man heute noch seine Meinung sagen.«

Das stimmt, Prinzessin, Sie tun das ja unentwegt, haben Abtreibung als »Massenmord«, Beten als Heilmittel gegen Homosexualität und Migration als »eine Art Krieg« bezeichnet. Über jahrzehntelange Misshandlungen bei den Regensburger Domspatzen vermeldeten Sie: »In meiner Jugend waren Schläge ein ganz normales pädagogisches Mittel, um mit frechen Kindern, wie ich eines war, fertig zu werden.« Vor einem halben Jahr klang Ihre Meinung zur Meinungsfreiheit übrigens noch so: »Natürlich gibt es die Meinungsfreiheit. Aber wir dürfen nicht sagen, was wir denken.«

Mit Blick auf das, was Sie ohne Beteiligung Ihrer grauen Zellen von sich stemmen, möchte tatsächlich keinesfalls auch noch wissen, was Sie denken: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Zu ihrem Uniabschluss

wollte sich meine Freundin ein Cutting, ein Narbentattoo, zulegen. Ihr Freund hegte allerdings ästhetische Bedenken, sodass sie ihr Vorhaben verschob. Seit einiger Zeit sind die beiden allerdings getrennt, und die Sache ist damit geritzt.

Laura Brinkmann

 Fast schon Werbung

Beim Einkauf von Grillklimbim stieß mir Kohle mit Öko-Siegel ins Auge, die damit warb, dass sie »erstaunlich gut« brennbar sei. Ja, wagen denn nicht einmal Reklamefritzen in Zeiten der durch Streamingwerbung seelisch verhornten Kundschaft noch das ganz grelle Ranwanzen? Was kommt als nächstes? »Schokoriegel – schmeckt scheiße wäre leicht übertrieben«? »Mehl – dare to call it unschwarz«? »Dildo – nicht schlecht für einen Schwanz«?

Jasper Nicolaisen

 Add Blue

Die Zeit, in der mit Ersatzflüssigkeit Bindenwerbung gemacht wurde, wird auch als die Blaue Periode der Werbeindustrie bezeichnet.

Tobias Speckin

 Habenwollen

Wenn ich Erich Fromms Buch »Haben oder Sein« verliehen habe, darf ich dann nach einiger Zeit sagen, dass ich es gerne zurückhaben würde, oder habe ich dann mal wieder gar nichts verstanden?

Ludger Fischer

 Unpolitische Tiere: der Adler

Adler, Adler schweb empor
Du hast heute Großes vor
Flieg hinauf auf deinen Schwingen
Schwebe über allen Dingen
Segle, kreise, räsoniere
Sinne nach und meditiere
Über diese Frage nur:
War heute nicht die Müllabfuhr?

Gunnar Homann

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
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Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURSonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 17.09.:

    In der FAZ berichtet Oliver Maria Schmitt von Klumpenmenschen und Dark Tourism im Weserbergland.

Titanic unterwegs
19.09.2019 Berlin, Hausbrauerei Eschenbräu Katharina Greve
19.09.2019 Frankfurt, Museum für Komische Kunst Hans Traxler
20.09.2019 Stuttgart, Superjuju Katharina Greve
20.09.2019 Nartum, Haus Kreienhoop Gerhard Henschel