Das endgültige Abtreibungsmagazin

Pflichtblatt für den Papst


 

Archiv



[März 2010]

Marcel Reich-Ranicki!
Club Aldiana!
Michael Spreng!
Lotto Rheinland-Pfalz!
Huhu, Ron Wood!
Oliver Bierhoff!
Sie, Bettina Röhl,
Sag mal, Weltgeist,
Ach, und übrigens, Bahn,
Und was, Herr General a.D. Naumann,
Hans-Ulrich Jörges!
Aber daß Du, Bahn,
Können Sie, Cemal San,
Na, Diekmann?
Eine, Uli Hoeneß,
Jürgen Rüttgers!
Sie dagegen, Dirk Schemmer,
Liebe Medien,
Helmut Markwort!



Marcel Reich-Ranicki!

In der FAS sagten Sie, Sie glaubten »an die nützliche Verwertung von Filmen und vor allem von Romanen auf der Bühne«, denn: »Ich habe Tolstoi, Dostojewskij, Balzac, Flaubert, Jane Austen, Fontane, Thomas Mann und viele andere Autoren gesehen, die dankbar an ihre Bühnenfassungen dachten.« Daß Sie, Reich-Ranicki, zu wissen glauben, was die Damen und Herren Autoren so gedacht haben, das nehmen wir unseretwegen stumm zur Kenntnis – aber daß Sie Tolstoi, Flaubert und Jane Austen noch »gesehen« haben? Die immerhin 1910, 1880 bzw. 1817 verstorben sind? Andererseits: Man ist ja immer so uralt, wie man sich fühlt! Gell? Greise Grüße:

Titanic


Club Aldiana!

Daß Kultur, Wellness und Sonnenschein nicht die Dinge sind, um die es beim Cluburlaub in erster Linie geht, hatten wir schon sehr stark vermutet. So offen wie Du mit Deinem Slogan »Urlaub unter Freunden« hätten wir es freilich kaum auszuplaudern gewagt.
Deine Freunde auf der

Titanic


Michael Spreng!

Sie waren bis zu Ihrem Rausschmiß im Jahr 2000 Chefredakteur der Bild am Sonntag, dilettierten als Edmund Stoibers Wahlkampfmanager und haben als »selbstständiger Medien- und Kommunikationsberater« offenbar jede Menge Zeit – zum Beispiel für Ihr sehr einfallsreich »sprengsatz« betiteltes »Politik-Blog aus Berlin«. Dort nämlich beglücken Sie Ihre Leser unter anderem mit der »Anekdote der Woche«, welche Sie stets als so unbequemen Journalisten wie grundsympathischen Superchecker ausweist.
So erfahren wir von irrwitzigen Pannen (»Das beste Kohl-Interview habe ich übrigens in der Vorweihnachtszeit  1975 in Mainz geführt … Als ich nach Bonn zurückkam, stellte ich fest, daß das Tonband nicht funktioniert hatte«), rührenden Männerfreundschaften (»Per du bin ich noch mit Volker Rühe als Ergebnis einer feucht-fröhlichen Nacht beim Medienpreis in Baden-Baden, mit Laurenz Meyer seit unserer gemeinsamen Wahlkampfzeit 2002, sowie mit Ex-Kanzleramtsminister Friedrich Bohl und dem heutigen Verteidigungsminister Franz Josef Jung«), liebenswerten Lausbubenstreichen (»Herold liebte seine Computer geradezu und so forderte er mich bei einem Besuch im BKA auf, die Leistungsfähigkeit seiner Computer doch einmal auszuprobieren. Ich ließ die Namen zweier ehemaliger Schulfreunde eingeben, die schon zu meiner Schulzeit ganz linksaußen standen...«) oder auch Ihrem exzellenten Standing in der Medienwelt: »Als Edmund Stoiber mich zu seinem Wahlkampfmanager berief, telefonierte er am Vorabend der offiziellen Vorstellung mit Friede Springer … Als ich ihn fragte, wie Frau Springer auf seine Entscheidung reagiert habe, berichtete er mir, sie habe über mich gesagt: ›Guter Mann, aber schwierig‹. Ein schöneres Kompliment kann eine Verlegerin einem Journalisten kaum machen« – zumal, wenn sich dessen Output auf eitelste Ranschmeißereien an die Charaktermasken der Macht beschränkt, gell?
Es grüßen die guten, unkomplizierten Männer der

Titanic


Lotto Rheinland-Pfalz!

Als Co-Sponsor des SV Mainz 05 preist Du Dich selber von den Reklametafeln herab an, und zwar als »Partner aus Überzeugung«. Ach ja, wirklich? Heißt das, daß Dir massenträchtige PR eher weniger bedeutet? Spricht da also Dein soziales Herz, das die Förderung von jungen Talenten in den Vordergrund stellt? Und die Finanzen, wenn überhaupt, spielen nur eine untergeordnete Rolle? Bist Du gar ein Zentrum nonkonformistischen Denkens, das den ollen neoliberalen Brei für ganz ganz gefährlich hält? Gar eine verdeckte Denkfabrik, die die ersten Schritte zur Weltrevolution vorbereitet?
Na dann, auf zum letzten Gefecht:

Titanic


Huhu, Ron Wood!

Ihr Kampf gegen den Alkoholismus hat Sie also in die Londoner Reha-Klinik »The Priory« geführt, und Sie haben es dort wie lange ausgehalten? Genau eine Stunde! Und diesen Umstand hat »ein Freund« womit begründet? »Er hat sich für den kalten Entzug entschieden.«
Daß damit aber »on the rocks« gemeint ist, darauf schwört rollenden Stein und Bein:

Titanic


Oliver Bierhoff!

Schon klar, daß so ein mit allen Marketingwassern gewaschener Entscheidertyp und echter Top-Fußballmanager wie Sie sich nicht vorrangig über den sportlichen Erfolg definiert: »Wenn man auch einmal überlegt, was wir in den vergangenen sechs Jahren erreicht haben – nicht nur sportlich, sondern auch, was das Image der Nationalmannschaft betrifft: Die Image-Werte der DFB-Elf waren noch nie so gut wie jetzt«, verrieten Sie dem Manager-Magaz…, Quatsch, nein: »Eurosport«.
Aber, Bierhoff, alte Reizfigur, haben Sie schon mal überlegt, wie sich die Image-Werte der Nationalmannschaft noch signifikant steigern lassen? Wir hatten da an eine Neupositionierung der Marke Bierhoff im wahlweise osteuropäischen, südostasiatischen oder gerne auch südamerikanischen Raum gedacht.
Ihre Marketing-Koryphäen auf der

Titanic


Sie, Bettina Röhl,


sind unter der eindrucksvollen Versammlung von Vollpfosten, die da für die Welt den Bereich »Debatte« bestreiten, zweifelsfrei die Königin. Immerhin haben Sie es geschafft, eine veritable Journalistenlaufbahn mit nur einer einzigen Zahl zu bestreiten. Denn »der 68er-Mainstream hat das Land fest im Würgegriff«, vertreten durch die »68er-Renegaten« natürlich, aber gerade auch »durch die jüngeren Nachläufer, die oft nicht einmal zu wissen scheinen, daß das, was sie reden, ›68‹ ist, und die deswegen auch die geistig-moralisch-politischen Alternativen zum Kosmos 68 nicht erkennen und solche gar für unmöglich erachten«; selbstverständlich auch durch die »medialen 68er-Oligarchen«, die sich sozusagen nur in eine schwarz-gelbe Mimikry begeben haben und damit die aktuelle Regierung an die Macht brachten: »Das müssen Merkel und Westerwelle offenbar noch erst schmerzhaft erkennen, daß sie nicht aus eigener Kraft an die Macht gelangt sind, sondern wegen eines konservativen Intermezzos des nach wie vor unumstritten herrschenden 68er-Mainstreams, der sich jeden Tag chamäleonartig weiter entwickelt.« Was besonders bemerkenswert auch deshalb ist, weil genau jenes 68er-Lager also, das erst Rotgrün und jetzt Schwarzgelb an die Macht brachte, »niemals wirklich mehrheitsfähig war, aber dennoch politische Mehrheiten mit medialer Macht organisieren konnte«. Und so auch den armen Guido Westerwelle »mit seiner politischen Korrektheit« steuert, der »ein stromlinienförmig mitschwimmender 68er durch und durch« ist, obwohl ihm womöglich gar nicht klar ist, daß »der Mainstream ein pop-linker Post-68er-Mainstream ist« usw. usf.
Wir chamäleonartigen pop-linken Post-68er-Mainstreamer aber möchten, nachdem wir ja gerade erfolgreich die Regierung ausgewechselt haben und deshalb kurz mal Zeit haben, auch Ihnen ein kleines Intermezzo gönnen und Ihnen ermöglichen, ein einziges Mal etwas Zutreffendes von sich zu geben. Also: Wieviel ist 100 minus 32? Na? Also!
Überhaupt keine Ursache:

Titanic


Sag mal, Weltgeist,

nach den kürzlich bekannt gewordenen Mißbrauchsfällen am jesuitischen Canisius-Kolleg in den siebziger Jahren hast Du einen der beiden beschuldigten Geistlichen seine Karriere an einem Kolleg in Sankt Blasien fortsetzen lassen. Soweit unwidersprochen solide Arbeit. Den zweiten jedoch zur weiteren Jugendpflege nach Göttingen zu versetzen spricht nicht gerade für übermäßige Einsatzfreude. War denn in Hinterzarten keine Stelle mehr frei?
Fragt mal vorsichtig:

Titanic


Ach, und übrigens, Bahn,

passierte es im unerwarteten Schneechaos der letzten Monate oft, daß Deinen Zügen plötzlich Waggons fehlten. Mal fehlte Waggon Nummer 13, mal Nummer 23, dann plötzlich die 7 oder die 5. Nun ist so ein Waggon ja auch nur ein Mensch, und wie oft verlieren oder vergessen Menschen irgendwelche Dinge! Solltest Du, werte Bahn, aber auf die Idee kommen, all die Dir abhanden gekommenen Waggons einmal suchen zu wollen, dann reichen wir Dir gerne einen Tip weiter. Er stammt vom Zugchef des ICE, der am 31. Januar von Hamburg-Altona nach Stuttgart fuhr und uns per Durchsage wissen ließ: »Unser Zug verkehrt heute ohne Wagen sechs. Wagen sechs ist uns leider in Eidelstedt abhanden gekommen.« Also los: Such in Eidelstedt, liebe Bahn! Und wenn die Waggons dort nicht stehen – vielleicht gibt’s ja irgendwo in Eidelstedt ein schwarzes Loch, das direkt zum Bermudadreieck führt. Moin moin:

Titanic


Und was, Herr General a.D. Naumann,

werfen Sie da in der Süddeutschen der kriegsskeptischen Frau Käßmann vor? »Sie zeigt den gläubigen Soldaten keine Alternative auf, sondern speist die Mitglieder der Truppe mit einer Worthülse ohne Substanz ab.« Aber Herr General! Ohne für das bigotte Bibelhuhn eine Lanze brechen zu wollen: Macht sie da nicht einfach nur ihren Job? Für die Substanz sind doch Sie und die übrigen Herren von der Generalität zuständig: »Alle Mann an die Waffen uuuuund: Feuer!« Also: Wälzen Sie das nicht auf andere ab.
Rühren:

Titanic


Hans-Ulrich Jörges!

Wie wir dem Stern entnommen haben, machen Sie sich Sorgen um die Zukunft des Fernsehkonzerns ProSiebenSat.1 Media AG, den sie von ausländischen »Heuschrecken« bedroht sehen. Und deshalb haben Sie ein Machtwort gesprochen: »Publizistische Verantwortung und Leidenschaft sind nun gefragt, Interesse am Medium Fernsehen. In Deutschland gibt es nur eine Adresse, die ProSiebenSat.1 auffangen könnte – und hoffentlich noch will: der Axel Springer Verlag.« Denn man weiß ja, daß publizistische Verantwortung das A und O für Springers Angestellte ist, und sei es die Verantwortung für den Tod des einen oder anderen Opfers Ihrer Berichterstattung, nicht wahr, Herr Jörges?
Als Medienpolitiker sind Sie jedenfalls die Wucht in Tüten: »Springer sollte einen neuen Anlauf unternehmen, rasch. Und die Berliner Koalition sollte ihn politisch absichern, durch eine Ministererlaubnis, und sei es unter strengen Auflagen, um die Einwände von Kartellamt und Medienaufsicht zu umgehen. Gefordert wäre Rainer Brüderle, der Wirtschaftsminister. Er brauchte Mut. Die Heuschreckenplage aber lieferte ihm die besten Argumente.« Und zwar frei Haus aus der Stern-Chefredaktion. Wenn Sie so weitermachen, Herr Jörges, dann besorgen wir uns die Ministererlaubnis für ein Entmündigungsverfahren.
Unser Interesse am Medium Jörges wäre damit aber fürs erste befriedigt.

Titanic


Aber daß Du, Bahn,

Dich nach all der Kritik jetzt scheint’s aus dem Kerngeschäft zurückziehst und es im investigativen Journalismus versuchst: »Sehr geehrter Herr ***, wir haben zum Thema ›Mobilität‹ recherchiert und dabei für Sie Brisantes gefunden: Ihre BahnCard 50 läuft aus«, nein, das klingt uns nicht nach zweiter Karriere. Denn Du weißt ja: Nichts ist so alt wie die mit mehrstündiger Verspätung eingetroffene Nachricht von vorgestern! Brisant-kollegiale Grüße:

Titanic


Können Sie, Cemal San,

uns vielleicht verraten, wer für die bei »Kanal D Homevideo« erschienene DVD Ihres Films »Zeynep’in Sekiz Günü« die tollen deutschen Untertitel fabriziert hat? Denn wenn ein Mann einer Frau nach einer gemeinsam verbrachten Nacht eine Abschiedsnotiz auf dem Nachttisch hinterläßt, dann behilft er sich im Deutschen eher selten mit Sätzen wie »Ich küsse von Deinen obszönen Plaetzen«. Und das ist schade, denn irgendwie klingt das verdammt poetisch. Küßt entflammt zurück:

Titanic


Na, Diekmann?

Blog beendet? Zurück im Tagesgeschäft? Samt »intelligenter Agitation, Witz und Ironie«, mittels deren Sie sich laut Jörg Thomann (FAS) »neu erfunden« haben, »und Bild ein bißchen mit«? Hört sich ganz so an: »Betrugsrekord mit 165000 Fällen – So wird bei Hartz IV abgezockt« (Bild, 3.2.), ja, so klingt der neue Diekmann, der »an Pippi Langstrumpf erinnert: lustig, frech und scheinbar harmlos, doch tatsächlich das stärkste Mädchen der Welt« (FAS).
Und das, wir erinnern uns, war ja immer schlecht in Plutimikation: »Wo immer es um Geld geht, wird betrogen. Nach der Bilanz der Nürnberger Behörde scheinen dies die Hartz-IV-Empfänger kaum zu tun. Die Mißbrauchsquote liegt offiziell unter zwei Prozent« (Süddeutsche Zeitung) – und wenn wir, Kai, altes Arschgesicht, uns den Glückwünschen der Großpresse da anschließen dürfen: Intelligenter als Sie hat Goebbels auch nicht agitiert. Denn wo immer es um Geld geht, na, Sie wissen’s eh.
Lustig, frech und scheinbar harmlos grüßt

Titanic


Eine, Uli Hoeneß,

»Fehlentscheidung« sei es gewesen, »eine der größten« gar, die Fußball-WM der Herren 2010 nach Südafrika zu vergeben, teilten Sie bei einem Empfang im Münchener Rathaus der Weltöffentlichkeit mit: »Ich war nie ein großer Freund einer WM in Südafrika oder überhaupt auf dem afrikanischen Kontinent, solange Sicherheitsaspekte nicht zu 100 Prozent geklärt sind.« Denn Schwarze und Sicherheit – wie soll das auch gehen? Wie gut, daß Sie statt dessen optimistisch in die Zukunft schauen: »Wir sind daran interessiert, daß die Spiele nach München kommen. Ich glaube – das hat man bei den Sommerspielen von 1972 gesehen – der Stadt stünden Olympische Winterspiele extrem gut zu Gesicht.« Richtig, Hoeneß! Olympische Spiele in München – das zeigten die Sommerspiele von 1972 – werden ja weltweit geradezu als Synonym für zu 100 Prozent geklärte Sicherheitsaspekte verstanden, gelle?
The games must go on:

Titanic


Jürgen Rüttgers!

Als frischgebackener »Ordensritter wider den tierischen Ernst« bedankten Sie sich bei den Jecken des Aachener Karnevalsvereins mit einer Büttenrede, die auf dem Running Gag beruhte, daß man Ihnen bei der Ausübung Ihrer karnevalistischen Amtspflichten als NRW-Ministerpräsident, egal um welche Tages- oder Nachtzeit und quasi stündlich, Pils und Frikadellen anbieten würde. Als sich einige Nörgler beschwerten, sie hätten diese Rede in den vergangenen Jahren bereits des öfteren zu hören bekommen, ließen Sie Ihre Staatskanzlei trutzig dagegenhalten, es sei »nicht unüblich, gelungene Passagen aus früheren Vorträgen neu zu verwenden. Wichtig ist, daß die Menschen Freude am Auftritt haben.« Und damit, Rüttgers, haben Sie durchaus Erfahrung! Denn Ihre »Rumänen-sind-arbeitsscheues-Gesindel«-Rede haben Sie im letzten Bundestagswahlkampf ja auch überall wiederholt, wo es geboten schien, dem rechtsradikalen Affen Zucker zu geben (Duisburg, Münster usw.), und sie ist immer wieder bombig angekommen, nicht wahr? Wichtig ist schließlich nur, daß die nordrhein-westfälischen Menschen Freude am Auftritt haben – Freude daran, daß die Rumänen und übrigen faulen Neger sich anständig ärgern und wieder wissen, wo der Hammer hängt. Nicht umsonst wird der Orden des Aachener Karnevalsvereins »für Humor und Menschlichkeit im Amt« vergeben. Wie tobte der Saal in Aachen nach Ihrer Rede? »Zugabe! Zugabe!«
Schon wahnsinnig gespannt auf die wiederaufgebratenen verschimmelten Rüttgersfrikadellen im NRW-Wahlkampf:

Titanic




Sie dagegen, Dirk Schemmer,

sind Immobilienmakler und haben sich als erster im Raum Freiburg zertifizieren lassen, Ihren Worten zufolge ein »hervorragendes und vor allem unabhängiges ›Gütesiegel‹ für die Qualität« Ihrer Arbeit – denn die »Zertifizierung dokumentiert meine Fachkenntnis sowie meine soziale und persönliche Kompetenz«. Ach, Schemmer! Hätten Sie einen Beruf, möchte, was Sie anführen, hingehen. Als Makler müssen Sie lediglich entschlossen sein, Mietern und Wohnraumkäufern soviel wie möglich an »Courtage«, »Gebühr« oder »Provision« wegzunehmen. Wird allzuviel »Gütesiegel« diese charakterliche Stärke nicht mindern? Sorgt sich:

Titanic


Liebe Medien,

Eure Begeisterung für die Rettung von Menschenleben und die auflagensteigernde Wirkung von Naturkatastrophen in allen Ehren, aber paßt nur auf, daß Euch Eure Überschwenglichkeit nicht noch in Bedrängnis bringt. Drei Tage nach dem Erdbeben in Haiti beschert der Überlebende Paul Derlice der Berliner Morgenpost »Ein Wunder mitten in der Katastrophe«. Als nach fünf Tagen wieder vier Menschen aus den Trümmern gerettet werden, ruft »Euronews« verzückt »Das Wunder von Haiti« aus. Überglücklich findet nach sieben Tagen schließlich selbst die Süddeutsche »Ein Wunder in den Trümmern«. So daß der 23jährige Wismond, der ganze elf Tage verschüttet war, für bild.de denn auch lediglich schon »Wieder ein Wunder« ist, die Kollegen von »n-tv« hingegen ihre Wunder chronologisch zu sortieren beginnen und Wismonds Schicksal kurzerhand zum »Wunder am elften Tag« degradieren.
Abgesehen davon, daß das wahre Wunder doch darin bestand, daß trotz internationaler »Soforthilfe« nicht einmal die Speisung der Fünftausend richtig zu funktionieren schien – was werdet Ihr denn nun titeln, wenn ein findiger Messias Wasser in Wein verwandelt, die nächste Auferstehung ansteht oder Deutschland einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen kann?
Über »Das Mega-Wunder« oder »Das Jahrtausend-Wunder« wäre jedenfalls kein bißchen verwundert:

Titanic


Helmut Markwort!

Zu Ihrem Abgang als Chefredakteur des Focus fragte die FAZ Sie, ob Sie denn »zagend« gingen, also irgendwie unentschlossen oder um die Zukunft bangend, worauf Sie antworteten: »Der Focus ist und bleibt mein Baby, auch wenn ihn andere wickeln. Er ist ja auch längst erwachsen geworden.« Mensch, Markwort, alter Faktenhuber! Wissen Sie denn auch, wie man Erwachsene nennt, die noch gewickelt werden müssen? Inkontinent.
Und viel besser hätte Ihr »Baby« auch nicht charakterisieren können:

Titanic


 
  • 15.03.:

    Das Fernost-Blog Farorientalism über Christian Y. Schmidt, der überhaupt nicht nervt, und sein aktuelles Buch.

Titanic unterwegs
15.03.2010 Jena, Romantikerhaus
  Leonhard, Julian und Rudi Hurzlmeier
15.03.2010 Frankfurt, Klabunt
  Hans Zippert
17.03.2010 Hildesheim, Vier Linden
  Max Goldt
17.03.2010 Mainz, Kunsthalle
  Jürgen Roth

 Marcel Reich-Ranicki!

In der FAS sagten Sie, Sie glaubten »an die nützliche Verwertung von Filmen und vor allem von Romanen auf der Bühne«, denn: »Ich habe Tolstoi, Dostojewskij, Balzac, Flaubert, Jane Austen, Fontane, Thomas Mann und viele andere Autoren gesehen, die dankbar an ihre Bühnenfassungen dachten.« Daß Sie, Reich-Ranicki, zu wissen glauben, was die Damen und Herren Autoren so gedacht haben, das nehmen wir unseretwegen stumm zur Kenntnis – aber daß Sie Tolstoi, Flaubert und Jane Austen noch »gesehen« haben? Die immerhin 1910, 1880 bzw. 1817 verstorben sind? Andererseits: Man ist ja immer so uralt, wie man sich fühlt! Gell? Greise Grüße:

Titanic

 Club Aldiana!

Daß Kultur, Wellness und Sonnenschein nicht die Dinge sind, um die es beim Cluburlaub in erster Linie geht, hatten wir schon sehr stark vermutet. So offen wie Du mit Deinem Slogan »Urlaub unter Freunden« hätten wir es freilich kaum auszuplaudern gewagt.
Deine Freunde auf der

Titanic

 Michael Spreng!

Sie waren bis zu Ihrem Rausschmiß im Jahr 2000 Chefredakteur der Bild am Sonntag, dilettierten als Edmund Stoibers Wahlkampfmanager und haben als »selbstständiger Medien- und Kommunikationsberater« offenbar jede Menge Zeit – zum Beispiel für Ihr sehr einfallsreich »sprengsatz« betiteltes »Politik-Blog aus Berlin«. Dort nämlich beglücken Sie Ihre Leser unter anderem mit der »Anekdote der Woche«, welche Sie stets als so unbequemen Journalisten wie grundsympathischen Superchecker ausweist.
So erfahren wir von irrwitzigen Pannen (»Das beste Kohl-Interview habe ich übrigens in der Vorweihnachtszeit  1975 in Mainz geführt … Als ich nach Bonn zurückkam, stellte ich fest, daß das Tonband nicht funktioniert hatte«), rührenden Männerfreundschaften (»Per du bin ich noch mit Volker Rühe als Ergebnis einer feucht-fröhlichen Nacht beim Medienpreis in Baden-Baden, mit Laurenz Meyer seit unserer gemeinsamen Wahlkampfzeit 2002, sowie mit Ex-Kanzleramtsminister Friedrich Bohl und dem heutigen Verteidigungsminister Franz Josef Jung«), liebenswerten Lausbubenstreichen (»Herold liebte seine Computer geradezu und so forderte er mich bei einem Besuch im BKA auf, die Leistungsfähigkeit seiner Computer doch einmal auszuprobieren. Ich ließ die Namen zweier ehemaliger Schulfreunde eingeben, die schon zu meiner Schulzeit ganz linksaußen standen...«) oder auch Ihrem exzellenten Standing in der Medienwelt: »Als Edmund Stoiber mich zu seinem Wahlkampfmanager berief, telefonierte er am Vorabend der offiziellen Vorstellung mit Friede Springer … Als ich ihn fragte, wie Frau Springer auf seine Entscheidung reagiert habe, berichtete er mir, sie habe über mich gesagt: ›Guter Mann, aber schwierig‹. Ein schöneres Kompliment kann eine Verlegerin einem Journalisten kaum machen« – zumal, wenn sich dessen Output auf eitelste Ranschmeißereien an die Charaktermasken der Macht beschränkt, gell?
Es grüßen die guten, unkomplizierten Männer der

Titanic

 Lotto Rheinland-Pfalz!

Als Co-Sponsor des SV Mainz 05 preist Du Dich selber von den Reklametafeln herab an, und zwar als »Partner aus Überzeugung«. Ach ja, wirklich? Heißt das, daß Dir massenträchtige PR eher weniger bedeutet? Spricht da also Dein soziales Herz, das die Förderung von jungen Talenten in den Vordergrund stellt? Und die Finanzen, wenn überhaupt, spielen nur eine untergeordnete Rolle? Bist Du gar ein Zentrum nonkonformistischen Denkens, das den ollen neoliberalen Brei für ganz ganz gefährlich hält? Gar eine verdeckte Denkfabrik, die die ersten Schritte zur Weltrevolution vorbereitet?
Na dann, auf zum letzten Gefecht:

Titanic

 Huhu, Ron Wood!

Ihr Kampf gegen den Alkoholismus hat Sie also in die Londoner Reha-Klinik »The Priory« geführt, und Sie haben es dort wie lange ausgehalten? Genau eine Stunde! Und diesen Umstand hat »ein Freund« womit begründet? »Er hat sich für den kalten Entzug entschieden.«
Daß damit aber »on the rocks« gemeint ist, darauf schwört rollenden Stein und Bein:

Titanic

 Darum auch so bekömmlich

In der Frankfurter Gaststätte Mosebach stritt man zu später Stunde wieder einmal über die anthropologisch grundierte und hochideologisierte Frage, warum denn der Mensch so gerne Bier trinke. »Man trinkt’s so gerne«, sprach mit einem Mal und wie erleuchtet der angesehene Experte Tom Hintner und beendete die Debatte damit jäh, »weil es mit seinen 4,8 Prozent den natürlichen Alkoholgehalt des menschlichen Blutes hat.«

Mark-Stefan Tietze

 CO² gespart

Am Vorabend unserer Reise nach Hamburg zogen wir noch einmal durch die Münchener Kneipen. Die letzten Biere waren wohl nicht mehr gut gewesen, denn große Teile unserer achtköpfigen Gruppe litten auf der Hinfahrt unter immensem Stuhl- und Harndrang. Von den gesammelten Sanifair-Bons konnten wir locker den Treibstoff für die Rückfahrt zahlen. Ergebnis: eine großartige Öko-Bilanz – denn der Kleinbus fuhr ja quasi mit Ausscheidungen.

Helge Möhn

 Das Selbst wird ergänzt

Von symbolischer Selbstergänzung spricht man in der Psychologie z.B., wenn ein BWL-Student, der danach strebt, ein erfolgreicher Manager zu werden, sich mit typischen Managersymbolen, etwa einer Rolex oder einem überbordenden Terminkalender, ausstaffiert. In dieselbe Rubrik fällt auch der unentdeckte Maler, der sommers wie winters mit Künstlerschal herumrennt. Die Psychologie will außerdem herausgefunden haben, daß diese Symbole dem unfertigen Selbst tatsächlich helfen können, seine Ziele zu erreichen. Ich bezweifle allerdings, daß mich als kleinen Schreiberling, der gern ein großer Schriftsteller wäre, so eine waschechte Schreibblockade wirklich weiterbringt.

Friedrich Krautzberger

 Machtmissbrauch

Für Nachrichtenredakteure hat so ein drohendes Wetterchaos durchaus seine guten Seiten: Wenn man Freitagnachmittag ordentlich Panik mit Schneewehen und Glatteis macht, parkt man Samstagfrüh bei Ikea in der ersten Reihe.

Thomas Kuhlmann

 Ex aspera ad astra

Das Außergewöhnliche an außerkörperlichen Erlebnissen, sogenannten AKE, ist in meinen Augen nicht, daß die betroffenen Personen sich von ihrer materiellen Realisierung lösen und in einen rein spirituell-geistigen Bewußtseinszustand übertreten, in dem sich der eigene Körper mit frappierender Klarheit von außen betrachten läßt. Das mag zwar so sein. Wenn ich allerdings im alltäglichen Raum-Zeit-Kontinuum diejenigen Personen, welche notorisch von solchen AKE faseln, unter die Lupe nehme, finde ich es bemerkenswert, daß auch nur eine dieser Personen nach Beendigung ihres AKE freiwillig in ihre verwahrloste irdische Hülle zurückkehrt.

Theobald Fuchs