Vom Fachmann für Kenner | Juni 2007


Non scholae…

H. ging neulich dann doch zum Urologen, weil er gehört hatte, man könne die Prostata­vorsorgeuntersuchung auch per Bluttest erledigen. Der Arzt meinte: Ja, Bluttest schon, aber er würde dennoch »eher zur digitalen Untersuchung raten«. Digital, das klang gut in H.s Ohren, weshalb er auch sofort einwilligte. Leider hatte er ­früher im Lateinunterricht immer Schiffeversenken gespielt, so daß ihm nun, als der Arzt sich schon den Gummihandschuh überzog und ihn aufforderte, sich doch ­bitte freizumachen, zwar ein schrecklicher Verdacht kam, aber leider viel zu spät.

Tibor Rácskai

Vaterschaftstest

Seit die Kindergärtnerin meinem Sohn »Aufmerksamkeitsschwäche« und ­»soziale Unverträglichkeit«, dafür aber auch eine »unterdurchschnittliche Intelligenz« bescheinigt hat, weiß ich wenigstens, daß das Kind von mir ist.

Lino Wirag

Wem die Stunde schlägt

Wenn man in den neuen Bundesländern im Auto unterwegs ist, im Radio »Ostseewelle Hitradio Mecklenburg-Vorpommern« hört und dort ein freundlich klingender Moderator mit sanfter Stimme Werbung für das sogenannte »Mitter­nachtss­hoppen bis 23 Uhr« macht, dann weiß man, daß drüben die Uhren einfach noch ein ­wenig anders gehen.

Djik Ouchiian

Geschenkidee

Es war nicht aus mir herauszukriegen, was ich mir zum 35. Geburtstag ­wünschte – meine Gewohnheiten waren mit dem Alter starr und aufwandslos geworden, mein Durst auf Neues gering. Ich wollte weitermachen wie bisher. Dennoch war ich enttäuscht, als ich bis zum Abend des betreffendes Tages nichts von meiner ­Mutter gehört hatte, und ging in die ­Kneipe. Dort stellte mir der Wirt, der mich schon lange durch Höhen und Tiefen ­begleitet, wie immer ein Bier hin und reichte wortlos ein Päckchen über die Theke, das ich neugierig aufriß: Und ­siehe da, in einem Wechselrahmen sah er ganz schmuck aus, mein Deckel über 137 ­Euro 20, den meine Erzeugerin am Vorabend bezahlt hatte. Prost, Mutti!

Kolja Klimm

Rührend

»Vor dem Genuß umrühren«, las ich neulich auf dem Deckel meiner Fruchtquarkdose. Nun hatte ich 500 Gramm lang Zeit, darüber nachzudenken, wann ich den Quark umgerührt hätte, wenn ich diesen Hinweis nicht erhalten hätte. Und vor ­allem, womit!

Uwe Geishendorf

Was bin ich?

Mit den beiden Töchtern (5 und 7) meines Bruders im Stadtbad. Fiese Hitze und vor mir also zwei Kinder mit vom ­Planschwunsch zerfurchtem Gesicht. Die Schwimmflügel mußten noch aufgepustet werden. Ich ­wußte nicht, daß man dafür die Ventile am unteren Ende zusammenpressen muß. Mit einer Kugelschreibermine versuchte ich, sie irgendwie durchzustechen. Gott, es war so heiß. Ich wollte das alles nicht. Dann kam’s: »Onkel Jörg, frag doch mal einen Mann!«

Jörg Zimmermann

Die aktuelle Modenschau

Okay, jetzt glaube ich es auch: Es ist ein Trend. Habe heute den ersten Hip-­Hopper in Röhrenjeans gesehen.

Volker Surmann

Straßenkunst

Alles war wie immer! Ich ging in die langgezogene Kurve mit der erlaubten Geschwindigkeit und beschleunigte dann, um die Fliehkräfte für die darauffolgende, sacht ansteigende Gerade zu nutzen, die direkt auf mein Heimatdorf zusteuert. Rechts auf dem Grünstreifen ein kleines Holzkreuz mit frischen Blumen. Noch eins. Oh, und noch eins. Das stand beim letzten Mal noch nicht da. Ein Gefühl der Behaglichkeit fiel mich an, es war schön, wieder nach Hause zu kommen. Dann das kleine Waldstück… – – – ????? Was in aller Welt war dieses? ­Kleine pittoreske Galgen, wie für verbrecherische Zwerge gemacht, säumten den Straßenrand in einem Abstand von zehn Metern. Daran hingen – ja, tatsächlich, CDs. Hei, wie das blitzte und blinkerte. In allen Regenbogenfarben. Mir war ganz weihnachtlich zumute. Ich rieb mir mit der Rechten die Augen, meine neuen schweinsledernen Rallyefahrerhandschuhe fühlten sich gut an. Dann wußte ich es. Ein einheimischer Künstler hatte hier offenbar eine seiner symbolis­tischen Installationen dem Volke zugänglich gemacht. Ja, genau, eine polemische ­Variation auf den Niedergang der Musikindustrie war das, auf den Verfall des Träger­mediums Compact Disc, und vielleicht ­sogar eine Mahnung, daß mit der allmählichen Durchsetzung der mp3 das alte, ­traditionelle, geliebte Albumformat auf dem Spiel stand. Aber vielleicht war das auch schon eine Überinterpretation. Aus dem Augenwinkel sah ich den alten grünen Fendt, der stoisch die Ackerkrume durchpflügte. Ich bremste und hielt am Feldesrand, ich mußte es jetzt genau wissen. Der Bauer sah mich aus leblosen Augen an und zog seine Spur wie mit einem Lineal. Als er auf meiner Seite der Scholle angelangt war, hielt er und grüßte freundlich: »Watt is?«

Ich fragte ihn nach dem Straßenkunstwerk, ob der Künstler ein Einheimischer sei, und was das Werk wohl zu bedeuten habe – und enthielt ihm auch nicht meine noch ganz frische Lesart.

Er sah mich an, als hätte ich seine Lieblingssau von hinten genommen, und fuhr dann kopfschüttelnd wieder an. »Dat is gegen Rehe«, hörte ich ihn noch fluchen, »Männ, Männ, Männ.« Ich stieg dann auch wieder in mein Gefährt, plötzlich froh, damals nicht in diesem Scheißkaff hockengeblieben zu sein.

Frank Schäfer

Nachbarn

An der Supermarktkasse. Ein halbes Dutzend Leute sieht der vor mir stehenden Sonnenbrille mit Frisur drunter beim Einpacken zu. Die Kassiererin zieht die Pfirsiche über den Scanner und meint großmütig: »Och, die sehen ja gar nicht mehr gut aus. Wollen Sie nicht lieber andere nehmen?« Die Kundin, ganz kurz nachdenkend, antwortet: »Ach nein, die sind für meine Nachbarin.« Da guckten wir nicht schlecht.

Alfred Lohmann

Ihre Diagnose, bitte

Ist man, wenn man sich morgens statt Milch aus Versehen Apfelsaft in den Kaffee gießt, schon dement? Oder doch nicht, weil man sofort den Fehler bemerkt und Milch hinterherschüttet?

Nils Heinrich

(Ent)Warnung

Wäre ich Racheengel oder wenigstens Mediziner und bedeutend misanthro­pischer als ich, also irgend so ein ­Krüppel und Arsch von verbitterter Nobelpreis-Virologe: ach, was gäbe ich darum, eine neue und fürwahr schröckliche, ja höllische Krankheit zu entdecken und dann blitzschnell auf meinen Namen zu taufen – wobei Drittklassiges wie »Gsella-­Welle in Bonn / Impfung zwecklos« mich naturgemäß weniger reizen würde als eins a Spiegel-Titelstories wie: »GSELLA – Ein Kontinent stirbt« oder Plakate namens »Gib GSELLA keine Chance« – furchtbar. Zum Glück hab ich aber weder ­Ahnung noch den entsprechenden und, eigentlich, hmhm… doch halbwegs kribbeligen Totalhau! So daß alles beim alten bleibt; zumindest vorerst.

Thomas Gsella

Gesundheitstip des Tages

Schmerzende Augen einfach auslöffeln und durch zwei Toffifees ersetzen.

Katharina Adick

Und demnächst in die Oper?

Vor drei Wochen träumte Kollege Michael, daß er bei einem erstklassigen Herrenausstatter Maß nehmen ließ für einen dreiteiligen Anzug. Gestern nacht dann ein neuer Traum: Der Anzug war wie verabredet fertig und paßte perfekt.

Marcel Vega

Glasklar

Meine Brille trage ich nur aus optischen Gründen.

Arno Lücker

Versuch zum Dialog der Kulturen (2)

In einer »Health Bar«.

Ich: »Ich hätte gerne ein Glas Milch.«

Verkäuferin: »No fat oder low fat?«

Ich: »Full fat, bitte.«

Dialog gescheitert.

Heiko Werning

Guter Rat

Frühsommerzeit – Spar­gel­zeit! Aber welches gute Tröpfchen dazu wählen? Freilich ist die Auswahl an feinen Weinen im Supermarkt begrenzt, aber die Qual der Wahl ist ja – o perfide Dialektik! – häufig am höchsten, wenn man keine Ahnung hat. Stehen der Biertrinker und seine Tequilabraut also vor diesem fuck Weinregal und zaudern: Den Grauburgunder für 3,59? Oder den Riesling für 2,79? Bis sich eine Mutti in Freizeitkleidung heranschiebt und unaufgefordert zu einer recht pennerbombenhaften Literflasche Müller-Thurgau zu 1,59 rät: Das, raunt sie, dürfe man natürlich keinem sagen und auch rein gar nicht verschenken, aber so, für den Hausgebrauch, schmecke der, wenn sie uns den Tip geben dürfe, sehr gut, alle ihre Freunde und Bekannten hätten diesen Rat, nach verständlichem anfänglichem Zögern, schließlich befolgt und seien sehr zufrieden.

Wie dankbar ist man für das freund­liche Wort einer Unbekannten, gar ­einen ­guten Rat, der eine prekäre und fast hoffnungslose Situation in lindes Wohlgefallen auflöst, wertvolle Lebenszeit rettet und überdies die Hoffnung nährt, so abgrundtief am Arsch und unrettbar sei sie gar nicht, diese Welt, solange man sich in den ­Einkaufsparadiesen noch mit Rat und Tat zur Seite steht und die hoch­zivilisatorische ­Anonymität aufzubrechen immerhin imstande und, vor allem, willens ist! Hurra!

Und wie gut, daß der Wein nicht zu trinken, ja geradezu entsetzlich war: So haben wir an dieser Stelle nicht nur frische Hoffnung, sondern auch eine feine Pointe.

Stefan Gärtner

Haushaltstip

Die begrenzte Haltbarkeit von Küchen­geräten und -mobiliar war meinem Freund Markus am Telefon kürzlich Anlaß zur ausgedehnten Klage. Im Prinzip habe er in seiner acht Jahre alten Küche vom Herd über die massivhölzerne Arbeitsplatte bis zum Kühlschrank jedes einzelne Teil schon einmal ersetzen müssen. Als ihm aber vor einer Weile auch die zweite Geschirrspülmaschine verreckt sei, habe er zur Entlastung der Haushaltskasse einen weisen Entschluß gefaßt, den er mir hiermit ans Herz legen wolle: »Wenn dir die Spülmaschine schon wieder kaputtgegangen ist, dann kaufst du dir erst mal keine, dann geht sie dir auch erst später kaputt.«

Mark-Stefan Tietze

Theoretischer Alkoholtest

Notorisch finanzschwache Geisteswissenschaftler können jetzt die Anschaffung eines teuren Promilletesters durch diese kleine Übung vollwertig ersetzen:

»Empiriokritizismus« – »Kontiguitäts­assoziation« – »Authentizitätsdilemma«.

Wenn man alle diese Worte noch aussprechen kann, ist man noch nicht betrunken. Oder noch nicht betrunken genug, je nachdem. Bei »Phallogozentrismus« hört der Spaß allerdings auf.

Leo Fischer

Haydn

Eine CD aus meiner sehr exklusiven Klassik-Box ist wie folgt bedruckt: »HAYDN SEINE GROSSEN HITS«. Klingt ein bißchen wie »Bernd sein Auto«, die Musik ist aber ganz gut.

Dirk Warnke

Mutmaßung

Wenn man die Zeitungsmeldungen rund um ihren Prozeß studiert, könnte man meinen, daß Paris Hilton Probleme mit kleinen, grauen Zellen hat.

Sascha Dornhöfer

Kein Witz

Anläßlich des 600jährigen Jubiläums der Universität Leipzig entschied sich das beauftragte Komitee, eine Gedenkmünze prägen zu lassen. Das universitäre ­Motto »Aus Tradition Grenzen überschreiten« soll aber aus Rücksicht auf die polnischen Partneruniversitäten nicht auf der ­Münze erscheinen.

Axel Grünwald

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Toller Service, »Manager Magazin«:

»Prokrastinations-Test: Sind Sie der König der Aufschieber?« Wir wollten uns natürlich sofort testen, aber leider war noch der Abwasch zu erledigen, und spazierengehen wollten wir ja auch, und endlich auf diese eine Mail antworten …

Aber morgen dann ganz sicher! Titanic

 Jetzt mal im Ernst, MDR!

In einem Spielbericht hast Du behauptet, alle drei Tore seien »durch einen ruhenden Ball« gefallen. Muss sich der Ball nicht doch ein ganz klein wenig bewegen, damit ein Tor fallen kann?

Fragt in sich ruhend, den Toren beim Fallen zusehend: Titanic

 Carlos Ghosn (Großkapital)!

Carlos Ghosn (Großkapital)!

Einst haben Sie aus Nissan, Renault und Mitsubishi ein internationales Bündnis geschmiedet. Seit November letzten Jahres sitzen Sie in Tokio in Untersuchungshaft; Sie sollen gegen Börsenauflagen verstoßen, Ihr Gehalt falsch ausgewiesen und private Verluste auf Nissan übertragen haben. Selbstverständlich wehren Sie sich gegen die Vorwürfe, wittern »Verrat« und die »Verschwörung« einer »Armee«, die Ihnen gegenüberstehe.

Nun wissen wir nicht, was an den Anklagepunkten dran ist, aber Herrgott, Ghosn, geht man allein nach Ihrem Äußeren, wundern wir uns, dass Ihnen nicht viel ärgere Untaten zur Last gelegt werden. Sie sehen aus wie jemand, der regelmäßig Dinge blafft wie »Ich hab genug gehört« und »Schafft ihn weg!«. Wie jemand, der mit einem Knopf unter der Schreibtischplatte eine Falltür öffnen kann. Jemand, der sich mit Blick aus dem obersten Stockwerk eines Wolkenkratzers einen 60 Jahre alten Whisky einschenkt, den er seiner globusförmigen Hausbar entnommen hat, während einer seiner Konkurrenten gefesselt und geknebelt vor ihm kniet. Kurzum: Man würde Ihre Besetzung als Bond-Bösewicht wegen Klischee-Übererfüllung ablehnen. Von Ihrem spukhaften Nachnamen wollen wir gar nicht erst anfangen!

Heute mal oberflächlich: Titanic

 Schwach, Bundesagentur für Arbeit!

Da wurdest Du dafür kritisiert, dass Du eine Hartz-IV-Empfängerin zum Lösen veritabler Grundschulaufgaben gezwungen hast. Auf die Netzschelte wegen Anweisungen wie »Schreibe unter das Bild das passende Wort« hin knicktest Du sogleich ein: »Wir können gut verstehen, dass die Teilnehmenden dies kritisieren, und teilen diese Meinung auch.«

Dabei, Bundesagentur, schulst Du damit unserer pädagogischen Expertise nach diese am Arbeitsmarkt unentbehrlichen Fähigkeiten: 1. bedenkenlos Befehle ausführen, 2. stupide Jobs erledigen, 3. Hilflosigkeit ertragen wie ein Kind, 4. das Gutsherren-Du akzeptieren und 5., am wichtigsten, komplette Selbstaufgabe!

Regt sowieso eine Umbenennung in Bullshitjob-Agentur an: Titanic

 Huhu, »Welt«-Journalist Peter Praschl!

Ein Texteinstieg muss neugierig machen, packen, sonst wird der Rest nicht gelesen. Das gilt besonders für Bezahlinhalte, deren erster Absatz frei einsehbar ist, und so begannen Sie einen Artikel über Sharon Tate mit den Worten: »Nichts wirkt so belebend wie eine ermordete junge Frau. All diese Fantasien, die sie entfacht – was aus ihr noch hätte werden können.«

Nun lässt sich eine Paywall aber rein technisch schwer überwinden, wenn man beim ersten Satz direkt auf den Bildschirm kotzen muss. Denn abgesehen davon, dass junge Frauen es deutlich weniger erfrischend finden, ermordet zu werden, als Sie und jemand, der sich statt mit Limonade mit Femiziden erfrischt, eher in die Psychiatrie als in die Medien gehört, evoziert Ihr Ekelgeschwalle in uns das Bild, wie Ihnen beim Schreiben solcher Widerlichkeiten die Hose aufgeht, und gegen solch starken Brechreiz ist noch kein Kraut gewachsen.

Immerhin, Praschl, stellt sich, sollte Ihnen etwas zustoßen, nicht die Frage, was aus Ihnen noch hätte werden können. Klar wäre einfach: Es wird keine neuen Texte von Ihnen geben. Und diesen Gedanken findet sehr belebend: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Das Urteil

Seit sich in unserem Kafka-Lektürekreis herumgesprochen hat, dass die Dohle auf tschechisch »kavka« heißt –was, nebenbei bemerkt, natürlich auch Franz Kafka bekannt war und Spuren in seinem Werk hinterlassen hat –, wird bei uns statt des Ausdrucks »kafkaesk« nur noch das Wort »dohlenartig« verwendet. Anfangs hat mich das ja durchaus amüsiert, aber jetzt, nach etlichen Monaten, wirkt das Ganze auf mich doch eher albern oder zwanghaft. Teilweise finde ich die Situation sogar regelrecht dohlenartig.

Andreas Maier

 Genialer Lifehack

Du bist gerade unterwegs und möchtest wissen, wie spät es ist? Dummerweise hast du zwar keine Uhr, dafür aber eine Sozialphobie im Gepäck, kannst also auch keinen Fremden auf der Straße fragen? Kein Problem! Suche einfach den nächsten Supermarkt auf. Wähle eine Tütensuppe aus (ich habe sehr gute Erfahrungen mit der »Frühlingsgemüsesuppe« gemacht), gehe zur Kasse und bezahle sie. Tadaa! Auf dem Bon findest du die Uhrzeit. Auf die Sekunde genau.

Katharina Greve

 Feindschaftspreis

Seit ich hier in Berlin wohne, hole ich mir bei meinem bevorzugten asiatischen Restaurant regelmäßig das einzige vegane Gericht. »6,90 Euro – für dich!« hieß es dort stets schmunzelnd vom Chefkellner. Letztes Mal überreichte mir erstmals eine andere Bedienung meine Bestellung: »Macht dann 5,90 Euro.«

Dominik Mauer

 Verpasste Gelegenheiten

»Rückblickend hätte ich schon einiges anders gemacht«, sagt die Mittzwanzigerin am Nebentisch. »Zum Beispiel hätte ich mit meinem Freund damals eigentlich gern mehr Zeit verbracht. Dann hätten wir uns auch viel früher getrennt.«

Tilman Birr

 Russtikal

Die einen nennen die klassische Technik, wenn einen beim Wandern das Unwetter überrascht, schlicht »nackter Oberkörper« – für mich jedoch ist das »die russische Regenjacke machen«.

Theobald Fuchs

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKatharina Greve: "Eigentlich ist Wurst umgestülptes Tier: Cartoons & Comicstrips"
Katharina Greve ist nicht nur Architektin, Situationsdesignerin und stolze Besitzerin einer Vakuumiermaschine, sondern auch Prophetin: Via Kalenderblatt sagte sie im Jahr 2013 auf den Tag genau den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. voraus. Wer wissen will, welche sonderbaren Ereignisse die Zukunft noch bereithält, braucht deshalb dieses Bilderbuch. Gegenstände mit Gefühl, Menschen ohne Gesicht, Tapetenmuster von göttlicher Anmut – all das findet sich in Greves fantastisch-wurstigem Cartoonband!Fischer/Wolff/Ziegelwagner (Hrsg.):  "Die TITANIC-Bibel: Segen, Sünden, Sauereien"Was sind schon Markus, Matthäus, Lukas, Johannes, Paulus, Gott gegen Knorr, Eilert, Bernstein, Pfarr, Schmitt, Zippert, Hurzlmeier, Raddatz usf.? Bestenfalls mittelmäßige Autoren und Zeichner. Deswegen greift der moderne Religionskenner zur TITANIC-Bibel. Das ideale Weihnachtsgeschenk für alle, die noch wissen, worum es bei Weihnachten wirklich geht (ideale Weihnachtsgeschenke).Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

  • 15.03.:

    Die "Junge Welt" im Gespräch mit Martin Sonneborn über Turbopolitik.

  • 15.03.:

    Leo Riegel ist einer der drei Gewinner des NABU-Cartoon-Wettbewerbs. Wir gratulieren!

  • 13.03.:

    Das "Journal Frankfurt" berichtet über Chefredakteur Moritz Hürtgen.

  • 12.03.:

    Zu den Regierungskrisen der vergangenen zwölf Monate zählt die "Süddeutsche Zeitung" u.a. Moritz Hürtgens Twittercoup über einen angeblichen Fraktionsbruch.

  • 08.03.:

    Das "Handelsblatt" hat Martin Sonneborn in Straßburg (EU) getroffen.

Titanic unterwegs
22.03.2019 Wuppertal, Volkshochschule Uwe Becker
23.03.2019 Leipzig, Café »Das Kapital« Katharina Greve
23.03.2019 Leipzig, Buchmesse Thomas Gsella
23.03.2019 Leipzig, LURU-Kino in der Spinnerei Paula Irmschler