Vom Fachmann für Kenner | Januar 2010


Ist so!

Liebe geht durch den Penis.

Lukas Münich

Bohnen, sortiert

In den 1980er Jahren mußte man als DDR-Student vor jedem Semester an Ernteeinsätzen teilnehmen. Ich erntete Bohnen, fuhr den Erntetraktor, ein Studentenkumpel saß mit den Mädels am Sortierband. Was aber macht der Student, wenn sich besagte Mädels allesamt als jugendliche Schreckschrauben erweisen? Er geht in die Dorfkneipe und säuft sich die Schrauben schön. Am nächsten Tag gab es dann immer Beulen am Traktor, mein Freund an der Sortiermaschine kämpfte ebenfalls mit dem Kater. Einmal wurde es ihm zuviel, der Restalkohol und das mit gleichmäßiger Geschwindigkeit unter seinen Augen vorübergleitende Gemüse gerieten zur verhängnisvollen Mischung: Er kotzte seinen Magen leer, mitten auf die Bohnen. Reglos und ohne jeglichen Protest guckten wir alle zu, denn man würde diese Bohnen sowieso nie wieder sehen: Sie waren nämlich für den Export in die BRD bestimmt. »Dem Klassenfeind schaden, wo man nur kann«, war unsere Devise.

Thomas Behlert

Humorlos

Seitdem sich dort possierliche Nager an pfefferkornhaltigem Weihnachtsschmuck mästen und danach merkwürdige Verdaugeräusche absondern, gehe ich zum Lachen in den Keller.

Michael Höfler

Gute Frage

Etwas unheimlich mutet es an, wenn der McDonald’s-Bedienstete mit offenkundig südländischem Migrationshintergrund auf die Frage »Können Sie mir noch so’n Getränkedings fürs Auto geben?« antwortet: »Wie heißt das auf deutsch?«

Christian Martin

Gewusst wie!

Es gibt nichts Lohnenderes als eine Lebenspartnerin mit schlechtem Gewissen.

Alexander Waldhelm

Radiomomente

Im Radio fällt häufig der Ausdruck »Megahit«. Ich verstehe im ersten Moment immer »Negerhit«. Im zweiten Moment bin ich ob meines Verhörers natürlich empört über mich selbst, bevor ich im dritten Moment meistens rehabilitiert werde, wenn sich beim Weiterhören herausstellt, daß ich, die Musik betreffend, mal wieder voll ins buchstäblich Schwarze getroffen habe.

Thorsten Mausehund

Was man niemals hören will

All die ausschweifenden Interpretationen des Beuys’schen Œuvres kamen mir stets zweifelhaft vor – und zu Recht: Seit ich die Packungsbeilage meines Grippemedikaments gelesen habe, weiß ich nämlich, was die wahre Inspiration zum Fettstuhl gewesen sein muß. Seitdem fürchte ich mich heimlich davor, daß eines Tages entsprechende musikalische Ergüsse von Beuys entdeckt werden könnten.

Moritz Lenhardt

The Dark Side Of The Nose

Das Licht vor dem Badezimmerspiegel kommt so einseitig, daß ich die Pickel, die ich auf meiner linken Nasenseite ausquetschen möchte, nie vernünftig sehen kann. Da ich links meist mehr Pickel habe, stellt sich die Frage: gedeihen sie links (d.h. im Dunkeln) besser oder überleben sie dort nur leichter?

Rolf Karez

To do

Als mir aus der Friedhofskapelle mal wieder der Bestattungsevergreen »Tears in heaven« zu Ohren kam, wurde mir bewußt, daß kein Lebensentwurf davor sicher ist, mit einem unnötigen Claptonschen Gitarrensolo beendet zu werden. Deshalb: Rechtzeitig To-do-Liste für den Beerdigungs-Soundtrack erstellen!

Marcel Pfeiffer

Internet fressen Handy auf

Mit meinem lieben Freund Björn H. kommuniziere ich in jüngster Zeit vor allem über Facebook. Kürzlich lud ich ihn per SMS zum nachmittäglichen Bierkonsum ein. Prompt schrieb er zurück, und ich las auf meinem Handy-Display: »Björn H. gefällt das.«

Moses Wolff

Zu speziell?

Gerade zur Weihnachtszeit kann es dem Choristen passieren, daß er, unter der Qual, immer die gleichen Stücke darbieten zu müssen, den Wunsch nach Renitenz verspürt. Dabei geht Aufbegehren ganz leicht: Wer Praxis im Obertongesang hat, singt, wenn auf langen Akkord in Moll der Grundton kommen soll, einfach gleichzeitig die große Dezime mit.

Wolfgang Beck

Fehlinterpretation

Wenn sich der achtjährige Erstgeborene den Kopf im Treppengeländer einklemmt und man in einem Internetforum den Tip findet, das Kind mit Gleitcreme zu befreien – und wenn man dann den sechsjährigen Zweitgeborenen losschickt, in der Apotheke diese Gleitcreme zu besorgen und der dann mit Polizei und einem aufgebrachten Lynchmob wieder nach Hause kommt – dann gibt es erst mal eine Menge Aufklärungsbedarf.

Björn Högsdal

Sleepy Hollow

Das Leben wirkt wie ein Tim Burton-Film, wenn man es in seinen Uniseminaren fast ausschließlich mit Zwangsgestörten zu tun hat, beim Pausengang auf die Toilette zerzauste Obdachlose beim Morgensport auffindet und die gesamte Welt, durch noch schläfrige Augen betrachtet, wie mit somnambuler Weichzeichnung bedeckt zu sein scheint.

Gregor Baszak

Integration

Um Vorbehalte seitens der Eidgenossen abzubauen, empfehle ich den Schweizer Muslimen, sich fürderhin Müeslime zu nennen.

Matthias Gaebel

W-LAN

Mit angehaltenem Atem sah ich in der Kopenhagener Flughafenlounge von meinem Klapprechner auf. Doch das Bodenpersonal versah ungerührt weiter seinen Dienst, als wäre nichts gewesen. Auch auf dem Rollfeld schien noch immer alles reibungslos und störungsfrei zu verlaufen. Erleichtert atmete ich aus. An diese eine Schaltfläche in meinem Betriebssystem (OS X) werde ich mich nie gewöhnen: »Airport deaktivieren«.

Karlo Tobler

Zweier-WG

Die Punkte »Badezimmerputzen« und »Müllentsorgung«, die ich mit meinem neuen Mitbewohner (34 Jahre) verhandelte, blieben bis auf weiteres umstritten. Aber zumindest die Frage »Wer kocht?« ließ sich rasch beantworten, nachdem er, in den Topf mit den Pellkartoffeln blickend, gefragt hatte: »Ach, und wie groß werden die jetzt durch das heiße Wasser?«

Matthias Stangel

Die Oma aus Niederbayern

Nach einem Schlaganfall testete der Arzt das Gedächtnis meiner Großmutter mit Kärtchen, die mit Tiermotiven bedruckt waren. »Das ist ein Fuchs… Reh… Hase… Fasan« beantwortete meine Oma gelangweilt die Fragen, bis es ihr irgendwann entfuhr: »Was will der Depp eigentlich von mir? Ich hab’ die Jägerprüfung!«

Monika Stadler

Studientip

An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel kann man Prüfungen auch mit der Benotung »Voll von Fehlern – übel!« bestehen.

Kaspar Schulte Ostermann

Im Supermarkt

Neulich im Supermarkt steht ein alter Mann etwas abseits der Schlange vor der Kasse, Einkäufe im Arm und offensichtlich nicht mehr auf der Suche nach weiteren Waren. Da ich mich nicht vordrängeln möchte, frage ich nach: »Entschuldigung, stehen Sie hier an?« »Nein«, entgegnet der alte Mann, »ich warte einfach, bis die Schlange weg ist.« Ich habe mich dann hinter ihn gestellt und mit ihm gewartet.

Jan-Niklas Jäger

Neues Denken!

Daß es nicht nur Schwarz und Weiß gibt, sondern unendlich viele Schattierungen dazwischen – könnte das mal jemand dem Toaster meiner Freundin sagen?

Mark-Stefan Tietze

Problemfamilie

Zack – mit der Faust voll aufs Ohr. Eine blitzschnelle Drehung, der Ellenbogen landet zielsicher auf dem Kehlkopf. Drohend erhebt sich im Dunkeln nun auch noch der Kopf – und stößt unbarmherzig in die Rippen. Wer seinen Familienurlaub mit einem unruhig schlafenden Zweijährigen ohne ein Extra-Kinderbettchen bucht, kann häusliche Gewalt einmal ganz anders erleben.

Wolf Kantelhardt

Stufen der Erkenntnis

Im Fahrstuhl vom Nachbarn ein wohlgemeintes Lichtlein aufgesteckt zu bekommen, kann nerven – zum Beispiel: Jede gelaufene Stufe verlängert das Leben um ganze fünf Sekunden! Kann ich nicht viel mit anfangen. Denn: Bei meinem Rauchverhalten bliebe die so gewonnene Zeit zur Gänze im Treppenhaus auf der Strecke.

Harald Wurst

Multiple Auslassung

Daß es am Pissoir etwas zu lesen gibt, ist nichts Neues, aber das Format multiple choice war bisher unbekannt: »Dieses Urinal funktioniert 1. ohne Chemie, 2. ohne Öl, 3. ohne Geruch, 4. ohne Wasser«. Die Aufgabe allerdings hat die Firma »Urimat« dem gezwungenermaßen Lernenden vergessen zu stellen. Müßte sie doch heißen: »Welche von diesen vier Behauptungen ist unwahr?«

Ulf Erdmann Ziegler

Kleine Muschelkunde

Muscheln sind die Leber der Meere. Man kann sie schön gebraten mit Zwiebeln essen, in einer Muschelknödelsuppe oder als Muschelwurst auf Brot mit Gürkchen. Guten Appetit!

Anna Leuschner

Heiteres Beruferaten

Von Menschen, die sich ohne ihr Wissen für längere Zeit im Umfeld eines besonders brutalen Gewaltverbrechers, z.B. eines Frauenserienmörders, aufgehalten haben, erfährt man im Fernsehen hinterher stets, daß dieser »eigentlich ganz harmlos gewirkt habe«, keinesfalls wie ein gemeingefährlicher Irrer. Frauenserienmörder sind meine neuen Nachbarn also schon mal nicht.

Andrea Maisy

Entwarnung

Bin neulich beim Surfen in meinem Intranet (Gehirn) auch auf pornographische Inhalte gestoßen. Gott sei Dank nichts mit Kindern dabei.

Uwe Geishendorf

Balance

Wenn man einen Abend am Tresen im Kreise von zugedröhnten Profimusikern verbringt und mitbekommt, auf welchem Niveau die Jungs Witze reißen (»unsere neue Saxophonistin bläst geil«), dann kann einem die Welt schon einmal leicht gekippt erscheinen. Wenn man dann aber das nächste Mal neben zwei Cognac nippenden Gerüstbauern sitzt, von denen der eine plötzlich leise eine Melodie pfeift und der zweite sagt: »Ah, Schönberg!«, worauf der erste langsam nickt und »Hmm« macht, bevor beide verhalten zu prusten beginnen, dann ist das Gleichgewicht wieder hergestellt.

Karsten Wollny

Zum anthropologischen Diskurs

Was für phantasievolle Assoziationen ein bißchen Xenophobie und Ignoranz zeitigen können, erwies sich an meiner britischen Großmutter. Meine Eltern luden die Dame in den Frankfurter Zoo ein, und nachdem man sich allerlei Getier angesehen hatte, hielt man vor dem Affenkäfig inne. Kurz observierte meine Grandma die Gorillas, um dann festzustellen: »You can really see the black people in their faces!«

Marc Mancey

Heiliger Stuhl

»Das Wasser aus der Marienquelle unterhalb der Vatikanischen Gärten gilt ob seines hohen Kupfergehaltes als Ursache für die blutigen Schlieren im Stuhlgang des Papstes. Die blutgetränkten Fäkalien (lat. sanctus faex) werden traditionell durch Gefriertrocknung haltbar gemacht und in Rom als Reliquien verkauft.« Daß diese Information bei Wikipedia keine zehn Minuten stand, ist ein klarer Fall von Zensur. Karlsruhe, übernehmen Sie!

Holger Christoph

Kategorischer Imperativ für Anfänger

Immer wenn ich vor einem moralischen Dilemma stehe, frage ich mich einfach: »Was würde Pete Doherty in dieser Situation tun?«

Christoph Virchow

Ganz der Papa

Als Fan von Borussia Mönchengladbach freue ich mich auch Tage später noch über meinen sechsjährigen Sohn, der auf einem vorbeifahrenden Auto einen Werder Bremen-Aufkleber sieht: »Guck mal Papa, das Gladbach-Zeichen – nur in schwul!«

Christian Rocker

Keine Lösung

Nach wiederholtem Zoff mit meiner Freundin mußte ich feststellen, daß der ewige Streit um die Fernbedienung sich durch die Anschaffung einer zweiten nicht beilegen läßt.

Erich Klepptenberger

Haltet den Dieb!

Seitdem ihm vor etwa zwei Jahren ein ebenso dreister wie sprintstarker Dieb das Handy gestohlen hat, welches direkt vor ihm auf dem Tisch lag, ist mein Mann leicht paranoid. Sobald er das Haus verlassen hat, läßt er sein Eigentum nicht einmal für eine Sekunde aus den Augen. Vor diesem Hintergrund betrachtet, kann ich sein Verhalten natürlich gut verstehen. Aber bei den Winterreifen finde ich es dann doch ein wenig übertrieben.

Tanja Hötzle

Erkenntnis

Mir ist gerade aufgefallen, daß mein Fahrrad ein Cabrio ist.

Christian Widder

Hauptsache gesund!

Als ich eines Nachts inmitten einer Blutlache mit einem furchtbaren Stechen in der Brust erwachte, fühlte ich mich unmittelbar mit den ersten Anzeichen des körperlichen Verfalls konfrontiert. Die Diagnose konnte ich noch stellen, bevor der eilig verständigte Notarzt eintraf: Rotweinflasche umgekippt, BH-Bügel durchgebrochen.

Julia Mateus

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Schwach, Bundesagentur für Arbeit!

Da wurdest Du dafür kritisiert, dass Du eine Hartz-IV-Empfängerin zum Lösen veritabler Grundschulaufgaben gezwungen hast. Auf die Netzschelte wegen Anweisungen wie »Schreibe unter das Bild das passende Wort« hin knicktest Du sogleich ein: »Wir können gut verstehen, dass die Teilnehmenden dies kritisieren, und teilen diese Meinung auch.«

Dabei, Bundesagentur, schulst Du damit unserer pädagogischen Expertise nach diese am Arbeitsmarkt unentbehrlichen Fähigkeiten: 1. bedenkenlos Befehle ausführen, 2. stupide Jobs erledigen, 3. Hilflosigkeit ertragen wie ein Kind, 4. das Gutsherren-Du akzeptieren und 5., am wichtigsten, komplette Selbstaufgabe!

Regt sowieso eine Umbenennung in Bullshitjob-Agentur an: Titanic

 Jetzt mal im Ernst, MDR!

In einem Spielbericht hast Du behauptet, alle drei Tore seien »durch einen ruhenden Ball« gefallen. Muss sich der Ball nicht doch ein ganz klein wenig bewegen, damit ein Tor fallen kann?

Fragt in sich ruhend, den Toren beim Fallen zusehend: Titanic

 Carlos Ghosn (Großkapital)!

Carlos Ghosn (Großkapital)!

Einst haben Sie aus Nissan, Renault und Mitsubishi ein internationales Bündnis geschmiedet. Seit November letzten Jahres sitzen Sie in Tokio in Untersuchungshaft; Sie sollen gegen Börsenauflagen verstoßen, Ihr Gehalt falsch ausgewiesen und private Verluste auf Nissan übertragen haben. Selbstverständlich wehren Sie sich gegen die Vorwürfe, wittern »Verrat« und die »Verschwörung« einer »Armee«, die Ihnen gegenüberstehe.

Nun wissen wir nicht, was an den Anklagepunkten dran ist, aber Herrgott, Ghosn, geht man allein nach Ihrem Äußeren, wundern wir uns, dass Ihnen nicht viel ärgere Untaten zur Last gelegt werden. Sie sehen aus wie jemand, der regelmäßig Dinge blafft wie »Ich hab genug gehört« und »Schafft ihn weg!«. Wie jemand, der mit einem Knopf unter der Schreibtischplatte eine Falltür öffnen kann. Jemand, der sich mit Blick aus dem obersten Stockwerk eines Wolkenkratzers einen 60 Jahre alten Whisky einschenkt, den er seiner globusförmigen Hausbar entnommen hat, während einer seiner Konkurrenten gefesselt und geknebelt vor ihm kniet. Kurzum: Man würde Ihre Besetzung als Bond-Bösewicht wegen Klischee-Übererfüllung ablehnen. Von Ihrem spukhaften Nachnamen wollen wir gar nicht erst anfangen!

Heute mal oberflächlich: Titanic

 Toller Service, »Manager Magazin«:

»Prokrastinations-Test: Sind Sie der König der Aufschieber?« Wir wollten uns natürlich sofort testen, aber leider war noch der Abwasch zu erledigen, und spazierengehen wollten wir ja auch, und endlich auf diese eine Mail antworten …

Aber morgen dann ganz sicher! Titanic

 Huhu, »Welt«-Journalist Peter Praschl!

Ein Texteinstieg muss neugierig machen, packen, sonst wird der Rest nicht gelesen. Das gilt besonders für Bezahlinhalte, deren erster Absatz frei einsehbar ist, und so begannen Sie einen Artikel über Sharon Tate mit den Worten: »Nichts wirkt so belebend wie eine ermordete junge Frau. All diese Fantasien, die sie entfacht – was aus ihr noch hätte werden können.«

Nun lässt sich eine Paywall aber rein technisch schwer überwinden, wenn man beim ersten Satz direkt auf den Bildschirm kotzen muss. Denn abgesehen davon, dass junge Frauen es deutlich weniger erfrischend finden, ermordet zu werden, als Sie und jemand, der sich statt mit Limonade mit Femiziden erfrischt, eher in die Psychiatrie als in die Medien gehört, evoziert Ihr Ekelgeschwalle in uns das Bild, wie Ihnen beim Schreiben solcher Widerlichkeiten die Hose aufgeht, und gegen solch starken Brechreiz ist noch kein Kraut gewachsen.

Immerhin, Praschl, stellt sich, sollte Ihnen etwas zustoßen, nicht die Frage, was aus Ihnen noch hätte werden können. Klar wäre einfach: Es wird keine neuen Texte von Ihnen geben. Und diesen Gedanken findet sehr belebend: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Feindschaftspreis

Seit ich hier in Berlin wohne, hole ich mir bei meinem bevorzugten asiatischen Restaurant regelmäßig das einzige vegane Gericht. »6,90 Euro – für dich!« hieß es dort stets schmunzelnd vom Chefkellner. Letztes Mal überreichte mir erstmals eine andere Bedienung meine Bestellung: »Macht dann 5,90 Euro.«

Dominik Mauer

 Das Urteil

Seit sich in unserem Kafka-Lektürekreis herumgesprochen hat, dass die Dohle auf tschechisch »kavka« heißt –was, nebenbei bemerkt, natürlich auch Franz Kafka bekannt war und Spuren in seinem Werk hinterlassen hat –, wird bei uns statt des Ausdrucks »kafkaesk« nur noch das Wort »dohlenartig« verwendet. Anfangs hat mich das ja durchaus amüsiert, aber jetzt, nach etlichen Monaten, wirkt das Ganze auf mich doch eher albern oder zwanghaft. Teilweise finde ich die Situation sogar regelrecht dohlenartig.

Andreas Maier

 Verpasste Gelegenheiten

»Rückblickend hätte ich schon einiges anders gemacht«, sagt die Mittzwanzigerin am Nebentisch. »Zum Beispiel hätte ich mit meinem Freund damals eigentlich gern mehr Zeit verbracht. Dann hätten wir uns auch viel früher getrennt.«

Tilman Birr

 Russtikal

Die einen nennen die klassische Technik, wenn einen beim Wandern das Unwetter überrascht, schlicht »nackter Oberkörper« – für mich jedoch ist das »die russische Regenjacke machen«.

Theobald Fuchs

 Genialer Lifehack

Du bist gerade unterwegs und möchtest wissen, wie spät es ist? Dummerweise hast du zwar keine Uhr, dafür aber eine Sozialphobie im Gepäck, kannst also auch keinen Fremden auf der Straße fragen? Kein Problem! Suche einfach den nächsten Supermarkt auf. Wähle eine Tütensuppe aus (ich habe sehr gute Erfahrungen mit der »Frühlingsgemüsesuppe« gemacht), gehe zur Kasse und bezahle sie. Tadaa! Auf dem Bon findest du die Uhrzeit. Auf die Sekunde genau.

Katharina Greve

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKatharina Greve: "Eigentlich ist Wurst umgestülptes Tier: Cartoons & Comicstrips"
Katharina Greve ist nicht nur Architektin, Situationsdesignerin und stolze Besitzerin einer Vakuumiermaschine, sondern auch Prophetin: Via Kalenderblatt sagte sie im Jahr 2013 auf den Tag genau den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. voraus. Wer wissen will, welche sonderbaren Ereignisse die Zukunft noch bereithält, braucht deshalb dieses Bilderbuch. Gegenstände mit Gefühl, Menschen ohne Gesicht, Tapetenmuster von göttlicher Anmut – all das findet sich in Greves fantastisch-wurstigem Cartoonband!Fischer/Wolff/Ziegelwagner (Hrsg.):  "Die TITANIC-Bibel: Segen, Sünden, Sauereien"Was sind schon Markus, Matthäus, Lukas, Johannes, Paulus, Gott gegen Knorr, Eilert, Bernstein, Pfarr, Schmitt, Zippert, Hurzlmeier, Raddatz usf.? Bestenfalls mittelmäßige Autoren und Zeichner. Deswegen greift der moderne Religionskenner zur TITANIC-Bibel. Das ideale Weihnachtsgeschenk für alle, die noch wissen, worum es bei Weihnachten wirklich geht (ideale Weihnachtsgeschenke).Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 15.03.:

    Die "Junge Welt" im Gespräch mit Martin Sonneborn über Turbopolitik.

  • 15.03.:

    Leo Riegel ist einer der drei Gewinner des NABU-Cartoon-Wettbewerbs. Wir gratulieren!

  • 13.03.:

    Das "Journal Frankfurt" berichtet über Chefredakteur Moritz Hürtgen.

  • 12.03.:

    Zu den Regierungskrisen der vergangenen zwölf Monate zählt die "Süddeutsche Zeitung" u.a. Moritz Hürtgens Twittercoup über einen angeblichen Fraktionsbruch.

  • 08.03.:

    Das "Handelsblatt" hat Martin Sonneborn in Straßburg (EU) getroffen.

Titanic unterwegs
22.03.2019 Wuppertal, Volkshochschule Uwe Becker
23.03.2019 Leipzig, Café »Das Kapital« Katharina Greve
23.03.2019 Leipzig, Buchmesse Thomas Gsella
23.03.2019 Leipzig, LURU-Kino in der Spinnerei Paula Irmschler