Briefe an die Leser | November 2008


Und Du, »Aktion Deutschland hilft«,

hast neulich plakatiert: »Katastrophenhilfe hautnah erleben, vom 2.–5.10. am Potsdamer Platz«; und hast damit das Wesen dieses Ortes eigentlich schon komplett erfaßt.
Hat dem nichts hinzuzufügen:

Titanic

Außerdem, Nachrufer,

sei der Haiderjörg ein »Tabubrecher« gewesen – und da müssen wir doch mal nachfragen: Wann hätte der Alpen-Adolf jemals ein Tabu gebrochen, also eine unbequeme Wahrheit ausgesprochen? Als er gegen »Busch­neger«, »Sozialschmarotzer« und »rotes Gesindel« hetzte? Als er die »ordentliche Beschäftigungspolitik« des Dritten Reiches lobte? Als er Konzentrationslager zu »Straflagern« um­deklarierte?

Fragen wird man ja wohl noch dürfen!

Tabubrüche en gros:

Titanic

Wolf Schneider!

Sie sind Sprachkritiker und kritisieren gerne den Sprachgebrauch im weltweiten Zwischennetz: »Das Bloggen ist eine Einladung zu unendlich geschwätziger Selbstbespiegelung und Wichtigtuerei. Beim Chatten werden alle Regeln und Sitten sowieso verachtet, und oft feiert das reine Kindergelalle Triumphe: ›Luftschnapp‹ oder ›Megaknuddel‹. Die Fähigkeit, ja auch nur der Wille, einen sauberen, gar einen schönen oder kraftvollen Text zu schreiben, liegen im Sterben.« Wie uns scheint, bietet die traditionsreiche Textsorte Interview bereits genügend Raum für geschwätzige Selbstbe­spiegelung und Wichtigtuerei, so daß wir auf diesen neumodischen Kom­munikationsquatsch eigentlich ebenfalls gut verzichten könnten. Fehlen würden uns dann allerdings Ihre wertfreien Analysen, Ihre empirisch ge­sicherten Thesen sowie insbesondere Ihr kraftvoll-schöner Kulturpessimismus. Denn der – schnappen Sie schon mal nach Luft – steckt doch wohl hinter diesem triumphierenden Expertengelalle, nein?

*Knuddel knuddel*:

Titanic

Da, Reich-Ranicki,

verweigern Sie einen lächerlichen Fernsehpreis, schimpfen über fernsehprogrammatischen »Blödsinn« und landen mit diesem »Eklat« (Tagesschau) spontan in allen Nachrichten, noch vor einem Sieg der deutschen Nationalmannschaft über Rußland. Über Rußland, Reich-Ranicki, über Rußland!

Aber ach, genauer besehen: war das, was Sie da von sich schmarrten, genau das gleiche, nun nicht mehr ganz so präsenile Gezeter, mit dem Sie schon immer Sendezeit (und Druckseiten) füllten; die Wut eines mittelmäßigen Kanonikers, der nicht versteht, weshalb der Rest der Welt nicht mal sein bißchen Kulturverstand aufbringt. Und was sagt es über die Erkenntnisfähigkeit eines Kritikers aus, wenn er erst ein paar Stunden Fernsehpreis braucht, um feststellen zu können, daß im Fernseh »nur Blödsinn« laufe? Erst recht, wenn dieser Kritiker im »Literarischen Quartett« mindestens Vera am Mittag, Richter Holt und Dieter Bohlen vorwegenommen hat?

Und daß Ihr öffentliches beleidigtes Fußaufstampfen allenthalben als »überfällige Kritik« gefeiert wird, wo sie doch bestenfalls das war, was »Kulturzeit«-Gucker, die während des Interviewteils gerne mal aus Versehen zum »Perfekten Dinner« rüberschalten, schon seit mindestens Jahren ständig raunen; daß Sie ausgerechnet von der immerseichten Heidenreich überschnaubt wurden, die in ihrer Beistandsnote allen Mut zusammennahm, um eine armselige, grottendumme Veranstaltung eine »armselige, grottendumme Veranstaltung« zu nennen, und sich echauffierte, »wie verblödet, wie kulturlos, wie lächerlich« die Beiträge zum Deutschen Fernsehpreis gewesen seien; daß also Literaturpäpste beiderlei Geschlechts, die nicht den geringsten Teil ihres Wohlstands der Kulturvernichtungsmaschine TV verdanken, sich zu dessen schärfsten Kritikern aufschwingen; und daß das alles jetzt auch noch zu einer weiteren Stunde nutzlosen, sensationslüsternen Talkfernsehs führt –

darauf, Reich-Ranicki, dann doch einen doppelten Grappa.

Titanic

Sie, Martina Gedeck,

müssen ja nun immer wieder erklären, warum die Ulrike erst mit dem Andreas rum- und dann so irgendwie gar nicht gute Sachen gemacht hat. Das tut uns leid! Keine schöne Aufgabe, vor allem dann nicht, wenn einem Max Fellmann vom Magazin der Süddeutschen Zeitung gegenübersitzt, der über Ulrike Meinhof zu berichten weiß, diese sei nicht nur ins Fanatische gekippt, sondern sei auch »die gebrochenste Figur« der RAF, während er in Ihnen eine Frau erblickt, »die schon beim ersten Stichwort losbricht«. Warum allerdings Sie, Frau Gedeck, den Herrn Fellmann solchen Unsinn radebrechen lassen, anstatt ihm einfach was Laues ins Gesicht zu kippen, das wollen wir nicht begreifen. Unbegreiflich auch, was Sie dann über die Isolationshaft der Frau Meinhof alles nicht sagen, und sich stattdessen dümmer stellen, als Sie mutmaßlich sind: »Sie ist zerbrochen, woran auch immer, ob an sich selbst oder an den Verhältnissen.« Oder an der neuen Frühjahrsmode? Dem Streß mit Mutti? Karl-Heinz Köpcke?

Gebrochen herzlich:

Titanic

Anja Kling, Heiner Lauterbach, Hans-Werner Meyer, Felicitas Woll!

Wo Ihr uns schon so penetrant vom »Wir sind das Volk – Liebe kennt keine Grenzen«-Sat.1-Mauerfall-­Movie-Kitsch-Event-TV-Plakat angeäugt habt: Unsere Liebe kennt sehr wohl Grenzen. Z.T. sogar sehr enge.

Lieblose Grüße:

Titanic

Hömma, lieber Thomas Gsella!

Kinder, wie die Zeit vergeht: Grad 16 Jahre ist es her, daß Du in die Redaktion gestolpert kamst, jung, unverbraucht, nikotinabhängig – und schon verläßt Du sie wieder, als alter, ausgebrannter Nichtraucher! Dabei warst Du doch die Seele des Betriebs, als Stilgott, Quatschkopf und nimmermüder Geräuschproduzent, Freund, Förderer und echt Essener Kindsvater; warst mit uns in Albanien, Vietnam, auf Kuba gar, wo es leider keine Berufsaussichten für Dich als »funny journalist« gab; gabst den Causeur im Dr. Flotte, den Conférencier im Sudfaß und den poète confus am Redaktionstelefon; warst Bürobote, Faktotum, Hausdichter und sogar Chefredakteur; halfst Lkw-Fahrern an der Tür mit Hundert-Mark-Noten aus angeblichen Patschen, schriebst Dieter Hallervorden bizarre Sketche auf den Leib und verlangtest keinen Dank, wo auch keiner zu erwarten war –

und gibst jetzt auf? Nach nicht mal zweihundert Heften, höchstens 14 000 Artikeln und allenfalls elfeinhalb Milliarden Gedichten? Nur weil eine geistlos neoliberale, von Jugendwahn und Arroganz benebelte Redaktion Deinem Entlassungsgesuch mit Gleichmut entsprochen hat? Und Du jetzt »erst mal ausschlafen« und dann »auf den fuck Finanzmärkten international so richtig mitmischen«, ja geradezu »Kohle machen, öchl!« willst?

Na dann: Mach’s gut! Und laß von Dir, haha, hören!

Von Herzen und immer Deine

Titanic

»Uhranus – Watches & Design« (Berlin)!

Es ist ja so eine Sache mit Wortspielen im Namen des Geschäfts. In Deinem Falle würden wir z.B. wähnen, daß die von Dir angebotenen Watches, nun ja: eher für’n Arsch sind!

Tick-tack:

Titanic

Und Sie, Ursula von der Leyen,

haben quasi zwischendurch und ohne großes Aufsehen die Kampagne »Berufsfeld moderne Altenpflege« gestartet, die diese in ein besseres Licht rücken und für mehr Fachkompetenz werben soll, und enthüllten zu diesem Zweck zwei Plakate, auf denen sonst vermutlich als C&A-Models beschäftigte Jungerwachsene neben gefühligen Slogans posieren: »Er ist engagiert, energiegeladen, einfallsreich und einfühlsam. Er ist einfach der Richtige für uns« und »Erst wollte sie Managerin werden, dann Seelsorgerin, dann Ärztin, dann Therapeutin. Jetzt ist sie alles auf einmal«. Und so sehr wir Ihr Ansinnen im Kern unterstützen: Fehlt da angesichts der jüngsten Pläne der Bundesarbeitsagentur nicht noch ein drittes Poster mit dem Vers »Erst war er Aushilfskellner, dann Schuhputzer, dann Bauhelfer, dann arbeitslos. Jetzt betreut er auf Billigbasis Demenzkranke«?

Ihre Altenpfleger auf der

Titanic

Liebe Internet-Userin »Floh-Tina« (Chemnitz)!

Du bietest Dich auf Seiten wie Privatedating.de, Pornoamateure.tv oder Party-flirt.com dem anderen Geschlecht wie Sauerbier an und suchst präzis »Männer, die wissen, was sie wollen«. Wir gehören da eher zu der Kategorie »Männer, die wissen, was sie nicht wollen«; nämlich Flöhe.

Trotzdem viel Erfolg:

Titanic

KAfKA!

Du bist nicht der Franz aus Prag, sondern die von der BZgA geförderte »Kein Alkohol für Kinder Aktion« in Berlin-Neukölln – ein wahrlich origineller Name für ein Suchtpräventionsprojekt. Aber wäre diesem Namen nach nicht eine Aktion gegen Depressionen und Schwindsucht angemessener gewesen? Oder spielst Du gar auf das Leben in Neukölln an, wo immer mehr Halbwüchsige die Situation kennen, morgens wie verwandelt aufzuwachen und sich zu fühlen, als sei Ihnen über Nacht ein Schädel aus Panzer gewachsen?

Da möchten wir Dir doch gleich noch einen coolen Slogan andienen: »KAfKA – WEIL KINDER IMMER DICHTER SIND!« und freuen uns schon jetzt auf die Nachfolgeprojekte RiLKe (»Rauchen ist für Luschen, Kinder, echt!«) und TRaKL (Trinken, Rauchen, auch Kiffen: Lassen!).

Präventiv grüßt:

Titanic

In den norddeutschen Filialen, Thalia,

Deiner Buchhandlungsimitation hast Du Thementische unter dem Motto »Norddeutschland. Zauber des Nordens« zusammengestellt. Auf Ihnen finden sich die Titel »Todeshaus am Deich«, »Tod am Kanal«, »Tod an der Förde«, »Der Tod in der Marsch«, »Der Tod wartet nicht«, obendrein solche Bücher wie »Die Beute Mensch«, »Mordlicht«, »Ostseegrab«, »Und das Meer gab seine Toten wieder«, aber auch »Nordmord«, »Kalter Grund« und »Friesenblut«.

Und weißt Du, Thalia, was: Wenn das der Zauber Norddeutschlands ist, dann fährt lieber nach Bayern:

Titanic

Ben Becker!

Sie hoffen also allen Ernstes, ein guter Mensch zu sein. Nur so könnten Sie ihre derzeitige Bibelshow guten Gewissens zelebrieren, wie im Reutlinger Generalanzeiger zu lesen war: »Sonst dürfte ich das gar nicht vorlesen. Ich jedenfalls will das nicht von einem Arschloch hören.«

Und sehen Sie, Becker: wir auch nicht.

Amen:

Titanic

Jetzt haben, Bushido,

nach Mark Medlock und Daniel Küblböck also endlich auch Sie Ihre Biographie veröffentlicht, die natürlich gekauft wird wie blöde; und ohne daß wir das Werk lesen wollten, ahnen wir, warum: »Ey, Alter, was geht?« (S. 5); »Ey, alles Fotzen, Alter!« (S. 11); »Hast du meine Mutter gerade Fotze genannt?« (ebd.); »Ich fick dich, du Mißgeburt!« (S. 22), na ja, und wahrscheinlich usw.!

Stranger than fiction:

Titanic

Til Schweiger!

Daß Sie einen Narren gefressen haben an Regisseur Uwe Boll, dem von Kritikern und Zuschauern ob seiner ridikülen Filmattrappen belachten Videospiel-Adaptor und evtl. schlechtesten Regisseur aller Zeiten, wissen wir bereits seit TITANIC 09/07 und finden, ganz ehrlich, das paßt. Die Deutsche Presse-Agentur hat Sie jetzt noch mal auf das Werk Ihres Spielkameraden angesprochen, und Sie bezeichneten Bolls kläglichen 9/11-Klamauk »Postal« als, Achtung, »streckenweise kongenial«.

Lästig, Schweiger, aber keinesfalls müßig, Sie darüber aufklären zu müssen, aber kongenial heißt nicht »super«, sondern soviel wie ebenbürtig, gleich gut – das ist doch nicht so schwer. Zumal Sie und Bollo nu’ wirklich kongeniale Knallköppe sind!

Streckenweise genial:

Titanic

Tilman Rammstedt!

Als frischgebackener Bachmann-Preisträger des Jahrgangs ’75 sind Sie ja schon ganz schön am Ende – jedenfalls wenn es nach dem Eindruck geht, den der bewährte Joachim Lottmann via Welt weitergereicht hat: »Er wischt sich mit dem behaarten Handrücken den Schweiß von der Stirn. Seine zitternden Finger fahren durch die feuchten, pechschwarzen Haare. Dieser Mann ist im Fieber, hat seit Nächten nicht geschlafen, aber – er ist nicht krank. Er ist ein Schriftsteller, der gegen seine Schreibblockade kämpft … Er weiß nicht weiter, schluchzt fast, redet Unverständliches …Vor erst 32 Jahren wurde er in Biele­feld geboren: die Jugend, ein kleinbürgerliches Idyll, Eltern und Geschwister okay, alles normal eigentlich. Bis auf ihn vielleicht, er war schon damals hochbegabt«, was das Leben ja nicht einfacher macht, nicht wahr: »Das Gehen fällt dem übermüdeten und mental erschöpften Autor bereits schwer … Rammstedt hat sich etwas erholt, kann wieder gehen. Seine Augen liegen aber immer noch in dunkelgrünen Höhlen eines nur in Nuancen helleren, giftgrünen Gesichts. Die Haare hat ihm seine liebe Frau mit der Gartenschere geschnitten, oder sein kleiner Sohn, für den Friseur war keine Zeit … Wir humpeln bis zur Schönhauser Allee, die wir mühsam überqueren, um in die Kastanienallee einzubiegen. Passanten helfen dem bald deutschlandweit bekannten Nachwuchsstar in die Straßenbahn.«

Yeah. Und diese Ihre vorletzte Kraft haben Sie, angeblich am Tag vor der Abgabe Ihres Romans, geopfert, um uns an diesem Ihrem Schicksal teilhaben zu lassen; wobei wir uns da schon fragen, ob Sie das mit dem Schreiben nicht, na ja, drangeben sollten. Wo Sie’s doch so gar nicht vertragen!

Gute Besserung:

Titanic

Die Frage, Call-a-Pizza,

ob Deine Pizza »Pro Evolution Chicken« genfrei ist, erübrigt sich wahrscheinlich, oder?

Schon satt:

Titanic

Bremen!

Mit welchem Betrag man die Welt schmieren muß, um seitenlang volle Kanne behudelt zu werden, weißt Du vermutlich besser als wir, schließlich handelte eine ganze Sonderbeilage ausschließlich von Dir und Deiner Pracht. Und die ist, wie wir der Welt entnehmen konnten, gewaltig, wird aber noch immer gewaltig unterschätzt. Schließlich »zeigte eine Image-Studie der Universität Bremen unlängst, daß das Image bundesweit besser sei als häufig vermutet. 53 Prozent aller Deutschen wissen zwar wenig über die Stadt, aber diejenigen, die Bremen kennen, schätzen es als ›touristisches Freizeitziel‹, das um einiges attraktiver als Städte wie Dortmund oder Glasgow sei.«

Das, Bremen, ist zweifellos ein hübscher Erfolg, auf dem Du Dich jedoch keinesfalls ausruhen solltest. Loslos, rasch noch ein paar Blumen­kübel aufgestellt, dann kommst Du vielleicht sogar noch an Eisenhüttenstadt und Mogadischu vorbei!

Da nich’ für:

Titanic

Und noch mal, Berger!

»Wachstum, Arbeitsplätze und Unternehmensgewinne sind massiv gefährdet. Deshalb zeugt eine achtprozentige Lohnforderung, wie sie die IG Metall stellt, ebenso von purer Gier wie übertriebene Managergehälter. Beide schaden dem Gemeinwohl« – wenn der Metaller am Ende des Monats gern zwei Hunderter mehr hätte, ist er also ebenso gierig wie ein Manager, der sich die fünfte Million gönnt.

Da trinken wir doch aufs Gemeinwohl; wenn auch nicht grad mit ­Ihnen.

Titanic

Sie, Roland Berger,

»Deutschlands bekanntester Unternehmensberater« (BamS), haben das ganze Potential Ihres Quatsch- und Plapperbusiness mit einer einzigen, genau zwei Worte langen Antwort im Boulevard-Interview offengelegt: »Wann ist die (Finanz-)Krise überstanden?« frug BamS, und Sie antworteten wie aus der Räuberpistole geschossen: »Ab 2010.«

Gut zu wissen! Aber wann genau? 1. Januar, 2. Januar, 3. Oktober? Um acht oder erst um kurz nach zehn? Und wer, Roland Berger, hat Ihnen überhaupt verraten, daß »die Krise« 2010 »überstanden« ist? Die Fischeingeweide, aus denen Sie die Zukunft vorhersagen? Das Krümelmonster? Oder würfeln Sie einfach? Und, Roland Berger, wenn Sie noch eine abschließende Frage gestatten: Es gibt wirklich Unternehmen, die Sie für solche »Informationen« auch noch bezahlen? Und nicht mal schlecht?

Dann Hut ab vor diesem Geschäftsmodell!

Titanic

Vertun, Ackermann,

kann sich ja jeder mal, errare humanum est, und deshalb wollen wir Ihnen auch gar nicht nachtragen, was Sie da noch ein gutes halbes Jahr vor dem Zusammenbruch der Finanzwirtschaft dem Spiegel steckten: »Das Finanz- und Bankensystem ist stabil.«

Wie gesagt, man kann sich ja mal irren. Dadurch ändert sich schließlich nichts an Ihren Grundüberzeugungen, die Sie, im Hinblick auf die heutzutage üblichen Entlohnungen von Top-Leistungsträgern, wie folgt formulierten: »Das Thema Gerechtigkeit wird bei uns leider völlig falsch diskutiert. Gerechtigkeit ist vor allem Chancengleichheit und Leistungsgerechtigkeit, nicht Gleichheit im Ergebnis. Wir hier in Deutschland aber schauen immer nur auf die Verteilung. Dabei läßt sich doch nur verteilen, was zuvor erarbeitet wurde. Und damit möglichst viel erarbeitet, also der zu verteilende Kuchen möglichst groß wird, muß sich Leistung lohnen – und zwar netto. Nach Steuern und inklusive staatlicher Transferzahlungen sieht die Einkommensverteilung schon anders aus.« Nämlich, wie wir jetzt wissen, exakt so: Für die lumpigen zweistelligen Millionenbezüge, mit denen Leute wie Sie Jahr für Jahr abgespeist werden, haben Sie mit Ihrer Leistung einen Kuchen von Risiken und Schulden i. H. v. ca. einer halben Billion Euro gebacken, der nun per staatlichen Transferzahlungen unter der ganzen deutschen Bevölkerung verteilt wird. Und wenn Sie dafür leistungsgerecht und netto entlohnt würden, würde Ihnen das niemand mehr gönnen als

Titanic

Lilo Sillner!

Als Geschäftsführerin des Mineralwasserabfüllers Labertaler im niederbayerischen Schierling schalten Sie in Tageszeitungen großformatige Anzeigen, in denen Sie sich selber interviewen, und zwar zum Thema »Labertaler – Vollmondwasser ist Lebensenergie«. Sehr überzeugend bringen Sie dem Leser nahe, wie Sie »die mystische Kraft des Mondes einfangen« und dadurch »die bioenergetischen Schwingungen ihre stärkste Ausprägung erfahren«, dieweil das »Labertaler Vollmondwasser nur bei Vollmond abgefüllt« wird. Also wann genau? »Vollmond ist immer dann, wenn sich Sonne und Mond gegenüberstehen und die Erde dazwischen liegt.«

Da danken wir, Lilo Sillner, doch schön für diese mustergültige Defi­nition einer Mondfinsternis und können uns lebhaft vorstellen, wie Sie bei der stockfinstern Nacht, wie man bei ­Ihnen in Niederbayern sagt, in Ihrem Keller sitzen, Ihr esoterisch aufgepepptes Wasser zapfen und damit Ihren Kunden das bißchen Verstand, das in Ihrem sowieso nicht besonders hellen Landstrich noch vorhanden ist, auch noch vernebeln.

Darauf einen doppelten Dumm­labertaler!

Titanic

Steffen Seibert!

Im von Ihnen moderierten Heute-Journal leiteten Sie einen Beitrag über die pekuniären Verhältnisse alleinerziehender Frauen mit dem Satz ein: »Diese Frauen tun die wichtigste Arbeit der Welt: Kinder erziehen.« Nun tun Sie, Seibert, seit Jahr und Tag gefragt und ungefragt kund, daß Sie ein Familientier seien, und neuerdings sogar ein schwer katholisches; aber bei aller wertbewußten Frömmigkeit: Die Arbeit von Dschungelärzten, Krebsmittelforschern, Landwirten und Bierbrauern ist ja man auch nicht sooo unwichtig, nein?

Von unserer mal zu schweigen hier auf der

Titanic

Matthias Matussek!

Ganz am Ende einer selbst für Ihre Verhältnisse erstaunlich langen Leitung ist Ihnen aufgefallen, daß der Nobelpreis für Literatur seit 1901 nahezu Jahr für Jahr mit schöner Regelmäßigkeit an künstlerisch impotente Schnarchlappen verliehen worden ist. Aufgrund dieser späten Erkenntnis haben Sie im Spiegel eine »Polemik« veröffentlicht, die auf den guten Rat hinausläuft: »Man sollte den Preis nicht mehr ernst nehmen.«

Ja, da schau her! Wir wissen wirklich nicht, was wir an Ihnen ehrfürchtiger bewundern sollen – den Mut, eine Wahrheit auszusprechen, die seit Jahrzehnten die Spatzen von allen ­Dächern gähnen, oder Ihre verwegene Hoffnung, dem Hartz-IV-Empfänger-Schicksal noch einige Monate lang durch den schwunghaften Handel mit ollen Kamellen entgehen zu können.

Und nun lassen Sie’s mal bitte gut sein, Herr Matussek. Ihr Anblick schmerzt uns.

Im Ernst:

Titanic

Noch ein Wort, Kurt Beck!

Ihre Biographie mit dem letztlich unumstößlichen Titel »Ein Sozialdemokrat« ist ja nun im bisher eher unauffälligen Pendo-Verlag erschienen, was uns zunächst ein bisserl verwunderte. Aber als wir dann das Pendo-Verlagsprogramm studierten mit seinen Spitzentiteln wie etwa »Komm mit, ich liebe dich«, »Ab sechzig leb ich anders als ihr denkt« und »Du wie Du und Ich wie Ich« (»ein dringend notwendiges, wunderbares Buch für alle Paare, das zeigt, wie es gelingen kann, unsere Sehnsüchte und Ideale zu transformieren, autonom und frei zu werden«) – da schien uns ihr Buch in diesem Verlag für sentimales Geschmarre, alternde Eigenbrötler und Absteiger, die keine Freunde mehr haben, dann doch goldrichtig aufgehoben.

Viel Glück beim Transformieren Ihrer verbliebenen Sehnsüchte wünscht

Titanic

Danke auch, »Welt«,

für Deine wägende Auslands­berichterstattung: »Isaf-Soldaten hatten erst am Freitag nahe der Stadt Kandahar im Süden des Landes versehentlich einen Zivilisten getötet. Zivile Opfer bei ausländischen Militäroperationen sorgen in Afghanistan zunehmend für Unmut in der Bevölkerung.« Was Du, Welt, nicht sagst: Auch die amerikanischen Flächenbombardements haben ja vielen die Petersilie verhagelt, zumal die ganzen Selbstmordattentate mittlerweile für ’ne leicht unentspannte Atmo sorgen!

Langsam pazifistisch:

Titanic

Daß, Andrea Kiewel,

Sie nach Ihrem ZDF-Schleich­werbeunfall für die Weight Watchers, kaum ist die Schamfrist abgelaufen, zurück ins Fernseh dürfen: why not, zweite Chance und so. Daß Sie aber ausgerechnet bei einem sog. Promi-Quiz für die, haha, Welthungerhilfe antreten, das findet dialektisch äußerst stark:

Titanic

Ach, Aust,

es ist schon ein Kreuz, was? Wenn die Stuten weiter laufen sollen, muß Geld in die Scheuer, und wenn man nur die RAF zu Markte tragen kann, dann erzählt man halt seit dreißig Jahren immer dasselbe. Da kann es passieren, daß das Hirn, auf Autopilot segelnd, Sätze absondert wie: »Sie müssen sich mal vorstellen, wenn sich die Angeklagten bei Roland Freisler am Volksgerichtshof verhalten hätten wie die Angeklagten in Stammheim, dann hätten sie nicht mehr lange gelebt« – und die Wochen oder sogar Monate bis zur Hinrichtung gar nicht mehr genießen können!

So long:

Titanic

Gertrud Höhler!

Als »Deutschlands bekannteste Management-Beraterin« (Bild) hatten Sie das gute Recht, wenn nicht sogar die patriotische Pflicht, in einer öffentlichen »Blattkritik« die Vorzüge der Bild-Zeitung hervorzuheben: »Wir haben ja heute wieder von der Frau mit dem Beil gehört. Das ist natürlich auch ’n toller Frauen-Auftritt, daß sie dem Alten da das Leben … nicht ausbläst, sondern weghaut, mit’m Beil. Und gleichzeitig blätterst du ein Stückchen weiter: ›Wie mache ich meinen Garten winterfest?‹ Das ist die Welt, in der wir leben. Das ist wunderbar. Diese Vielfalt. Das nenn’ ich auch Meinungsfreudigkeit. Und andere Zeitungen schreiben das über sich und bieten es eigentlich nicht.« In Ihrer eigenen Meinungsfreudigkeit wollten Sie sich aber auch von Bild nicht übertreffen lassen, und so haben Sie freimütig erklärt: »Wer Bild nicht liest, gibt Auskunft darüber, daß er politisch unreif ist.«

Das war natürlich auch ’n toller Frauen-Auftritt. Noch toller fänden wir es allerdings, wenn es den Bild-Paparazzi gelänge, Ihnen einmal so geschickt unter den Rock zu fotografieren wie sonst immer nur Amy Winehouse, Liz Hurley oder Britney Spears. Wäre das nicht wunderbar? Diese Vielfalt? Andere Zeitungen bieten das eigentlich nicht. Und für Sie wäre es eine Gelegenheit, Ihre politische Reife am eigenen Leib zu testen.

Und nun machen Sie mal Ihren Garten winterfest.

Titanic

Bezüglich Ihres Artikels, Gustav Seibt,

in der Süddeutschen Zeitung »Wir Schuldenmacher. Wie der Kapitalismus seine Ehrbarkeit verlor«: Würden wir in dem Fundbüro arbeiten, in dem eines Tages die Ehrbarkeit von einem ebenso ehrbaren Finder abgegeben wird, und käme dann der Kapitalismus vorbei, um sie abzuholen – wir täten aber ganz sorgfältig den Eigentumsnachweis verlangen!

Wenn Sie wissen, was wir meinen.

Titanic

Und was, Schirri,

mußten wir da außerdem lesen? Daß es Ihnen vor lauter Anti-RAF-Rage »die Füße unter dem Boden wegreißt«? Das, Schirri, macht uns nun doch Sorgen: Was machen die denn da unter dem Boden, Ihre Füße?

Vielleicht spannen Sie mal ein bißchen aus, machen mal wieder Urlaub. Dann ordnen sich die Dinge gewiß von selbst. Die Frauen werden wieder am Herd stehen und nicht am MG, die Männer an den Maschinen statt auf den Barrikaden, oben und unten, links und rechts: alles wird wieder fein an seinem Platz sein, ganz bestimmt. Und Sie werden sich wohlausgeruht wieder an Ihren Schreibecomputer setzen und weitermachen wie eh und je, immer schön mit den Füßen auf dem Boden der freiheitlich-demographischen, quatsch: -kratischen Grundordnung.

Und das goutiert dann wie stets wer?

Natürlich

Titanic

Da Du, Molkerei Weihenstephan,

ja nun das Wetter im ZDF-Morgenmagazin präsentierst: Warum spart der Wettermann dann so mit einschlägigen Formulierungen wie »heute wird das Wetter sahnemäßig«, »das Tief Gisbert macht mit Regen und Sturm den Tag im Norden eher zu Quark«, »im Süden ist mit eisiger Kälte zu rechnen, mit Wandern ist es daher eher Käse«?
Alles in Butter:

Titanic

Nachrufer (Haider)!

Was habt Ihr Euch nach Jörg ­Haiders finalem Überholmanöver nicht für Verbalspagate abgequält: »Einer der umstrittensten Politiker Österreichs« (FAZ.net), »aber auch eine der schillerndsten Figuren in der österreichischen Politik« (B5 aktuell), »der Politiker war eine schillernde und sehr umstrittene Persönlichkeit« (focus.de), »stets verfolgte er wilde Politikstrategien, sein Leben war ein Grenzgang zwischen Triumphen und Pleiten« (Welt online), »selbstbewußt, charismatisch, mit einer Tendenz zur Überheblichkeit« (Oberbayrisches Volksblatt), schließlich Bild: »Jörg Haider war wahrscheinlich die größte politische Begabung Österreichs seit Bruno Krei­sky. Aber auch einer, der immer aufregte. Er war ein Emotionsarbeiter und Kommunikationstalent, ein Verführer und Demagoge. Ein Grenzgänger – und ein Grenzfall.«
Aber sagt mal, liebe Nachrufer: Haider war doch ein Mann der klaren Worte! Und hätte sich drum auch auszusprechen getraut, was Ihr so an­gestrengt vernebelt: Er war halt gern das Arschloch.
Und alles, was recht ist: Das war er gut!
Eure Emotionsarbeiter von der

Titanic

Ihr Glück, Schirrmacher,

daß Ihnen Eichingers RAF-Movie endlich Gelegenheit gab, mit den Minderwertigkeitskomplexen dessen, der als jungkonservativer Sesselhocker seine Wut nie gelebt hat, via Film-»Rezension« an eine wie stets ungefragte Öffentlichkeit zu gehen: »Jetzt über den deutschen Terrorismus ­Tränen zu vergießen, käme reichlich spät. ›Verschluckte Tränen‹, wie der seinerzeit von der terroristischen Jugend sehr geliebte Fritz Zorn schrieb. Zorn starb mit einunddreißig Jahren, und nur der Kunstname blieb als ein Grabstein für ungelebte Wut, einer unter vielen, die den Friedhof der kollektiven Kuscheltiere der siebziger und achtziger Jahre bevölkern: Protest, Revolution, Terror, Intensität, Phantasie, Charaktermasken, Warencharakter der Gesellschaft, Tränen und Repression. Man will da wirklich nicht mehr so gerne herumbuddeln. Nicht noch einmal in den pathetischen Muff von dreißig Jahren. Nicht nach all diesen ­Dokumentationen, Bekenntnissen, Beteuerungen. Nicht noch einmal dieser Gefühlsterrorismus. Die waren unzufrieden? Sind wir auch. Gelitten? Wir auch. Idealisten? Wir auch. Verletzt? Wir auch. Wütend? Sind wir selbst, ob mit Zielfernrohr oder ohne« – und das glauben wir Ihnen sofort: wie unzufrieden Sie waren, als Joachim Fest den Literaturnobelpreis nicht gekriegt hat; wie Sie gelitten haben, als Rainer Barzel sein Mißtrauensvotum verlor; wie Ihr Idealismus auf die Probe gestellt ward, als das Gemöhre von der deutschen Schuld nicht aufhören wollte und Strauß nicht Bundeskanzler wurde, und wie verletzt und wütend, als, später, das linke Meinungskartell das ordnungsgemäße Zustandekommen Ihrer Doktorarbeit bezweifelte –

aber lassen Sie uns, Schirrmacher, da nicht mehr herumbuddeln; nicht noch einmal dieser Muff!

Mit Zielfernrohr:

Titanic

Deutsche Kinos!

Wenn Ihr schon den »Baader-Meinhof-Komplex« zeigt, um den »Mythos RAF« ein für alle Mal zu »zerstören«, solltet Ihr überlegen, ob es wirklich sinnvoll ist, vorher den Trailer für den demnächst anlaufenden Stauffenberg-Film zu schalten: »Das ganze Volk marschierte gleichgeschaltet. Nur wenige folgten ihrem Gewissen. Und hatten auch den Mut, zu handeln. Ihnen war es nicht gleichgültig, was ihre Regierung im Rest der Welt anrichtete«, zumal am Schluß ein Widerständler gar wörtlich sagt: »Für jedes Problem gibt es eine Lösung: ein paar Kilo Dynamit!«
Wenn man helfen kann!

Titanic

Hallo, heute.de!

Da titelst du einerseits ganz ungewohnt ehrlich: »Trotz Klatsche: Özdemir will Chef der Grünen werden«, aber andererseits: Müßte es denn nicht heißen: »Wegen Klatsche«?
Fragt Dich und sich:

Titanic

Aktuelle Cartoons

Heftrubriken

Briefe an die Leser

 Gauklerbrüder Ehrlich Brothers!

Gauklerbrüder Ehrlich Brothers!

Im launigen »DB mobil«-Interview wurden Sie zu Ihren besten Zaubertricks und gefährlichsten Frisurenstunts gefragt und ob Sie Mitreisenden in der Bahn hin und wieder etwas vorführen. »Klar!« antworteten Sie, »im Bordrestaurant kann man sich zum Beispiel geschickt eine Kaffeesahne vor das Auge halten und mit der Gabel hineinstechen. Das sorgt für Begeisterung – und Ekel.«

Hä? Ach so! Weil dann überraschend ein blutiger Augapfel aus dem Sahnedöschen rollt, richtig? Okay, zugegeben: Das begeistert auch uns!

Ein fröhliches »Hex hex!« von Titanic

 Hoppla, Gerd Müller!

Sie sind zwar nicht der erste Spitzenpolitiker, der wegen eines Defekts an einem Regierungsflugzeug liegengeblieben ist. Aber als Entwicklungshilfemininster – in Afrika! Haben Sie da beim Warten in Sambia wenigstens ein paar Spenden für die dafür verantwortliche, total kaputte Bundeswehr klargemacht?

Africa for Germany! Titanic

 Vorsicht, US-Diplomaten auf Kuba!

Was mussten wir da Spannendes im »Spiegel« lesen? »Nächtliche Geräusche hatten Mitarbeiter der US-Botschaft in der kubanischen Hauptstadt Havanna aufgeschreckt, die im Hotel ›Capri‹ abgestiegen waren. Auf die Krachattacke, die im Detail allerdings unterschiedlich beschrieben wurde, folgten gesundheitliche Probleme, Hörverlust zum Beispiel, ebenso Schwierigkeiten beim Sprechen oder Gedächtnisstörungen.« In der Folge diskutierte man die Möglichkeit eines Angriffs mit Schallwellen oder Mikrowellen, was man von den Inselsozialisten halt so erwartet, bis dann zwei Biologen mit einer anderen, superlangweiligen Theorie um die Ecke kamen: »Ihren Erkenntnissen zufolge dürften Grillen der Art Anurogryllus celerinictus zumindest für einen Teil der beschriebenen Geräusche verantwortlich sein.«

Was? Grillen, die Hör-, Sprech- und Gedächtnisstörungen verursachen? Glaubt das bitte ja nicht, wir Spionagethrillerfans jedenfalls halten das für eine – na ja – Grille!

Zirp, zirp: Titanic

 Sehr geehrte Nathalie Weidenfeld!

Mit tiefe Nachdenklichkeit verbürgenden Vokabeln wie »endemisch«, »Opakheit«, »Ambiguität« etc. geben Sie im SZ-Feuilleton völlig zu Recht zu bedenken, dass die gute alte europäische »Kultur der Privatheit« vom »Monopol amerikanischer digitaler Social-Media-Kanäle« zerstört zu werden droht. Schließlich funktioniere Facebook »vornehmlich wie ein öffentliches Tagebuch, als ein Buch (›book‹) eben, in dem die Menschen offen ihr Gesicht (›face‹) zeigen, also ihr Innerstes für andere sichtbar machen.« Da haben Sie den Nagel (»nail«) auf dem Kopf (»head«) getroffen!

Doch eine Frage bleibt: Wenn Ihr Gesicht, Frau Weidenfeld, tatsächlich Ihr Inneres füllt – was sitzt dann bei Ihnen zwischen Haaransatz und Kinnspitze?

In Sorge: Ihre Gastroenterologen von Titanic

 Mutig, Uwe Pütz,

sehr, sehr mutig ist das, was Sie im Eröffnungssatz eines Artikels in wiederum »DB mobil« gestanden haben, nein: gestehen mussten. Denn irgendwann ist das Schweigen nicht mehr auszuhalten, irgendwann muss die Wahrheit ans Licht, auch wenn sie unerhört ist: »Ich muss gestehen, von der Coburger Bratwurst hatte ich bisher noch nie gehört.«

Hammer! Doch Sie sind nicht allein, Pütz, denn unter uns gesagt und Ihnen zur Gewissenserleichterung: Auch wir müssen gestehen, von der Coburger Bratwurst bisher noch nie gehört zu haben. Jetzt ist es raus. Und es kommt sogar noch härter: Auch von Ihnen hatten wir noch nie gehört!

Hier gesteht und kann nicht anders: Titanic

Vom Fachmann für Kenner

 Weltverbesserung

Es ist ein oft bemühtes Klischee weiblichen Verhaltens, dass frau empfindlich reagiert oder sogar total ausrastet, wenn bei einer Zusammenkunft eine Geschlechtsgenossin die gleiche Robe trägt. Bei mir ist das völlig anders. Ich würde mich sogar freuen, wenn viele Menschen die gleiche Kleidung wie ich trügen. Die Welt wäre eine bedeutend schönere, da ich einfach einen ausgezeichneten Geschmack habe.

Katharina Greve

 Schlimme Vermutung

Wenn es das bedeutet, was ich denke, dann bedeutet es gar nichts.

Elias Hauck

 Intellektuelle

Intellektuelle sind für mich so Leute, die Dinge ohne das Wörtchen »so« erklären können.

Johannes Floehr

 Sesam, öffne mich

Zu Jahresbeginn soll man ja eigentlich Diät halten, aber als ich gerade beim Marokkaner saß und plötzlich bergeweise knusprige Falafel sowie ein Napf voll köstlichstem Hummus vor mir standen, waren alle guten Vorsätze Tahin.

Mark-Stefan Tietze

 Fashion Victims

Eine derzeit im Vergessenwerden begriffene Herrenmode der 1970er: ein außerordentlich lang gewachsener Nagel am linken kleinen Finger. Wie eine zierliche Klinge stand er von der Fingerspitze meines Vaters ab, der damit abwechselnd Briefkuverts aufschlitzte oder sich große dunkelgelbe Schmalzbrocken aus den Ohren pulte. Mein Onkel, welcher der gleichen Marotte anhing, überprüfte mit seinem körpereigenen Hornstiletto sogar die Profiltiefe der Autoreifen. Und der Hausarzt meiner Cousine … ach, lassen wir das! Man soll alte Wunden nicht grundlos aufreißen.

Theobald Fuchs

Vermischtes

Hans Zippert: "Fernsehen ist wie Radio, nur ohne Würfel"
Die steile Karriere des Hans Zippert begann im Jahr 1967 mit einem  Schülerpraktikum beim Kulturmagazin "TV Spielfilm". Nach einem  Volontariat bei "TV Direkt" übernahm er das angesehene 20-Uhr-15-Ressort  bei "TV Okayokay", bevor er schließlich Programmchef der auflagestarken  "TV Superwoche" wurde. Nachdem er über einen Bestechungsskandal rund um  eine 3-Sterne-Empfehlung für "Rote Rosen" stolperte, sah sich Zippert  1990 gezwungen, Chefredakteur von TITANIC zu werden. Der Tiefpunkt war  erreicht. Das alles und noch mehr erfahren Sie in diesem Buch!Friedemann Weise: "Die Welt aus der Sicht von schräg hinten"
Laut seiner Homepage ist er der "King of Understatement" und der "lustigste Mensch im deutschsprachigen Internet". Er ist aber auch Gitarrenmann, Viralblogger (15000 Follower!), Gagautor und Promiexperte mit Diplom. Die Rede ist von Friedemann Weise, dem Mann mit dem Namen! Der Mann, der den "Satiropop" erfand. Und jetzt auch noch ein Buch vorlegt. Ob das gutgeht? Ordern Sie diese Prämie und teilen Sie Ihr vernichtendes Urteil bitte zeitnah der TITANIC-Redaktion mit.Torsten Gaitzsch/Sebastian Klug: "Akte D: Die Wahrheit über Deutschland"
Die Redaktion versichert: Torsten Gaitzsch und Sebastian Klug, die  Autoren dieses Buches, wissen Dinge – schreckliche Dinge! – von denen  Sie, die Leser, nicht einmal zu träumen wagen. Denn es wären Alpträume!  Wählen Sie diese Prämie und erhalten Sie Einblicke in die tiefsten  Abgründe Deutschlands, die Sie wahnsinnig lachend und mit Schaum vor dem  Mund zurücklassen werden. Bisher hat es kein Leser bis zur letzten  Seite geschafft…Gerhard Henschel: "Harry Piel sitzt am Nil"
Fuck, dieses Buch sollte man gelesen haben, wenn man  kein übelst versiffter Wichser sein will. Schmähungen und böse Wörter  machen das Leben echt oberarschmäßig zum Kotzen. Vielleicht kapieren Sie  Versager das endlich, wenn Sie Henschels neuesten Streich gelesen  haben. Können Sie überhaupt lesen? Wahrscheinlich nicht. Trollen Sie  sich, Sie Wicht! Aber trotzdem abonnieren und diese Top-Prämie wählen.Serdar Somuncu: "H2 Universe: Die Machtergreifung", DVD
Er ist der selbsternannte Hassias – viel wichtiger aber noch: der designierte Kanzlerkandidat für Die PARTEI. Holen Sie sich jetzt die neue DVD von Merkel-Nachfolger Serdar Somuncu als Gratisprämie und stehen Sie damit schon vor der Machtergreifung auf der richtigen Seite. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKatz & Goldt: "Lust auf etwas Perkussion, mein kleiner Wuschel?"
Stephan Katz und Max Goldt: Ihr monatlicher Comic ist der einzige Bestandteil von TITANIC, an dem nie jemand etwas auszusetzen hat. In diesem Prachtband findet sich also das Beste aus dem endgültigen Satiremagazin und noch besseres, das bisher zurückgehalten wurde. Gewicht: schwer. Anmutung: hochwertig. Preis: zu gering. Bewertung: alle Sterne.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKamagurka & Herr Seele: "Cowboy Henk"
Er ist Belgier, Kamagurka. Belgier! Wissen Sie, was der Mann alles durchgemacht hat in letzter Zeit? Eben, er ist Belgier. Und hat trotzdem in einem Finger mehr Witz als Sie im ganzen Leib! Und Heldenmut! Glauben Sie nicht? Dann lassen Sie sich von Cowboy Henk überzeugen, dem einzigen Helden, der wirklich jeden Tag eine gute Tat begeht.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURHauck & Bauer: "Ich kann einfach nicht Wein sagen"
Die beste Zeit, einen Band des Zeichnerduos Hauck & Bauer zu kaufen – sie ist seit sicher zehn Jahren vorbei. Heute sind die Werke von Elias Hauck und Dominik Bauer kein Geheimtip mehr. Die zerstrittenen Künstler kommunizieren inzwischen ausschließlich per Fax, leben in luxussanierten Altbauwohnungen mit kugelsicheren Whirl- und Autorenpools, in denen hungernde Leiharbeiter Comics anfertigen müssen. Leider ist auch der neueste Band der beiden Ausbeuter sehr gut, bestellen Sie hier!Sonneborn/Gsella/Schmitt:  "Titanic BoyGroup Greatest Hits"
20 Jahre Krawall für Deutschland
Sie bringen zusammen gut 150 Jahre auf die Waage und seit zwanzig Jahren die Bühnen der Republik zum Beben: Thomas Gsella, Oliver Maria Schmitt und Martin Sonneborn sind die TITANIC BoyGroup. In diesem Jubiläumswälzer können Sie die Höhepunkte aus dem Schaffen der umtriebigen Ex-Chefredakteure noch einmal nachlesen. Die schonungslosesten Aktionsberichte, die mitgeschnittensten Terrortelefonate, die nachdenklichsten Gedichte und die intimsten Einblicke in den SMS-Speicher der drei Satire-Zombies – das und mehr auf 333 Seiten (z.T. in Großschrift)! 
Zweijahres-Abo: 98,60 EURLeo Fischer + Leonard Riegel: "Fröhliche Hundegeschichten"
Ein Buch, bei dem Sie "Wau" sagen: Leo Fischer und Leo Riegel haben ihre Talente gebündelt und gemeinsam 1001 moderne Hundemärchen in Wort und Bild erschaffen. Zum Lesen, Lachen, Anknabbern! Und außerdem ein echter Lebensretter. Jedenfalls dann, wenn Sie Nacht für Nacht von einer dreiköpfigen Bulldogge heimgesucht werden, die Sie vor die knifflige Wahl stellt, ihr entweder eine "Fröhliche Hundegeschichte" vorzulesen oder den Arsch abgebissen zu kriegen. Ihre Entscheidung!Michael Ziegelwagner: "Der aufblasbare Kaiser"
Seit dem putzigen Präsidentschafts-Hahnenkampf zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer interessiert sich plötzlich auch Resteuropa für das Land, um das es in diesem Buch geht: Österreich. Dabei ist der Donaustaat schon seit 2014 eine literarische Reise wert, jenem Jahr, als "Der aufblasbare Kaiser" für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Lassen Sie sich auf diese Reise mitnehmen: von Michael Ziegelwagner, dem liebenswertesten Randbalkanesen der TITANIC. Pflichtprämie für Kaisertreue!Elias Hauck (Hrsg.): "Alles Spargel oder was?"
Endlich ist ganzjährig Spargelsaison! Elias Hauck, die eine Hälfte von Hauck & Bauer und Herausgeber des Frauenmagazins "Sonja", serviert die reifsten Spargelwitze der Welt – gezeichnet und erzählt von dutzenden gemüseliebenden Cartoonisten und Autoren. Lachen Sie unter anderem über: den mit den polnischen Erntehelfern, den mit dem kaputten Spargelschäler und den mit der Fliege in der Hollandaise.Wenzel Storch: "Die Filme" (gebundene Ausgabe)
Renommierte Filmkritiker beschreiben ihn als "Terry Gilliam auf Speed", als "Buñuel ohne Stützräder": Der Extremfilmer Wenzel Storch macht extrem irre Streifen mit extrem kleinen Budget, die er in extrem kurzer Zeit abdreht – sein letzter Film wurde in nur zwölf Jahren sendefähig. Storchs abendfüllende Blockbuster "Der Glanz dieser Tage", "Sommer der Liebe" und "Die Reise ins Glück" können beim unvorbereiteten Publikum Persönlichkeitstörungen, Kopfschmerz und spontane Erleuchtung hervorrufen. In diesem liebevoll gestalteten Prachtband wird das cineastische Gesamtwerk von "Deutschlands bestem Regisseur" (TITANIC) in unzähligen Interviews, Fotos und Textschnipseln aufbereitet.
Zweijahres-Abo: 98,60 EURKatharina Greve: "Eigentlich ist Wurst umgestülptes Tier: Cartoons & Comicstrips"
Katharina Greve ist nicht nur Architektin, Situationsdesignerin und stolze Besitzerin einer Vakuumiermaschine, sondern auch Prophetin: Via Kalenderblatt sagte sie im Jahr 2013 auf den Tag genau den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. voraus. Wer wissen will, welche sonderbaren Ereignisse die Zukunft noch bereithält, braucht deshalb dieses Bilderbuch. Gegenstände mit Gefühl, Menschen ohne Gesicht, Tapetenmuster von göttlicher Anmut – all das findet sich in Greves fantastisch-wurstigem Cartoonband!Fischer/Wolff/Ziegelwagner (Hrsg.):  "Die TITANIC-Bibel: Segen, Sünden, Sauereien"Was sind schon Markus, Matthäus, Lukas, Johannes, Paulus, Gott gegen Knorr, Eilert, Bernstein, Pfarr, Schmitt, Zippert, Hurzlmeier, Raddatz usf.? Bestenfalls mittelmäßige Autoren und Zeichner. Deswegen greift der moderne Religionskenner zur TITANIC-Bibel. Das ideale Weihnachtsgeschenk für alle, die noch wissen, worum es bei Weihnachten wirklich geht (ideale Weihnachtsgeschenke).Zweijahres-Abo: 98,60 EURDie PARTEI-Wahlwerbungs-DVD mit allen vier Wahlwerbespots aus dem Bundestagswahlkampf 2005: Höhepunkte der Politpropaganda, die von Otto Schily mit dem Prädikat "ein Skandal" ausgezeichnet wurden. Besser aufgelöst als auf Youtube und noch dazu mit einer praktischen, farbechten Hülle drumrum - das ist doch was, was?
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Das schreiben die anderen

Titanic unterwegs
18.02.2019 Frankfurt, Café Koz, Unicampus Bockenheim Torsten Gaitzsch mit Benjamin Weissinger
18.02.2019 Brüssel, EU-Parlament Martin Sonneborn mit Georg Schramm
23.02.2019 Hannover, Wilhelm-Busch-Museum »Traxler für Kinder – zum 90. Geburtstag«
26.02.2019 Hamburg, Grüner Jäger Ella Carina Werner mit Tim Wolff