Vom Fachmann für Kenner | September 2013


Nach meinem Tode

Für die Zeit nach meinem Ableben wünsche ich mir, daß nicht viel Aufhebens um die eitle Frage entstehe, wo ich denn nun begraben werden solle. Deswegen bestimme ich hiermit: Begrabt mich einfach im Invalidendom zu Paris! Am besten gleich neben Voltaire.

Sebastian Klug

Downgrade

Abends, beim Gassigehen, streift mein Blick hin und wieder an den erleuchteten Fenstern entlang. Irgend etwas könnte sich da doch mal zutragen: Busen sich an beschlagenen Badezimmerfenstern reiben, Menschen vor dem flackernden Kamin auf Teppichen kopulieren, ein Porno über einen der riesigen Flatscreens flimmern oder wenigstens die Landfrauen-Yogagruppe nackt üben. Aber nichts. Muß meinen Status wohl oder übel von »Spanner« auf »Möchtegern« herabstufen.

Helge Möhn

Ganz unten

Wegen eines Scheidenpilzes mußte sich meine Freundin in ärztliche Behandlung begeben. Was mich dabei nachdenklich stimmt, ist der Rat ihrer Frauenärztin, auch mich vorsorglich untersuchen zu lassen. Bin ich denn wirklich, wie alle immer behaupten, so eine Pussy?

Daniel Sibbe

Angeschmiert

Es stimmt: Die »Verwöhnmaske« verleiht meinem Gesicht ein ebenmäßiges und geradezu verjüngtes Hautbild, wie versprochen. Aber kaum hab ich sie abgewaschen, sehe ich wieder so runzlig aus wie vorher.

Tina Manske

Der Fünfte

Die zuständigen Instanzen werden sich der Einführung eines fünften Falles nicht mehr lange verweigern können. Nachdem mittlerweile bekannt ist, daß der dritte dem zweiten sein Tod war, macht sich unter dem Einfluß der sozialen Medien seit geraumer Zeit der Akkusativ daran, der Tod von ›den‹ Dativ zu werden – weswegen zur Fortführung dieser sprachzersetzenden Tradition schnellstmöglich ein fünfter Kasus erfunden werden muß, um den Akkusativ auszulöschen. Ersten Überlegungen zufolge könnte dieser Fall den traurig-schönen Namen »Destruktiv« tragen.

Andreas Lugauer

Tattoowahn

Wer einen Hang dazu hat, Leute mit seinen ausgefallenen Tätowierungen zu beeindrucken, sollte sich vorsehen: So mancher, der sich eine giftige Spinne auf die Brust tätowieren ließ, hat sich kurze Zeit später erschossen, wenn er schlaftrunken in den Spiegel sah.

Benjamin Bäder

Irgendwo yogisch

»Warum verlangen Swamis so viel Geld für die Ausbildung zum Yogischen Flieger?«
»Die nehmen’s eben von den Schwebenden.«

Tanja Schmid

Kamikaze

In Sekundenbruchteilen war mein Mund so trocken wie die Wüste, in der Jesus damals den Teufel abblitzen ließ. Und sofort war da auch dieses Kniezittern und feine Magenkribbeln, als die Tür aufging und der dritte Meßdiener-Kollege in die Sakristei hineingestützt werden mußte. Wie die zwei anderen vor ihm war er während der Messe mit dem Bischof bereits nach wenigen Minuten Weihrauchfaß-schwenken im dichten THC-Nebel der Länge nach hingefallen und sah nicht wirklich gut aus. In meinem Kopf spielte eine Mundharmonika nie zuvor gehörte Westernmusik, als sich der Pfarrer, der mir eben noch rasch ins Kostüm geholfen hatte, zu uns Ersatzspielern umdrehte, mir tief in die Augen sah und mit fester Stimme sprach: »Du bist der nächste!«

Peter P. Neuhaus

Senfsemmeln

Als ich noch zur Schule ging, gab es gegenüber einen Busbahnhof, in dem sich auch ein winziger Fensterkiosk befand. Die ältere Frau, die darin wirkte, verkaufte vor allem Schnaps und Zigaretten und erzählte den Kunden aus ihrem bewegten Leben. Sie sei früher Fliegerin gewesen und habe als eine der ersten ein Motorrad besessen, weswegen das mit den Autobahnen auch ganz toll gewesen sei. Daß der Großteil ihrer Kundschaft aus jugoslawischen Gastarbeitern bestand, die kein Deutsch konnten, störte sie nicht, solange man sie nicht unterbrach und ihre Würstchen lobte. Für die Würstchen hatte ich nicht genug Geld, die Kioskchefin aber hatte die geniale Idee, aus einfachen Semmeln eine auch für Schüler erschwingliche Mahlzeit zu zaubern: Die Semmel wurde halbiert und dick mit Senf beschmiert. Das kostete dann 20 Pfennig und nannte sich schlicht und ehrlich »Senfsemmel«. Gierig verspeiste ich zwei davon noch auf dem Heimweg. Eines Tages aber blieb der Kiosk geschlossen und wurde bald abgerissen. Keine Senfsemmeln mehr, und niemals ist es mir geglückt, selbst eine zuzubereiten. Inzwischen habe ich begriffen, was sie so besonders schmackhaft machte: Es war nichts anderes als das gute Gefühl, einen weiteren Schultag überstanden zu haben.

Tibor Rácskai

Höflichkeit im Straßenverkehr

Immer häufiger stelle ich fest, daß Autofahrer an einer Ampel nicht mehr bis zur weißen Linie vorfahren, sondern etwa fünf Meter davor halten. Man kann die Sache mit dem Diskretionsabstand auch übertreiben.

Ulf Wentzien

Supersupermarkt

Letzte Woche steuerte ich auf den großen Real an der Kasseler Weserspitze zu, vor dessen Eingang sich ein zankendes Junkie-Pärchen niedergelassen hatte. Da stieg in mir für mehrere Sekunden der Wunschtraum auf, auf dem Flachdach des Baus für diese und alle anderen Realitätsflüchtigen einen eigenen Supermarkt zu errichten: den Surreal.

Mark-Stefan Tietze

Stillfrage

Mütter sollten Muttermilch grundsätzlich erst nach dem Abpumpen einfrieren. Ansonsten droht böse Bronchitis.

Günter Flott

Auf Augenhöhe

Ich werde es vermissen: das leicht verschämte Ankleiden morgens nach der Dusche, dann der erste gemeinsame Kaffee, die verlegenen Blicke über meinen Rechner hinweg bis zur Mittagspause, schließlich die unabwendbare Trennung nach einem langen Arbeitstag, meist ohne ein Wort des Abschieds. Nun ist das Baugerüst an meinem Wohnhaus abmontiert, die aufmerksamen Männer darauf sind weg, und ich werde wieder alleine aufwachen müssen.

Katrin Bolbeth

Für Gutfried Benn

Auf deine Lider leg ich Hummer,
in deine Lippen schieb ich Nuß,
indessen ich das Steak, den Lummer,
doch ganz alleine essen muß.

Um deine Züge leg ich Flower,
auf deine Ziege leg ich Lauch,
indes die Wurst, die Brüh-Krakauer,
wandert allein in meinen Bauch.

Du, die zu schwach, um Fleisch zu essen,
du, die nicht äße, was ich eß –
drum können wir es gleich vergessen.
Ach, Veggie-Girl: Das gäb nur Streß.

Anselm Neft

Männliche Grenzerfahrung

Ich hütete das Haus meiner Eltern. Diese heizen seit der Ölkrise in den siebziger Jahren mit Holz. Vorteil: CO2-neutral. Nachteil: Morgens vorm Duschen muß man erst mal Feuer machen. Jeden Morgen fühlte ich mich unglaublich männlich. Feuer gemacht! Ich! Mann! Kerl! Und wozu? Um warm zu duschen.

Volker Surmann

Öko-Tip

Umweltbewußt genießen: Fahrgemeinschaften zum Zigarettenautomaten bilden.

Erich Klepptenberger

Hoffnungslos

Da mir ein Bekannter zum wiederholten Male erzählte, die amerikanische Mondlandung sei ein gigantischer Fake gewesen, versuchte ich es mit paradoxer Intervention: Ich erklärte ihm, daß die Amis gar nicht auf dem Mond gewesen sein könnten, weil es nämlich Amerika gar nicht gebe. Das hätten die Nazis erfunden, um dem deutschen Volk ein weiteres häßliches Feindbild präsentieren zu können, was ja auch heute noch mitunter trefflich funktioniere. Jetzt bombardiert mich der Mann seit Tagen mit Material aus dem Internet, welches unwiderlegbar beweist, daß Amerika existiert.

Karsten Wollny

Auszeichnung

Endlich kam die Bestätigung über meine Anerkennung als Hartz-IV-Empfänger. Stolz und zärtlich nenne ich sie seitdem »mein Armutszeugnis«.

Frederik Moche

Zahn und Seele

In seinem ersten Berufsleben war mein Zahnarzt Psychotherapeut. Daß sich das nicht unbedingt gut verträgt, merkte ich, als er mir sagte, er halte ja nichts davon, Zahnseide jeden Tag anzuwenden; er selbst benutze sie nur ein, höchstens zwei Mal in der Woche. Denn nur, wenn die Abstände nicht zu klein seien, könne man beim Ausspucken den »ganzen Dreck« sehen, der beim normalen Zähneputzen nicht weggehe, und deswegen sei dann der kathartische Effekt der Zahnreinigung auch viel größer.

Benedikt Fait

Fröhliche Hundegeschichten (Schluß)

Als die Apokalypse dann endlich kam, war sie natürlich ganz anders als erwartet: weder mit einem Knall noch einem Wimmern, weder in Feuer noch in Eis ging sie unter, die liebe Welt; vielmehr geschah alles gleichzeitig: Russische Terroristen hatten einen Asteroiden auf die Erde dirigiert, der innen mit klimaschädlichen Atomraketen gefüllt war. Als der auf die Erde stürzte, landete er zufällig punktgenau auf dem Tor zur Hölle (Nähe Stadtallendorf), die fortan natürlich keine Seelen mehr aufnehmen konnte, so daß a) die ganzen Sünder als Zombies auf der Erde scharwenzelten; b) das Inferno nicht mehr richtig klimatisiert wurde, die Erdinnentemperatur stieg und die aus »2012« bekannten Folgen eintraten: Kalifornien versenkt, Hawaii getoastet, ein untoter Dalai Lama bläst noch einmal ins Schofar.

Fünf Jahre später: In den Ruinen Deutschlands leben der letzte Hund und sein treuer Mensch, immer auf der Hut vor den islamistischen Zombies. Richtig gehört: Die Verantwortung liegt beim Hund, denn der Mann ist alt, halbblind, dreivierteltaub, in der SPD und hat von dem ganzen Weltuntergang nur mitbekommen, daß die Zigarettenautomaten nicht mehr befüllt werden. Der Hund hat natürlich alle Pfoten voll zu tun: Haushalt machen, Funksprüche schicken, die Weihwassersprenger im Garten regelmäßig neu einsegnen. Und dann natürlich der Fortbestand der Art: Der Hund rettet im Alleingang die letzte Frau (Scarlett Johansson), die von den Muslimzombies gefangengehalten wird, kleidet sie neu ein und erklärt ihr dann den Haken an der Sache – der letzte Mann auf der Welt ist niemand anderes als der alte Gerhard Schröder, der, und jetzt kommt’s, eigentlich auch schuld ist am Weltuntergang, d.h. selbst wenn die beiden nun die Erde neu besiedeln, die Menschheit ist auf jeden Fall verdammt. Sie müssen sich entscheiden. SPOILER: Nachdem sie schon völlig verzweifelt sind, hat die kluge Scarlett eine Idee. Gemeinsam töten sie Gerhard Schröder, stillen mit seinem Fleisch den Hunger der Untoten und zeugen dann in einer natürlich schon eher sodomitischen, aber ästhetisch absolut überzeugend dargestellten Liebesnacht einen wunderschönen Menschenhund, der die besten Eigenschaften beider Spezies vereint: Nibelungentreue und Giftzahn des Hundes, Erfindungsgabe und Grausamkeit des Menschen. Eine neue Ära beginnt, die überlebenden Zombies verschanzen sich und kämpfen nun täglich gegen die Menschenhundehorden da draußen. Schließlich ist Gott vollends angewidert und macht das Licht aus, diesmal für immer.

Leo Fischer

Textilien und Hitze

Was passiert eigentlich mit meiner 30-Grad-Wäsche, wenn ich sie bei 40 Grad naßschwitze?

Vivian Bomert

Chiffre

Der deutsche Geheimdienst hat die Aktionen der NSA auf deutschem Staatsgebiet nicht mitbekommen. Vorher hat er die Aktionen des NSU auf deutschem Staatsgebiet nicht mitbekommen. Kann man daraus Narrenfreiheit für das Niedersächsische Studieninstitut Oldenburg ableiten?

René Lingnau

Transportprobleme

Welchen Zweck, abgesehen von der Behinderung beim Einsteigen, erfüllen eigentlich die Stangen im Türbereich der U-Bahn-Wagen? Hat etwa jemand ernsthaft mal versucht, da mit seinem Smart reinzufahren? Und sich dann noch beim Schaffner darüber beschwert, daß der Automat im Zug dafür kein Ticket bereithält? Die Leute werden ja schließlich immer dreister!

Burkhard Niehues

Tip für Spätaufsteher

Nach dem Wichsen einfach noch etwas liegenbleiben.

Valentin Witt

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Jetzt mal im Ernst, MDR!

In einem Spielbericht hast Du behauptet, alle drei Tore seien »durch einen ruhenden Ball« gefallen. Muss sich der Ball nicht doch ein ganz klein wenig bewegen, damit ein Tor fallen kann?

Fragt in sich ruhend, den Toren beim Fallen zusehend: Titanic

 Huhu, »Welt«-Journalist Peter Praschl!

Ein Texteinstieg muss neugierig machen, packen, sonst wird der Rest nicht gelesen. Das gilt besonders für Bezahlinhalte, deren erster Absatz frei einsehbar ist, und so begannen Sie einen Artikel über Sharon Tate mit den Worten: »Nichts wirkt so belebend wie eine ermordete junge Frau. All diese Fantasien, die sie entfacht – was aus ihr noch hätte werden können.«

Nun lässt sich eine Paywall aber rein technisch schwer überwinden, wenn man beim ersten Satz direkt auf den Bildschirm kotzen muss. Denn abgesehen davon, dass junge Frauen es deutlich weniger erfrischend finden, ermordet zu werden, als Sie und jemand, der sich statt mit Limonade mit Femiziden erfrischt, eher in die Psychiatrie als in die Medien gehört, evoziert Ihr Ekelgeschwalle in uns das Bild, wie Ihnen beim Schreiben solcher Widerlichkeiten die Hose aufgeht, und gegen solch starken Brechreiz ist noch kein Kraut gewachsen.

Immerhin, Praschl, stellt sich, sollte Ihnen etwas zustoßen, nicht die Frage, was aus Ihnen noch hätte werden können. Klar wäre einfach: Es wird keine neuen Texte von Ihnen geben. Und diesen Gedanken findet sehr belebend: Titanic

 Toller Service, »Manager Magazin«:

»Prokrastinations-Test: Sind Sie der König der Aufschieber?« Wir wollten uns natürlich sofort testen, aber leider war noch der Abwasch zu erledigen, und spazierengehen wollten wir ja auch, und endlich auf diese eine Mail antworten …

Aber morgen dann ganz sicher! Titanic

 Schwach, Bundesagentur für Arbeit!

Da wurdest Du dafür kritisiert, dass Du eine Hartz-IV-Empfängerin zum Lösen veritabler Grundschulaufgaben gezwungen hast. Auf die Netzschelte wegen Anweisungen wie »Schreibe unter das Bild das passende Wort« hin knicktest Du sogleich ein: »Wir können gut verstehen, dass die Teilnehmenden dies kritisieren, und teilen diese Meinung auch.«

Dabei, Bundesagentur, schulst Du damit unserer pädagogischen Expertise nach diese am Arbeitsmarkt unentbehrlichen Fähigkeiten: 1. bedenkenlos Befehle ausführen, 2. stupide Jobs erledigen, 3. Hilflosigkeit ertragen wie ein Kind, 4. das Gutsherren-Du akzeptieren und 5., am wichtigsten, komplette Selbstaufgabe!

Regt sowieso eine Umbenennung in Bullshitjob-Agentur an: Titanic

 Carlos Ghosn (Großkapital)!

Carlos Ghosn (Großkapital)!

Einst haben Sie aus Nissan, Renault und Mitsubishi ein internationales Bündnis geschmiedet. Seit November letzten Jahres sitzen Sie in Tokio in Untersuchungshaft; Sie sollen gegen Börsenauflagen verstoßen, Ihr Gehalt falsch ausgewiesen und private Verluste auf Nissan übertragen haben. Selbstverständlich wehren Sie sich gegen die Vorwürfe, wittern »Verrat« und die »Verschwörung« einer »Armee«, die Ihnen gegenüberstehe.

Nun wissen wir nicht, was an den Anklagepunkten dran ist, aber Herrgott, Ghosn, geht man allein nach Ihrem Äußeren, wundern wir uns, dass Ihnen nicht viel ärgere Untaten zur Last gelegt werden. Sie sehen aus wie jemand, der regelmäßig Dinge blafft wie »Ich hab genug gehört« und »Schafft ihn weg!«. Wie jemand, der mit einem Knopf unter der Schreibtischplatte eine Falltür öffnen kann. Jemand, der sich mit Blick aus dem obersten Stockwerk eines Wolkenkratzers einen 60 Jahre alten Whisky einschenkt, den er seiner globusförmigen Hausbar entnommen hat, während einer seiner Konkurrenten gefesselt und geknebelt vor ihm kniet. Kurzum: Man würde Ihre Besetzung als Bond-Bösewicht wegen Klischee-Übererfüllung ablehnen. Von Ihrem spukhaften Nachnamen wollen wir gar nicht erst anfangen!

Heute mal oberflächlich: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Verpasste Gelegenheiten

»Rückblickend hätte ich schon einiges anders gemacht«, sagt die Mittzwanzigerin am Nebentisch. »Zum Beispiel hätte ich mit meinem Freund damals eigentlich gern mehr Zeit verbracht. Dann hätten wir uns auch viel früher getrennt.«

Tilman Birr

 Russtikal

Die einen nennen die klassische Technik, wenn einen beim Wandern das Unwetter überrascht, schlicht »nackter Oberkörper« – für mich jedoch ist das »die russische Regenjacke machen«.

Theobald Fuchs

 Feindschaftspreis

Seit ich hier in Berlin wohne, hole ich mir bei meinem bevorzugten asiatischen Restaurant regelmäßig das einzige vegane Gericht. »6,90 Euro – für dich!« hieß es dort stets schmunzelnd vom Chefkellner. Letztes Mal überreichte mir erstmals eine andere Bedienung meine Bestellung: »Macht dann 5,90 Euro.«

Dominik Mauer

 Das Urteil

Seit sich in unserem Kafka-Lektürekreis herumgesprochen hat, dass die Dohle auf tschechisch »kavka« heißt –was, nebenbei bemerkt, natürlich auch Franz Kafka bekannt war und Spuren in seinem Werk hinterlassen hat –, wird bei uns statt des Ausdrucks »kafkaesk« nur noch das Wort »dohlenartig« verwendet. Anfangs hat mich das ja durchaus amüsiert, aber jetzt, nach etlichen Monaten, wirkt das Ganze auf mich doch eher albern oder zwanghaft. Teilweise finde ich die Situation sogar regelrecht dohlenartig.

Andreas Maier

 Genialer Lifehack

Du bist gerade unterwegs und möchtest wissen, wie spät es ist? Dummerweise hast du zwar keine Uhr, dafür aber eine Sozialphobie im Gepäck, kannst also auch keinen Fremden auf der Straße fragen? Kein Problem! Suche einfach den nächsten Supermarkt auf. Wähle eine Tütensuppe aus (ich habe sehr gute Erfahrungen mit der »Frühlingsgemüsesuppe« gemacht), gehe zur Kasse und bezahle sie. Tadaa! Auf dem Bon findest du die Uhrzeit. Auf die Sekunde genau.

Katharina Greve

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKatharina Greve: "Eigentlich ist Wurst umgestülptes Tier: Cartoons & Comicstrips"
Katharina Greve ist nicht nur Architektin, Situationsdesignerin und stolze Besitzerin einer Vakuumiermaschine, sondern auch Prophetin: Via Kalenderblatt sagte sie im Jahr 2013 auf den Tag genau den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. voraus. Wer wissen will, welche sonderbaren Ereignisse die Zukunft noch bereithält, braucht deshalb dieses Bilderbuch. Gegenstände mit Gefühl, Menschen ohne Gesicht, Tapetenmuster von göttlicher Anmut – all das findet sich in Greves fantastisch-wurstigem Cartoonband!Die PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 20.03.:

    Für die Taz hat Fabian Lichter den Fußballbundestrainer Jogi Löw interviewt.

  • 15.03.:

    Die "Junge Welt" im Gespräch mit Martin Sonneborn über Turbopolitik.

  • 15.03.:

    Leo Riegel ist einer der drei Gewinner des NABU-Cartoon-Wettbewerbs. Wir gratulieren!

  • 13.03.:

    Das "Journal Frankfurt" berichtet über Chefredakteur Moritz Hürtgen.

  • 12.03.:

    Zu den Regierungskrisen der vergangenen zwölf Monate zählt die "Süddeutsche Zeitung" u.a. Moritz Hürtgens Twittercoup über einen angeblichen Fraktionsbruch.

Titanic unterwegs
25.03.2019 Bonn, Pantheon Martin Sonneborn
26.03.2019 Hamburg, Grüner Jäger Ella Carina Werner
26.03.2019 Münster, Aula am Aasee Martin Sonneborn
27.03.2019 Lingen, Centralkino Max Goldt