Das endgültige Anschlußmagazin

Pflichtblatt für Matthias Platzeck


 

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[Mai 2008]

Heda, »Stern View«!
Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz, Berlin!
Sie, Otto Schily,
So sehr, Kai Pflaume,
Julia Friedrichs!
Katholische Kirche!
Abermals, Dieter Nuhr!
Christina Stürmer!
Beinahe, Frank Schirrmacher,
Du nun wieder, »Frankfurter Rundschau«!
Kerner!
Aber dafür, SPD,
Hubertus Heil!
Bei Dir, Deutsches Klingenmuseum Solingen,
Charlotte Knobloch!
Daß, »Spiegel Online«,
Liebe Christen!
Fa. Lichtblick!
Guido Westerwelle!
Nun kommt Ihr, New Kids on the Block,
Hallo, Klaus Puth!
Clemens Meyer!
Lieber Club Voltaire!
Und, »Dresdner Morgenpost«!
Und wenn man, »FAZ«-Leser Dr. Josef Schönberger,
Bischof Reinhard Marx!
Dr. Andreas Thomas!
Liebe Küstenbesucher,
Sigmar Gabriel, altes Umweltwalroß!



Heda, »Stern View«!

Das Titelthema »Deutschlands wilde Hauptstadt – warum Berlin plötzlich wieder so angesagt ist« ist ja für sich genommen schon einen Kratzfuß wert; das »plötzlich« gebietet aber geradezu ein Vivat!

Von je angesagt:

Titanic


Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz, Berlin!

Daß wenigstens Sie dem grassierenden Wildtierzirkus und Verniedlichungswahnsinn die Stirn bieten und sich weigern, für eine Art Kuscheltier-Disneyland den Vadder Abraham zu geben, dafür haben Sie unsere Sympathien sicher. Und wenn Sie hier und da mal einem streunenden Kätzchen den Hals umdrehen müssen, wie Sie in diversen Interviews nun freimütig einräumen – je nun, immer noch besser, als wenn die armen Dinger bei irgendwelchen ­PETA-Aktivisten als Libido­abfuhrobjekt geendet wären. Und Sie begründeten ja auch ganz richtig: »Es handelte sich um verwahrloste Jungtiere ohne Mutter, die ohnehin nicht überlebt hätten.« Außerdem: »Verwilderte Hauskatzen sind in Zoos … ein großes Risiko für Tiere und Menschen. Ein Zoo hat schließlich auch eine Fürsorgepflicht.«

Nur eines, Herr Blaszkiewitz, will uns nicht recht in den Kopf: Was war damals los im Eisbärengehege? Ein beherzter Handgriff Ihrerseits – und der ganze Quatsch wäre uns und Ihnen erspart geblieben.

Weiterhin Hals- und Beinbruch!

Titanic


Sie, Otto Schily,

haben ja im Alter noch allerhand vor: »Wenn ich, der ich einen akademischen Beruf gelernt habe, nun in die Situation käme, solche Leistungen«, nämlich Sozialleistungen, »in Anspruch nehmen zu müssen, würde ich auch Akten sortieren oder im Park das Laub aufsammeln.« Und halten sich auf eigener Scholle auch schon vorbildlich für den Tag X fit: »Was ist denn daran entwürdigend, Zigarettenkippen aufzusammeln? Ich habe es mir auch angewöhnt, Kippen aufzusammeln, die Leute in meinen Garten werfen« – nichts, Schily; solange es sich um den eigenen Garten handelt. Und solange man als aktiensortierender Luxuspensionär die Arbeit in fremden Gärten nicht zu fürchten hat.

Ganz schön würdelos, sich für nichts mehr zu schämen, was?

Ihre Leute von

Titanic


So sehr, Kai Pflaume,

Sie sich im Foto-Shooting für TV Digital auch anstrengen, ein harter bzw. sogar »knallharter« (Bild) Typ zu sein – Sie sehen am Ende doch bloß aus wie in eine Pflaumenmusexplosion geraten bzw. ein Zwetschgendatschi, der etwas zu lang in der Röhre war. Ob’s also in näherer Zukunft mit der Erotikkarriere noch was wird? Wohl eher nicht: denn als »heiße Pflaume« dürften Sie den Damen zu wenig heiß und den »Herren« zu sehr Pflaume sein.

Gell?

Ihre Obstesser von

Titanic




Julia Friedrichs!

Sie sind laut Ihrem bestimmt nicht (zwinker, zwinker!) selbstgeschriebenen Wikipedia-Eintrag »aufgewachsen in einem linksliberalen Lehrerhaushalt in Gronau«, Einserabiturientin und können bereits mit 28 Jahren auf Buchrücken behaupten, »in Berlin und Köln« zu leben. Daß Sie überdies alle erforderlichen Qualifikationen, Charaktereigenschaften und Talente besitzen, um derart erfolgreich durch ein Edel-Assessment-Center zu glitschen, daß Ihnen McKinsey einen mit 67 000 Euro p.a. dotierten Jungmanagervertrag geradezu anbieten muß, reicht Ihnen immer noch nicht als Indiz, in welches Milieu Sie halt gehören. Auch daß Sie nach bestandenem Einstellungstest noch überlegt haben, den Job anzutreten (»Es ist ungeheuer viel Geld!«, FR v. 12.3.08), läßt Ihnen nicht das Lichtlein aufgehen, daß Sie qua Geburt und Herkunft zum Erste-Reihe-Vollmitglied jener nervtötend regelmäßig herbeigelaberten Elite bestens taugen; und anstatt sich, wie es Ihnen bestimmt ist, im Business­kostümchen von Effizienzprüfungstermin zu Rationalisierungsbrainstorming chauffieren zu lassen, verwursten Sie Ihren Bewerbungserfolg zu einer Reportage, in der Sie unterm Strich zu dem wie nichts überraschenden Schluß kommen, daß, lassen Sie es uns in der Sprache einfacher Menschen sagen, gefühlskalte Twentysomethings, die ein McKinsey-Assessment-Center bestehen, derbe einen an der Marmel haben und privilegierte Kinder aus etwas zu sorgenfreien Elternhäusern meist nicht so richtig selbst- oder sonstwie reflexiv unterwegs sind.

Es sei Ihnen, Julia Friedrichs, von Herzen gegönnt, daß Ihnen Tausende linksliberale Lehrerhaushalte diesen Mix aus alten Hüten und versehentlicher Selbsterkenntnis für volkstümliche 18 Euro als Hoffmann & Campe-Hardcover abkaufen; und Sie letztlich doch noch zu ungeheuer viel Geld gekommen sind. Sie sollten aber trotzdem nicht glauben, wir hielten Sie für das vorbildlich eliteferne Mädchen aus dem Volk, das Sie gerne wären, nur weil Sie alle vier Seiten betonen, daß Sie slackermäßig in einer Kreuzberger WG wohnen, als eine der ersten die unangepaßten Gola-Schuhe trugen und sich am Ende Ihres Gähnwerkes bei Ihren Eltern dafür bedanken, »daß Sie mich nicht zur Elite machen wollten, auch wenn sie jetzt manchmal traurig sind, daß ich es nicht bin«.

Das ist nämlich, Ihren »Axel-Springer-Preis für junge Journalisten« und den »Ludwig-Erhard-Förderpreis« wie Ihre absehbare Karriere betrachtet, bestenfalls kokett; schlimmerenfalls blind.

Ihre elitären Dialektiker auf der

Titanic


Katholische Kirche!

Dem WDR-Hörfunk konnten wir entnehmen, daß Du dem Schlecker-Konzern in einem von Dir vermieteten Fuldaer Ladenlokal den Verkauf von Präservativen verboten hast. Dein Pressesprecher erklärte nüchtern, daß dieses Verbot nach den Grundsätzen der katholischen Kirche nur konsequent sei.

Eben. Nach den Grundsätzen Deines Ahnherrn wäre es aber genauso konsequent, einen Menschenschinder und »Monopolisten« (Helge Schneider) gar nicht erst in Deine Räume zu lassen und von dessen gottesfernen Geschäftspraktiken nicht auch noch zu profitieren.

In nomine patri:

Titanic


Abermals, Dieter Nuhr!

Sie haben mal gesagt, es gebe eigentlich keine Körperöffnung, über die Comedians noch keine Witze gemacht hätten. Wir sind uns da nicht so sicher. Wir haben mal versucht, uns Scherze über Poren auszudenken, kamen dabei aber echt – ins Schwitzen, hahaha!

Den schenken wir Ihnen.

Titanic


Christina Stürmer!


Wohl nur einer Österreicherin ist es möglich, mit solch einem Nachnamen in Deutschland große Erfolge zu feiern. Einer Ihrer jüngsten Hits ist das schöne
Lied »Engel fliegen einsam«. Darin heißt es, wir zitieren: »Weißt du, wie die Dichter dichten? Hast du je einen gesehen? Dichter dichten einsam.« So weit, so (nicht ganz) dicht. »Weißt du, wie die Maler malen? Hast du je einen gesehen? Maler malen einsam!« Auch wieder wahr. Und dann kommt schon der Refrain: »Weißt du, wie die Engel fliegen? Hast du je einen gesehen? Engel fliegen einsam!«

Ja, so was wird gekauft. Deshalb schenken wir Ihnen, Frau Stürmer, noch
drei Strophen für Ihr Lied: »Weißt du, wie die Klempner klempnern? Hast du je einen gesehen? Klempner klempern einsam!« »Weißt du, wie der 1&1-DSL-Mann DSL installiert? Hast du je einen gesehen?« Und: »Weißt du, wie die Melker melken? Hast du je einen gesehen? Melker melken…«, na ja, und so weiter.

Honorar bitte an

Titanic


Beinahe, Frank Schirrmacher,

hätten wir ein Aufflackern von Einsicht bei Ihnen vermutet: »Warum haben wir Peter Hacks nie kennengelernt? Weil er uns von Haus und Hof gejagt ­hätte. Schon bei Augen­schein. Er hatte seine Vorkehrungen«, zumal gegen Stauffenberg-Fans, die ihm, Hacks, via Rechtspresse gönnerhaft seine sozialistischen Spinnereien nachsehen. »In wenigen Tagen wäre Peter Hacks achtzig Jahre alt geworden. Gerne hätten wir ihm gratuliert. Jetzt können wir nur Blumen am Grab dieses letzten Klassikers ab­legen. Sind wir die Feinde? Ist er der Gegenspieler?«

In seinem Stück »Fafner, die ­Bisam-Maus« läßt Hacks – D. Dath hat in Ihrem, Schirri, Feuilleton darauf hingewiesen – einen Hausbesetzer auf den Vorwurf, er habe das Wort eines Ehrenmannes gebrochen, entgegnen: »Ein geringeres Wort zu brechen würde sich kaum rechnen.«

Von einem »wir«, das sich für Hacks als Feind oder Gegenspieler gerechnet hätte, kann also wirklich keine Rede sein. Er hatte seine Vorkehrungen.

Ihre Gegenspieler auf der

Titanic


Du nun wieder, »Frankfurter Rundschau«!

In Deinem »FR-Shop« bietest Du ja allerlei Tinnef für echtes Geld an; Deine jüngste Empfehlung aber ist, wie Du selber bist: »Deutlich. Schärfer.« Buchstützen sind ohnehin etwas für Menschen, die nie lesen, hast Du Dir wohl gedacht und unter die »Stützen der Literatur – große Köpfe der Weltliteratur« neben Goethe und Simone de Beauvoir gleich mal die Venus von Milo und Albert Einstein gejubelt. Und dazu gehört eben schon sehr viel journalistische Schärfe. Oder sollten wir lieber sagen: Unbedarftheit?

Deine Weltliteraten von der

Titanic


Kerner!


Sie glauben wohl, wir lesen die Immobilienzeitung nicht. Tun wir aber doch: »Johannes B. Kerner wirbt für den Maklerberuf. Der Maklerverband IVD hat heute in Berlin den Start einer neuen Reihe von TV-Spots angekündigt, mit der das Image des Verbandsmaklers in der Öffentlichkeit positiv beworben werden soll. Als Sympathieträger hat sich der IVD den bekannten Fernsehmoderator Johannes B. Kerner gesichert. In dem einminütigen Spot wird die kurze Geschichte einer Wohnungsbesichtigung durch eine junge Familie erzählt. ›Am Ende kommt Herr Kerner durch die Tür und empfiehlt, vor Vertragsabschluß die Beratung eines kompetenten IVD-Maklers in Anspruch zu nehmen‹, heißt es in einer Pressemeldung des Bundesverbands« – und da, Kerner, wächst nun wirklich zusammen, was zusammengehört. Da kommt die Kretinkompetenz gewissermaßen durch die Tür!

Auf Ihre Spots für Tretminen und Anabolika wartet gespannt:

Titanic


Aber dafür, SPD,

daß Du zu den Landtags- und Bezirkswahlen im Stimmkreis Neumarkt lt. Mittelbayerischer Zeitung zwei sagenhaft einschlägige Herren aufgefahren hast: »Braun und Himmler treten für die SPD als Direktkandidaten an«, dafür danken Dir von Herzen Deine Seebacher Jungs auf der

Titanic


Hubertus Heil!

Sie haben die bleibende Aktualität sozialdemokratischer Forderungen betont: »Gäbe es die SPD nicht schon seit 150 Jahren, müßten wir sie jetzt gründen.« Womit über 150 Jahre SPD das Nötige gesagt wäre.

Ihre Historiker von der

Titanic


Bei Dir, Deutsches Klingenmuseum Solingen,

gibt es neuerdings »Erzähl mir was vom Tod – eine interaktive Ausstellung über das Davor und Danach« zu gucken, »eine Ausstellung für Menschen zwischen 8 und 99 Jahren, die im Kindermuseum FEZ Berlin in Kooperation mit den Frankeschen Stiftungen Halle konzipiert wurde und seit 2002 überaus erfolgreich und viel beachtet durch verschiedene Städte tourt«. Aber warum eine Ausstellung über den Tod? »Warum Kindern ein so schweres Thema zumuten? Dem Tod wird selten ein Platz im Leben eingeräumt, der Tod bleibt außen vor, wo Jugendlichkeit, Erfolg und Gut-drauf-Sein das Leben bestimmen. Fragen Kinder nach dem Tod und dem Sterben, liegt der Hamster auf einmal leblos im Käfig, ist der Opa auf einmal nicht mehr da, fühlen sich viele Erwachsene hilflos und wissen nichts zu sagen und zu tun.« Die Ausstellung »will sich diesem Tabu stellen, den Tod zurück ins Leben holen … In der Ausstellung ist das Selbertun gefragt: es gilt Aufgaben zu lösen, zu spielen, auszuprobieren, zu schauen und zu hören … Ausgestattet mit einem ›Reisepaß‹ geht es durch die Ausstellung, quasi auf die ›letzte Reise‹«, in deren Verlauf es natürlich auch darum geht, »Berührungsängste abzubauen. Die Reise führt in das sogenannte ›Bestattungsinstitut‹.«

Aber sag mal, Deutsches Klingenmuseum: Eine interaktive Ausstellung im Messermuseum, die den Tod durch Selbermachen ins Leben holen soll und Gut-drauf-Gutscheine fürs Begräbnis bereithält – ist das, pädagogisch gesehen, nicht ein sogenannter Stich ins Knie?

Fragen Deine Rütli-Schüler auf der

Titanic


Charlotte Knobloch!

Als Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland waren Sie schwer entrüstet darüber, daß Papst Benedikt der Viertelvorzwölfte eine Karfreitagsfürbitte mit dem schönen Titel »Für die Bekehrung der Juden« rehabilitiert hat, in der es heißt: »Laßt uns auch beten für die Juden, auf daß Gott unser Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus als den Retter aller Menschen erkennen.« Sie, Charlotte Knobloch, gaben dazu zwei Aussagen zu Protokoll, nämlich erstens: »Die Karfreitagsfürbitte impliziert eine subtile Aufforderung zur Judenmission« – aber: wieso denn »subtil«? Wieviel direkter hätten Sie’s denn gern? Und zweitens: »Gerade diesem deutschen Papst … hätte ich zugemutet, daß er aufgrund seines Alters das Diskriminieren des Judentums, die Ausgrenzung des Judentums kennengelernt hat.« Na eben, Frau Knobloch, na eben! Der Mann hat doch sein Handwerk noch von der Pieke auf gelernt. Gerade dieser deutsche Papst! Worüber, um Himmels willen, wundern Sie sich denn da?

Urbi et orbi:

Titanic


Daß, »Spiegel Online«,

Du Dich über gräßliche Filmplakate mokierst, kann man ja so hinnehmen, zumal wenn Du die Titel und Plakate bundesdeutscher Sexklamotten der 60er und 70er Jahre anprangerst: »Das spricht alle an, außer Frauen.«

Daß dies vielleicht auch auf die höchstästhetischen und abwechslungsreichen Spiegel-Titel zutreffen könnte, die zuverlässig zwischen ­Titten und Hitler gondeln, ist natürlich ausgeschlossen.

Spricht alle an:

Titanic


Liebe Christen!

Euren Vertretern hat das Osterprogramm im Fernsehen nicht gefallen. Mal abgesehen davon, daß sie ja jederzeit in eine fernsehfreie Kirche hätten gehen können, wundert uns diese Kritik schon, da sie ausgerechnet von Repräsentanten einer Religion geäußert wird, deren Gott die Menschheit gern mit globalen Katastrophen und lokalen Plagen abstrafte, in dessen Namen sein auserwähltes Volk wiederholt zur rücksichtslosen Vernichtung seiner Feinde aufbrach und der seine Verehrer immer noch durch detaillierte Androhungen jenseitiger Vergeltungsmaßnahmen moralisch bei der Stange zu halten versucht.

Warum der Herr Bräuer als Medienbeauftragter der Evangelischen Kirche den Film »Stirb langsam« als besonders »unpassend« empfand, leuchtet uns auch nicht ganz ein: Was könnte besser passen zu einem Fest, das darauf basiert, daß interessierte Kreise den angeblichen Gottessohn an ein Holzkreuz nageln und dort vergammeln ließen? Wenn der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, daraufhin von den Massenmedien mehr »soziale Verantwortung« fordert, können wir nur fragen, was er im christlichen Sinn lieber gesehen hätte: »Die Hard With a Vengeance«? Oder, noch österlicher: »Die Nacht der lebenden Leichen«? Und wenn schließlich der Ministerpräsident Oettinger mehr »Rücksicht auf die religiösen Gefühle« seiner Glaubensbrüder anmahnt, können wir nur um Gnade bitten: für die Restvernünftigen auf Eurer

Titanic


Fa. Lichtblick!

Danke für das Willkommens­geschenk, aber wie kommst Du ­alter Ökostromanbieter eigentlich auf die Idee, Deine Kunden hätten einen Mangel an ausgerechnet – Stoff-Einkaufsbeuteln?

Immer unter Strom:

Titanic


Guido Westerwelle!


Ihre vorbildlich folgenlose Forderung nach einer Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas, Öl und Strom haben Sie damit begründet, daß Ener­giekosten »der Brotpreis des 21. Jahrhunderts« seien – und Sie wollen, daß jeder, also wirklich jeder, einfach so Brot bekommt? Womöglich umsonst? Heißt das, Sie verlassen die FDP und fangen mit ­Ihrem Leben was Anständiges an?

Natürlich nicht. Denn wir wissen ja, wie die Westerwelles aller Jahrhunderte auf Klagen über den Brotpreis reagiert haben: Soll das Volk halt Kuchen essen!

Ihre Zuckerbäcker auf der

Titanic


Nun kommt Ihr, New Kids on the Block,

also auch wieder. Aber für wen? Die Mädels, die damals in Eure Konzerte kamen und sich von ihren Eltern begleiten lassen mußten, die können heute nicht mehr kommen, weil sie ihre Eltern pflegen müssen. Und die, die noch könnten, gehen mittlerweile zu den Flippers. Die fetzen mehr, man versteht ihre Texte, und außerdem haben sie zwischendurch nie Pause gemacht.

Wenn das im übrigen so weitergeht mit den Comebacks, die keiner braucht, müssen wir dann nicht bald auch mit Paul Anka rechnen, wie er alte Nirvana-Hits im Swing-Gewand vorträgt? Hm? Macht er schon?
Na, dann grüßt ihn mal von seiner und irgendwie auch Eurer

Titanic


Hallo, Klaus Puth!

Für den Eichborn-Verlag haben Sie ein Buch mit dem schönen Titel »Yoga für Kühe« gezeichnet. Ganz nett eigentlich, aber bevor Sie sich nun an »Tai-Chi für Katzen« oder »Feng Shui für Hausspinnen« setzen, erwarten wir mindestens ein »Kamasutra für Säue«.

Oink oink!

Titanic


Clemens Meyer!


Als hochtätowierter Carver-Epigonen-Epigone werden Sie mit Preisen beworfen und durchs Feuilleton gereicht, wo Sie allerhand unbequeme Dinge verkünden wie z.B., daß Sie bis mittags schlafen, auf Klagenfurt scheißen und Erfolge in Striplokalen feiern. Womit Sie natürlich auch noch in einer Liga mit Bukowski spielen. Wir sind auf jeden Fall beeindruckt und fragen uns, was Sie uns bislang an schwerauthentischem Losertum verheimlicht haben: Kann es sein, daß Sie manchmal zum Rauchen nicht vor die Tür gehen? Oder im Stehen pinkeln? Ein Auto fahren ohne Kat?

Verraten Sie’s besser nicht Ihrer

Titanic


Lieber Club Voltaire!

In Dir findet ja nicht nur allmonatlich der allseits hochgeschätzte TITANIC-Peak-Preview-Abend statt, sondern, wie Deinem Programmflyer zu entnehmen ist, auch allerhand weitere Aufklärung: »Filmkunstgespräch. Rosa von Praunheim: ›Todes­magazin oder: Wie werde ich ein Blumentopf?‹ Der Film handelt vom Tod, dem tabuisierten Teil des Lebens. Ähnlich wie den Sex versuchen wir, ihn zu ignorieren« – hast Du, lieber Club Voltaire, diese Deine Überzeugung vom allseits tabuisierten und ignorierten Sex zu verifizieren, in letzter Zeit mal ferngesehen? Zeitung gelesen? Oder überhaupt die Augen offengehabt? Oder meint das »wir« eher Dich und Deine Belegschaft? Aber müßtest Du dann nicht eigentlich »Club Schopenhauer« heißen?

So wirst Du doch nur Blumentopf!

Trotzdem schönste Grüße:

Titanic


Und, »Dresdner Morgenpost«!

Schlagzeilen sind ja Glückssache, aber diese hier: »Heiratsschwindler Ficker auf Entzug« samt der Bild­unterschrift »Heiratsschwindler Frank Ficker ist auf Entzug – und nicht wie geplant im Knast« und dem Artikel­einstieg »Der charmante Herr Ficker ist auf Entzug« – nein, wirklich: Davon können wir gar nicht genug kriegen!

Auf Entzug:

Titanic


Und wenn man, »FAZ«-Leser Dr. Josef Schönberger,

glaubt, es geht nicht mehr, kommt hundertpro ’ne Leuchte her: »Ich ­habe als Christ am Sonntag mit Muslimen Ostern und Nevruz ­gefeiert und ihnen Ihre Karikatur gezeigt«, eine von Greser&Lenz nämlich, die den von einem Turban- und Rübenbart­träger bedrängten Osterhasen abbildet. »Die Muslime und auch die Deutschen (!) waren tief getroffen. Einer der Muslime stand auf, nahm mich in den Arm, und wir weinten beide« –

ja. Bzw. man kann gar nicht soviel trinken, wie man da heulen möchte. Andererseits: sollte man in unseren psychiatrischen Einrichtungen die Tageszeitungen auch nicht einfach so herumliegen lassen!

Insofern Beileid:

Titanic


Bischof Reinhard Marx!

In Ihrem Interview mit der Bild am Sonntag wußten Sie nicht nur zu erzählen, daß der Teufel Nadelstreifen und Krawatte trägt und alles in allem wie ein Angestellter Friede Springers aussieht, sondern begründeten auch, warum die katholische Kirche die Ehe als Sakrament betrachtet: »Wir gewichten die Liebe zwischen Mann und Frau – gerade auch die sexuelle Liebe – als einen Ort, wo Gott dem Menschen begegnet.« Trotzdem gelte für katholische Priester weiterhin der Zölibat, weil Jesus ja schließlich auch ehelos gelebt habe. Und nach kurzem Nachdenken haben wir verstanden: Natürlich, Jesus muß zölibatär gelebt haben, denn wer will beim Vögeln schon jedesmal seinen Alten treffen?

Ihre Pastorentöchter auf der

Titanic


Dr. Andreas Thomas!

Sie sind Leser des Angeber-Perio­dikums Cicero, dessen Hauptbeschäftigung darin zu liegen scheint, Alt-68ern und sonstigen Ex-Linken eine Bühne für Reue und Anbiederung zu bieten, und das überhaupt als deutsches »Magazin für politische ­Kultur« bevorzugt der ­Landsleute Angst vor allem links des Seeheimer Kreises zum Thema hat; und haben gemäß dem alten Gesetz, wonach Leserbriefschreiber immer noch dümmer sind als das Blatt selbst, der Cicero-Redaktion mit diesen Worten gedankt: »Sie haben ja so recht. Es ist tatsächlich ein moralischer Skandal, daß die DDR-Sozialisten so wenige Jahre nach dem Fall der Mauer das Schicksal Deutschlands mitbestimmen. Man stelle sich einmal vor, die Nazis hätten in den sechziger Jahren eine ähnliche ­Hofierung erfahren.«

Sie haben ja so recht, Dr. Andreas Thomas! Man stelle sich tatsächlich mal vor, in den Sechzigern hätte es z.B. einen Bundespräsidenten gegeben, der an KZ-Bauplänen beteiligt war, und einen Zuarbeiter Goebbels’ als Kanzler! Und in den Fünfzigern einen anderen Bundespräsidenten, der für Hitlers Ermächtigungsgesetz gestimmt hat, und einen Staatssekretär im Kanzleramt, der die Nürnberger Rassegesetze kommentierte! Und in den Achtzigern einen Bundespräsidenten, der bei der Reiter-SA war – von allen anderen dürftig entnazifizierten Richtern, Würdenträgern und Unternehmern mal zu schweigen. Man hätte ja regelrecht rebellieren müssen!

Worin haben Sie eigentlich Ihren Doktor gemacht? So wie wir dieses Land kennen, wahrscheinlich in Geschichte, nicht wahr?

Mit deutschem Gruß:

Titanic


Liebe Küstenbesucher,

die Ihr in den zahlreichen Fernsehberichten über sogenannte »Off­shore-Windparks«, die in diverse Meere gebaut werden sollen, stets zu diesen Vorhaben befragt werdet und unisono mit großer Besorgnis über den schönen Ausblick klagt, der dann verlorenginge: Woran liegt es aber, daß Ihr bei dieser Erkenntnis fast immer vor Hotelklötzen oder Kurkliniken im Bunkerstil steht, gekleidet in Partner­look-Windjacken oder ähnlichen Mode­sünden, und überhaupt so ausseht, als wärt Ihr die letzten, von denen man sich ein ästhetisches Urteil über was auch immer wünscht?

Zieht doch einfach in die Nähe eines Atomkraftwerks! Raten die Windkraftfreunde von

Titanic


Sigmar Gabriel, altes Umweltwalroß!

Mit Ihrer Biospritidee sind Sie ja nun auf den Popo gefallen, weil, wie die Autobauer versichern, bis zu drei Millionen Autos mit einem Ethanolanteil von zehn Prozent nicht umgehen könnten – ob wir das glauben sollen? Mit zehn Prozent Alkohol im Blut kann doch heute jeder Zwölfjährige umgehen!

Mit Ihnen skeptisch:

Titanic




 
Titanic unterwegs
02.09.2010 CH-Basel, Cartoonmuseum
  Rudi Hurzlmeier und Oliver Maria Schmitt
03.09.2010 Berlin, Z-Bar
  Hauck&Bauer
03.09.2010 Frankfurt, Romanfabrik
  Anna Poth, Fischer, Gsella und Zippert
07.09.2010 Frankfurt am Main, Club Voltaire
  TITANIC-Peak-Preview

 Hans-Werner Sinn!

Als prominenter Gesichtspulloverträger und Präsident des Ifo-Wirtschaftsforschungsinstitutes erklärten Sie uns im Hörfunk-Interview ein weiteres Mal die unberechenbaren Kapriolen des Kapitals: »Das Kapital hat mittlerweile Angst, in Länder wie Portugal, Spanien, Irland zu gehen und dort zu investieren. Gut daran ist für uns, daß das Kapital bei uns bleibt. Statt daß wir Geld exportieren, damit andere unsere Autos und Maschinen kaufen, können wir jetzt selbst unsere Autos – äh, Autos haben wir schon genug – und Maschinen kaufen.«
Sinn, das ergibt aber nur dann einen solchen, wenn wir nicht auch schon genug Maschinen haben, oder?
Kleiner Hinweis: An Sprechmaschinen wie Ihnen mangelt’s uns keinesfalls.

Titanic

 Durs Grünbein!

Ihr jüngstes Werk (»Aroma. Ein römisches Zeichenbuch«) scheint es in sich zu haben, wenn man der Ankündigung des Verlagshauses Suhrkamp glauben darf: »Einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter der Gegenwart stellt sich in Vers und Prosa der Ewigen Stadt.« Und zwar so: »Aufblühen wird man hier, auch als kraut sich gern überlassen / dem wohligen Phototropismus. Der man im Norden war, / Dieser Eisblock Identität, Psyches Schneemann ist bald zerronnen« usw. usf.; Sie wissen ja selbst am besten, was Ihnen da wieder einmal von irgendwoher in die Feder geflossen ist. Bei aller Bewunderung für die Kühnheit, mit der Sie den zwar nicht wohlklingenden, aber doch »wohligen Phototropismus« in die deutsche Dichtkunst einführen, und bei allem Respekt vor der sportlichen Leistung, sich in Vers und Prosa einer Ewigen Stadt zu stellen, an der sich schon viele Eroberer von ganz anderem Format die Zähne ausgebissen haben – kurzum: Bei aller geheuchelten Hochachtung vor Ihrer lachhaften Großmannssucht läßt uns die Frage nicht los, was Sie als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter der Gegenwart wohl täten, wenn es keine Ewigen Städte zu bedichten gäbe, sondern nur, sagen wir mal: Pritzwalk. Oder Neu-Isenburg. Oder Hamm in Westfalen.
Städten dieses Kleinkalibers – es tut uns leid, Ihnen das so deutlich sagen zu müssen – wären Sie als Dichter nicht gewachsen. Aber dafür – kleiner Trost – können Sie immerhin so possierlich mit Riesengewichten aus Pappmaché jonglieren, daß es für Ihren Lebensunterhalt reicht. Und das ist ja auch was wert.
Weiterhin einen wohligen Phototropismus wünscht

Titanic

 Verehrte Nachrichtenagentur AP!

In der Bewertung von Sachverhalten müssen wir ja nicht immer übereinstimmen. Aber semantisch in Ordnung sollten Deine Meldungen doch sein. Bei Meinungsverschiedenheiten auf der Hamburger Schanze schriebst Du kürzlich: »Bei den Krawallen wurden zwölf Beamte von Flaschen getroffen und verletzt.« Das kann schon mal gar nicht stimmen, denn wenn die Demonstranten getroffen haben, dann können sie keine Flaschen sein.
Außerdem wäre ja mal interessant gewesen: Womit haben die eigentlich geworfen?
Immer genug Zielwasser an Bord:

Titanic

 Jungministerin Schröder!

Nun durften Sie also den berühmten Focus-Fragebogen ausfüllen und dort erklären, man könne Sie »so schnell in keine Schublade stecken« – was Ihre erstaunlich ausgefallenen Antworten auch beweisen: Sie werden angetrieben von der »Freude, etwas zu gestalten«, sehen gern die »Lindenstraße«, zappen weg bei »langweiligen politischen Talkshows«, und Ihre Lieblingsfigur in der Geschichte ist »Sophie Scholl«. Sie haben recht, Frau Schröder, solche Antworten liegen nicht in irgendeiner Schublade – die bekommt man direkt von der Stange. Aber dann, auf die Frage »Mit wem würden Sie gern einen Monat lang tauschen?«, sagen Sie doch etwas Interessantes: »Mit Frau Reich-Ranicki, damit ich mich mal richtig mit ihrem Mann unterhalten kann.« Und wissen Sie was, Kristina Schröder? Genau diesen alten Chauvi und cholerischen Mundverbieter wünschen wir uns manchmal ebenfalls herbei, wenn Sie das Wort ergreifen!
Grüße aus der unteren Schublade:

Titanic

 Huhu, Julia Roberts!

Allenfalls mäßig originell ist es, daß Sie sich nicht wie andere Prominente mit Kabbala, Pilates oder Scientology beschäftigen, sondern sich laut der amerikanischen Elle »dem hinduistischen Glauben angeschlossen« haben.
»Regelmäßig«, so erfahren wir dort, bewegen Sie also Ihre fünfköpfige Familie zum Singen und Beten zu einem hinduistischen Tempel, um im nächsten Leben »als ein ruhigeres und leiseres Wesen wiedergeboren zu werden«. Das ist zweifelsohne ehrenwert – aber warum warten und nicht einfach gleich zu Hause bleiben und die Schnüß halten?
Simplify your life c/o

Titanic

 Last man standing

Wenn ich wieder einmal meinen Schlüssel in der Wohnung vergessen habe, die Liebste in ebendieser Wohnung wieder einmal so tief schläft, daß sie mein Sturmläuten nicht hört, und ich, um das Unglück zu komplettieren, keine Übernachtungsalternative aufstellen kann, weshalb ich mir eine Nacht lang vor der Haustür die Beine in den Bauch stehe, dann ist das meine höchstpersönliche Art eines One-Night-Stands. Ist aber weniger aufregend, als es sich anhört.

Sebastian Klug

 My generation

»Hast du mal Ibsen gelesen?« – »Nö, dieses Känguruh fand ich total bescheuert. Und die Gimmicks waren eh nur was für Jungs.«

Tibor Rácskai

 Produktidentifikation

Nicht ungern schaue ich fremden Menschen in den Einkaufswagen und bilde mir Vorurteile über Wesen und Lebensweise dieser Menschen. Manchmal schweifen meine Gedanken beim Anblick des Kaufguts ins Philosophische. So wurde die alte Frage in mir wach, ob nun das Sein das Bewußtsein bestimme oder andersrum, als eine deutlich adipöse Frau neben zwei 1,5-Liter-Sixpacks Cola auch Küchenrollen der Marke »Dick&Durstig« dabeihatte.

Karsten Stölzgen

 Im Sportfernsehen

Freund zappt sich durch das nächtliche Programm, landet bei den »Sexy Sport Clips« auf DSF. Freundin neben ihm wird wach, im TV räkelt sich gerade eine halbnackte Blondine in einer Turnhalle unter einem Tennisnetz. Freundin: »Oh, sind schon wieder Paralympics?«

Ina Zone

 Meine Aura

Über diese modischen Yogi Tees mit ihren raunenden Klappentexten und fehlenden Bindestrichen schmunzle ich, aber sie schmecken gut. Neulich probierte ich den Aura Tee. Schon am der Tasse folgenden Tag trat eine Frau mit Esoterik-Hintergrund auf mich zu und teilte mir mit, sie betrachte gerade meine klar umrissene Aura – die im übrigen ziemlich gut aussähe. Jetzt denke ich darüber nach, doch auch mal den Frauen Fitness Tee zu probieren.

Tina Manske