Vom Fachmann für Kenner | Juli 2009


Gutes Hobby

Auch wenn Fury das vielleicht nicht hören mag: Sodomie ist mein Reinsteckenpferd.

Micha Wilke

Do it yourself?

Letztens kam es im Bekanntenkreis zur Diskussion über die Frage »Gekauftes versus Selbstgebasteltes«. Eine Freundin meinte, Selbstgemachtes sei maschinell Hergestelltem stets vorzuziehen. Als Gegenargumente führte ich Herzschrittmacher, Flachbildfernseher, Raketenabwehrsysteme, Antivirusprogramme und – aus Gründen der Aktualität – schließlich noch Geschwindigkeitssensoren für Langstreckenflugzeuge der Firma Airbus ins Feld.

Diskussion beendet.

Wilson T. Pearce

Schlechtes Gewissen

Seit der Arzt meiner kleinen Schwester klipp und klar gesagt hat, daß ihre Bulimie sie noch ins Grab bringt, wenn die Therapie weiterhin verweigert wird, würgt sie in letzter Zeit irgendwie so angespannt.

Sidney Gennies

Manipuliert

Daß die Medien einen weitaus größeren Einfluß auf mich haben, als ich bisher annahm, wurde mir erst klar, als in einem meiner Träume die Serie »Bezaubernde Jeannie« für die Verwendung einer umweltfreundlichen Mehrwegflasche ein »Sehr gut« der Zeitschrift Ökotest erhielt.

Vivien Wünsche

Merkzettel schreiben!

Ich wollte mich daran erinnern, daß ich meine Ex-Freundin vergessen will.

Andreas Schriewer

Ratlos

Ressentiments gegen Ausländer kommen mitunter ziemlich subtil daher, so daß schwer zu entscheiden ist, wann man eingreifen sollte. Neulich hörte ich in einer Radiosendung über das Zusammenwachsen der Städte Wien und Bratislava, wie eine ältere Wienerin die Bedrohung durch die näherrückenden Nachbarn einschätzte: »Was soi ma mochn? De san nett und freindlich.« Wenn Ressentiments so sympathisch hilflos klingen wie hier, was soll man machen? Soll man überhaupt was machen? Ratlosigkeit steckt eben an.

Michael Höfler

Persilschein

Daß ich meine Wäsche zwanghaft mit Persil wasche, hat einen einfachen Grund: Ich leide unter Omophobie.

Mark-Stefan Tietze

Allgemeine Verkehrskontrolle

Die Polizei winkte gleich ein halbes Dutzend Autos heraus auf den Parkplatz. Zuletzt einen alten roten Golf mit handgesprühten Ornamenten, die man wohl als »Bang that head that doesn’t bang« lesen sollte. Drei fettzöpfige Juvenile männlichen Geschlechts saßen darin und bangten nun tatsächlich, denn nicht nur die beiden Beifahrer hatten schwer geladen, nein, auch der Chauffeur, dem erst seit ein paar Wochen ohne elterliche Aufsicht den Wagen zu führen erlaubt war, hatte es nicht bei einem obligatorischen Fahrbier belassen, sondern sich überdies auch noch, wie sein großes Vorbild Lemmy Kilmister, diverse Portionen Wodka-O-Saft zugeführt, wenn nicht sogar mit Schwung hinter den Knorpel gegossen. Sie waren zwar betrunken, aber sie waren nicht dumm. Und so staunte der erfahrene Hauptwachtmeister nicht schlecht, als er die Reihe der zu überprüfenden Fahrzeuge abgearbeitet hatte, zu ihnen aufschloss und eine mit drei jungen Männern vollbesetzte Rückbank vorfand. Vom Fahrer fehlte jede Spur.

Frank Schäfer

Doof!

Nach Aussage meiner Eltern soll ich schon als Vierjähriger am heimischen Gartenzaun gestanden und lauthals »Ihr doofen, doofen Leute!« gebrüllt haben. Nun, was soll ich sagen, nach vierzig weiteren Jahren Erfahrung, in denen ich der Menschheit die eine oder andere Chance gab: ich hatte völlig recht!

Rolf Karez

Schon mal mit roten Ohren vom Klo gekommen?

In die Kneipe, Frau angequatscht, Drinks spendiert, Komplimente und so weiter, irgendwann bezahlt und noch mal schnell aufs Klo, nur um dann – in dem einen Moment, dieser winzigen Pause der scheinbar vollkommenen Stille zwischen Elvis Costello und Ben Harper – den gesamten Rest der Kundschaft mit dem markigen »Rrrrratsch!« des Kondomautomaten aufzuheitern.

Philip Wolf

Erkenntnis bei Stromausfall

Es ist erstaunlich, wieviele Dinge man erledigen kann, wenn der Computer mal nicht funktioniert.

Beppo Pohlmann

Protestantische Ethik

Als ich einst meine Auslandssemester auf einer tropischen Insel verbrachte, erreichte mich Post meiner Großmutter. Sie schrieb, sie fände es gut, daß ich meine jungen Jahre zum Entdecken der Welt nutzen würde. Für sie wäre so eine weite Reise aber nichts mehr, »schließlich muß man in meinem Alter auch schon so langsam an den Tod denken. Und dann wird die Überführung so teuer.«

Hanno Schmidt

Haß im Netz

Gestern in der Jungschar ist es passiert: Die Internetkriminalität, die ja immer neue Felder erobert, hat nun auch mich erreicht. Zwei Zehnjährige liegen auf dem Boden, der eine heult: »Er hat mich geschlagen!« – »Er hat meinen Account bei Seafight sperren lassen!« – »Und er hat meinen Account gehackt!«

Paul Hubrich

Kurort

Als ich unlängst in einem hessischen Traditions-Heilbad nächtigte, war ich durchaus geschmeichelt, als man mich an der Rezeption des Kurhotels mit unverhohlener Freude, einem Blumenstrauß und bunten Luftballons begrüßte: »Herzlichen Glückwunsch. Sie sind seit langem unser jüngster Gast!« Den bunten Lolli nahm ich ja noch ganz gern, aber den Kinderteller im Restaurant des Hauses lehnte ich dankend ab, auch wenn sich das Küchenpersonal schon sehr darauf gefreut hatte, ihn mal wieder zuzubereiten. Wir einigten uns darauf, daß man den Kinderteller etwas größer machte und ich statt der Spaghetti eine gebratene Jakobsmuschel bekäme. Endgültig zuviel wurde es, als ich mit meinen 36 Jahren in der Hotelbar noch den Ausweis herzeigen sollte. Zwei Stunden lang tobte ich: »Ich will aber Whiskey! Ich will, ich will, ich will!« Dann rief man meine Eltern an.

Volker Surmann

Einladung zum Diskurs

Nachdem sich ein guter Freund wochenlang nicht bei mir gemeldet hatte, schickte ich ihm eine Email: »Na, du Arschloch!« Ruckzuck hatten wir wieder Kontakt.

Uwe Becker

Musical Hairsplitting

Wer mir genauer erklären kann, was mein im Prenzlauer Berg wohnender Gesprächspartner auf einer Party zu beschreiben gedachte, als er versuchte, mir seine neue »Lieblings-Chillout- Musik« Minimal Piano näherzubringen, der schicke bitte eine Mail an die Redaktion. »Alle meine Entchen« war es seiner Reaktion nach zu urteilen jedenfalls nicht.

Moritz Veltmann

Ernährungstip für Computer-Nerds

Eine einzige Schubkarre Apfelringe deckt den Tagesbedarf an Vitamin C.

Markus Hennig

Frauengespräch

Im Zug zwischen Hamburg und Berlin kommen zwei Frauen ins Plaudern. Die eine mußte gerade wegen eines Jobs nach Hamburg ziehen: »Wenn ich also in Hamburg bin und meine Familie in Berlin, da ist die Zeit so lang, das kann man sich gar nicht vorstellen!« Darauf Frau Nummer zwei einfühlsam: »Ja, das kann ich mir vorstellen!«

Katharina Greve

Logopädie

Einen Spanier mit Sprachfehler erkennt man daran, dass er nicht lispelt.

Dirk Warnke

Fünfzehn Jahre ohne

Aus beruflichen Gründen mußte ich kürzlich in ein Dorf ziehen, in dem es nicht einmal eine Kneipe gibt. Da der letzte Bus dorthin zurück um 17.29 Uhr fährt, mein Feierabend zu diesem Zeitpunkt aber noch in weiter Ferne liegt, blieb mir als Auto-Skeptiker nichts anderes übrig, als mir nach anderthalb Dekaden wieder ein Rad zuzulegen. Nicht ohne Angst bestieg ich an meinem ersten Arbeitstag den Drahtesel, um nach wenigen Minuten erleichtert festzustellen: Fahrradfahren ist wie Fahrradfahren – das verlernt man nicht!

Alexander Waldhelm

Twitter

ist ja auch total überschätzt. Es gibt bis heute beispielsweise keinen einzigen Tweet zum Thema »Sexgöttin Tanja Hötzle«. Und das ist eine verdammt schwache Leistung! Findet jedenfalls:

Sexgöttin Tanja Hötzle

Lampenfieber

Ich weigere mich allein schon deshalb, gängige Geschlechterrollen zu übernehmen, weil ich mir meinen Text ohnehin nicht merken könnte.

Gregor Baszak

Fragen Sie Reich-Ranicki

In seiner Rubrik in der FAS beantwortet Marcel Reich-Ranicki Woche für Woche vornehmlich die Leserfragen, die er offenbar für ziemlich daneben hält. Dementsprechend knapp werden diese Fragen niedergebügelt. Ich begann mich schon zu fragen, was das überhaupt für Leutchen sind, die sich immer noch an diese eingestaubte Autorität wenden, als ich vor drei Wochen die Antwort erhielt: Leutchen wie ich! Las ich doch eine Frage zum Einfluß des Alkohols auf die Weltliteratur, die ich im April 2005 an ihn gerichtet hatte. Seine kurze Antwort lief darauf hinaus, dass er sich für »nicht zuständig« erklärte. Und für diese Erkenntnis hat er über vier Jahre gebraucht?   

Friedrich Krautzberger, Krailing

Medienzeug

Ich fuhr mit meiner Mutter an einem Haus vorbei, das vom Künstler Friedensreich Hundertwasser entworfen worden war. »Guck ma’, ein Jahrhunderthochwasser-Haus!« rief meine Mutter. Darauf schwieg sie eine Weile und meinte dann, die Medien würden sie noch bekloppt machen.

Doris Sakala

YouSmell

Zum Glück gibt es immer noch keine praktikable Technologie, um Gerüche zu digitalisieren. Man stelle sich nur vor, es gäbe ein den Globus umspannendes olfaktorisches Netzwerk, und jeder Kracher könnte seine Ausdünstungen auf einer Plattform namens »YouSmell« veröffentlichen. Juristisch bärge nicht zuletzt die Verwertung kollektiv produzierter Ausdünstungen (Jugendherberge, Bundestagsdebatte) miefige Fragestellungen. Mittels Systemen wie Odour-over-IP ließen sich zwar weltweit kleine Duftgrüße mit mehr oder weniger geliebten Menschen austauschen, andererseits wäre ein wirksamer Schutz gegen binäre Stinkbomben, der sogenannten »stink-mail«, schwierig – einmal abgerufen, hülfe dagegen wohl nur noch das gute, alte analoge Lüften.

Theobald Fuchs

Wiener Charme

Eine alte Frau steigt aus der Wiener U-Bahn. Im Vorbeigehen beglückwünscht sie einen jungen Mann, der sich gerade mühsam mit seinem Blindenstock die Stiegen hochtastet: »An so einem Tag wie heute, da können’s froh sein, daß Sie blind sind. Die Sonne scheint so grell, für uns Normale tut das richtig weh in den Augen.«

Jürgen Marschal

Folgenschwere Floskel

Aus Gesprächen mit Leidensgenossen weiß ich mittlerweile, daß ich nicht alleine war mit dem Argwohn meiner Kindheitstage, ich sei nur adoptiert. Lange habe ich gegrübelt, woher der unschöne Verdacht wohl kommen mochte. Den Tanten dieser Welt möchte ich nun meine schlüssigste Erklärung ans Herz legen: Vermutlich ist die ständig an die Erzeugerin gerichtete Floskel »Der wird dir ja immer ähnlicher!« die Mutter solcher Wahnvorstellungen.

Askal Bosch

Vorsorge

Um das Krebsrisiko auf Null zu senken, müßte man aufhören zu leben, aber dann hat einen der Krebs da, wo er einen haben will.

Manuela Kaindl

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Carlos Ghosn (Großkapital)!

Carlos Ghosn (Großkapital)!

Einst haben Sie aus Nissan, Renault und Mitsubishi ein internationales Bündnis geschmiedet. Seit November letzten Jahres sitzen Sie in Tokio in Untersuchungshaft; Sie sollen gegen Börsenauflagen verstoßen, Ihr Gehalt falsch ausgewiesen und private Verluste auf Nissan übertragen haben. Selbstverständlich wehren Sie sich gegen die Vorwürfe, wittern »Verrat« und die »Verschwörung« einer »Armee«, die Ihnen gegenüberstehe.

Nun wissen wir nicht, was an den Anklagepunkten dran ist, aber Herrgott, Ghosn, geht man allein nach Ihrem Äußeren, wundern wir uns, dass Ihnen nicht viel ärgere Untaten zur Last gelegt werden. Sie sehen aus wie jemand, der regelmäßig Dinge blafft wie »Ich hab genug gehört« und »Schafft ihn weg!«. Wie jemand, der mit einem Knopf unter der Schreibtischplatte eine Falltür öffnen kann. Jemand, der sich mit Blick aus dem obersten Stockwerk eines Wolkenkratzers einen 60 Jahre alten Whisky einschenkt, den er seiner globusförmigen Hausbar entnommen hat, während einer seiner Konkurrenten gefesselt und geknebelt vor ihm kniet. Kurzum: Man würde Ihre Besetzung als Bond-Bösewicht wegen Klischee-Übererfüllung ablehnen. Von Ihrem spukhaften Nachnamen wollen wir gar nicht erst anfangen!

Heute mal oberflächlich: Titanic

 Jetzt mal im Ernst, MDR!

In einem Spielbericht hast Du behauptet, alle drei Tore seien »durch einen ruhenden Ball« gefallen. Muss sich der Ball nicht doch ein ganz klein wenig bewegen, damit ein Tor fallen kann?

Fragt in sich ruhend, den Toren beim Fallen zusehend: Titanic

 Huhu, »Welt«-Journalist Peter Praschl!

Ein Texteinstieg muss neugierig machen, packen, sonst wird der Rest nicht gelesen. Das gilt besonders für Bezahlinhalte, deren erster Absatz frei einsehbar ist, und so begannen Sie einen Artikel über Sharon Tate mit den Worten: »Nichts wirkt so belebend wie eine ermordete junge Frau. All diese Fantasien, die sie entfacht – was aus ihr noch hätte werden können.«

Nun lässt sich eine Paywall aber rein technisch schwer überwinden, wenn man beim ersten Satz direkt auf den Bildschirm kotzen muss. Denn abgesehen davon, dass junge Frauen es deutlich weniger erfrischend finden, ermordet zu werden, als Sie und jemand, der sich statt mit Limonade mit Femiziden erfrischt, eher in die Psychiatrie als in die Medien gehört, evoziert Ihr Ekelgeschwalle in uns das Bild, wie Ihnen beim Schreiben solcher Widerlichkeiten die Hose aufgeht, und gegen solch starken Brechreiz ist noch kein Kraut gewachsen.

Immerhin, Praschl, stellt sich, sollte Ihnen etwas zustoßen, nicht die Frage, was aus Ihnen noch hätte werden können. Klar wäre einfach: Es wird keine neuen Texte von Ihnen geben. Und diesen Gedanken findet sehr belebend: Titanic

 Toller Service, »Manager Magazin«:

»Prokrastinations-Test: Sind Sie der König der Aufschieber?« Wir wollten uns natürlich sofort testen, aber leider war noch der Abwasch zu erledigen, und spazierengehen wollten wir ja auch, und endlich auf diese eine Mail antworten …

Aber morgen dann ganz sicher! Titanic

 Schwach, Bundesagentur für Arbeit!

Da wurdest Du dafür kritisiert, dass Du eine Hartz-IV-Empfängerin zum Lösen veritabler Grundschulaufgaben gezwungen hast. Auf die Netzschelte wegen Anweisungen wie »Schreibe unter das Bild das passende Wort« hin knicktest Du sogleich ein: »Wir können gut verstehen, dass die Teilnehmenden dies kritisieren, und teilen diese Meinung auch.«

Dabei, Bundesagentur, schulst Du damit unserer pädagogischen Expertise nach diese am Arbeitsmarkt unentbehrlichen Fähigkeiten: 1. bedenkenlos Befehle ausführen, 2. stupide Jobs erledigen, 3. Hilflosigkeit ertragen wie ein Kind, 4. das Gutsherren-Du akzeptieren und 5., am wichtigsten, komplette Selbstaufgabe!

Regt sowieso eine Umbenennung in Bullshitjob-Agentur an: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Verpasste Gelegenheiten

»Rückblickend hätte ich schon einiges anders gemacht«, sagt die Mittzwanzigerin am Nebentisch. »Zum Beispiel hätte ich mit meinem Freund damals eigentlich gern mehr Zeit verbracht. Dann hätten wir uns auch viel früher getrennt.«

Tilman Birr

 Russtikal

Die einen nennen die klassische Technik, wenn einen beim Wandern das Unwetter überrascht, schlicht »nackter Oberkörper« – für mich jedoch ist das »die russische Regenjacke machen«.

Theobald Fuchs

 Feindschaftspreis

Seit ich hier in Berlin wohne, hole ich mir bei meinem bevorzugten asiatischen Restaurant regelmäßig das einzige vegane Gericht. »6,90 Euro – für dich!« hieß es dort stets schmunzelnd vom Chefkellner. Letztes Mal überreichte mir erstmals eine andere Bedienung meine Bestellung: »Macht dann 5,90 Euro.«

Dominik Mauer

 Genialer Lifehack

Du bist gerade unterwegs und möchtest wissen, wie spät es ist? Dummerweise hast du zwar keine Uhr, dafür aber eine Sozialphobie im Gepäck, kannst also auch keinen Fremden auf der Straße fragen? Kein Problem! Suche einfach den nächsten Supermarkt auf. Wähle eine Tütensuppe aus (ich habe sehr gute Erfahrungen mit der »Frühlingsgemüsesuppe« gemacht), gehe zur Kasse und bezahle sie. Tadaa! Auf dem Bon findest du die Uhrzeit. Auf die Sekunde genau.

Katharina Greve

 Das Urteil

Seit sich in unserem Kafka-Lektürekreis herumgesprochen hat, dass die Dohle auf tschechisch »kavka« heißt –was, nebenbei bemerkt, natürlich auch Franz Kafka bekannt war und Spuren in seinem Werk hinterlassen hat –, wird bei uns statt des Ausdrucks »kafkaesk« nur noch das Wort »dohlenartig« verwendet. Anfangs hat mich das ja durchaus amüsiert, aber jetzt, nach etlichen Monaten, wirkt das Ganze auf mich doch eher albern oder zwanghaft. Teilweise finde ich die Situation sogar regelrecht dohlenartig.

Andreas Maier

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKatharina Greve: "Eigentlich ist Wurst umgestülptes Tier: Cartoons & Comicstrips"
Katharina Greve ist nicht nur Architektin, Situationsdesignerin und stolze Besitzerin einer Vakuumiermaschine, sondern auch Prophetin: Via Kalenderblatt sagte sie im Jahr 2013 auf den Tag genau den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. voraus. Wer wissen will, welche sonderbaren Ereignisse die Zukunft noch bereithält, braucht deshalb dieses Bilderbuch. Gegenstände mit Gefühl, Menschen ohne Gesicht, Tapetenmuster von göttlicher Anmut – all das findet sich in Greves fantastisch-wurstigem Cartoonband!Fischer/Wolff/Ziegelwagner (Hrsg.):  "Die TITANIC-Bibel: Segen, Sünden, Sauereien"Was sind schon Markus, Matthäus, Lukas, Johannes, Paulus, Gott gegen Knorr, Eilert, Bernstein, Pfarr, Schmitt, Zippert, Hurzlmeier, Raddatz usf.? Bestenfalls mittelmäßige Autoren und Zeichner. Deswegen greift der moderne Religionskenner zur TITANIC-Bibel. Das ideale Weihnachtsgeschenk für alle, die noch wissen, worum es bei Weihnachten wirklich geht (ideale Weihnachtsgeschenke).Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 15.03.:

    Die "Junge Welt" im Gespräch mit Martin Sonneborn über Turbopolitik.

  • 15.03.:

    Leo Riegel ist einer der drei Gewinner des NABU-Cartoon-Wettbewerbs. Wir gratulieren!

  • 13.03.:

    Das "Journal Frankfurt" berichtet über Chefredakteur Moritz Hürtgen.

  • 12.03.:

    Zu den Regierungskrisen der vergangenen zwölf Monate zählt die "Süddeutsche Zeitung" u.a. Moritz Hürtgens Twittercoup über einen angeblichen Fraktionsbruch.

  • 08.03.:

    Das "Handelsblatt" hat Martin Sonneborn in Straßburg (EU) getroffen.

Titanic unterwegs
22.03.2019 Wuppertal, Volkshochschule Uwe Becker
23.03.2019 Leipzig, Café »Das Kapital« Katharina Greve
23.03.2019 Leipzig, Buchmesse Thomas Gsella
23.03.2019 Leipzig, LURU-Kino in der Spinnerei Paula Irmschler