Das endgültige Anschlußmagazin

Pflichtblatt für Matthias Platzeck


 

Archiv



[Februar 2009]

Rotkäppchensekt!
Kubaner!
Björn Backes!
Nachrichtentexter!
Rechtsanwälte Weigand, Weckler, Berg & Keller!
Rita Süßmuth!
Peter Hahne!
Baden-Württemberg!
Als Ursache für Legasthenie, »Spiegel Online«,
Dave Dee!
Vorbildlich, Thomas Assheuer,
Liebe Forscher!
Heda, allzeit geschätzter »Focus«!
Hans Gödde, Büren!
Grüß Gott, Mike Litt!
Und das, »kicker online«,
Hochinteressantes Magazin »P.M.«!
Endlich, endlich, Andrew Lloyd Webber,
Und was, Merkel,
Einfach stark, Bayerischer Rundfunk,
James Hetfield!
Matthias Schulz!
Hallihallo, Jens Schneider!
Sie, Jürgen Klopp,
Michael Krüger (Verleger)!
»Pro Reli«, Berlin!
Daß Sie, lieber Generalsekretär Guttenberg (CSU),
Und sag mal, unbekannter LKW-Fahrer,
Esther Carlitz!
Mit süßen Tieren, Mercedes-Benz,
Hans Hoff!
Rainer Dittrich, Niederdorffelden!
Bela Anda!
Und Du, »Zeitmagazin«,
Tagesschau.de!
Liebe L’Oréal Deutschland GmbH!
Friedrich Küppersbusch!
Aber sag mal, WDR 2
Katarina Witt!
Rüdiger Jungbluth!
Stephan Grünewald!
Fa. Rosenthal (Porzellan)!



Rotkäppchensekt!

Wie antwortete doch Dein Sprecher so schön auf die letztlich hochinfame Frage, wie die Firma des Mauerfalls zu gedenken denke? »Der Mauerfall ist kein Sektereignis.«

Und schöner hätte es selbst kaum sagen können:

Titanic


Kubaner!

Nachträglich alles Gute zu 50 Jahren Revolución! Und auch wenn nicht alles supi läuft, für eines dürft Ihr wirklich richtig dankbar sein: daß Ihr keine freie Presse habt und keine scheinheiligen Reportagen deutscher Hochlohnschreiber von ihrer »Reise nach Utopia« (FAZ) ertragen müßt.

Hasta la victoria siempre!

Titanic


Björn Backes!

Im Unterschied zu Keith Emerson kennen wir Ihr Popjournalistendeutsch von der Website Powermetal.de, und wenn es ins Englische übersetzbar wäre, könnte Mr. Emerson von Ihnen lernen, daß er sich »auf seinem ausführlichen Soloexkurs noch experimentierfreudiger als in seinen bisherigen Betätigungsfeldern« gebe und dabei leider auf Ihren Beifall verzichten müsse: »Auf seiner neuen Platte ›Keith Emerson Band‹ hat diese Entwicklung nun ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden – jedoch größtenteils einen Höhepunkt mit erheblichen Tiefen.«

Was können wir nun tun, um Ihnen Ihre eigene Experimentierfreude zu vergällen? Reicht vielleicht schon die Prognose, daß Ihre geistige Entwicklung im günstigsten Fall einen Höhepunkt mit erheblichen Tiefen erreichen wird? Oder müssen wir uns deutlicher ausdrücken?

Titanic


Nachrichtentexter!

Auf diese Bildunterzeile, bei T-Online über die US-Wirtschaftskrise zu lesen, hatten wir noch gewartet: »Der künftige US-Vizepräsident Joe Biden sieht schwarz.« Jetzt warten wir nur noch auf »Obama riskiert dicke Lippe« und »Hosen runter: Biden zieht den kürzeren«.

Haltet Euch ran!

Eure Chefs vom Dienst auf der

Titanic


Rechtsanwälte Weigand, Weckler, Berg & Keller!

Wie Ihr im Lokalteil der FAZ annonciertet, wünscht Ihr »allen derzeitigen und zukünftigen Mandanten und ihren Familien einen guten Rutsch, viel Glück und Gesundheit im neuen Jahr«. Gut, das glauben wir Euch fast noch. Aber daß Ihr »den gleichen Betrag, den diese Anzeige gekostet hat, karikativen Zwecken zugewandt« habt – das nehmen wir Euch wirklich erst dann ab, wenn wir ihn auf dem Konto haben.

Eure Karikas-Kapitalisten auf der

Titanic


Rita Süßmuth!

Sie sind also auf Ihre alten Tage noch Präsidentin des Deutschen Volkshochschulverbandes geworden und durften in dieser Funktion »Vorbilder der Weiterbildung« auszeichnen, darunter eine alte Dame aus Templin mit dem Namen Herlind Kasner. Die ist zufälligerweise die Mutter von Angela Merkel und hat Ihnen, wie Sie der Berliner Zeitung erzählten, auf einer kurzen gemeinsamen Autofahrt schon viel beigebracht: »Ich habe in kurzer Zeit begriffen, warum sie die Mutter ist.«

Da würd’ uns, Süßmuth, doch interessieren: Wie hat’s Ihnen die Frau Kanzlerinnenmutter denn erklärt? Mit den Blumen und den Bienchen? Oder hatte sie gar ’ne Bravo dabei? Und wieso kannten Sie sich damit eigentlich so schlecht aus, als ehemalige Familienministerin?

Wie gut, daß es Vorbilder der Weiterbildung gibt!

Gehört auch dazu:

Titanic


Peter Hahne!

»Viele fragen sich: Tut das gut, Dauerwahlkampf ausgerechnet in einem der schwersten Krisenjahre? Erwartet uns in den kommenden Monaten Pragmatismus und Populismus statt kluger Konzepte und kühler Köpfe?« Auf jeden Fall erwarten uns peinliche Phrasen und affige Alliterationen!

Ihre kühlen Köpfe von

Titanic


Baden-Württemberg!

Am berühmten Blohm+Voss-Dock des Hamburger Hafens grüßt Du die Hamburger, die Touristen und die einfahrenden Schiffe mit dem gleich mal alles klarstellenden Slogan »Weltmarkt grüßt Fischmarkt!«, und drunter steht Deine Internetadresse. Warum, Ländle, so subtil? Mach doch, wie es Deinem Wesen entspricht, den Leuten gleich unmißverständlich klar, was Du von den Losern an der Elbe hältst und daß Du alles kannst, und zwar besser: »Schaffe schaffe grüßt Hummel Hummel«, »Weltmarkt grüßt Drogenmarkt«, »Porsche grüßt Hafenstraße«! Oder am besten gleich: »Die Löffel, in denen ihr euer Heroin aufkocht, kommen von u-huns!«

Heiligs Blechle:

Titanic


Als Ursache für Legasthenie, »Spiegel Online«,

werden u.a. Probleme bei der visuellen Wahrnehmungsverarbeitung angenommen, und Dein Bildbericht von der Wahl der Miss World Mitte Dezember in Johannesburg scheint diese Theorie zu stützen, hat es seinem ungenannten Verfasser angesichts der vielen, vielen knapp gekleideten Schönheiten doch voll die Sprache verschlagen: »Miss Österreich zeigte bei der Show, daß sie gut mit Hula-Hoop-Reifen drehen kann … Für die Bundesrepublik trat Anne-Katrhin Walter an«, ihres Zeichens »angehende Meidzinstudentin«, die indes gegen die Siegerin »Xenia Suchinowa im vilotennen Abendkleid« keine Chance hatte.

So wie Du, Spiegel online, gegen die Macht der Sprache!

Deine

Tiatnic


Dave Dee!

Auch wenn uns Ihre Musik, nichts für ungut, immer sehr egal gewesen ist – aber daß es nun nach Ihrem Ableben die Gruppe Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich nie wieder wird geben können, das ist ein bißchen so, als wäre beim Donaudampfschiffahrtskapitänsuniformknopf der Dampf rausgelassen worden.

Und das finden dann doch irgendwie ein bißchen schade

die Bandwurmfreunde auf dem Schwesterschiff

Titanic


Vorbildlich, Thomas Assheuer,

für alle Journalistik-Studenten und sonstigen Nachwuchskräfte, ja eigentlich die ganze Branche, ist dieser lead zu einem Ihrer Feuilletons in der Zeit: »Die Welt ist aus den Fugen, aber wir trinken Glühwein.« Das kleine »aber« nämlich macht, daß man den großen Rest von »Alltag in der Krise. Eine Inspektion unseres Epochengefühls« guten Gewissens nicht mehr zu lesen braucht, weil man nach so einem Anfang sicher sein kann, daß bei der weiteren Inspektion garantiert keine Gedanken festzustellen sein werden, die es durch den TÜV schaffen.

Wohl sein:

Titanic


Liebe Forscher!

Da habt Ihr ja wieder Bahnbrechendes für uns herausgefunden und die neuen Erkenntnisse, quer durch alle Medien, schön für uns zusammengefaßt: Wer zuwenig schläft, hat ein höheres Erkältungsrisiko, und wer schlecht schläft, kriegt eher mal einen Schnupfen als jener, der die Nacht ruhig durchpoft. Das ergab eine immerhin über vier Jahre angelegte Studie der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh. Allerhand! Aber – ist das denn schon restlos ausgeforscht? Könnten da nicht noch weitere Überraschungen auf uns warten? Etwa daß Leute, die bei zu niedrigen Temperaturen oder unter zu dünnen Decken nächtigen, sich ebenfalls leicht erkälten können? Oder daß Frauen, die mit Männern schlafen, am Ende schwanger werden? Ihr seid, Forscher, da an was ganz Großem dran!

Wißbegierig:

Titanic


Heda, allzeit geschätzter »Focus«!

»So steigern Sie Ihren IQ« – daß Du so offensiv zur Abokündigung des eigenen Käsblatts aufrufst, das findet wirklich hochintelligent:

Titanic


Hans Gödde, Büren!

Sie brauchen nicht zu glauben, wir hätten Ihren Leserbrief im Gong vom 12. Januar 2001 übersehen. War nur in unserem Archiv ein bißchen nach unten gerutscht. Aber jetzt, da Bush jr. nicht mehr in Amt und Würden ist, ist ja alles wieder gut, right?

Mit deutschem Gruß!

Titanic




Grüß Gott, Mike Litt!

Sie sind Moderator bei WDR-»1Live« und dort seit Jahren der »einsamste DJ der Welt«, der an Heiligabend Platten auflegt. Um Mitternacht schickten Sie 2008 ein wunderschön zart gehauchtes »Silent Night, Holy Night« in die Nacht und erfaßten danach so lapidar wie ungelenk die gesamte theologische Tiefe der Heiligen Nacht: »Und den Start in die erste Stunde des Weihnachtsfestes versüßen euch nun The Verve mit ihrem Song Judas

Halleluja!

Titanic


Und das, »kicker online«,

sind ja mal gute Nachrichten: »Pelzer kommt sofort.« Damit sind die weiteren Aussichten günstig; endlich wird es mal wieder flache Flanken, gerissene Lücken, Schlitze und Bisse sowie dicke Gelegenheiten auf deutschen Fußballplätzen zu sehen geben und im Fernsehen Pelzer, wie er lacht aus seinem spitzen blauschillernden schuppigen Kopf heraus. Aber: wieso eigentlich nur Pelzer? Wo bleibt sein kongenialer Spielpartner Pilzer, mit dem es nie Mißverständnisse im Mittelfeld gibt? Damit wir bald wieder lesen können: Pilzer und Pelzer aber blasen den Schnee von den Körpern und gehen ungeschlagen davon, Arm in Arm in die weiße knisternde Landschaft hinein.

Und wieso kommt Pelzer überhaupt zu Rot-Weiß Ahlen? Die einzig richtige Adresse für ihn ist doch wohl – Mainz!

Aber schaun wir mal. Denn das ist ja erst der Anfang, und sonst nichts!

Titanic


Hochinteressantes Magazin »P.M.«!

Nach eigener Darstellung präsentierst Du »die Welt des Wissens« und veröffentlichst – so wie es sich dieser Tage für jede halbwegs bekannte Zeitschrift gehört – eine DVD-Edition, in Deinem Fall eine selbstredend »Wissensedition«. Neben Titeln wie »Geheimnisvolles Ägypten«, »Die Schlacht von Alamo« und »Die Berliner Mauer – Flucht in den Westen« findet sich darin auch der Dokumentarfilm »Darwins Albtraum« von 2004. Dieser zeigt, wie sich am Viktoriasee, dessen Fauna durch das Aussetzen des räuberischen Nilbarschs auf diesen Fisch reduziert wurde, eine Industrie des Elends gebildet hat: Während Tausende Tonnen des großen Fischs auf europäische Teller geflogen werden, bleiben für die Anrainer nur nach Aceton stinkende, madenverseuchte Überreste, für die Kinder Plastikverpackungen, die sie schmelzen und inhalieren, für die Frauen Prostitution, für ein paar Männer potentiell tödliche Arbeitsbedingungen und für alle Aids, Hunger, Mord und Totschlag. Und mitten in diesem höllischen Elend sieht man EU-Vertreter beim Barschverzehr und Lob des Fortschritts in der Region; die Lüge, Fischindustrie und Export bringe den Menschen Nahrung und Wohlstand, schamlos gegen das Offensichtliche verbreitend.

An diesen verdienstvollen Film nun hängst Du, P.M., als Bonusmaterial zwei Artikel aus Deinem Magazin an; der eine heißt »Kaufen Sie die Armen reich!«. Was a) bedeutet, daß Du Dir die Filme, die Du uns andrehst, gar nicht selber anschaust; oder daß es Dir b) scheißegal ist, solange es marketingmäßig hinhaut.

Such Dir also was aus.

Titanic


Endlich, endlich, Andrew Lloyd Webber,

ist da mal einer, der nicht blind jeden neumodischen Schnickschnack mitmacht, sondern die Gefahren der Technik im Blick behält: »Ich weigere mich, Computer zu benutzen, einfach weil die Experten darin übereinstimmen, daß jeder sich in deine E-Mails hacken kann. Ich kann nichts mit dem Internet anfangen, seit ich den Titel eines meiner Musicals, ›Bombay Dreams‹, eintippte und das Google-Ergebnis Pornoseiten waren, was nicht das war, wonach ich suchte.«

Und wissen Sie was – uns ist es neulich ganz genauso ergangen! Wir haben den Suchbegriff »Pussy« eingegeben, aber was bekamen wir zu sehen? Keinen unserer lieben Freunde aus Ihrem Musical »Cats«, keine Grizabella, keinen Rum Tum Tugger! Auch Mungojerrie und Rumpelteazer haben sich nicht blicken lassen, und auf den Jellicle Ball haben wir vergeblich gewartet! Und statt Angelika Milster – Fiona Fister! Und kurz danach ist uns auch noch der Conficker-Wurm über die Festplatte gerauscht!

Weigert sich also mit:

Titanic


Und was, Merkel,

ist bloß los bei Ihnen? Hat Büroleiterin Baumann mal aufgeräumt, und ist ihr dabei der Büchmann in die Hände gefallen? »Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen« – ein Ausspruch, den Sie Mark Twain zuschreiben. Andere Leute glauben eher an Winston Churchill oder Karl Valentin, aber da wollen wir nicht kleinlich sein; Mark Twain ist ja nicht schlecht. Zumal er noch treffendere Klopper auf Lager hatte: »Manchmal frage ich mich, ob die Welt von klugen Menschen regiert wird, die uns zum Narren halten, oder von Schwachköpfen, die es ernst meinen.«

Ihre Narren auf Ihrer

Titanic


Einfach stark, Bayerischer Rundfunk,

auch Dein Bericht über die Kräuterdroge Spice: »Spice macht schläfrig, und man fühlt sich noch bis zum nächsten Tag geistig stumpf.« Also hat das Zeug genau dieselbe Wirkung wie – Waldemar Hartmann?

Für ein klares Verbot:

Titanic


James Hetfield!

Als Frontmann von Metallica wurden Sie in einem 3sat-Interview mit der einfachen Frage übertölpelt, was Sie denn davon hielten, daß Ihre Musik bei Verhören auf Guantánamo eingesetzt werde. Neben mehrmaligem Auflachen rangen Sie sich dabei ein paar unmetallisch diffuse Sätze ab: »Ein Teil von mir ist stolz, daß sie Metallica ausgesucht haben … Es ist starke und kraftvolle Musik. Sie repräsentiert etwas, daß diese Menschen nicht mögen – vielleicht Freiheit, Aggression. Ich weiß nicht, Redefreiheit … Ein Teil von mir sorgt sich aber auch, weil wir von manchen Menschen deswegen mit Politik in Verbindung gebracht werden. Wir haben damit nichts zu tun und wollen so unpolitisch wie möglich sein.«

Je nun, Hetfield: das hat ja schon mal nicht geklappt. Und bei dem Quark, den so mancher vermeintlich harte Kerl seiner weichen Birne abzwingt, kann man da gewisse Vorbehalte gegenüber der Redefreiheit nicht zumindest verstehen?

Stark und kraftvoll:

Titanic




Matthias Schulz!

Als Autor einer Spiegel-Titelgeschichte über die Germanen haben Sie das unglaubwürdigste Vorurteil über dieses Volk, das es leider gar nicht gegeben hat, noch einmal kolportiert und den Römern die Verwilderung der Geschlechtsmoral im Teutoburger Wald zur Last gelegt: »Hinzu kamen die lockeren Sitten der Eindringlinge. Huren und Marketenderinnen folgten dem Militär. Für die Germanen bedeutete das Verwirrung. Sie lebten bis zum 20. Lebensjahr enthaltsam. Eheliche Treue galt als höchstes Gut.«

Wenn Sie uns nun bitte die Moorleiche eines einzigen Germanen vorzeigen könnten, der bis zum 20. Lebensjahr nachweislich enthaltsam gelebt hätte, würden wir Ihnen diesen kühnen Griff in die Frühgeschichte verzeihen. Oder waren Sie damals persönlich anwesend unter den Bettdecken der Cheruskerfürstenpaare und ihrer Leibeigenen, als die eheliche Treue noch als höchstes Gut gegolten hatte?

Um eine etwas nähere Auskunft über die Bettgeschichten der Germanen bittet

Titanic


Hallihallo, Jens Schneider!

Für die Süddeutsche Zeitung berichteten Sie vom Mordprozeß gegen den 24jährigen Hamburger Afghanen, der seine 16jährige Schwester wegen ihres unzüchtigen Lebenswandels (Lippenstift, Minirock) mit zwei Dutzend Messerstichen hingeschlachtet hatte: »Die Anwälte des Angeklagten distanzieren sich ausdrücklich vom Begriff ›Ehrenmord‹ … Dieser Begriff taucht im Gerichtssaal ohnehin nicht auf, sehr zu Recht. So falsch und unangebracht ist er, weil durch keinen Mord eine Ehre gewahrt werden kann. Und doch geht es in diesem Prozeß offenbar auch darum, ob Morsal starb, weil ihr Bruder ihre Ehre oder die der Familie wahren wollte.«

Das ist, Schneider, fein gesehen: In diesem Ehrenmordprozeß, in dem ein aus Ehrwahrungsgründen begangener Mord zur Verhandlung steht, geht es »offenbar auch« darum, ob hier einer aus Ehre gemordet hat. Berichten Sie doch nächstes Mal von einem Raubmordprozeß, in dem es dann offenbar auch darum gehen kann, ob der Juwelier starb, weil der Räuber das Collier rauben wollte.

Nur mal so als Tip!

Titanic


Sie, Jürgen Klopp,


gelten dank Ihrer TV-Auftritte als eloquenter, frecher, direkter Kerl mit Talent zur Vermittlung fußballerischer Vorgänge, weil Ihnen das Kunststück gelungen ist, zwischen Moderationsautomat Johannes B. Kerner und Schiri-Esel Urs Meier gut auszusehen. Ohne die zwei klingen Sie aber auch schon mal so: »Insgesamt haben wir in der Breite mehr Mentalität dafür entwickelt, auch an schlechten Tagen für ein ordentliches Ergebnis alles zu tun. Man müßte tendenziell ein bißchen blind sein, wenn man unsere Entwicklung nicht sehen würde.« Man kann von Ihnen aber tendenziell auch noch ein bißchen mehr erwarten: »Eine zu schnell abgehakte Entwicklung ist die Mörderin aller Entwicklungen.«

Genau. Deswegen haken wir die Ihre auch noch nicht ab – reißen Sie sich halt zusammen!

Tendenziell breit:

Titanic


Michael Krüger (Verleger)!

In dem etwas lang geratenen Interview mit der Zeit erfuhren wir wundersame Dinge, z.B. daß Sie jedes Wochenende 3000 Seiten lesen müßten – was, Krüger, alter Angeber, rund 60 pro Stunde sind, aber auch nur, wenn Sie nichts anderes tun und auf Schlaf verzichten. Aufschlußreich auch Ihre Gedanken zum Schulwesen: »Eine Stunde pro Woche müßte in der Schule Kindern beigebracht werden, wie man schweigt. In einer anderen Stunde müßte die Fähigkeit gelehrt werden, alleine sein zu können« oder gar, was eine Redundanz ist – aber Sie haben recht, Schweigen ist nie verkehrt, obwohl es im Einzelfall schon reichen würde, nicht ganz so ziellos daherzufaseln. Denn wie soll bloß dieser Alleinsein-Unterricht vonstatten gehen: im Karzer oder besser in der Gruppenarbeit?

Eine Stunde pro Woche:

Titanic


»Pro Reli«, Berlin!

Du bist ein eingetragener Verein, der mit beachtlichem Getöse und dem Segen der christlichen Kirchen ein Volksbegehren anstrebt, auf daß das Schulfach Religion auch anstatt des vom gottlosen rot-roten Senat eingeführten Pflichtfaches Ethik gewählt werden dürfe und nicht nur zusätzlich. Zu diesem Zweck hast Du nun die gesamte »Hauptstadt« (Spiegel) zuplakatiert mit dem Slogan: »Freie Wahl zwischen Ethik und Religion!« Und weißt Du, Verein Pro Reli, was? Präziser hätten wir es eigentlich auch nicht auf den Punkt bringen können. Es geht halt nur eines: Religion oder Ethik.

Deine Ethiker von

Titanic


Daß Sie, lieber Generalsekretär Guttenberg (CSU),

einen Mitarbeiter feuerten, weil der als 16jähriger mal die Hand zum Hitlergruß erhoben hatte, hat natürlich Gründe: »Das ist für mich inakzeptabel, gerade bei der Geschichte meiner Familie.« Schon klar, Guttenberg, daß Sie als Jude bei so was besonders empfindlich… nein? Roma/Sinti? Erbkommunist? Quatsch: Ihr immerhin Urgroßonkel stand »in engem Kontakt zu Claus Graf von Stauffenberg«, der wahrscheinlich mit 16 gar keine Ahnung hatte, wie denn der Hitlergruß geht – war ja 1923 noch etwas früh dafür –; der allerdings mit 25 Hitler gern als Reichspräsidenten gesehen hätte und mit 32 den Polacken bekanntlich attestierte, ein »Mischvolk« zu sein und sich »nur unter der Knute« wohlzufühlen – also: hätte Ihr Mitarbeiter da nicht unter Umständen noch Entwicklungspotential gehabt? Wo er nach deutschem Gruß und CSU-Beitritt eh schon auf dem richtigen Weg war? Um kurz vor dem endgültigen Untergang Bayerns blitzkriegsschnell umzuschalten und mit einem tollkühnen Attentat auf Seehofer als deutscher Held in die Geschichte … – –

Denken S’ halt mal drüber nach.

Titanic


Und sag mal, unbekannter LKW-Fahrer,

Und sag mal, unbekannter LKW-Fahrer,

der Du vor einem Getränkemarkt Dein Gefährt mit der zauberschönen Aufschrift »GV-Experte« parktest: Machst Du eigentlich auch, höhö, Hausbesuche?

Deine Zotenexperten von

Titanic


Esther Carlitz!

Sie hatten sich auf der Suche nach Bonobo-Affen im kongolesischen Urwald verirrt; nach einer Woche wurden Sie mit viel Glück gefunden. Eigentlich sollte man meinen, daß eine studierte Biologin dies zum Anlaß nimmt, vielleicht über Darwin und die Macht des Zufalls nachzudenken; Sie hingegen kamen auf Gott und dankten der »Vorsehung« für Ihre Rettung.

Sehr schön, Frau Carlitz – aber wäre die Dankbarkeit nicht noch eine Spur berechtigter gewesen, wenn die Vorsehung Sie erst gar nicht hätte verschütt’ gehen lassen?

Das sind so Fragen!

Titanic


Mit süßen Tieren, Mercedes-Benz,

ist gut Werbung machen. Weshalb Du in Deiner neuen Kampagne ein Reh auftreten läßt, das vom Geturtel mit einem Hirsch und der folgenden überraschenden Konfrontation mit einem Deiner Fahrzeuge erzählt. Der Hirsch springt weg, und das Reh fragt: »Und wer rettet mich jetzt?« Der Benz natürlich, der prima bremst usw.

Aber, nur mal so am Rande: Hätte sich in diesem Fall nicht eine klitzekleine Recherche gelohnt? Um evtl. herauszufinden, daß Reh und Hirsch nicht miteinander verkehren? Zwei unterschiedliche Tierarten sind? So wie Schaf und Ziege, Hund und Katze, Esel und…

Na, vergiß es.

Zoophile Grüße:

Titanic


Hans Hoff!

Weil sowohl der 25. Geburtstag des deutschen Privatfernsehens anstand wie auch der Verkauf des Gebäudes, das einst als »Schwarzwaldklinik« herhalten mußte, und außerdem am Jahresende eh nix passierte und alle Jahresrückblicke durch waren, durften Sie gleich eine Zweidrittelseite in der Süddeutschen mit einer Betrachtung füllen darüber, daß es »so gemütlich wie in der ›Schwarzwaldklinik‹ im deutschen Fernsehen nie wieder« wird: »In einer Zeit, die vom Wohlstandskanzler Helmut Kohl gestaltet wurde, war die Schwarzwaldklinik kreativ auf der Höhe der Zeit und Symbol einer gemütlichen Gesellschaft. Boris Becker galt als Wunderkind, das Fernsehen war der Mittelpunkt der Familien.« Und was passierte dann? »Auf schicksalhafte Weise individualisierte sich der Fernsehmarkt – getrieben von der Einführung des privaten Rundfunks, später der Einführung neuer Medien – und die Gesellschaft. Aus dem Massenmedium wurden viele Medien für die Massen.«

»Auf schicksalhafte Weise«? Hat etwa der liebe Gott das Privatfernsehen in Deutschland eingeführt? Oder waren das nicht doch der dicke »Versuch’s mal mit Gemütlichkeit«-Kanzler und sein Adlatus, Postminister Christian Schwarz-Schilling, samt Kohls Busenfreund Leo Kirch? Die alle gemeinsam dem »roten« öffentlich-rechtlichen Rundfunk um jeden Preis einen privaten entgegenstemmen wollten? Woraufhin »›die Privaten‹ die Regression ins Kleinbürgerliche, in welcher der Kanzler und der TV-Produzent schwelgten, sauber abstimmten mit der obszönen Deformation, die im real existierenden Kapitalismus als funktionierender Familienverband gehandhabt wird« (Kay Sokolowsky)? Womit Kohl, obwohl er »einst antrat, die ideale Kleinfamilie zum Verfassungsprinzip der Bundesrepublik zu erheben, doch zu Zwecken seines Machterhalts die Kleinfamilie ans Fernsehen verkaufte«?

Doch, Hoff, so war’s.

Schicksalsergeben:

Titanic


Rainer Dittrich, Niederdorffelden!

In einem die Grenzen selbst dieses sublimen Genres mühelos sprengenden Spiegel-Leserbrief äußerten Sie sich mit Schwung zum Thema Finanzkrise: »Die USA können nur als abschreckendes Beispiel dienen. Hätten sie rechtzeitig auf Deutschland gehört, unsere Mahnungen ernstgenommen und von unserem Bankenwesen gelernt, hätte man heute keine Krise made in USA.« Das wohl. Und da, wie es die Postkutsche zwischenzeitlich wohl selbst nach Niederdorffelden rapportiert hat, der deutsche Bankensektor samt KfW, Hypo- und Landesbanken doch nicht völlig unschuldig an besagter Krise war, möchten wir in Ihrem Sinne präzisieren: Hätte der deutsche Bankensektor rechtzeitig bei Ihnen (i.e. Rainer Dittrich, Niederdorffelden) angerufen, Ihre deutschnationalen Wahnideen ernstgenommen und Ihrer onkelhaften Ratschlagerei gelauscht, dann hätten wir heute keinen Leserbrief made in Niederdorffelden im Spiegel stehen.

So müssen wir jetzt beide damit leben, nicht.

Und das bedauert niemand mehr als

Titanic


Bela Anda!


Ihr Job als Chief Communication Officer, zu deutsch Pressesprecher bei AWD, dem »unabhängigen Finanzoptimierer«, also das, was Sie nach Ihrer Arbeit beim Drecksblatt der Nation schon mal für Gerhard Schröder waren, scheint Sie nicht recht auszufüllen, weswegen Sie sich jetzt der großen Weltthemen annehmen. Und zwar in Cicero, dem Blatt, das alle rechten Geister vereint: Christiane zu Salm, Olaf Henkel, Friedrich Merz, Wolfgang Clement, Hubertus Knabe. Dort räsonnieren Sie über Ihre investigative Frage an den »Ko-Chefredakteur einer großen Sonntagszeitung« beim Joggen um den Schlachtensee, wo Sie die Gelegenheit nutzten, sich nach dem Russen-Bashing zu erkundigen, das auch in der Zeitung des Vizechefredakteurs betrieben werde. Dieser nun gestand, daß es Kündigungen der Abonnements gehagelt hätte, »teilweise in Sütterlin-Schrift«. Worauf Sie maßkrugscharf analysieren: »Trotz der von Russen in Deutschland und an den Deutschen verübten Greueltaten wollen auch sie keine einseitige Darstellung russischen Gebarens mehr lesen.«

Ein lobenswerter Großmut, Anda. Vergessen wir, was früher war, und verzeihen wir dem Iwan seine grund- und anlaßlos am Deutschtum verübten Untaten!

Verzeiht gerne mit:

Titanic


Und Du, »Zeitmagazin«,

hast die journalistische Unsitte, Jubiläen bereits vor ihrem Eintreten auszuwalzen, zu ganz neuen Höhen geführt. Wir haben uns ja mittlerweile daran gewöhnt, über Ereignisse wie die Schlacht im Teutoburger Wald bereits 2008 alles zu lesen, obwohl das 2000-Jahr-Jubiläum erst 2009 stattfindet – was aber hat Dich dazu getrieben, schon Ende 2008 »das vergangene Jahrzehnt« zu resümieren? Der übliche Versuch, der erste zu sein? Oder bist Du vielleicht Deiner Zeit einfach voraus, wie der Michel Houellebecq, den Du in Deinem Resümee mit den Worten würdigst: »Der Schriftsteller Houellebecq machte schon 2001 Sextourismus und Islamismus mit seinem Roman ›Plattform‹ zum Thema.« Tatsächlich? Bereits 2001 entdeckte er Sextourismus und Islamerertum?

Wahnsinn. Da fragen wir uns, was Houellebecq Seit’ an Seit’ mit Dir, Zeitmagazin, im Jahre 2011 voraussehen wird: die Rohstoffknappheit? Den Klimawandel? Den immer noch eine Nuance irrer wütenden Preßquatsch?

Schon gespannt:

Titanic


Tagesschau.de!

Anläßlich dieser unangenehmen Vorfälle im Nahen Osten gab es bei Dir endlich mal wieder eine kritische Wortmeldung: »Mehr als 500 getötete Palästinenser in wenigen Tagen – und trotzdem beenden die EU-Außenpolitiker erst seelenruhig ihre Weihnachtsurlaube, bevor sie sich zur Nahost-Vermittlungstournee begeben. Die EU ist zu israelfreundlich – und so Mitschuld an den Toten, meint Carsten Kühntopp.« Den man freilich angesichts des täglichen Gemetzels auf der ganzen Welt gerne fragen würde, wann die armen EU-Außenpolitiker denn dann überhaupt Urlaube machen sollen und weshalb er europäische Außenpolitik mit einem selbstlosen Menschenrettungsprogramm verwechselt. Und daß die EU nun aber nicht nur schuldig, sondern sogar die Mitschuld selbst sein soll, das scheint dann doch etwas übertrieben

Deinen israelfreundlichen Seelenruhigen auf der

Titanic


Liebe L’Oréal Deutschland GmbH!

Da bewirbst Du nun »die 1. Aufhellungs-Serie mit einzigartig pflegendem ›Anti-Stroh-Effekt‹ für ein reines Blond« – und wir fragen uns, ob das nicht, hehe, ein Widerspruch in sich ist.

Deine Brünetten auf der

Titanic


Friedrich Küppersbusch!


Wir gehören zwar nicht zu den Leuten, die regelmäßig Ihre Beiträge auf dem Berliner Sender Radio Eins verfolgen, aber wenn, dann können wir die Uhr danach stellen, daß Sie gegen die Bild-Zeitung wettern, die Sie dann als »Blockwart aktuell« oder ähnlich titulieren. Das deucht natürlich schwer medienkritisch; aber ist es nicht eher so, daß Sie als Produzent hinter dem Haushaltsblockwart Peter Zwegat sich einfach nur darüber amüsieren, mit welch antiquierten Methoden die Konkurrenz in Privatangelegenheiten rumschnüffelt? Bei »Raus aus den Schulden« ziehen sich die Leute freiwillig bis aufs letzte Hemd aus, werden öffentlich bloßgestellt und müssen am Ende noch dankbar sein – im Vergleich dazu ist der Bild-Voyeurismus ja wirklich beinahe ein Auslaufmodell!

Ihre Medienkritiker auf der

Titanic


Aber sag mal, WDR 2

wie kam es eigentlich, daß Du direkt nach einem Bericht über die Freilassung von Christian Klar einen Song von The Killers spieltest?

Zufall?

Klar…

Titanic


Katarina Witt!


Als »schönstes Gesicht des Sozialismus« fuhren Sie einst Goldmedaillen ein, versilberten Ihr Talent und Ihre äußerlichen Vorzüge bei Eisshows wie der Rentner- und Plüsch-Revue »Holiday on Ice«. Dann wurde es Zeit, etwas für angespannte Playboy-Gucker zu tun, für die Leserschaft von Wichtigbüchern wie »Gesund und fit mit Kati Witt«, für Landminenopfer als Charity-Lady der nach Ihnen benannten Stiftung und schließlich für vergessenheitsbedrohte Promis und deren Profilneurosen bei »Let’s dance« und »Stars auf Eis«. Was lag also näher, als nun die jüngste Ausgeburt des Konzepts Menschenzoo, nämlich die »nicht gute« (FAZ) Abnehm-Show »The Biggest Loser« zu moderieren – zumal wenn man über einen Top-Body verfügt wie Sie.

In der von einer Schönheitsklinikkette gesponserten Sendung wollen Sie den Menschen helfen, »gesünder zu leben«, was dann so aussieht, daß eine Frau mit Arthrose auf dem Trimmrad trainiert, bis der Arzt kommt, die Kandidaten vor einen Lkw gespannt werden wie Rösser vor einen Bierfaßwagen und den Verlierern dieses Schauspiels drei Kilo Fett in Plastiktüten in die Hand gedrückt werden – und schwuppdiwupp sind Sie, Kati, vom schönsten Gesicht des Sozialismus zu einem der dümmeren des Kapitalismus geworden; das über den Showtitel einmal bei einem schönen Glas Schweinebraten nachdenken sollte.

Ihre Winner auf der

Titanic


Rüdiger Jungbluth!

Nach dem, wie es in dieser Steuerklasse immer so schön heißt, »Freitod« des Unternehmers Adolf Merckle sahen Sie sich in der Zeit veranlaßt, eine Lanze für eine bislang wenig beachtete Randgruppe zu brechen: »Von vielen werden Unternehmer vornehmlich als Ausbeuter angesehen, die sich auf Kosten der Mitarbeiter bereichern. Trotz ihrer Macht sind sie in der deutschen Gesellschaft im Grunde immer soziale Randfiguren geblieben… Vermutlich hängt es mit ihrer speziellen Funktion zusammen, daß Unternehmer eher beargwöhnt als geachtet werden. Mit ihrem Wirken bringen sie ja nicht nur Wachstum und Fortschritt, sondern auch Unordnung in die Welt.«

So wird es sein: Wenn man Ausbeutung, Arbeitslosigkeit und Krisen als »Unordnung« verniedlicht, den Unternehmern jede Menge nützliche »Funktionen« als ihren eigentlichen Zweck unterschiebt und ihre Macht mit einem lässigen »trotz« beiseite wischt – dann erscheinen die Damen und Herren Kapitalisten natürlich nicht mehr als das, was sie nun einmal sind. Ungefähr so, wie Sie als kritischer Journalist erscheinen mögen – solange man Sie nicht liest!

Ihre Randfiguren auf der

Titanic


Stephan Grünewald!

Sie sind Psychologe, Bestsellerautor (»Deutschland auf der Couch«) und leider auch gefragter Interviewpartner, z.B. für die FAS: »Dieses Lebensideal, mit minimalem Aufwand ein Maximum an Rendite abzuräumen, herrschte ja nicht nur in der Finanzbranche – sondern in der gesamten Gesellschaft. Jugendliche träumen davon, über Nacht zum Superstar zu werden. Wir suchen Glückserfüllung durch Masturbation vor dem Fernseher, weil wir auf diese Weise ohne aufwendiges Liebesleben zum Höhepunkt kommen.« Indes, Grünewald: Während »wir« höchstens die Wohnzimmercouch vollkleckern, dürfen andere mit minimalem Aufwand eine ganze Zeitungsseite vollwichsen – und das ganz ohne Höhepunkt!

Ihre Superstars auf der

Titanic


Fa. Rosenthal (Porzellan)!

Du bist pleite. So was von. Wir fragen uns jetzt natürlich: Falls Dich in Deinem jetzigen Zustand jemand kaufen will, wirst Du dann, hüstel: zerschlagen?

Alles Gute:

Titanic


 
Titanic unterwegs
02.09.2010 CH-Basel, Cartoonmuseum
  Rudi Hurzlmeier und Oliver Maria Schmitt
03.09.2010 Berlin, Z-Bar
  Hauck&Bauer
03.09.2010 Frankfurt, Romanfabrik
  Anna Poth, Fischer, Gsella und Zippert
07.09.2010 Frankfurt am Main, Club Voltaire
  TITANIC-Peak-Preview

 Hans-Werner Sinn!

Als prominenter Gesichtspulloverträger und Präsident des Ifo-Wirtschaftsforschungsinstitutes erklärten Sie uns im Hörfunk-Interview ein weiteres Mal die unberechenbaren Kapriolen des Kapitals: »Das Kapital hat mittlerweile Angst, in Länder wie Portugal, Spanien, Irland zu gehen und dort zu investieren. Gut daran ist für uns, daß das Kapital bei uns bleibt. Statt daß wir Geld exportieren, damit andere unsere Autos und Maschinen kaufen, können wir jetzt selbst unsere Autos – äh, Autos haben wir schon genug – und Maschinen kaufen.«
Sinn, das ergibt aber nur dann einen solchen, wenn wir nicht auch schon genug Maschinen haben, oder?
Kleiner Hinweis: An Sprechmaschinen wie Ihnen mangelt’s uns keinesfalls.

Titanic

 Durs Grünbein!

Ihr jüngstes Werk (»Aroma. Ein römisches Zeichenbuch«) scheint es in sich zu haben, wenn man der Ankündigung des Verlagshauses Suhrkamp glauben darf: »Einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter der Gegenwart stellt sich in Vers und Prosa der Ewigen Stadt.« Und zwar so: »Aufblühen wird man hier, auch als kraut sich gern überlassen / dem wohligen Phototropismus. Der man im Norden war, / Dieser Eisblock Identität, Psyches Schneemann ist bald zerronnen« usw. usf.; Sie wissen ja selbst am besten, was Ihnen da wieder einmal von irgendwoher in die Feder geflossen ist. Bei aller Bewunderung für die Kühnheit, mit der Sie den zwar nicht wohlklingenden, aber doch »wohligen Phototropismus« in die deutsche Dichtkunst einführen, und bei allem Respekt vor der sportlichen Leistung, sich in Vers und Prosa einer Ewigen Stadt zu stellen, an der sich schon viele Eroberer von ganz anderem Format die Zähne ausgebissen haben – kurzum: Bei aller geheuchelten Hochachtung vor Ihrer lachhaften Großmannssucht läßt uns die Frage nicht los, was Sie als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter der Gegenwart wohl täten, wenn es keine Ewigen Städte zu bedichten gäbe, sondern nur, sagen wir mal: Pritzwalk. Oder Neu-Isenburg. Oder Hamm in Westfalen.
Städten dieses Kleinkalibers – es tut uns leid, Ihnen das so deutlich sagen zu müssen – wären Sie als Dichter nicht gewachsen. Aber dafür – kleiner Trost – können Sie immerhin so possierlich mit Riesengewichten aus Pappmaché jonglieren, daß es für Ihren Lebensunterhalt reicht. Und das ist ja auch was wert.
Weiterhin einen wohligen Phototropismus wünscht

Titanic

 Verehrte Nachrichtenagentur AP!

In der Bewertung von Sachverhalten müssen wir ja nicht immer übereinstimmen. Aber semantisch in Ordnung sollten Deine Meldungen doch sein. Bei Meinungsverschiedenheiten auf der Hamburger Schanze schriebst Du kürzlich: »Bei den Krawallen wurden zwölf Beamte von Flaschen getroffen und verletzt.« Das kann schon mal gar nicht stimmen, denn wenn die Demonstranten getroffen haben, dann können sie keine Flaschen sein.
Außerdem wäre ja mal interessant gewesen: Womit haben die eigentlich geworfen?
Immer genug Zielwasser an Bord:

Titanic

 Jungministerin Schröder!

Nun durften Sie also den berühmten Focus-Fragebogen ausfüllen und dort erklären, man könne Sie »so schnell in keine Schublade stecken« – was Ihre erstaunlich ausgefallenen Antworten auch beweisen: Sie werden angetrieben von der »Freude, etwas zu gestalten«, sehen gern die »Lindenstraße«, zappen weg bei »langweiligen politischen Talkshows«, und Ihre Lieblingsfigur in der Geschichte ist »Sophie Scholl«. Sie haben recht, Frau Schröder, solche Antworten liegen nicht in irgendeiner Schublade – die bekommt man direkt von der Stange. Aber dann, auf die Frage »Mit wem würden Sie gern einen Monat lang tauschen?«, sagen Sie doch etwas Interessantes: »Mit Frau Reich-Ranicki, damit ich mich mal richtig mit ihrem Mann unterhalten kann.« Und wissen Sie was, Kristina Schröder? Genau diesen alten Chauvi und cholerischen Mundverbieter wünschen wir uns manchmal ebenfalls herbei, wenn Sie das Wort ergreifen!
Grüße aus der unteren Schublade:

Titanic

 Huhu, Julia Roberts!

Allenfalls mäßig originell ist es, daß Sie sich nicht wie andere Prominente mit Kabbala, Pilates oder Scientology beschäftigen, sondern sich laut der amerikanischen Elle »dem hinduistischen Glauben angeschlossen« haben.
»Regelmäßig«, so erfahren wir dort, bewegen Sie also Ihre fünfköpfige Familie zum Singen und Beten zu einem hinduistischen Tempel, um im nächsten Leben »als ein ruhigeres und leiseres Wesen wiedergeboren zu werden«. Das ist zweifelsohne ehrenwert – aber warum warten und nicht einfach gleich zu Hause bleiben und die Schnüß halten?
Simplify your life c/o

Titanic

 Last man standing

Wenn ich wieder einmal meinen Schlüssel in der Wohnung vergessen habe, die Liebste in ebendieser Wohnung wieder einmal so tief schläft, daß sie mein Sturmläuten nicht hört, und ich, um das Unglück zu komplettieren, keine Übernachtungsalternative aufstellen kann, weshalb ich mir eine Nacht lang vor der Haustür die Beine in den Bauch stehe, dann ist das meine höchstpersönliche Art eines One-Night-Stands. Ist aber weniger aufregend, als es sich anhört.

Sebastian Klug

 My generation

»Hast du mal Ibsen gelesen?« – »Nö, dieses Känguruh fand ich total bescheuert. Und die Gimmicks waren eh nur was für Jungs.«

Tibor Rácskai

 Produktidentifikation

Nicht ungern schaue ich fremden Menschen in den Einkaufswagen und bilde mir Vorurteile über Wesen und Lebensweise dieser Menschen. Manchmal schweifen meine Gedanken beim Anblick des Kaufguts ins Philosophische. So wurde die alte Frage in mir wach, ob nun das Sein das Bewußtsein bestimme oder andersrum, als eine deutlich adipöse Frau neben zwei 1,5-Liter-Sixpacks Cola auch Küchenrollen der Marke »Dick&Durstig« dabeihatte.

Karsten Stölzgen

 Im Sportfernsehen

Freund zappt sich durch das nächtliche Programm, landet bei den »Sexy Sport Clips« auf DSF. Freundin neben ihm wird wach, im TV räkelt sich gerade eine halbnackte Blondine in einer Turnhalle unter einem Tennisnetz. Freundin: »Oh, sind schon wieder Paralympics?«

Ina Zone

 Meine Aura

Über diese modischen Yogi Tees mit ihren raunenden Klappentexten und fehlenden Bindestrichen schmunzle ich, aber sie schmecken gut. Neulich probierte ich den Aura Tee. Schon am der Tasse folgenden Tag trat eine Frau mit Esoterik-Hintergrund auf mich zu und teilte mir mit, sie betrachte gerade meine klar umrissene Aura – die im übrigen ziemlich gut aussähe. Jetzt denke ich darüber nach, doch auch mal den Frauen Fitness Tee zu probieren.

Tina Manske